WM: Sport trifft SWR

Erstellt: Freitag, 06. Juli 2018

Ähnliches FotoBaden-Baden (proh). Einer Einladung von SWR, Landessportverband Baden-Württemberg und Landessportbund Rheinland-Pfalz zur Veranstaltung "Sport trifft SWR" im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft ist Oberbürgermeisterin Margret Mergen gefolgt. Dabei konnte die OB auch einen Blick hinter die Kulissen der Fernsehproduktion zur Fußball-WM 2018 werfen. Neben einer Präsentation zur "Sportberichterstattung im SWR" gab es eine Gesprächs- und anschließende Diskussionsrunde mit namhaften Sportgrößen zum Thema "Alles nur Fußball?! - Der deutsche Volkssport Nr. 1 und die Folgen für andere Sportarten".

Im SWR-Funkhaus steht das gemeinsame Übertragungszentrum von ARD und ZDF.  Bisher war es üblich, dass ARD und ZDF ihre Studios bei einer Weltmeisterschaft im Land des Ausrichters aufbauen. Bei der WM in Russland arbeitet ein Großteil der öffentlich-rechtlichen Teams in Baden-Baden. Hier wird die Live-Übertragung aus den zwölf WM-Stadien gesteuert, hier gehen Moderatoren und Experten auf Sendung. 

Diese schlanken Strukturen senken entsprechend auch die Kosten für weitere Übertragungen und bieten die Möglichkeit, die aufwändige Technik fest zu installieren. Die zu erzielenden Einsparungen wären auch ein Beitrag zur Sicherung des öffentlich rechtlichen Rundfunks. Laut Aussage des SWR Intendanten Peter Boudgoust arbeiten die Rundfunkanstalten daran, ihre Wirtschaftlichkeit weiter zu erhöhen. Das wäre ein guter Beitrag, nicht nur des SWR, sondern aller Anstalten, um dieses Vorhaben auch umzusetzen.

Sport ist nicht nur Fußball und die SWR-Sportredaktion ist schon sehr multimedial - diese Botschaft nahmen die rund 60 Verbands- und Vereinsvertreter sowie Spitzensportler aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aus Baden-Baden mit, wo sich die in einem weltmeisterlichen Umfeld präsentierte. Das Übertragungszentrum in Baden-Baden ist durch 45 schnelle Bildleitungen mit den Stadien und dem deutschen WM-Quartier in Russland verbunden. Kernstück des Studios ist eine 10,80 Meter lange und 2,70 Meter hohe Video-Leinwand. Sie zeigt hochauflösende Bilder im Hintergrund, auch wenn die Kamera ganz nah an die Moderatoren und Experten heranfährt. Täuschend echt können Spieler und Mannschaftsaufstellungen virutell eingeblendet werden.

Stadtrat Werner Henn begrüßte die Überlegungen der ARD- und ZDF- Verantwortlichen, in Zukunft sogenannte Sendezentren für Großereignisse zu installieren. Die Erfahrung zeige, dass mit der Einrichtung des nationalen Sendezentrums von ARD und ZDF schon beim FIFA Confederations Cup 2017 viel Geld gespart, Kompetenzen gebündelt und Entscheidungs- und Produktionswege optimiert würden.

Man sollte die jetzigen Investitionen auch im Hinblick auf weitere sportliche Großveranstaltungen nutzen und das nationale Sendezentrum in Baden-Baden beibehalten. Es ist nicht nur produktionstechnisch optimal dafür ausgelegt, sondern auch mit dem nötigen hochqualifizierten Personal ausgestattet. Dazu kommt die sehr gute Infrastruktur der Stadt und auch die räumliche Nähe zum ZDF nach Mainz. 

Die Übertragungen der Fußball WM laufen reibungslos aus dem neuen SWR Zentrum in Baden-Baden, sehr zur Freude und Zufriedenheit aller Beteiligten. „Das ganze Umfeld stimmt hier, von der guten Erreichbarkeit per Bahn, Auto und Flugzeug bis zu den hervorragenden Übernachtungsmöglichkeiten. Der SWR hat bewiesen, und das schon seit 1993, dass auch eine erfolgreiche Kooperation mit dem ZDF möglich ist, als Kooperationspartner von 3sat und arte“, so Werner Henn.

Die exklusive Führung durch das WM-Studio war der beeindruckende Auftakt zur ersten Veranstaltung "Sport trifft SWR". In der anschließenden Diskussionsrunde begegnete Harald Dietz, der Sportchef des SWR, der Kritik, im Fernsehen sei nur Fußball zu sehen, mit Fakten: 2016 habe der Fußball nur 25 Prozent der gesamten Sportberichterstattung im Ersten betragen. Manchmal sei es besser, mit einem kurzen Bericht in die Fernsehnachrichten (SWR Aktuell) zu kommen, ergänzte Moderator Michael Antwerpes. Diese Nachrichtensendungen würden von bis zu einer Million Menschen gesehen werden - das seien die Topsendungen im SWR.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann sagte, je mehr Gewicht der Fußball auf der einen Seite bekomme, desto schwieriger sei es für andere Sportarten, auf sich aufmerksam zu machen. Der ehemalige Fußballspieler Hörmann zeigte aber auch Verständnis für die TV-Anstalten. Wenn die Sender vertragliche Verpflichtungen eingingen, um die begehrten Rechte zu bekommen, dann hätten sie auch Pflichten einzuhalten.

