Verkehr forciert Klimawandel

Erstellt: Freitag, 21. September 2018

(joER). Klimaschutz erfordert endlich wirksame Maßnahmen: Klimaneutrale Kraftstoffe, Schienenausbau und ÖPNV-Verdopplung "Der Verkehrssektor liefert noch keine Beiträge zum Klimaschutz – das muss sich dringend ändern," forderte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann, MdL, bei der Vorstellung der Studie "Verkehrsinfrastruktur 2030 – ein Klimaschutzszenario für Baden-Württemberg" 2018 in Brüssel. "Ansonsten werden wir künftig noch viel heißere Sommer als diesen erleben."

"Die größten Stellschrauben für Klimaschutz und zur Dekarbonisierung des Verkehrs liegen bei der Europäischen Kommission und beim Bund. Wenn wir das Auto klimaschonender machen wollen, brauchen wir ambitioniertere CO2-Flottengrenzwerte, leichtere und hocheffiziente Fahrzeuge und Tempolimits. Wir müssen auch die Mineralölindustrie in die Pflicht nehmen.

Für den Kraftstoffverbrauch sollte eine Erneuerbaren-Quote gelten, die technologieneutral ist. Ob die bisherigen Ölkonzerne dann auf Strom für Elektroautos, Re-Fuels (synthetische Kraftstoffe auf Basis erneuerbarer Energien) oder einen Mix setzen, sollte der Markt entscheiden", so Minister Hermann weiter.

Der Einladung zur Veranstaltung "Verkehrsinfrastruktur 2030 – ein Klimaschutzszenario für Baden-Württemberg" folgten rund 100 Teilnehmer. Das Klimaschutzszenario und seine Wirkungen auf die Infrastruktur sowie wirksame Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr waren Ausgangspunkt der Diskussion um notwendige Maßnahmen, die es ermöglichen, die anspruchsvollen Ziele des Klimaschutzabkommens von Paris zu erreichen, zu denen sich auch Deutschland verpflichtet hat.

Werden die Ziele nicht erreicht, drohen Deutschland neben den Klimaveränderungen auch drastische Ausgleichszahlungen für CO2-Zertifikate. Die Kernbotschaft von Verkehrsminister Hermann lautet: "Die Klimaziele sind noch erreichbar. Sie erfordern jedoch weit mehr Investitionen in die Schieneninfrastruktur als von der Europäischen Union und vom Bund vorgesehen und eine Verdopplung des Öffentlichen Verkehrs in den Städten und Regionen. Auch hier brauchen wir die Unterstützung der EU und vom Bund."

Die Bundesregierung hat 2016 in ihrem "Klimaschutzplan 2050" erstmals ein Sektorziel für die CO2-Reduktion von 40 bis 42 Prozent bis zum Jahr 2030 gegenüber dem Jahr 1990 vorgegeben, bis heute aber noch keine Maßnahmen benannt oder gar umgesetzt. Auch die EU bleibt mit ihren Vorschlägen zu Flottengrenzwerten deutlich hinter dem aus Klimaschutzsicht erforderlichen Niveau zurück.

Hermann weiter: "Die gute Nachricht ist: Unsere Mobilitätsbedürfnisse könnten weiter auf hohem Niveau befriedigt werden, nur auf andere, umweltfreundliche Weise. Unser Klimaschutz-Szenario zeigt aber auch, dass ÖPNV-Angebotsverbesserungen allein nicht zu weniger Kfz-Benutzung führen." Es brauche eine intelligente Mischung aus neuen attraktiven Angeboten, preislichen Steuerungsinstrumenten und ein generelles Umdenken.

So müsste auch in Baden-Württemberg der Trend zu immer größeren, schnelleren und schwereren Autos hinterfragt werden. Ein SUV ist kein für Städte geeignetes Fahrzeug, der Pick-Up erst recht nicht. "EU und Bundesregierung müssen die Rahmenbedingungen zugunsten nachhaltiger Mobilität und Klimaschutz verbessern. Und sie müssen endlich mit der Umsetzung anfangen!", betonte Hermann.

