Verdiente Ehrung für Tony

Erstellt: Freitag, 11. Mai 2018

"Die Ehrenbürgerschaft meiner Heimatstadt Baden-Baden macht mich überaus glücklich." Foto: pierre rohBaden-Baden (pierre roh). Zum 75. Geburtstag von Tony Marshall benannte die Stadt Baden-Baden eine ⇒ Rosenzüchtung und den Tony-Marshall-Weg nach ihm - und nun, zu seinem 80. Geburtstag, wurde dem prominenten Bürger die Ehrenbürgerwürde verliehen: Oberbürgermeisterin Margret Mergen überreichte am 11. Mai 2018 den Ehrenbürger-Brief. "Dies in meinem Alter noch miterleben zu dürfen, diese wunderbare Ehrung, die Sie mir haben zuteil werden lassen, erfüllt mich mit Stolz", so der Sänger während einer Feierstunde. "Das haut auch den Tony um", ließ der Künstler bereits zuvor durch seine Pressesprecherin mitteilen.

Der Name Tony Marshall, am 3. Februar 1938 in Baden-Baden als Herbert Anton Bloeth geboren, ist aus der Entwicklung der Schlagergeschichte nicht wegzudenken. Es sind seine Lieder, wie zum Beispiel "Schöne Maid", die den "Gutelaune Faktor" unverblümt etablierten.

Der auf dem tahitianischen "Nau Haka Taranga" basierende Millionenseller wurde von der "Stimmungskanone der Nation" erstmals im April 1971 im Kurhaus Baden-Baden präsentiert und avancierte innerhalb kürzester Zeit zum deutschen Volksgut, ist aus den Bierzelten nicht wegzudenken. Und Marc Marshall erinnerte sich daran, wie sein Vater über Nacht "Eigentum des Volkes" wurde: Der Tony eben.

Bei seinen Konzerten kommt Tony Marshall seitdem nicht umhin "Schöne Maid" zu singen. "Schöne Maid und Bora Bora sind die meist gewünschten Titel auf meinen Konzerten", so Tony Marshall. "Es ist  mir bis heute nicht gelungen, diese Titel nicht zu bringen." Weltweit verkaufte sich "Schöne Maid" bisher weit über drei Millionen Mal und die in englisch aufgenommene Version "Pretty Maid" war ein veritabler Number-One-Hit in Australien.

Die Verbreitung der polynesischen Musik, darunter auch seine Aufnahme 1978 von "Bora Bora", führte dazu, dass er von den Einwohnern des südpazifischen Atolls Bora Bora zum 30. Jubiläum des Liedes die Ehrenbürgerschaft angeboten bekam. Somit ist die Ehrenbürgerschaft Baden-Baden bereits die zweite, die Tony Marshall erhielt.

Die Stadt Baden-Baden hatte in der Zeit von 1811 bis heute 30 Persönlichkeiten die Ehrenbürgerwürde  verliehen - er ist jetzt der 31. Ehrenbürger. Als musikalischer Botschafter und großer Künstler habe er sich weltweit einen Namen gemacht und sich stets zu seiner Heimatstadt bekannt, begründete Oberbürgermeisterin Margret Mergen die Entscheidung des Gemeinderats in nicht öffentlicher Sitzung.

Auf seinen weltweiten Tourneen u.a. durch Australien, Japan, Südafrika, Kanada und die USA rührte er immer wieder die Werbetrommel für seine Heimatstadt. "In Baden-Baden bin ich geboren" sang er bereits 1973. Der Gemeinderat hatte die Entscheidung zur Ehrung zudem mit den langjährigen und zahlreichen Verdiensten des examenierten Opernsängers sowie seiner beispielhaften Lebensleistung begründet. 

"Der Gemeinderat der Stadt Baden-Baden verleiht Herrn Tony Marshall in Würdigung seiner vielfältigen Verdienste als musikalischer Brückenbauer das Ehrenbürgerrecht Baden-Baden", erklärt Oberbürgermeisterin Margret Mergen. Nun stehe er als Ehrenbürger in einer Reihe mit Fürst Otto von Bismarck, Ferdinand Graf von Zeppelin, Konrad Adenauer, dem Kunstmäzen Frieder Burda sowie dem Komponist und Dirigenten Pierre Boulez.

