Digitale Zukunft

Erstellt: Freitag, 04. Mai 2018

Karlsruhe (proh). Der Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration Thomas Strobl hat die Gewinner des Wettbewerbs "Digitale Zukunftskommune@bw" bekannt gegeben: Die vier Städte Heidelberg, Karlsruhe, Ludwigsburg und Ulm sowie ein Verbund um die Landkreise Biberach, Böblingen, Karlsruhe, Konstanz und Tuttlingen werden in den kommenden zwei bis drei Jahren zu Schrittmachern des digitalen Wandels, zu echten digitalen Zukunftskommunen ausgebaut. Die Stadt Karlsruhe entwickelt in diesem Zusammenhang jetzt ganz gezielt digitale Bürgerdienste in allen Lebensbereichen und wird so zur "Smart Cities".

"Der digitale Wandel stellt auch die Kommunen vor ganz neue Herausforderungen", wie der Digitalisierungsminister Thomas Strobl. "Den Menschen können sie auf diesem Wege neue Dienstleistungen bieten, der Wirtschaft und Wissenschaft ein attraktives und vernetztes Umfeld. Schon heute verändern digitale Plattformen die Mobilität, den Wohnungsmarkt oder den Einzelhandel in den Kommunen. Eine digitale Stadt ist also weit mehr als eine digitale Verwaltung oder schnelles Internet."

Deshalb wurde auch erstmals der Wettbewerb ‚Digitale Zukunftskommune@bw‘ gestartet, "und die Städte und Gemeinden haben hier jetzt überzeugende und konkrete Vorschläge gemacht, um die Lebensqualität der Menschen vor Ort über neue, vernetzte Dienste etwa im Bereich der Telemedizin oder der digitalen Bildung zu verbessern", sagte Digitalisierungsminister Thomas Strobl anlässlich der Preisverleihung zum Landeswettbewerb "Digitale Zukunftskommune@bw" im Innen- und Digitalisierungsministerium.

Diese gemeinsame Kraftanstrengung sei auch notwendig, unterstrich der Digitalisierungsminister. Nach einer aktuellen Umfrage des Deutschen Städte- und Gemeindebundes im "Zukunftsradar Digitale Kommune" schätzen derzeit nur zehn Prozent der Kommunen ihren Stand der Digitalisierung als "gut" an. "Wir wollen keine Zeit verlieren und im Schulterschluss mit den Kommunalen Landesverbänden unseren Beitrag dazu leisten, die Digitalisierung mit hohem Tempo in die Fläche zu bringen", sagte Strobl weiter.

Mit seinen 1'101 Städten und Gemeinden sowie 35 Landkreisen ist Baden-Württemberg ein Flächenland. "Wir sind in der Fläche stark. Nirgendwo sonst gibt es so viele Hidden Champions wie in Baden-Württemberg – und sie haben ihre Heimat zu gleichen Teilen in ländlichen Räumen wie in den großen Städten. Das ist auch ein Qualitätsversprechen und Gütesiegel für den Standort Baden-Württemberg. Und deshalb zielt unser Förderprogramm in die Fläche."

Es ist gut und wichtig, dass bei den 74 Bewerbern die ganze Bandbreite der kommunalen Familie im Rennen war – von der kleinen Gemeinde mit knapp 2'500 Einwohnern, bis hin zu Großstädten, Landkreisen und sogar Regionalverbänden", sagte Minister Thomas Strobl. Das zeige, dass die Städte, Gemeinden und Landkreise die Digitalisierung anpacken wollen.

Die Landesregierung setze auf die Gestaltungskraft der Kommunen vor Ort, um auch die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger für eine der größten gesellschaftlichen Veränderungen unserer Zeit zu steigern. "Das ist ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg", so Minister Thomas Strobl. Alle fünf Gewinner bekommen vom Land jeweils 880'000 Euro zur Umsetzung ihrer Digitalprojekte.

Karlsruhe wird mit zunächst sechs Unternehmen und Einrichtungen eine Bürger-App digital@KA aufbauen, damit die Karlsruher Bürgerinnen und Bürger darüber gebündelt alle für sie relevanten Informationen rund um das städtische Leben bekommen. Das geht vom Apotheken- und Tankstellenfinder über Echtzeitinformationen zur Verkehrslage und Parkplatzmöglichkeiten hin zu Kultur- und Freizeittipps.

Der Verbund der Landkreise Karlsruhe, Biberach, Böblingen, Konstanz und Tuttlingen überwindet das Inseldenken: Jeder wird einen Baustein auf dem Weg ins digitale Zeitalter ganz gezielt voranbringen z.B. digitale Lerntische an Schulen in Karlsruhe oder intelligente Mobilität in Böblingen – und den Wissenstransfer und damit die Übertragbarkeit auf andere Landkreise und Kommunen sicherstellen. 

Darüber hinaus werden weitere 50 Kommunen in den kommenden zehn Monaten mit jeweils bis zu 45'000 Euro dabei unterstützt, eine Digitalisierungsstrategie zu entwickeln. Aus den besten Ideen werden mindestens vier Kommunen ausgewählt, die diese dann mit jeweils bis zu 100'000 Euro Landesförderung umsetzen können.

In der Jury waren neben dem Innen- und Digitalisierungsministerium die Kommunalen Spitzenverbände und der Branchenverband Bitkom. Der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit stand der Jury für Datenschutzfragen beratend zur Seite.

