Milliarden für Kohle

Erstellt: Montag, 14. Mai 2018

(Hero). Nach wie vor bekommen die fossilen Energien mit 110 Milliarden Euro beinahe dreimal so viele Subventionen in Europa wie alle Erneuerbaren zusammen. Demgegenüber sparen die europäischen Erneuerbaren bereits bis zu 20 Milliarden Euro pro Jahr durch den Ersatz von fossiler Energie ein. "Damit die Führungsposition Europas bei den Erneuerbaren nicht verloren geht, muss sich Österreich auf europäischer Ebene für ein Erneuerbaren-Ziel 2030 von mindestens 35 Prozent einsetzen", fordert Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft.

Im erst kürzlich veröffentlichten Energieatlas der Heinrich-Böll-Stiftung ist zu lesen, dass europäische Staaten 110 Milliarden Euro an Subventionen und kostenlosen CO2-Zertifikaten an die Erzeuger von Energie aus fossilen Brennstoffen verteilen. Kohle- und Gaskraftwerke erhalten demnach sogar dreimal so viel Subventionen wie alle erneuerbaren Energien zusammen, die zur selben Zeit 40 Milliarden Euro zugesprochen bekommen haben.

Darüber hinaus sparen die erneuerbaren Energien bereits jährlich 15 bis 20 Milliarden Euro an importierter fossiler Energie ein. "Zentralisiert und importabhängig, kohlelastig und emissionsintensiv, umweltschädlich und teuer - so präsentiert sich Europas Energieversorgung auch noch gut zwei Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen. Deshalb gehören zum Umstieg auch ein Ende der kostenlosen Emissionszertifikate und Subventionen für Erzeuger von Energie aus fossilen Brennstoffen", so Ellen Ueberschär, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung.

Im Energieatlas ist weiter zu lesen, dass die EU der größte Energieimporteur der Welt ist. Im Jahresdurchschnitt gab sie dafür zwischen 2007 und 2016 netto 316 Milliarden Euro aus. Dieses Geld unterstützt undemokratische Regime, der Abbau der Rohstoffe zerstört ganze Landschaften, und beim Transport von Öl passieren immer wieder Unfälle.

Andererseits ist der Verbrauch fossiler Energie in der EU seit 2005 um elf Prozent zurück gegangen, da erneuerbare Energien hauptsächlich als Ersatz für Kohle und Erdgas eingesetzt wurden. 2015 stammten 17 Prozent des Endenergieverbrauchs der EU bereits aus erneuerbaren Energien.

Mit mehr als einer Million Arbeitsplätze sind die erneuerbaren Energien bereits ein großer Arbeitgeber in der EU. Bei den Arbeitsplätzen pro Kopf war die Branche in Europa 2014 noch die Nummer zwei der Welt. Heute ist Europa an den fünften Platz zurückgefallen, hinter China, den USA, Japan und Brasilien. Laut Energieatlas ist es "durchaus möglich, dass Europa noch weiter zurückfällt".

Der europäische Energieatlas erscheint zu einem Zeitpunkt, da die EU-Mitgliedsstaaten über eine Energie- und Klimastrategie für 2030 (das Clean Energy Package) verhandeln. Die Gesetze und Verordnungen werden das nächste Jahrzehnt der europäischen Energie- und Klimapolitik bestimmen. Das Paket setzt zwar wichtige Signale für die Weiterentwicklung der europäischen Energiewende, wird jedoch dem Potenzial von Energieeffizienz und Erneuerbaren nicht gerecht.

Aus diesem Grund fordert Moidl einmal mehr: "Österreich muss sich bei den Verhandlungen zum Clean Energy Package auf europäischer Ebene vehement für ein 35-Prozent-Ziel bei erneuerbaren Energien bis 2030 einsetzen und den Vorrang für erneuerbare Energien verteidigen, damit die Energiewende gelingen kann und die Verwendung von Kohle, Öl und Gas so rasch als möglich beendet wird."

