Solaroffensive

Erstellt: Donnerstag, 08. November 2018

(Hero). Mit einer Solaroffensive will die Landesregierung dem Ausbau der Photovoltaik und der Solarthermie im Land neuen Schwung verleihen. "Wir sind uns einig, dass die Sonne in Baden-Württemberg eine der wichtigsten erneuerbaren Energiequellen darstellt und dass wir alles tun müssen, um Solarenergie noch stärker für die Erzeugung von Strom und Wärme zu nutzen", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Eine Offensive zur Stärkung der Photovoltaik (PV) und der Solarthermie liege im Interesse der Energiewende, des Klimaschutzes und der Menschen in Baden-Württemberg.

Bereits zum vierten Mal gibt das Statistische Landesamt gemeinsam mit dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft den Energiebericht heraus. Der Bericht bietet in gewohnter Form eine Fülle objektiver Informationen zum Themenfeld Energie. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Landesamtes lag der Primärenergieverbrauch Baden-Württembergs 2016 rund 1,8 % über dem Vorjahreswert.

Insgesamt wurden 1 443,5 Petajoule (PJ) Primärenergie im Land verbraucht. Im Vergleich zur Berichterstattung des letzten Energieberichts hat sich die Zusammensetzung des Energiemix im Land nur leicht verändert. Unter anderem durch die im Vergleich zum Vorjahr niedrigeren Temperaturen ist der Erdgasanteil am Primärenergieverbrauch im Jahr 2016 um 5,2 % auf 19,1 % gestiegen und lag damit so hoch wie noch nie.

"Der Energiebericht hat sich als fundiertes Beobachtungs- und Analyseinstrument etabliert. Er zeigt uns, wo genau wir uns bei der Umsetzung der Energiewende befinden und welche Anstrengungen noch nötig sind auf dem Weg hin zu einem neuen Energiesystem, das auf Energieeinsparung und auf erneuerbaren Energieträgern beruht", sagte Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller.

So erreichten die erneuerbaren Energieträger mit einem Anteil von 12,7 % am Primärenergieverbrauch einen neuen Höchststand. Der Beitrag der Kernenergie am Primärenergieverbrauch dagegen sei gegenüber dem Vorjahr um 3,6 % gesunken und kam auf einen Anteil von 16,4 %, so Untersteller weiter. Der Anteil der Mineralöle mit 35,3 % habe sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert.

 "Langfristige energiewirtschaftliche Entwicklungen zeigen sich meist erst in einem mehrjährigen Zeitvergleich. Um diese Veränderungen abzubilden, enthält der Energiebericht zahlreiche Zeitreihen, teilweise mehr als 40 Jahre zurückgehend bereits ab dem Jahr 1973. Aufgrund dieser bestehenden Datenbasis ist er unter anderem für die Erstellung der Monitoringberichte der Landesregierung zu Energie, Klima und Nachhaltigkeit unverzichtbar", so die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner.

Beispielsweise ist der Primärenergieverbrauch in Baden-Württemberg seit 1973 - mit Ausnahme gewisser jährlicher Schwankungen - immer weiter gestiegen, bis er 2006 einen Höchstwert von 1 703,0 PJ erreichte. Seither ging er tendenziell zurück. Im Jahr 2016 lag der Primärenergieverbrauch um 15,2 % unter dem Wert von 2006, jedoch rund 1,0 % über dem Primärenergieverbrauch von 1990.

Nach Berücksichtigung von Verbrauch und Verlusten bei Umwandlungen sowie dem nichtenergetischen Verbrauch von Energieträgern, zum Beispiel als Rohstoff für die Herstellung von Kunststoff, standen den Endverbrauchern in Baden-Württemberg 2016 noch knapp drei Viertel der Primärenergie zur weiteren Nutzung zur Verfügung (72 %). Gegenüber dem Vorjahr ist der Endenergieverbrauch 2016 gestiegen (+1,6 %). Knapp ein Drittel davon fiel auf den Verkehrssektor (31,7 %).