Tony Marshall fühlte sich mit besonderem Stolz erfüllt, was er auch in seiner Dankesrede auszudrücken wusste: "Zu Beginn der Veranstaltung dachte ich einen Augenblick ich wäre in Hollywood bei der Oscar-Verleihung oder in Berlin bei der Berlinale oder in Cannes bei den Filmfestspielen. Das reicht alles nicht um das zu ersetzen, was ich hier an Zuneigung und an Liebe durch meine Familie und die wunderbaren Worte erfahren durfte." 

Es erscheine ihm, als hätte Fortuna alles über ihn ausgeschüttet, was sie zur Verfügung habe. "So viel Glück kann man in einem Leben eigentlich gar nicht erfahren und schon gar nicht ertragen. Und jetzt - mit 80 Jahren - dies alles noch miterleben zu dürfen, die wunderbare Ehrung, die Sie mir zuteil haben werden lassen. Gefühle habe ich immer schon gehabt, sie auch in der Musik gelebt - und Freundschaften bin ich auch oft eingegangen." Manchmal habe das aber nicht so richtig geklappt.

"Aber wenn ich jetzt hier so in den Kreis schaue, muss ich sagen: Auch das schätze ich und das macht mich sehr, sehr glücklich." Einen besonderen Dank zollte er auch seiner Frau Gabriele, "die mir jetzt schon 65 Jahre an der Seite steht - trotz der Berg- und Talfahrten, die es in jeder Ehe gibt. Das ist in meinem Beruf ziemlich einmalig", erzählt er sichtlich bewegt und zeigte unverhohlen an diesem Ehrentag seine Freude.

2004 feierte Tony Marshall sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. 2005 spielte er im Frankfurter Volkstheater seine Traumrolle, die des Tevje im Musical "Anatevka" mit Helene Fischer als eine seiner Töchter, und 2008 die des Papageno in der Zauberflöte. Als Alfred Doolittle stellte Tony Marshall 2012 in Altusried erneut sein Können als Sänger und Schauspieler im Musical "My Fair Lady" unter Beweis.

2015 gab er bei den Burgfestspielen Alzenau die Oma Rosie im Musical "Eine Hochzeit zum Verlieben". Mit Rap-Gesang und amüsanten Tanzeinlagen begeisterte Tony Marshall das Publikum. "Ich habe für mich alles erreicht", sagt Tony Marshall nicht ohne Stolz, und "die Ehrenbürgerschaft meiner Heimatstadt Baden-Baden macht mich überaus glücklich". Im Februar 2018 veröffentlichte er eine neue CD mit dem Titel ⇒ "Senioren sind nur zu früh geboren", sein vorerst letzter musikalischer Höhepunkt. Wer weiss, was noch alles zu erwarten ist.

Eine Überraschung ist zumindest sicher: Tony ohne Toupet. "Ich bin  so in meine Karriere hineingeboren und wollte meine Fans nicht enttäuschen - sie sollten immer den fröhlichen Lockenkopf erleben. Aber jetzt mit 80, das habe ich immer schon gesagt, kommt das Ding runter." Es könne jedoch durchaus sein, dass er den "Otto" irgendwann wieder aufziehe, "wenn es gewünscht wird".

Im Moment lagern die etwa 30 Toupets noch im Schrank - aber er verspricht ein Freudenfeuer, in das die ganze künstliche Haarpracht hineingeworfen werden soll. Ändern wird das an seiner positiv unterhaltenden Art nichts, er ist und bleibt eine Stimmungskanone.

"Je älter ich werde, desto mehr Zeit habe ich um zu lachen - und das ist eigentlich die beste Medizin für uns alle. So bin ich, so war ich und so werd' ich immer bleiben", verspricht er frohgemut - und trotz zweieinhalbjähriger Alkoholabstinenz werde er sich zur Feier des Tages ein Glas Champagner genehmigen.

siehe auch ⇒ Tony Marshall Stiftung  
 

Gemeinsam mit seiner Tochter Stella gründete Tony zum Ausklang des letzten Jahrtausends die Tony Marshall Stiftung, die zum einen die Entwicklung neuer Wohn- und Beschäftigungsformen fördert - zum anderen  in die Errichtung und Ausstattung von Einrichtungen der Behindertenhilfe investiert. 

 

(Quelle: HIN)