Michael Cramer, Europaabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen ergänzt: "Die Europäische Kommission muss aber auch als Hüterin der Verträge bestehende Regelungen, die von den Mitgliedsstaaten mitbeschlossen wurden, konsequent durchsetzen. Ohne eine Veränderung der Mobilität werden wir den Klimawandel nicht stoppen können."

Minister Hermann stellt Eckpunkte für Klimaschutz im Verkehr vor

Minister Winfried Hermann, MdL, hat gestern (13.09.2018) am Rande der Klimakonferenz "Global Climate Action Summit" bei der Heinrich-Böll-Stiftung in San Francisco seine Klimaschutzansätze vorgestellt: "Das deutsche Klimaziel bis 2030 40 Prozent weniger fossile Energieträger im Verkehr zu verbrauchen, ist machbar – aber nur mit engagierten Veränderungen. Als Verkehrsministerium haben wir einige Eckpunkte ermittelt, um das Ziel konkret zu machen:

ÖPNV-Verdopplung,

ein Drittel weniger städtischer Autoverkehr,

ein Drittel klimaneutrale Autos,

die Hälfte der Wege zu Fuß oder per Rad.

Um diesen Zielen einen Schritt näher zu kommen, hat das Ministerium für Verkehr die neue Busförderrichtlinie für 2019 am 21.09.2018 veröffentlicht. Wie auch in den Vorjahren wird damit die Anschaffung moderner emissionsarmer Linienbusse und Bürgerbusse zur Sicherung der Mobilität im ländlichen Raum unterstützt. "Wir brauchen einen zukunftsfähigen ÖPNV. Ihm kommt eine wichtige Vorreiterrolle zu und gerade mit emissionsarmen Busflotten kann die Luftqualität in Umweltzonen, aber auch in ganz Baden-Württemberg, weiter verbessert werden," betonte Verkehrsminister Hermann, MdL.

Neben der Förderung von Linienbussen unterstützt das Land auch wieder die Beschaffung von Bürgerbussen. Bürgerbusverkehre leisten einen wichtigen Beitrag zur Mobilität vor allem in ländlichen Regionen und ergänzen dort den bestehenden öffentlichen Personennahverkehr. Minister Hermann erläuterte: "Die positiven Erfahrungen haben uns gezeigt, dass Bürgerbusverkehre für viele Menschen die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben ermöglichen und dies nur mit der gezielten Unterstützung und dem großen ehrenamtlichen Engagement von Bürgerinnen und Bürgern weiterhin möglich ist."

Ziele des Landes sind die Luftreinhaltung in Umweltzonen zu verbessern und den Umweltstandard im Linienverkehr durch den Einsatz erneuerbarer Energien bei der Antriebstechnologie und die Förderung emissionsärmerer Busse weiter zu optimieren. Darüber hinaus soll die Ausweitung des ÖPNV-Angebots durch die Förderung von Fahrzeugen für neue Linien und Taktverkürzungen unterstützt werden. Förderanträge für Linienbusse sind vom Antragsteller einem konkreten Förderziel des Landes zuzuordnen. Die Erneuerung des Fahrzeugbestands in Umweltzonen wird privilegiert gefördert.

Die Mittelzuteilung erfolgt über mehreren Verteilrunden und in der Reihenfolge der Förderziele des Landes, mit Hilfe eines stufigen Verfahrens. Damit wird eine bedarfsgerechte Förderung gewährleistet und sichergestellt, dass eine Vielzahl an Unternehmen gefördert werden kann. Förderanträge für Bürgerbusse werden im Rahmen eines vereinfachten Verfahren abgewickelt.

"Kalifornien, wie Baden-Württemberg auch, will eigene Beiträge zum Klimaschutz umsetzen," erläuterte Minister Hermann. "Wir als Mitglieder der Under2Coalition nehmen unsere Verantwortung ernst. Derzeit nutzen Nationalstaaten wie die USA und Deutschland ihre wirksamen Instrumente zur Reduktion des CO2Ausstoßes im Verkehr leider nicht. Das können wir in den Bundesländern und Bundesstaaten nicht ersetzen – aber wir wollen auf dieser Konferenz zeigen, dass wir unsere Handlungsmöglichkeiten erkennen und an der Umsetzung arbeiten," so Hermann weiter.

