Teuere Haustürgeschäfte

Erstellt: Mittwoch, 01. August 2018

(joER). Es regnet – aber leider auch ins Haus hinein. Weil das Dach undicht ist muss nun ein Handwerker her. Wie praktisch, dass gerade ein paar freundliche junge Männer an der Haustür angeboten haben, die undichte Stelle für wenige Euro zu reparieren. Der Preis ist zu verlockend – ein Vertrag wird nicht geschlossen. Doch dieses Angebot ist nur möglich, weil Sicherheitsvorschriften missachtet werden. Ein solches Szenario ruft die Arbeitsschützer auf den Plan. Sie warnen vor zunehmenden Fällen von Haustürgeschäften mit sogenannten „Dach- und Fassadenhaien“.  

„In letzter Zeit stellen wir vermehrt Fälle fest, in denen gravierende Sicherheitsverstöße in Folge von solchen Haustürgeschäften vorliegen. Häufig sind es ältere Menschen, die den Betrügern aus Unwissenheit aufsitzen und sich locken lassen“, sagt Dorian Wagner, ein ArbeitsschutzExperte. Gerade die Reparatur von Dächern sei ein heikles Thema.

„Auch über 25 Jahre nach dem Verbot von Asbest sind in Deutschland noch immer unzählige Dächer mit asbesthaltigen Materialien gedeckt.“ Weil der fachgemäße Rückbau oft sehr teuer sei, würden eine Kontamination der eigenen Arbeitnehmer, aber auch Dritter und vor allem des umliegenden Geländes durch krebserregende Asbestfasern billigend in Kauf genommen.  

Auch sein Kollege Stefan Runzheimer stimmt zu: „Solange diese Wellplatten oder Schindeln eingebaut bleiben, besteht keine Gefahr. Der Ausbau darf aber nur durch eine Fachfirma erfolgen, die Personal mit einer Zusatzausbildung nach TRGS 519 bereithält.“ Diese technische Regel für Gefahrenstoffe beschreibt, wie asbesthaltige Teile ordnungsgemäß zu entfernen sind.

Wichtig ist dabei: Auch Privatleute müssen sich – wollen sie Asbest entfernen – an diese Vorgaben halten. Dazu gehört auch die Anmietung oder der Kauf der notwendigen Schutzausrüstung.  Diese Vorschriften sind aber keine Schikane: „Im Schnitt stirbt in Deutschland alle sechs Stunden ein Mensch an den Folgen jahrzehntelanger beruflicher Tätigkeit mit Asbest“, mahnt Runzheimer.

Die Dunkelziffer liegt wohl noch höher. Die Statistik erfasst nämlich nur die ca. 1.600 Toten im Jahr, bei denen eine Asbestvergiftung zuvor als Berufskrankheit anerkannt wurde.  Um diese Gefahr zu reduzieren, muss der Bauherr für Arbeiten mit asbesthaltigen Gegenständen geeignete Fachfirmen engagieren. Wenn die Arbeitsschützer oder gar die Polizei erst die unsachgemäßen Arbeiten stoppen müssen, können hohe Kosten entstehen.

Der Bauherr kann bereits bezahlte Leistungen dann unter Umständen nicht mehr zurückfordern – Weitere Schäden am Eigentum können die Folge sein. In den schlimmsten Fällen müssen asbestverseuchte Gegenstände und Pflanzen entsorgt werden. „Im Endeffekt ist der finanzielle Aufwand dann oft höher, als bei der direkten Beauftragung einer Fachfirma“, sagt Arbeitsschützer Wagner.

Doch nicht nur das: Auch besteht das Risiko, dass Straftatbestände auftreten und geprüft werden muss, ob der Bauherr eine Mitverantwortung trägt.  „Das akute Problem für den Bauherrn, nämlich das undichte Dach, bleibt dann zunächst bestehen“, weiß der Arbeitsschützer. Die Behörde habe in solchen Fällen keinen Ermessensspielraum, um die Arbeiten fortsetzen zu lassen.

Allenfalls eine provisorische Abdichtung ist unter strengen Auflagen im Einzelfall möglich, denn der Schutz von Mensch und Umwelt vor den krebserzeugenden Fasern hat Vorrang. Je nachdem, wie unsachgemäß die Arbeiten ausgeführt wurden, bietet aber auch das Provisorium keinen ausreichenden Schutz. „Letzten Endes sollte man gleich eine geeignete Fachfirma einstellen, denn nur so kann man sichergehen, dass solche Schäden nicht entstehen.“

Fachfirmen für Dacharbeiten an Asbestdächern erkennen Bauherren daran, dass diese über eigenes fachkundiges Personal, welches die Sachkundeprüfung nach TRGS 519 bestanden hat, verfügt. Alternativ kann die Firma auch auf einen Subunternehmer mit entsprechend qualifiziertem Personal und Ausrüstung zurückgreifen. Seriöse Firmen werden immer ein schriftliches Angebot unterbreiten, in dem diese Sachverhalte klar geregelt sind.

(Quelle: RP.gies/HIN)