Die deutsche Energiewende hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 80 Prozent der Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien zu generieren. Dadurch sollen die Treibhausgasemissionen um mindestens 80 Prozent gesenkt werden. Bisher ist die Energiewende in Deutschland vorwiegend im Stromsektor vorangeschritten; im Wärme- und Verkehrssektor ist nur wenig passiert.

Die Herausforderung ist die Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr. Denn die Verkehrs- und Wärmesktoren können als Speicher für den schwankenden Strom aus Erneuerbaren Energien genutzt werden. Fallende Batteriekosten im Verkehrssektor werden diesen Trend beschleunigen. Außerdem bedeutet die Energiewende nicht nur ein Umstieg auf Erneuerbare Energien, sondern auch die Einsparung von Energie insgesamt.

In der Energieeffizienz liegt das größte Potential der Energiewende, besonders im Gebäudebereich. Zum einen sparen Verbraucher durch Strom sparen Geld, weil sie weniger Energie nutzen. Zum anderen müssen durch die eingesparte Energie weniger Solarpanele und Windräder gebaut werden. Das damit eingesparte Geld kommt allen Europäerinnen und Europäern zugute. Definition Energiewende 

Die Energiewende in Deutschland und Europa ist ein Systemwechsel des Energiesystems. Die Energiewende bedeutet, dass wir uns von den fossilen Energieträgern verabschieden. Das Energiesystem wird weniger auf zentrale Kraftwerke aufbauen, sondern mehr aus dezentralen Installationen aus Erneuerbaren Energien bestehen.

Digitalisierung und Smarte Technologien haben zur Folge, dass auch der Verbraucher Teil des Energiesystems wird. Verbraucher können eigenständig Energie produzieren, und können dazu beitragen, dass Angebot und Nachfrage besser in Einklang gebracht werden. Intelligente Stromnetze und Smart Meters machen das Energiesystem effizienter und sparen für den Verbraucher Geld.

Der europäische Energieatlas stellt eine klare Alternative für die europäische und deutsche Energiewende dar: Ein Energiesystem, das auf dezentrale Erneuerbare Energien aus Sonne, Wind und Biomasse gestützt ist. Die alternativen Energien sind heutzutage kostengünstiger, umweltfreundlicher als fossile Energien. Sie bedeuten auch, dass die Rolle von Bürgerinnen und Bürger im Energiesystem gestärkt wird, denn sie können plötzlich eigenständig Strom und Wärme produzieren. Dadurch wird die Energiewende in Deutschland und Europa zu einem demokratischen und gerechten Zukunftsprojekt.

Kohlekraftwerks-Emissionen mit gravierenden Auswirkungen auf Gewässerqualität  

Mit dem Regen landet dieses Nervengift dann auch in unseren Gewässern, welche flächendeckend bereits starke Belastungen vorweisen.  Emissionen aus Kohlekraftwerken gefährden nicht nur die Klimaschutzziele, sondern belasten zusätzlich Flüsse und Seen. Deutsche Kohlekraftwerke emittieren jedes Jahr über fünf Tonnen des Nervengifts Quecksilber in die Luft. Ein erheblicher Teil davon landet dann mit dem Regen auch in unseren Gewässern.

Bereits heute wird in allen deutschen Flüssen der angegebene Grenzwert der Umweltqualitätsnorm (UQN) für Quecksilber überschritten. Die giftigen Emissionen aus Kohlekraftwerken tragen somit auch zu einer Verfehlung der Umweltziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie bei. Vor diesem Hintergrund fordert der NABU strengere Auflagen für die vorgeschriebenen Grenzwerte der Kohlekraftwerksemissionen.  

Ebenfalls alarmierend ist die Tatsache, dass das Quecksilber über die Nahrungskette auch vom Menschen aufgenommen werden kann. Fische aus Rhein, Elbe und Donau sind nach Angaben der Bundesregierung bereits seit über 15 Jahren schwer belastet. Besonders toxisch sind organische Verbindungen des Quecksilbers wie z. B. Methylquecksilber, welches z. B. im Organismus von Fischen aus Quecksilber gebildet wird.

