Offensive gegen Verpackungen

Erstellt: Montag, 10. September 2018

(joER). Unsere Ozeane verkommen zum Plastikendlager - bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabfälle gelangen jedes Jahr alleine von Land aus ins Meer. Dort haben sich schätzungsweise schon 150 Millionen Tonnen angesammelt - sehr wahrscheinlich noch wesentlich mehr. Allein ein Viertel des europäischen Plastikverbrauchs allein auf das Konto der Deutschen und nicht alles davon wird fachgerecht entsorgt. 76 Plastiktüten verbraucht jeder Deutsche im Durchschnitt pro Jahr. In keinem anderen Land der Europäischen Union wird so viel Plastik verbraucht wie in Deutschland.

Um die Plastikflut einzudämmen, braucht es vor allem ambitionierte und verbindliche Schritte von Politik und Wirtschaft. Jetzt ist ein Gesetz gegen Verpackungsmüll auf der Zielgraden: am 1. Januar 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft und wird die derzeit geltende Verpackungsverordnung ablösen. Dann gelten neue Regeln für die Erfassung und Verwertung von Verpackungen in Deutschland.

Neben einer deutlichen Erhöhung der Quoten für das werkstoffliche Recycling werden auch einige Pflichten und Definitionen mit dem VerpackG verschärft. Mit der neu geschaffenen Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister soll das System insgesamt transparenter und in der Kostenaufteilung gerechter werden.

Für die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger stellt sich die Aufgabe, eine Abstimmungsvereinbarung mit dem gemeinsamen Vertreter der Systeme neu zu verhandeln. Hierzu wurde von Vertretern der kommunalen Spitzenverbände, des VKU sowie der Systembetreiber eine Orientierungshilfe für die Verhandlung der Abstimmungsvereinbarung erarbeitet. Es werden weitreichende Umstellungen bei der Mitbenutzung der kommunalen PPK-Sammlung durch die Systeme erwartet, da sich die Verpackungsanteile im Sammelgemisch erhöht haben und das Mitbenutzungsentgelt zukünftig auch nach dem Volumen der Verpackungen berechnet werden kann.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Wir produzieren in Deutschland zu viel Plastikmüll. Das wollen wir ändern, indem wir überflüssiges Plastik vermeiden und dafür sorgen, dass Verpackungen klüger und ökologischer gestaltet werden. Das, was wir nicht vermeiden können, muss mehr als bisher recycelt werden. Mit dem Verpackungsgesetz setzen wir höhere Recyclingquoten. Außerdem sorgen wir dafür, dass mehr Transparenz in Sammlung und Recycling der Verpackungsabfälle kommt. Die Zentrale Stelle und das neue Verpackungsregister LUCID tragen dazu bei, dass die Kosten künftig fair auf alle Verursacher verteilt werden. Manche Produzenten, die sich bisher vor ihrer Verantwortung gedrückt haben, werden sich dann womöglich zum ersten Mal Gedanken machen müssen, wie sie sparsamer und ökologischer verpacken können."

Alle, die verpackte Waren für den privaten Endverbraucher in Deutschland erstmalig in Verkehr bringen, müssen im Verpackungsregister LUCID bis zum 1. Januar 2019 registriert sein. Die Registrierung ist ab jetzt möglich. Damit wird für jeden erkennbar, ob ein Hersteller seine Produktverantwortung für seine Verpackungen ernst nimmt.

Hersteller, die nicht registriert sind, dürfen ihre verpackte Ware ab dem 1. Januar 2019 nicht mehr verkaufen. Das System der Produktverantwortung sorgt dafür, dass die Sammlung und das Recycling von Verpackungen von denen bezahlt wird, die die Verpackungen in Umlauf bringen. Ziel ist es, dass künftig endlich alle Hersteller ihrer erweiterten Produktverantwortung nachkommen und für die Entsorgung und das Recycling ihrer Verpackungen bezahlen.

Dies gilt unabhängig davon, ob die Produkte in den jeweiligen Verpackungen online oder im stationären Ladengeschäft vertrieben werden. In der Vergangenheit hatten einige Hersteller sich als "Trittbrettfahrer" nicht an den Kosten des Systems beteiligt. Die neue Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister hat viele Aufgaben bei der Umsetzung des Verpackungsgesetzes zentralisiert und sorgt so für mehr Effizienz.

Nach der Veröffentlichung einer Orientierungshilfe zur Bemessung des recyclinggerechten Designs von Verpackungen und der Konkretisierung der Pflichten durch den Katalog systembeteiligungspflichtiger Verpackungen folgt nun der Start des Verpackungsregisters LUCID.

