Verbesserungen für Leiharbeiter

Erstellt: Freitag, 13. Juli 2018

Rastatt (pr). Die IG Metall hat Verbesserungen für die Leiharbeiter am Mercedes-Standort Rastatt erreicht. Nach Angaben der Gewerkschaft sollen die Arbeiter mehr Transparenz und eine Standortzulage erhalten. Dafür hat die Gewerkschaft seit Februar dieses Jahres über 200 persönliche Gespräche geführt, in denen Beschäftigte über Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Arbeitsstunden und Urlaubstagen sowie Kündigungen in Krankheitsfällen berichtet haben. Ab nächster Woche werden die Gespräche zwischen der IG Metall Gaggenau und der Dekra-Geschäftsleitung zu vielen Einzelfragen fortgesetzt.

Die Verleihfirma 'Dekra Arbeit' und die 'IG Metall Gaggenau' unterzeichneten ein Eckpunktepapier in dem laut IG Metall folgende Vereinbarungen getroffen wurden:

Die zum Stichtag 31. August 2018 bei Mercedes-Benz in Rastatt eingesetzten Dekra-Beschäftigten erhalten im September 2018 eine einmalige Standort-Zulage von jeweils 160 Euro.

Die Verleihfirma Dekra Arbeit richtet für die Beschäftigten am Daimler-Standort Rastatt voraussichtlich bis November 2018 ein Internet-Portal mit individuellem Zugriff ein. Dieses soll einen transparenten Einblick in das Arbeitszeitkonto, geleistete Stunden, Pausen sowie Urlaubs- und Krankheitstage geben.

Zudem wird bei Dekra-Beschäftigten, die im September 2018 in die Arbeitslosigkeit entlassen und im Frühjahr 2019 im Zusammenhang mit dem Hochlauf der Produktion bei Daimler Rastatt wiedereingestellt werden, auf die Probezeit verzichtet.  

Auf Verlangen der Gewerkschaft hatte die Dekra Arbeit bereits zu einem früheren Zeitpunkt garantiert, dass Mitarbeiter, deren befristeter Vertrag Mitte September ausläuft, einen unbefristeten Arbeitsvertrag und einen Folgeeinsatz bei Daimler bekommen. Ab nächster Woche sollen die Gespräche zwischen der IG Metall Gaggenau und der Dekra-Geschäftsleitung zu Einzelfragen fortgesetzt werden.

Heiko Maßfeller, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Gaggenau: "Die Gespräche fanden unter schwierigen Voraussetzungen statt. Die Ergebnisse sind vor diesem Hintergrund sehr gut. Jetzt gilt es, die vielen Einzelthemen zu bearbeiten, zügig eine Lösung zu finden und verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen. Da liegt noch ein langer Weg vor uns."  

Zudem ist es geplant, zwischen dem Betriebsrat und Mercedes-Benz Rastatt eine Betriebsvereinbarung zu treffen, die bei Übernahme eines Dekra-Beschäftigten in ein Arbeitsverhältnis zu Daimler die bisherigen Beschäftigungszeiten des Leiharbeitnehmers berücksichtigt. Dadurch steigen die Chancen auf eine Übernahme. Die Gewerkschaft setzt sich eigenen Angaben zufolge seit Monaten dafür ein, die Arbeitsbedingungen der 1.200 Dekra-Leiharbeiter bei Mercedes in Rastatt zu verbessern und Missstände abzustellen.

Häufige Arbeit am Limit

Etwa jeder sechste abhängig Beschäftigte arbeitet häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Dabei sehen sie sich sowohl höheren körperlichen Belastungen wie schwerem Heben und Tragen als auch höherer psychischer Belastung beispielsweise durch Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt als die übrigen Erwerbstätigen. Nur jeder fünfte Betroffene bezeichnet seinen Gesundheitszustand als sehr gut oder ausgezeichnet. Bei den übrigen Erwerbstätigen ist es etwa jeder Dritte. Das zeigen Ergebnisse der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012.

Das jetzt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlichte Faktenblatt "Arbeiten an der Leistungsgrenze" fasst die Ergebnisse zusammen. Dabei geht das Faktenblatt dezidiert auf die Pflegeberufe ein, die besonders betroffen sind. Häufiges Arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit geht mit gesundheitlichen Beschwerden einher und wird von den Betroffenen als belastend wahrgenommen.

16 Prozent der abhängig Beschäftigten arbeiten häufig an der Leistungsgrenze. Rund vier von fünf Beschäftigten, die häufig ihre Leistungsgrenze erreichen, sehen sich starkem Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt. Bei den übrigen Beschäftigten ist es nur knapp jeder Zweite (46 Prozent). Sie werden auch deutlich seltener bei der Arbeit gestört, müssen seltener sehr schnell arbeiten oder mehrere Aufgaben gleichzeitig betreuen, als Erwerbstätige, die oft an ihre Leistungsgrenze gehen.