Die Veranstaltung "How Cities Transform towards Sustainable Mobility Systems" der Heinrich-Böll-Stiftung fand am Donnerstag im Gebäude des Goethe-Instituts in San Francisco statt. "Unsere langjährige Ausrichtung auf das Auto hat sich als Fehler herausgestellt. Wir müssen zu deutlich weniger Kfz-Verkehr in den Städten kommen, um eine Mobilität ohne fossile Brennstoffe erreichen zu können. Das ist auch möglich und die Mehrheit der Stadtbewohner dazu bereit. Auf dem Land wird das Umsteuern dagegen schwieriger, hier muss zunächst der Zuwachs auf den Bahn-, Bus-, Rad- und Fußverkehr gelenkt werden", betonte Hermann.

"Baden-Württemberg unterstützt die Umstellung von Innerorts-Kfz-Flotten wie Pflege- und Taxidienste auf Elektromobilität und investiert massiv in den Ausbau des Nahverkehrs. Wir müssen für mehr Radverkehr und außerdem für bessere Bedingungen für die Fußgänger sichere und komfortable Wege bereitstellen. Nur mit weniger und kleineren Autos schaffen wir das in unseren Städten und können so sichere Mobilität und Lebensqualität für alle Menschen ermöglichen," erklärte Minister Hermann.

Die großen Stellschrauben haben allerdings die EU und der Bund. Wenn die EU die CO2-Flottengrenzwerte wirklich ambitioniert gestaltet, wie es notwendig wäre, tragen technische Innovationen wesentlich zur Reduktion des CO2-Ausstoßes bei. "Ich begrüße daher den Beschluss des Umweltausschusses im Europäischen Parlament. 20 statt 15 Prozent bis 2025 und 45 statt 35 Prozent bis 2030 ist die richtige Größenordnung für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Es bleibt trotzdem noch sehr viel für den Bund, die Länder sowie für die Kommunen zu tun. Alles was die Innovationskraft der Automobilwirtschaft nicht schafft, müssten verkehrslenkende Maßnahmen bewirken," bekräftigte Hermann.

Und während die Politik sich zumindest auf Landesebene über Klimaschutz im Verkehr Gedanken zu machen scheint, handelt die Industrie gegen jede Verantwortlichkeit für die Umwelt. Wie man gerade in Deutschland immer wieder feststellen kann, wird sie durch eine Bundespolitik geschützt, die durch Lobbyismus  gelenkte Entscheidungen trifft - gegen jede Vernunft. Dass bisher nicht massive Korruptionsvorwürfe auftauchten kann nur damit begründet werden, dass man die "Volksvertreter" als Entscheider schlicht für unfähig hält. Wie man aktuell wieder erleben darf ist im Politikzirkus Unfähigkeit kein Hemmschuh für Karrieren.

Strafen drohen wegen Verstoß gegen die EU-Kartellvorschriften

Die Europäische Kommission hat Dienstag (18.09.2018) eine eingehende Untersuchung eingeleitet‚ um zu prüfen, ob BMW, Daimler und der VW-Konzern (Volkswagen, Audi und Porsche) unter Verstoß gegen die EU-Kartellvorschriften Absprachen getroffen haben, um bei der Entwicklung und Einführung von Systemen zur Verringerung der Emissionen von Benzin- und Diesel-Pkw nicht unter Wettbewerbsdruck zu stehen.

Nach Artikel 101 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union sind Vereinbarungen und aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen, die den Handel beeinträchtigen und den Wettbewerb verhindern oder einschränken können, verboten. Wie diese Bestimmungen umzusetzen sind, ist in der EU‑Kartellverordnung (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates) festgelegt, die auch von den Wettbewerbsbehörden der Mitgliedstaaten angewendet werden kann.

Nach Artikel 11 Absatz 6 der Kartellverordnung entfällt mit der Verfahrenseinleitung durch die Kommission die Zuständigkeit der mitgliedstaatlichen Wettbewerbsbehörden für die Anwendung des EU-Wettbewerbsrechts in der Sache. Artikel 16 Absatz 1 dieser Verordnung besagt ferner, dass die Gerichte der Mitgliedstaaten keine Entscheidungen erlassen dürfen, die einem Beschluss zuwiderlaufen, den die Kommission in einem von ihr eingeleiteten Verfahren zu erlassen beabsichtigt. Die Kommission hat die betroffenen Unternehmen und die Wettbewerbsbehörden der Mitgliedstaaten von der Verfahrensleitung in dieser Sache unterrichtet.