Kritisch zur Entwicklung des Fußballs äußerte sich der Präsident des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg, Fritz Keller. Es gäbe ja nun sogar eine tägliche Fußballzeitung eines großen Verlages, die jeden Tag über jeden Verein berichten müsse, "da steht 90 Prozent Mist drin", so Keller. Allerdings hätten Verbände heute doch auch die Chance über Social-Media-Kanäle "die Kids" zu erreichen. Und je attraktiver sich eine Sportart mache, desto weniger könnten TV-Anstalten irgendwann an ihr vorbeigehen."

SWR-Sportchef Harald Dietz warb bei den Vereinen und Verbänden um bessere und verlässlichere Informationen und Hintergrundgeschichten. Der Leichtathletik sei es gelungen, "neue Gesichter" hervorzubringen, deshalb werde auch sehr viel Leichtathletik gezeigt. Außerdem nutze der SWR immer öfter die Möglichkeiten der Live-Übertragungen im Internet. 

Zum Abschluss der Veranstaltung nutzte OB Mergen die Gelegenheit, sich mit den Teilnehmern intensiv auszutauschen. Sie vergaß dabei auch nicht, allen Akteuren, die während der viereinhalbwöchigen Weltmeisterschaft im zentralen SWR-Studio im Einsatz sind sowie dem Team um SWR-Sportchef Harald Dietz dafür zu danken, dass der Name Baden-Baden Tag für Tag so vielfach und positiv in die Welt getragen werde.

"Das ist natürlich beste Werbung für unsere Stadt - und das macht uns auch sehr stolz!", so die OB abschließend. Schon beim FIFA Confederations Cup 2017 hatte Margret Mergen das Sendestudio beim SWR besucht und sich von der hohen Qualität des SWR-Standorts Baden-Baden und der Kreativität der Mitarbeiter überzeugt.

NACHTRAG (16.07.2018)

Mit einem Besuch beim SWR vor dem Endspiel der Fußball-WM haben sich für die Stadt, den Gemeinderat und die gesamte Stadtverwaltung Bürgermeister Roland Kaiser, Stadtrat Werner Henn und Mathias Trui, Abteilungsleiter Werbung und PR bei der Baden-Baden Kur & Tourismus (BBT), bei den Programmverantwortlichen im SWR-Sendezentrum Baden-Baden mit einem Präsentkorb der BBT bedankt.

„Wir alle waren von der überragenden technischen Qualität und optischen Aufmachung angetan und haben uns über jede Erwähnung unserer Stadt gefreut“, zeigte sich Sportbürgermeister Roland Kaiser begeistert. „Die Namensnennung war natürlich keine Vorgabe, aber das gesamte ARD-Team, inklusive der Experten und Moderatoren, hat sich sehr wohl in der Kurstadt gefühlt und auch vom ZDF habe ich nichts Negatives gehört“, erwiderte Harald Dietz, der ARD-WM Teamchef.

Die kleine Delegation bedankte sich auch bei allen Verantwortlichen, „die dazu beigetragen haben, den Produktionsstandort SWR Baden-Baden in einem guten Licht bei den Zuschauern erscheinen zu lassen“, so Stadtrat Werner Henn. „Die vielen Nennungen von Baden-Baden an jedem Spieltag waren ein unbezahlbarer touristischer Mehrwert für uns“, so Mathias Trui.

„Nicht nur die Zuschauer, auch die Kollegen des ZDF aus Mainz und unsere Promigäste waren sehr angetan von der Professionalität aller Mitarbeiter und des Erscheinungsbildes der Stadt“, ergänzte Thomas Wehrle, der Programmchef für Fernsehen und Onlinedienste. Damit geht ein Modellversuch zu Ende, der mit aufwändigen technischen Neuheiten bewiesen hat, dass man Großveranstaltungen nicht nur vor Ort, sondern auch aus einem gemeinsamen Sendezentrum von ARD und ZDF hervorragend durchführen kann. Darauf können der SWR und die Stadt Baden-Baden stolz sein.

WM & FIFA & Politik

Elf Prozent der Deutschen wollen laut einer repräsentativen Studie die Fußball-Weltmeisterschaft nicht verfolgen. Große Sportereignisse wie Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Olympische Spiele werden von den Befragten generell als überdurchschnittlich korrupt wahrgenommen und das Image der FIFA verschlechtert sich weiter. Deshalb sollten Politiker sich mit WM-Besuchen aufgrund der Instrumentalisierung zurückhalten - auch und vor allem der politischen. Dies sind zwei der zentralen Ergebnisse zum Themenkomplex "WM & Politik" einer Fußball-WM-Studie 2018 der Universität Hohenheim: 

"Obwohl die Instrumentalisierung der WM kritisch gesehen wird, gehen mehr als ein Viertel der Befragten davon aus, dass die WM die politischen Außenbeziehungen Russlands (zum Beispiel durch Besuche internationaler Politiker) verbessern kann. Jeder Fünfte nimmt an, dass sich die Fußball-WM langfristig positiv auf die wirtschaftliche Lage auswirken wird und knapp 34 % glauben, dass sich die Infrastruktur verbessern wird", berichtet der Initiator und Leiter der Studie, Prof. Dr. Markus Voeth. 

"Große Sportereignisse wie Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Olympische Spiele werden von den Befragten generell als überdurchschnittlich korrupt wahrgenommen. Der Grad der politischen Instrumentalisierung und der Grad der Korruption hinge nach Auffassung der Deutschen vom Gastgeberland, den Sportfunktionären und der Sportart ab. Im Fußballgeschäft sehen sie vor allem hohe Gehälter und die bezahlten Transfersummen, aber auch den Vergabeprozess der Weltmeisterschaft kritisch", bilanziert der Fachmann. 

siehe auch: 

WM-Bauch oder -Kopf?

Feiern der Fußball-WM 2018

(Quelle: StVwBAD/UNI.hohei/HIN)