Gunda Rachut, Vorstand der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister: "Mit dem frühzeitigen Start des Registers - bereits vier Monate vor Inkrafttreten des Verpackungsgesetzes - geben wir allen Unternehmen die Möglichkeit, sich schon jetzt auf die neuen Vorgaben einzustellen. Gerade kleine Unternehmen sollen ausreichend Zeit bekommen, um die Vorgaben des Verpackungsgesetzes reibungslos bis zum offiziellen Inkrafttreten des Gesetzes umsetzen zu können."  

Möglich ist die Registrierung ab sofort über die ⇒ Website der Zentralen Stelle Verpackungsregister. Verpflichtete Unternehmen müssen sich künftig über dieses Portal mit ihren Stammdaten und den durch sie vertriebenen Markennamen registrieren. Das Verfahren ist schlank ausgestaltet und nimmt ca. 10 bis 15 Minuten in Anspruch.

Die Firmen- und Markennamen der registrierten Unternehmen sind künftig über das Verpackungsregister LUCID öffentlich für alle sichtbar, so dass nicht nur die Zentrale Stelle Verpackungsregister, sondern zum Beispiel auch Verbraucher künftig die Möglichkeit haben, Hersteller und Händler auf die Übernahme Ihrer Verantwortung zu überprüfen. 

Vermeiden. Wiederverwenden. Recyceln.

Seit mehreren Jahren arbeiten die beiden Discounter [ALDI SÜD + NORD] daran, Verpackungsmaterial zu reduzieren oder nachhaltiger zu gestalten. In den letzten fünf Jahren konnten die Unternehmensgruppen bereits rund zehn Prozent an Verpackungsmenge bei ihren Eigenmarkenprodukten einsparen. Jetzt gehen sie noch einen Schritt weiter. 

Insgesamt soll bis zum Jahr 2025 der Materialeinsatz der Eigenmarken-Verpackungen um 30 Prozent reduziert werden. Mit dem Projekt "Die ALDI Verpackungsmission: Vermeiden. Wiederverwenden. Recyceln" geht ALDI das Thema Verpackungen bereits auf drei Ebenen der Abfallhierarchie an. Bis 2022 sollen zudem 100 Prozent der Eigenmarken-Verpackungen recyclingfähig sein.

"Die Verpackungsreduktion hat auf unserer Agenda bereits höchste Priorität. Mit der Strategie und der konkreten Zielsetzung setzen wir unser Engagement gegen Verpackungsabfall nun noch konsequenter fort", erklärt Philipp Skorning, Group Buying Director bei ALDI SÜD, verantwortlich für Qualitätswesen & Corporate Responsibility.

"Um unsere anspruchsvolle Planung umsetzen zu können, bewerten wir gemeinsam mit unseren Partnern alle Verpackungen und prüfen systematisch, inwiefern sie sich nachhaltiger gestalten oder einsparen lassen", erklärt Rayk Mende, Geschäftsführer Corporate Responsibility bei ALDI Nord. Besonders steht dabei Obst und Gemüse im Fokus.

In Folie eingeschweißte Artikel stehen symbolisch für die Frage nach der Notwendigkeit von Verpackungen. Die Discounter planen die Verpackungsmenge bei Obst und Gemüse - unter Berücksichtigung der Produktqualität und der Lebensmittelverluste - größtmöglich zu reduzieren. Gleichzeitig soll das Angebot an unverpackten Produkten stetig erweitert werden.

Dadurch, dass beide Discounter Obst und Gemüse möglichst in Mehrwegkisten transportieren, haben sie in 2017 mehr als 120 Millionen Pappkartons eingespart und konnten damit rund 50'000 Tonnen Treibhausgas-Emissionen vermeiden. Als erste große Lebensmitteleinzelhändler listen ALDI Nord und ALDI SÜD deutschlandweit alle Einwegtüten aus und bieten ab Ende 2018 ausschließlich Mehrwegtragetaschen an.

Auch diverse Einweg-Plastikartikel sollen durch umweltverträglichere Alternativen oder Mehrwegvarianten ersetzt werden. Wo sich Verpackungen nicht vermeiden lassen, achten die Unternehmen künftig stärker auf deren Recyclingfähigkeit und kündigen an, dass 100 Prozent ihrer Verpackungen bis 2022 recyclingfähig sein werden.

Mit dieser Selbstverpflichtung fördern ALDI Nord und ALDI SÜD den wichtigen Ausbau der Kreislaufwirtschaft in Deutschland und unterstützen die Pläne, die die EU-Kommission mit der Plastikstrategie jüngst vorgelegt hat. Weitere Informationen zum Engagement gegen Verpackungsabfall von ALDI finden interessierte Verbraucher auf ⇒ verpackungsmission.aldi.de. Die Webseite wird transparente Angaben zu bisherigen Erfolgen und Maßnahmen transparent machen.

siehe auch:

Plastikmüll verringern

Lebensmittelabfälle ohne Kunststoff

Weniger Plaste ... Faste!

(Quelle: A-S+N/HIN)