Reparieren oder wegwerfen?

Erstellt: Donnerstag, 11. Oktober 2018

(proh). Den kaputten Staubsauger reparieren oder einen Neuen kaufen? Die Waschmaschine nach zehn Jahren gegen eine Effiziente austauschen? Den defekten Kühlschrank auf den Recyclinghof oder zur Reparatur bringen? Das Öko-Institut beantwortet in einer ausführlichen Daten- und Faktensammlung Grundsatzfragen zur Langlebigkeit und Reparatur von elektrischen Haushaltsgeräten. Wichtigste Empfehlung: Aus ökologischer Sicht lohnt es mit wenigen Ausnahmen immer, defekte Haushaltsgeräte reparieren zu lassen und sie so lange wie möglich zu nutzen.

Eine Reparatur spart Energie und Ressourcen, die für die aufwändige Herstellung neuer Produkte nötig sind. Ob sich eine Reparatur aus finanziellen Gesichtspunkten lohnt, hängt vom konkreten Gerät, der Höhe der Reparaturkosten und seinem Alter ab. Bei einem Neukauf sollten Verbraucherinnen und Verbraucher stets qualitativ hochwertige Produkte bevorzugen - sie haben in der Regel eine lange Lebensdauer und sind damit aus Umweltsicht und in vielen Fällen auch finanziell vorteilhafter.

"Die Energieeffizienz von zahlreichen Geräten hat sich, vor allem aufgrund der europäischen Richtlinien zum Energielabel und zum Ökodesign, in den letzten Jahren deutlich verbessert", sagt Siddharth Prakash, Experte für nachhaltigen Konsum am Öko-Institut.

"Da zukünftig keine großen Energieeffizienzsteigerungen zu erwarten sind, können Konsumentinnen und Konsumenten nur dann zum Klima- und Ressourcenschutz beitragen, wenn Sie in hochwertige und langlebige Geräte investieren und defekte Geräte reparieren lassen." Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann.

Konkrete Rechenbeispiele für fünf Produktkategorien

Um sie bei dieser Entscheidung zu unterstützen, haben die Expertinnen und Experten des Öko-Institut konkrete Empfehlungen für Waschmaschinen, Kühl- und Gefriergeräte, Spülmaschinen, Wäschetrockner und Staubsauger zusammengestellt. So sollten beispielsweise effiziente Waschmaschinen, und Wärmepumpenwäschetrockner möglichst lang genutzt werden, ggf. mithilfe von Reparaturen.

"Bei anderen Geräten wie Kühlschränken hängt die Frage "Reparieren oder Austauschen" von den Energieeffizienzklassen des alten und des neuen Modells bzw. von ihrem Alter ab" erklärt Ina Rüdenauer, Expertin für Haushaltsgeräte am Öko-Institut. "Aus Umweltsicht lohnt sich bei Geräten, die bis zum Jahr 2000 gekauft wurden oder Energieeffizienzklasse B oder schlechter aufweisen, sogar ein vorzeitiger Ersatz, wenn sie durch ein neues Gerät der Energieeffizienzklasse A++ oder besser ersetzt werden. Bei Kühlschränken der Effizienzklasse A++ und A+++ lohnt sich der Ersatz derzeit ökologisch nicht. Bei einem Defekt sollten sie repariert werden, um die Nutzungsdauer zu verlängern".

Laut Öko-Institut muss die europäische Politik und Gesetzgebung deutlich mehr Anstrengungen unternehmen, um die Rechte und Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher zu stärken, damit sie aktiv zur Förderung von langlebigen und reparaturfreundlichen Produkten beitragen können. Dazu gehört unter anderem, bessere Rahmenbedingungen für Reparaturen zu schaffen, Mindestanforderungen an die Haltbarkeit und Qualität von Produkten zu formulieren und die rechtlichen Instrumente, wie Gewährleistung und Garantien zu verbessern, um Obsoleszenz entgegen zu wirken.

Ein Jahr "Repair Café" in Bühl

Die Frage ist immer dieselbe, seitdem das "Repair Café" vor einem Jahr an den Start gegangen ist: "Kann man das noch reparieren?" Bei rund 70 Prozent aller defekten Alltagsgegenstände ist das der Fall, sagt Hans-Dieter Spicker. Er ist der Koordinator des "Repair Cafés", das von der Gruppe "Bürger unterstützen Bürger" in Kooperation mit dem städtischen Fachbereich Bildung - Kultur - Generationen getragen wird.

An die 15 ehrenamtliche Helfer kümmern sich alle paar Wochen an einem Samstagnachmittag im Kinder- und Familienzentrum (Kifaz) mit viel Geduld, Geschick und Fachwissen um defekte Alltagsgegenstände. Immer mit dem Ziel, die Gegenstände wieder zu flicken, zu kleben, zu nähen oder auszubessern. Im Schnitt verzeichnet das "Repair Café" pro Öffnungstag 15 bis 20 Aufträge.

"Es werden auf der ganzen Welt Unmengen weggeworfen. Auch Gegenstände, an denen nicht viel kaputt ist und die nach einer einfachen Reparatur problemlos wiederverwendet werden könnten", erklärt Spicker den Hintergrund des Angebots. Das "Repair Café" möchte zu einer Mentalitätsveränderung beitragen. Dies sei auch dringend nötig, "wenn wir für eine nachhaltige Gesellschaft eintreten wollen", betont Spicker.

Der nächste Öffnungstermin des Bühler "Repair Cafés" ist am 13. Oktober von 14.00 bis 17.00 Uhr, eingebettet in die dritte Internationale "Repair-Café-Woche" vom 13. bis 21. Oktober. Mit dieser wird gefeiert, dass die Einrichtung "Repair Café" seit neun Jahren besteht.

Am 18. Oktober 2009 organisierte Martine Postma in Amsterdam das allererste Reparaturtreffen unter diesem Namen. Inzwischen gibt es ungefähr 1'600 "Repair Cafés" in 33 Ländern, verteilt über sechs Kontinente. Weitere Infos und Anmeldung der zu reparierenden Gegenstände für den 13. Oktober bei Bettina Fröhlich, Telefon (0 72 23) 93 54 01.


"Reparieren oder neu kaufen? Fragen, Antworten und Tipps für ein langes Leben von Elektrogeräten im Haushalt", FAQ des Öko-Instituts (https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/FAQ-Langlebigkeit-elektronische-Produkte.p...)

"Welche Rechte habe ich, wenn ich mein Produkt länger nutzen möchte?", Hintergrundpapier des Öko-Instituts zu Verbraucherrechten (https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/FAQ-Langlebigkeit-2-Verbraucherrechte.pdf)

Infografik "Wann sich ein Austausch aus Umweltsicht lohnt - Geräte länger nutzen oder vorzeitiger Ersatz durch energieeffiziente Geräte" des Öko-Instituts (https://www.flickr.com/photos/oekoinstitut/30301304237/in/album-7215767436565360...)

(Quelle: OEKO.de/HIN)