Die privaten Haushalte verbrauchten 27,8 % der Endenergie. Die Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe, im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden kamen auf einen Anteil von 21,2 % am Endenergieverbrauch, die restlichen rund 19,3 % verbrauchten die sonstigen Kleinverbraucher wie Gewerbe, Handel, öffentliche Einrichtungen oder Landwirtschaft.

Der Bruttostromverbrauch betrug 2016 in Baden-Württemberg 74,2 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh), dies entspricht etwa dem Vorjahresniveau. Rund 84 % des verbrauchten Stroms wurden im Land selbst erzeugt. Die restlichen 16 % wurden per Saldo von anderen Bundesländern und dem Ausland eingeführt. Das Austauschvolumen mit dem Ausland betrug 2016 hinsichtlich der Einfuhr 8,4 Mrd. kWh und hinsichtlich der Ausfuhr 16,9 Mrd. kWh.

Somit wurde von Baden-Württemberg mehr Strom direkt ins Ausland abgegeben als direkt eingeführt. Zu den Liefer- und Abnehmerländern gehören die Schweiz, Österreich und Frankreich. Für die Stromerzeugung kamen 2016 zu 74,7 % konventionelle Energieträger (−3,2 %) und zu 25,3 % erneuerbare Quellen zum Einsatz (+6,1 %).

Ausbau der Sonnenenergie wiederbeleben

In den letzten Jahren sei der Ausbau der Solarenergie im Land eingebrochen, begründete Umweltminister Franz Untersteller die Notwendigkeit einer Solaroffensive. Verantwortlich dafür seien bundespolitische Weichenstellungen gewesen, die Belastung von Sonnenstrom für den Eigenverbrauch mit der EEG-Umlage, die zurückgehende EEG-Vergütung und die Begrenzung des Ausbaus von Freiflächenanlagen.

Gesunkene Installationskosten für Neuanlagen und sehr niedrige Produktionskosten für Sonnenstrom machten PV dennoch weiterhin wirtschaftlich attraktiv. Es sei höchste Zeit, den Ausbau der Sonnenenergie wiederzubeleben. Acht Punkte umfasst die Solaroffensive, die Umweltminister Franz Untersteller dem Kabinett vorgestellt und erläutert hat.

"Ziel aller unserer Maßnahmen ist es, auf breiter Basis zu informieren und zu beraten, für die Solarenergie zu werben und Investitionen in neue Anlagen anzureizen - sei es in kleine oder in große Anlagen", so der Umweltminister. Kernstück der Offensive seien drei Förderprogramme:

Der Förderwettbewerb "Regionale Photovoltaiknetzwerke": Dabei geht es primär um Information, Beratung und Vernetzung in den 12 Regionen des Landes.

Das Förderprogramm "Netzdienliche PV-Batteriespeicher", das die Investition für einen Solarspeicher bezuschusst, vorausgesetzt er ist an den Bau einer neuen Photovoltaik-Anlage gekoppelt.

Das Förderprogramm "Energieeffiziente Wärmenetze"

Im Bereich der Wärmenetze seien über das Förderprogramm landesweit bereits 36 Projekte gefördert und insgesamt sieben Millionen Euro an Zuschüssen bewilligt worden, führte Minister Untersteller aus. Auch das Programm "Netzdienliche PV-Batteriespeicher" sei ausgesprochen erfolgreich. "In den ersten drei Monaten seit März haben wir 422 Anträge bewilligt, die wir mit mehr als einer Million Euro fördern. Insgesamt stellen wir in diesem und im nächsten Jahr gut drei Millionen Euro zur Verfügung", so der Minister.

Weitere Bausteine der Solaroffensive seien die Etablierung von Mieterstrommodellen sowie der Ausbau der PV auf landeseigenen Dächern und Flächen. Im Beratungs- und Informationsbereich solle unter anderem der Energieatlas weiterentwickelt werden. Gegenüber der Bundesregierung werde die Landesregierung weiter darauf dringen, dass das EEG rasch weiterentwickelt wird.

