NEU statt sanieren

Erstellt: Donnerstag, 22. November 2018

Karlsruhe (proh). Der Kreistag hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, den Hauptsitz der Kreisverwaltung in der Beiertheimer Allee 2 in Karlsruhe nicht zu sanieren und stattdessen die Baukörper durch Neubauten zu ersetzen, die zugleich mehr Nutzfläche als bisher bieten. Teilflächen des Grundstücks können dadurch zusätzlich für eine Wohnbebauung zur Verfügung gestellt werden. Das Gremium ermächtigte die Verwaltung, mit der Stadt Karlsruhe in Gespräche zur Vorbereitung eines städtebaulichen Wettbewerbs einzutreten.  

Der ursprünglich für das Badenwerk gebaute Gebäudekomplex besteht aus Hochhaus, Lang- und Zwischenbau, Kasinogebäude sowie Tiefgarage und wurde 1965 in Betrieb genommen. Er ist seit 1997 im Eigentum des Landkreises. Nach über 50 Jahren intensiver Nutzung bedürfen alle Gebäudeteile bis hin zur Fassade sowie alle technischen Einrichtungen einer umfangreichen Generalsanierung.

Die Gebäudehülle befindet sich, ebenso wie der Innenausbau und die Gebäudetechnik, weitgehend im Originalzustand. Um das Gebäude zu ertüchtigen, hätte es völlig entkernt werden müssen. Nur noch das "Gerippe" wäre übrig geblieben. Dies hätte auch nach Einschätzung des Landesdenkmalamtes zum Erlöschen der Denkmaleigenschaft geführt. Das Gremium favorisierte statt einer umfangreichen Sanierung, eine dreistufige Variante.

In einem ersten Schritt soll der Langbau abgetragen und neben dem bestehenden Hochhaus ein neues Hochhaus mit zusätzlichen Nutzflächen und Tiefgarage gebaut werden. In einem zweiten Schritt soll dann das bestehende Hochhaus abgetragen werden. Im dritten Schritt soll zusätzlich Wohnbebauung auf dem Grundstück realisiert werden.

Diese Lösung traf auf breite Zustimmung, weist sie doch mehrere Vorteile auf: Sie ermöglicht zusätzliche Nutzflächen, die für den eigenen Bedarf verwendet oder an Dritte vermietet werden können, sie vermeidet teure Interimslösungen für die am Standort arbeitenden 730 Mitarbeiter während der Bauzeit, ermöglicht eine moderne und zukunftsfähige Büroinfrastruktur und mit einer Neuordnung der Baukörper können Flächen freigestellt werden, die für eine zusätzliche Wohnbebauung zur Verfügung gestellt werden kann.

Sven Weigt bezeichnete die gefundene Lösung zwar nicht als die beste, jedoch als die eindeutigste der vorgeschlagenen Möglichkeiten. "Die Fraktion freut sich auf die große Herausforderung und darauf, attraktive Arbeitsplätze zu schaffen", so Weigt im Namen der CDU-Fraktion. Deshalb plädierte Jürgen Wacker von der FDP auch dafür, Handwerksbetriebe aus der Region zu beauftragen, die sich "mit dem Projekt identifizieren" könnten.

Die Freien Wähler vertreten die Meinung, dass durch den Neubau ein "Denkmal in der Stadtmitte" errichtet werde. "Zudem bieten die geplanten zusätzlichen Flächen die Möglichkeit, einzelne Standorte des Landratsamtes wieder zusammenzuführen", sagte Johannes Arnold. Auch die SPD-Fraktion begrüße ein Haus, in dem zumindest die einzelnen Standorte des Landratsamtes "perspektivisch wieder vereint" werden.

Eine erste grobe Kostenschätzung geht von einer Gesamtsumme von ca. 100 Millionen Euro aus. Die Kosten sind in der zehnjährigen Finanzplanung des Landkreises bereits berücksichtigt. Christine Geiger von den Grünen bemängelte die große Verschwendung von Ressourcen, wenn "man bedenke, dass das jetzige Hochhaus nach nur 55 Jahren nicht mehr saniert werden könne".

Der Landrat kündigte in der Kreistagssitzung zudem an, dass bereits Gespräche mit der Stadt zur Durchführung eines städtebaulichen Wettbewerbs geführt wurden. Ein solcher sei auch deshalb angezeigt, weil die Stadt das in ihrem Eigentum stehende benachbarte Grundstück ebenfalls in die weiteren Überlegungen mit einbeziehen will. Der städtebauliche Wettbewerb soll im Jahr 2019 durchgeführt werden.

(Quelle: RPK/HIN)