In dieser Personengruppe berichtet zudem jeder Dritte über häufige gefühlsmäßige Belastung (31 Prozent), während das bei den übrigen Beschäftigten nur jeder zwölfte tut. Wer häufig seine Leistungsgrenze erreicht, arbeitet doppelt so häufig unter Zwangshaltung (28 Prozent) oder bewegt schwere Lasten (40 Prozent) als die übrigen Erwerbstätigen.

Die höheren körperlichen und psychischen Belastungen von Menschen, die häufig an ihre Leistungsgrenze gehen, spiegeln sich in ihrer gesundheitlichen Situation wider. Rund zwei Drittel der Betroffenen geben an, unter drei oder mehr psychosomatischen Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Reizbarkeit zu leiden. Bei den Beschäftigten, die manchmal, selten oder nie an ihre Grenzen gehen, ist es nur etwa jeder Dritte. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Beschwerden im Bewegungsapparat.

Deshalb sollte gerade in Berufen mit besonders hohen psychischen und körperlichen Anforderungen, wie etwa in der Pflege, die Gestaltung guter Arbeitsbedingungen in den Mittelpunkt rücken. Führungskräfte sollten geeignete Maßnahmen ergreifen, indem sie beispielsweise mehr Personal einplanen, realistische Ziele vereinbaren und Fort- und Weiterbildungen anbieten. Auch neue Technologien sollten daraufhin beurteilt werden, ob sie den Arbeitsalltag der Beschäftigten erleichtern können.

Unregelmäßigkeiten bei Arbeitsstunden und Urlaub

Dekra-Leiharbeiter bei Daimler in Rastatt klagen seit Monaten über Unregelmäßigkeiten bei Arbeitsstunden und Urlaub. Die Beschäftigen berichten zudem von Kündigungen in Krankheitsfällen. Die IG Metall geht massiv gegen diese Missstände vor. Mit Erfolg: Ein Eckpunktepapier sieht jetzt mehr Transparenz und bessere Arbeitsbedingungen vor. Erste konstruktive Gespräche haben zwischen der IG Metall Gaggenau und Dekra Arbeit stattgefunden.

Wie es um die Situation vieler Dekra-Leiharbeiter bestellt ist, weiß die IG Metall aus 200 persönlichen Gesprächen: Urlaubstage und Arbeitszeit verschwanden von einem Monat zum anderen. Die Prüfung der undurchsichtigen Abrechnungen und Stundenzettel deckte Unregelmäßigkeiten auf. Gemeinsam mit den Beschäftigten wehrt sich die IG Metall gegen die Missstände und setzt nun Fortschritte durch.

In einem von der IG Metall Gaggenau und der Dekra Arbeit GmbH mittlerweile unterzeichneten Eckpunktepapier ist vereinbart, dass die Zeitarbeitsfirma für die Beschäftigten am Daimler-Standort Rastatt ein Internet-Portal mit individuellem Zugriff einrichtet. Dadurch sollen die 1200 Leiharbeitnehmer ihr Arbeitszeitkonto, geleistete Stunden, Pausen sowie Urlaubs- und Krankheitstage transparent einsehen können.

Heiko Maßfeller, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Gaggenau, betont: "Die Gespräche fanden unter schwierigen Voraussetzungen statt. Die Ergebnisse sind sehr gut." Denn auch eine einmalige Standort-Zulage winkt: Die zum Stichtag 31. August 2018 bei Mercedes-Benz in Rastatt eingesetzten Dekra-Beschäftigten erhalten laut den Vereinbarungen des Eckpunktepapiers im September jeweils 160 Euro.

Die IG Metall ist noch weitere Probleme angegangen: So wurden zum Beispiel Vertragsverlängerungen vielfach verfälscht, etwa indem sie nach hinten datiert wurden, was Dekra-Leiharbeiter um ihre unbefristete Übernahme brachte. Dekra Arbeit hat 36 solcher Fälle zugegeben. Inzwischen hat die Zeitarbeitsfirma auf Verlangen der IG Metall Gaggenau eine Garantie abgegeben, dass Mitarbeiter, deren befristeter Vertrag Mitte September ausläuft, einen unbefristeten Arbeitsvertrag ohne erneute Probezeit und einen Folgeeinsatz bei Daimler bekommen. 

Es ist auch vorgesehen, zwischen Mercedes-Benz Rastatt und dem Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung zu treffen, die bei Übernahme eines Dekra-Beschäftigten in ein Arbeitsverhältnis zu Daimler die bisherigen Beschäftigungszeiten des Leiharbeitnehmers berücksichtigt. Dadurch steigen die Chancen auf eine Übernahme.

siehe auch:

Leiharbeitskandal bei Mercedes

Befristungen auf neuem Höchststand

Arbeiten an der Leistungsgrenze

(Quelle: IGM.bw/BAuA/HIN)