Die Kommission hat in der jüngeren Vergangenheit eine Reihe wichtiger Untersuchungen zu Kartellen in der Automobilzulieferindustrie durchgeführt. Dabei hat sie bereits Geldbußen verhängt gegen Anbieter von Kfz-Wälzlagern, von Kfz-Kabelbäumen‚ von Weichschaum, der unter anderem in Autositzen verwendet wird, von Kfz-Standheizungen, Generatoren und Anlassern, Klimaanlagen und Motorkühlsystemen, Beleuchtungssystemen‚ Insassenschutzsystemen, Bremssystemen und Zündkerzen.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erklärte: "Die Kommission will eingehender untersuchen, ob BMW, Daimler und VW vereinbart haben, bei der Entwicklung und Einführung wichtiger Technologien zur Verringerung der Schadstoffemissionen von Benzin- und Diesel-Pkw nicht miteinander zu konkurrieren. Durch solche Emissionsminderungssysteme soll die von Pkw verursachte Umweltbelastung verringert werden. Falls dieser Verdacht zutreffen sollte, hätten die Hersteller den Verbrauchern die Möglichkeit vorenthalten, umweltfreundlichere Autos zu kaufen, obwohl die entsprechenden Technologien zur Verfügung standen."

Im Oktober 2017 hatte die Kommission Untersuchungen zu möglichen Absprachen zwischen Automobilherstellern über technische Entwicklungen für Pkw aufgenommen und Nachprüfungen in den Geschäftsräumen von BMW, Daimler, Volkswagen und Audi in Deutschland durchgeführt.

Im Rahmen ihrer eingehenden Prüfung will die Kommission insbesondere Informationen nachgehen, wonach BMW, Daimler, Volkswagen, Audi und Porsche, die den sogenannten "Fünferkreis" bildeten, bei Zusammenkünften unter anderem über die Entwicklung und Einführung von Technologien zur Verringerung der Emissionen von Pkw sprachen.

Die Kommission wird in erster Linie untersuchen, ob die Unternehmen vereinbart haben, die Entwicklung und Einführung folgender Emissionsminderungssysteme für im Europäischen Wirtschaftsraum verkaufte Pkw einzuschränken:

SCR-Systeme ("SCR" = selektive katalytische Reduktion) zur Verringerung schädlicher Stickoxidemissionen von Pkw mit Dieselmotor und

Partikelfilter für Ottomotoren zur Verringerung schädlicher Feinstaubemissionen von Pkw mit Benzinmotor.

Im Rahmen der eingehenden Prüfung soll ermittelt werden, ob BMW, Daimler und der VW-Konzern gegen die EU-Kartellvorschriften verstoßen haben, denen zufolge Kartelle und wettbewerbsbeschränkende Verhaltensweisen, einschließlich Vereinbarungen zur Einschränkung oder Kontrolle der technischen Entwicklung (Artikel 101 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union), verboten sind.

Gegenwärtig liegen der Kommission keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sich die genannten Unternehmen in Bezug auf die Verwendung unzulässiger Abschalteinrichtungen zur Manipulation des Emissionsverhaltens auf den Prüfständen abgestimmt haben.

Die Kommission wird diese eingehende Untersuchung vorrangig behandeln. Das Prüfverfahren wird ergebnisoffen geführt. Für den Abschluss einer kartellrechtlichen Untersuchung gibt es keine verbindliche Frist. Ihre Dauer hängt unter anderem von der Komplexität des jeweiligen Falls, der Kooperationsbereitschaft der betreffenden Unternehmen und der Ausübung der Verteidigungsrechte ab.