Es kann zu schwerwiegenden Schädigungen des Nervengewebes führen. Dabei wird insbesondere die Belastung von Raubfischen als besonders hoch eingeschätzt und das Umweltministerium hat erst vor wenigen Monaten eine offizielle Empfehlung für Schwangere und Stillende herausgegeben, keinen Aal oder Hecht zu verzehren.

Europaweit betrachtet ist Deutschland aufgrund des hohen Anteils an Kohlekraftwerken im Energie-Mix Spitzenreiter in Sachen Quecksilberemissionen. Dieser Trend wird zusätzlich durch die besonders umweltschädliche Braunkohleverstromung verstärkt. Bei der Verhinderung von Grenzwerten hat die Kohle-Lobby in der Vergangenheit ganze Arbeit geleistet.

Somit sollen geplante europäische Grenzwerte erst ab 2020 in Kraft treten. Diese Grenzwerte sollen den Quecksilbergehalt der Braunkohlekraftwerks-Emissionen auf maximal 7 Mikrogramm Quecksilber pro Kubikmeter begrenzen und für Steinkohlekraftwerke soll bei vier Mikrogramm pro Kubikmeter Emission der Grenzwert liegen.  Bis die Quecksilbergrenzwerte in Kraft treten, gibt es allerdings quasi einen Freifahrtschein für die Kohleindustrie.

Das ist besonders frustrierend, da bereits heute etablierte und kosten-günstige technische Verfahren auf dem Markt sind, mit denen der Quecksilberausstoß reduziert werden kann. Die dabei erzielbaren Grenzwerte unterschreiten dazu noch deutlich die vorgesehenen Grenzwerte der EU. Höhere Quecksilbergrenzwerte sind ein erster wichtiger Schritt, schädliche Einträge in Oberflächengewässer und in das Grundwasser zu vermindern.

Mittelfristig muss aber auch der Weg dafür geebnet werden, ganz auf fossile Energieträger zu verzichten. Wenn wir die naturverträgliche Energiewende durch mehr Effizienz und erneuerbare Energien voranbringen, kommen wir weg von der Kohle und können Mensch und Natur entlasten.

Erneuerbare Energien im Fokus junger Forscher  

Erneuerbare Energien sind für Deutschlands Forschernachwuchs zentrales Anliegen in seiner Arbeit. Das spiegelt der Wettbewerb "Jugend forscht" wider, dessen 53. Bundesentscheid Ende Mai in Darmstadt bevorsteht. Aus den Landeswettbewerben ist eine ganze Reihe von Projekten junger Menschen hervorgegangen, die sich mit dem Potenzial und der Weiterentwicklung Erneuerbarer Energien beschäftigen.

"Die Projekte der Jugendlichen zeigen einmal mehr, was häufig vergessen wird: Die Energiewende ist nicht nur ein gesellschaftliches und wirtschaftspolitisches Großprojekt, sondern wird insbesondere von Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes getragen und innovativ vorangetrieben", sagt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE).

Die Anzahl und der bisherige Erfolg der Forschungsprojekte zu Erneuerbaren Energien beim diesjährigen "Jugend forscht"-Wettbewerb versprechen einen spannenden Bundesentscheid. "Der forschende Nachwuchs zeigt, dass Erneuerbare Energien nicht nur bereits heute Technologien zur Verbesserung unserer Energieversorgung bereithalten, sondern auch in Zukunft noch wesentliche Innovationssprünge erwarten lassen. Dass junge Menschen sich mit unglaublich viel Elan dafür einsetzen, sollte Ansporn für Unternehmen und Politik sein, schnellstmöglich weitere mutige Entscheidungen für eine klimafreundliche Energieversorgung anzupacken", betont Vohrer.

♦ Energieatlas 2018: Daten und Fakten über die Erneuerbaren in Europa

♦ Hintergrund Kohle und Quecksilber (03/2017)

(Quelle: HBS/Nabu/HIN)