Insbesondere im Hinblick auf die Ausbaupfade für Solarstrom, die Regelungen zum Eigenverbrauch und die zu komplizierten Regelungen zu Mieterstrom bestehe Änderungsbedarf. "Diese und weitere Aktivitäten, davon sind wir überzeugt, können der Solarenergie im Land den Auftrieb verleihen, den sie dringend benötigt, um ihren wesentlichen Teil zu Energiewende und Klimaschutz beizutragen", so der Umweltminister

Untersteller hat die Bundesregierung aufgefordert, ihre Energiepolitik endlich an den Notwendigkeiten des Klimaschutzes auszurichten. "Es ist kaum auszuhalten, wie die schwarz-rote Koalition beim Klimaschutz agiert. Entscheidungen werden spät oder gar nicht getroffen und dann sind sie oft auch noch kontraproduktiv – wie jetzt beim Energiesammelgesetz", sagte Untersteller heute am Rande der Umweltministerkonferenz in Bremen. 

Er kritisierte deutlich die Entscheidung der Bundesregierung, die Einspeisevergütung für große Photovoltaik(PV)-Anlagen zu senken, aber den Zubaudeckel bei insgesamt 52 Gigawatt unverändert zu lassen. Gerade jetzt, wo die Solarbranche die Talsohle durchschritten habe, sei diese Entscheidung ein fatales Signal: 

"Die Einspeisevergütung für große PV-Dachanlagen um 20 Prozent zu kürzen, wirkt wie ein Stoppschild für die Solarenergie. Das passt in kein Energieszenario der Bundesregierung, ebenso wenig wie der Zubaudeckel, der endlich weg muss. Nach dem Abwürgen der Windenergie ist nun offenbar die Solarbranche dran. Was wir erleben, ist energiepolitischer Unsinn."

Spätestens in zwei oder drei Jahren sei die festgelegte Grenze erreicht und damit das Ende des PV-Zubaus, führte Untersteller aus. Investitionen würden ausbleiben, die Erzeugung erneuerbarer Energien sich verlangsamen, der Klimaschutz auf der Strecke bleiben.

Kritik übte Untersteller auch an der Gleichsetzung der Vergütungshöhe für Freiflächenanlagen und große Dachanlagen. Es sei einfach nicht gerechtfertigt, beide Arten von PV-Anlagen gleich zu behandeln, weil sich auch die Investitionskosten deutlich unterschieden: "Wer PV auf Dächer lenken will, wo sie sicher konfliktärmer zu installieren sind, muss den Solarstrom vom Dach höher vergüten, als den Solarstrom vom Boden", sagte Untersteller.

Der BUND Baden-Württemberg unterstützt die Forderung von Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller an die Bundesregierung, die Maximalgrenze für den Ausbau von Photovoltaik zu streichen. "Gerade heute mit Blick auf den Hitzesommer und die Rekorddürre wird deutlich, dass wir auf allen Gebieten für den Klimaschutz kämpfen müssen. Nachdem die Bundesregierung dem Windenergieausbau weitestgehend den Garaus gemacht hat, muss Solarstrom nun diese Lücke füllen. Die naturfreundlichste Lösung sind Solardachanlagen", sagt Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND Baden-Württemberg.

Beim Bau von Solarstrom-Anlagen auf Dächern müssen Land und Kommunen mit gutem Beispiel vorangehen. Städte und Gemeinden können so viel tun, um CO2-Emissionen zu senken. Der Umweltminister wird am kommenden Montag auf dem Solarbranchentag in Stuttgart unter anderem mit dem Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Thomas Bareiß, über die aktuelle Situation der PV in Deutschland diskutieren.

(Quelle: UM.bw/estatis/STM.bw/HIN)