Weitere von den Unternehmen besprochene Themen

Die förmliche Prüfung der Kommission bezieht sich ausschließlich auf die oben genannten Emissionsminderungssysteme. Im Rahmen des "Fünferkreises" tauschten sich die beteiligten Unternehmen jedoch noch zu vielen weiteren Themen aus, so beispielsweise zu gemeinsamen Qualitätsanforderungen für Autoteile, gemeinsamen Qualitätsprüfverfahren sowie zu ihren bereits auf dem Markt befindlichen Pkw-Modellen. In den Gesprächen wurden auch Detailfragen erörtert, etwa bis zu welcher Höchstgeschwindigkeit der Tempomat funktioniert und sich das Dach eines Cabrios öffnen und schließen lässt.

Die Zusammenarbeit erstreckte sich zudem auf das Gebiet der Crashtests und der dafür verwendeten Versuchspuppen ("Dummys"). In diesem Bereich führten die Automobilhersteller ihr technisches Fachwissen und ihre Entwicklungskapazitäten zusammen, um ihre Verfahren zur Prüfung der Fahrzeugsicherheit zu verbessern.

Zum jetzigen Zeitpunkt liegen der Kommission keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür vor, dass diese Gespräche des "Fünferkreis" als wettbewerbswidriges Verhalten einzustufen wären, das einer weiteren Prüfung bedürfte. Technische Zusammenarbeit zwischen Unternehmen ist nach den EU-Kartellvorschriften unter bestimmten Umständen zulässig, sofern sie der Verbesserung der Produktqualität dient. Die eingehende Untersuchung der Kommission betrifft in diesem Fall eine spezifische Zusammenarbeit, die möglicherweise die technische Entwicklung einschränken und/oder die Einführung von Emissionsminderungssystemen verhindern sollte.

Das Kartellrechtsverfahren der Europäischen Kommission gegen VW, Daimler und BMW wegen möglicher Absprachen über manipulierte Abgassysteme kommentiert Rebecca Harms, umweltpolitische Sprecherin der Grünen/EFA-Fraktion:  "Der Verdacht der Absprachen bei Technologien zur Luftreinhaltung kommt leider nicht überraschend. Der Dieselskandal hat offenbart, dass saubere Luft für die Autobauer keine Priorität hat. Die Menschen in den Ballungsräumen Europas leiden unter schlechter Luft, Dieselbesitzer müssen Fahrverbote fürchten. Die Politik darf die Autohersteller nicht weiter decken. Es ist gut, dass die EU-Kommission aktiv wird. Auch die deutsche Bundesregierung darf den Schutz von Umwelt und Gesundheit nicht länger ignorieren und muss auf umfangreichen Nachrüstungen für Dieselautos beharren."

Weitere Informationen zu diesem Kartellfall können auf der Website der Generaldirektion Wettbewerb über das öffentlich zugängliche Registerder Kommission unter dem Aktenzeichen AT.40178 (Pkw-Emissionen) eingesehen werden

KIRCHE, WIRTSCHAFT UND UMWELT IM GESPRÄCH

Der Verkehr forciert den Klimawandel besonders stark. Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen und der Weltklimavertrag von Paris lassen sich nur umsetzen, wenn Mobilität klimaneutral gestaltet wird. Wie kann eine solche Mobilität aussehen? Und wer zahlt welchen Preis? Wie lassen sich die Klimaschutzziele erreichen und sozialverträglich umsetzen?

Be einem öffentlichen Fachtag im Rahmen der Bundestagung des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) stellt das Fraunhofer IAO Szenarien aus der Studie Mobiles Baden-Württemberg vor – einschließlich einschneidender Auswirkungen auf Umsätze und Beschäftigungszahlen. Danach stehen Zukunftsperspektiven aus Sicht der Automobilwirtschaft und der Kommunen im Fokus, bevor am Nachmittag die Gestaltung der Veränderungsprozesse diskutiert wird.

Am Podium am Mittwoch, 19. September 2018, ab 16 Uhr im Tagungshaus St. Bernhard in Rastatt beteiligten sich Jochen Cornelius-Bundschuh, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Brigitte Dahlbender, Landesvorsitzende Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Thomas Geier, Werkleiter Mercedes-Benz-Werk Rastatt und Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter, IG Metall Baden-Württemberg.