Alle Kommunen werden bei der Umsetzung ihrer Strategien und Projekte vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Kooperation mit dem bwcon-Netzwerk wissenschaftlich und praktisch begleitet. Damit sollen die Best Practices aus den Modellkommunen auf möglichst viele weitere Kommunen in Baden-Württemberg übertragen werden.

Der Wettbewerb war Ende August 2017 gestartet. Bis zum Stichtag am 31. Dezember 2017 sind insgesamt 75 Bewerberbungen um einen Platz im Förderprogramm eingegangen. Von den 75 Kommunen, die im Rennen waren, bewarben sich elf um die Umsetzung von landesweiten, digitalen Leuchtturmprojekten und damit den Titel einer Digitalen Zukunftskommune@bw (Teil A des Wettbewerbs), die mit 4,4 Millionen Euro gefördert werden.

64 bewarben sich um eine Förderung zur Entwicklung ihrer Digitalisierungsstrategie in Höhe von bis zu 45'000 Euro (Teil B des Wettbewerbs). Aus den besten Strategien werden nach einem Jahr mindestens vier Kommunen ausgewählt, die mit einer Förderung bis zu 100'000 Euro einige ihrer Ideen dann umsetzen können.

Auch der landesweite Ideenwettbewerb "Digitale Zukunftsdörfer@bw” unter Federführung des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zielt auf die Erhaltung der Zukunftsfähigkeit der Kommunen ab. Dabei werden drei ländlich geprägte Gemeinden in unter-schiedlichen Regionen ausgewählt, in denen das Angebot des lokalen Einzelhandels mit Hilfe einer App online gebündelt und verfügbar gemacht werden soll.

Mit der Strategie "Quartier 2020 – Gemeinsam.Gestalten." unterstützt das Ministerium für Soziales und Integration die Gestaltung von lebenswerten, helfenden und sorgenden Quartieren vor Ort. Mit digitalen Ansätzen wie Quartiers-Apps und Online-Börsen werden neue Wege entwickelt, um nachbarschaftliche Strukturen durch digitale und reale Vernetzung zu stärken und Informationen niedrigschwellig weiterzugeben. Neben innovativen Kommunikations- und Organisationslösungen können technische Hilfsmittel wie Beleuchtungssteuerung oder automatische Türöffner dabei helfen dem Wunsch vieler älterer Menschen zu erfüllen, so lange und selbstbestimmt wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben zu dürfen. 

Die Gewinner des Wettbewerbs Teil A der Zukunftskommune@BW. (Foto: © Innenministerium Baden-Württemberg

Im Rahmen der Digitalisierungsstrategie des Landes soll auch ein virtuelles Kompetenzzentrum Smart Home and Living unter Federführung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau aufgebaut werden. Dafür ist ein Budget von einer Million Euro vorgesehen. Das – bundesweit einmalige – Kompetenzzentrum soll ein (virtueller) Kristallisationspunkt für die verschiedenen Kompetenzen im Bereich Smart Home and Living (SHL) werden, um die Kräfte im Land zu bündeln und gemeinsam gezielte wirkungsvolle Maßnahmen zu initiieren und zu realisieren.

Es soll die Themenfelder Information, Sensibilisierung, Qualifizierung und Koordinierung regionaler Aktivitäten umfassen. Zielgruppen: Handwerk, Endverbraucher: Einzelkunde, Wohnungsbaugesellschaften, Pflegeeinrichtungen, Wohngenossenschaften, Intermediäre, Forschungseinrichtungen. Das Projekt kann voraussichtlich im Herbst 2018 starten."

Die Digitalisierung ist ein zentraler Arbeitsschwerpunkt der Landesregierung. Dazu hat sie eine Investitionsoffensive gestartet: Rund eine Milliarde Euro werden in dieser Legislatur in die Digitalisierung investiert, rund die Hälfte davon fließt in den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Erstmals werden alle Vorhaben auch unter dem Dach des Digitalisierungsministeriums koordiniert und gebündelt. Mit "digital@bw" wurde im Sommer 2017 die erste, landesweite und ressortübergreifende Digitalisierungsstrategie vorgestellt, die in Teamarbeit von allen Ministerien erstellt wurde. In den kommenden zwei Jahren werden dazu über 70 ganz konkrete Projekte mit einem Volumen von über 300 Millionen Euro umgesetzt.

Mit Digital-BW hat die Landesregierung auch ein neues Schaufenster der Digitalisierung an den Start gebracht. Es ist das zentrale Online-Portal rund um alle Digitalisierungsthemen und -maßnahmen im Land.

50 weitere Kommunen werden auf ihrem Weg ins digitale Zeitalter unterstützt und eine an den konkreten Bedürfnissen ihrer Bürgerinnen und Bürger ausgerichtete Digitalisierungsstrategie entwickeln. Insgesamt nimmt das Land dafür 7,6 Millionen Euro in die Hand - darunter aus der 'HardtIN-Region' die Gewinnerkommunen des Wettbewerbsteils B: 

Baden-Baden

Bretten

Stutensee

Au am Rhein

Bietigheim

Bischweier

Durmersheim

Elchesheim-Ilingen

Kuppenheim

Malsch

Muggensturm

Ötigheim

Steinmauern

(Quelle: StVwKA/HIN)