Tarifvertrag bei Ryanair?

Erstellt: Dienstag, 09. Oktober 2018

(joER). Die Mitglieder des SPD-Gewerkschaftsrates unter Leitung der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles und des DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann verurteilen das Vorgehen des Ryanair-Managements in der Tarifauseinandersetzung mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern des Unternehmens. Dazu wurde auf der gestrigen Sitzung folgende Resolution verabschiedet: Der SPD-Gewerkschaftsrat erklärt sich solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen in der Tarifauseinandersetzung bei Ryanair.

Die Tarifautonomie, das Streikrecht und die Mitbestimmung sind zentrale Grundlagen unserer sozialen Marktwirtschaft und unseres sozialen Rechtsstaates. Wir nehmen es nicht hin, dass das Unternehmen Ryanair den Beschäftigten wesentliche soziale Rechte vorenthält. 

Der Billigflieger zieht wohl auch aufgrund der zahlreichen Streiks Maschinen aus Deutschland ab. "Alle betroffenen Kunden wurden benachrichtigt. Der Großteil der Strecken wird fortgeführt", teilte Sprecher Robin Kiely mit. Die Gewerkschaft Verdi warf der Airline vor, die Verlegung sei "ein Vergeltungsschlag" für die jüngsten Streiks.

"Wir fordern Ryanair auf, diese Entscheidung sofort zurückzunehmen und nicht die Existenz der Beschäftigten zu bedrohen", teilte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle mit. An beiden Standorten hätten sich viele Beschäftigte an den Warnstreiks beteiligt.  "Die Drohung von Ryanair kann nur als Reaktion auf den Streik gewertet werden", hieß es auch bei der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC).

Das Verhalten des Unternehmens sei nicht akzeptabel und diene dazu, die Piloten unter Druck zu setzen. "Anstatt konstruktiv zu verhandeln, werden die Mitarbeiter mit Standortschließungen und damit Versetzung und Kündigung bedroht", sagte VC-Vizepräsident Markus Wahl.

Ryanair, als eines der großen Luftfahrtunternehmen Europas, hat auch an seinen deutschen Standorten bislang sowohl Tarifverträge als auch betriebliche Interessenvertretungen aktiv verhindert. Entsprechend schlecht ist die Bezahlung und die Arbeitsplätze sind durch Leiharbeit sowie Befristungen sehr unsicher.

Die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter von Ryanair machen nun in den letzten Wochen und Monaten von ihrem Recht Gebrauch, sich gewerkschaftlich in ver.di zu organisieren. Das gemeinsame Ziel: ein Tarifvertrag für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen - auch durch Arbeitskampfmaßnahmen.

Das Management reagiert darauf mit der Disziplinierung von Kolleginnen und Kollegen durch Sanktionen, mit Drohungen von Kündigungen und sogar mit Standortschließungen. Es übt massiv Druck aus, um die Beschäftigten bei der Ausübung ihrer Rechte einzuschränken. Die Schließung des Standortes Bremen, die vom Unternehmen mit den vorhergehenden Arbeitskampfmaßnahmen begründet wird, ist ein neuer Höhepunkt auf der Eskalationsskala.

Die Mitglieder des SPD-Gewerkschaftsrates verurteilen das Vorgehen des Ryanair-Managements scharf. Gewerkschaftliche Organisation und Streikmaßnahmen sind fundamentale Rechte der abhängig Beschäftigten. Wer in Deutschland Geschäfte macht, der hat sich an die Regeln unseres sozialen Rechtsstaates zu halten.

SPD fordert von Ryanair:

Nehmen Sie die Standortschließung in Bremen zurück und zeigen Sie den Betroffenen in Abstimmung mit der Gewerkschaft Perspektiven auf. Jedenfalls ist ein Sozialtarifvertrag zu verhandeln. 

Verhandeln Sie mit der Gewerkschaft ver.di einen Tarifvertrag für gute Löhne und gute Arbeit für den Gesamtkonzern. Der soziale Kompromiss ist Grundlage für wirtschaftlich erfolgreiches Handeln.  

Verhindern Sie nicht länger betriebliche Interessenvertretungen auf dem Niveau von Betriebsräten. Die betriebliche Mitbestimmung ist fester Bestandteil der sozialen Kultur in unserem Land.

(Quelle: verdi/SPD/HIN)