Angesichts des Produktionswachstums von Elektromobilität in China, Millionen von Fahrzeugen auf immer volleren europäischen Straßen, von Schadstoffbelastung, Rohstoffausbeutung und Entsorgungsproblemen soll die Transformation der Automobilwirtschaft für nachhaltige, wegweisende Innovationen genutzt werden. Das haben alle Podiumsteilnehmer aus Kirche, Mittelstand, Umweltverband und Gewerkschaft beim bundesweiten Fachtag "Mobilitätswende" des Evangelischen Verbands Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt betont. Die Verantwortung der Kirche sah Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh darin, den dafür nötigen Mentalitätswandel zu ermöglichen, "indem wir Mut machen und selbst vollziehen, was wir wichtig finden". Die Bibel sei voll von Geschichten des Aufbruchs.

Der Verkehr forciert den Klimawandel besonders stark, "auch wenn es zunehmend Akteure gibt, die das alles als Quatsch bezeichnen und so tun, als sei früher alles besser gewesen", sagte Roman Zitzelsberger, IG Metall Bezirksleiter für Baden-Württemberg. Der prognostizierte Verlust von 70.000 Arbeitsplätzen in der Automobilwirtschaft dürfe nicht allein in den Vordergrund gerückt werden, so der Gewerkschaftsvertreter.

Dafür würden andere Arbeitsplätze entstehen, wenn jetzt innovative Konzepte entwickelt würden. "Der Riesenvorteil an diesen Prognosen: Die Ausgangslage ist heute gestaltbar." Menschen in ihren Ängsten und in Umbruchsituationen nicht allein zu lassen, sei wichtig. "Aber die Frage ist: wozu nutzt man den Wandel, in dem sich die Automobilindustrie ohnehin befindet", betonte auch Brigitte Dahlbender, Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz und Mitglied des Strategiedialogs Automobilwirtschaft in Baden-Württemberg. "Mit all dem, was wir derzeit initiieren, werden wir den Klimaschutz nicht erreichen", so Dahlbender.

Ulrich Schiefer, Geschäftsführer von AtTrack, einem E-Mobility-Unternehmen, sieht die Aufgabe der Wirtschaft darin, "relevante, saubere und nachhaltige Produkte herzustellen, die wir auch in Zukunft weltweit verkaufen können". Er forderte die Automobilhersteller auf, sich aktiver in die notwendige Mobilitätswende einzubringen. Dem Autohersteller Daimler bot er ein gemeinsames Projekt zur Umstellung der Stuttgarter Verkehrsbetriebe auf Elektrobusse an.

Der badische Landesbischof Cornelius-Bundschuh sprach sich für "ein Genug" aus. Dieses Genug könne man von der Grenze her denken, aber auch "von der Fülle: Ich bin satt, froh, erfüllt". Die Aufgabe der Kirche sah er unter anderem darin, über Bildungsprozesse dazu beizutragen, dass Menschen den Begriff der Freiheit neu entdecken und "sich bewusst machen, dass sich Freiheit nicht in möglichst hoher Geschwindigkeit zeigt oder bei der Wahl eines Waschmittels, sondern im Mut, die Welt gerecht und zukunftsfähig zu gestalten." Die Menschen, die Angst vor Veränderung haben, gebe es auch in den Kirchengemeinden. Darin, sie im Glauben zu stärken und ihnen Mut zu machen, sich diesen Umbrüchen zu stellen, sah er eine vorrangige Verantwortung der Kirche.

Die Podiumsdiskussion war Teil eines Fachtags zur Mobilitätswende im Rahmen des jährlichen bundesweiten Treffens der kirchlichen Fachdienste in der Arbeitswelt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das dieses Jahr in Rastatt stattfand. Der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) verknüpft soziale und ökonomische mit sozialethischen Fragestellungen und fördert Ideen, die zu einer gerechten, humanen und zukunftsfähigen Arbeits- und Wirtschaftsweise beitragen.

Dazu führt der KDA den Dialog mit den Akteuren in der Arbeitswelt, mit Verantwortlichen in Unternehmen, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden sowie in Politik und Kirche. Seit März 2011 ist der KDA gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Handwerk und Kirche (AHK) sowie dem Bund Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen (BVEA e.V.) in den Evangelischen Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA) eingebunden.

♦ siehe auch ⇒ Mercedes-Benz-Erweiterung

(Quelle: UM.bw/HIN)