Frauenarbeit unterbezahlt

Erstellt: Montag, 18. März 2019

(joER). Bis zum 18. März arbeiten Frauen umsonst. Erst dann haben sie statistisch die geschlechtsspezifische Lohnlücke für das laufende Jahr abgearbeitet. Der Aktionstag "Equal Pay Day" jährt sich am 18. März zum zwölften Mal. An diesem Tag wird auf Verdienstunterschiede von Frauen und Männern aufmerksam gemacht. Der "Equal Pay Day" markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschied. Umgerechnet ergibt sich damit eine Einkommenslücke von 77 Tagen.  

Anlässlich des "Equal Pay Day" präsentieren das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) und das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung an der UDE 2018 Forschungsergebnisse zur geschlechterbezogenen Lohnlücke. "Wir können erstmals statistisch nachweisen, dass weibliche Erwerbsarbeit systematisch abgewertet wird", erklärt IAQ-Forscherin Sarah Lillemeier.

Möglich wird das durch den "Comparable Worth-Index" (kurz: CW-Index) den die Forscherinnen am IAQ und WSI in Anlehnung an ein geschlechtsneutrales Arbeitsbewertungsverfahren ("Paarvergleich" aus dem eg-check) entwickelt haben. Der CW-Index ist ein statistisches Messinstrument und erfasst zur Arbeitsbewertung nicht nur Wissen und Können, sondern berücksichtigt auch Faktoren wie Verantwortung für Andere oder psycho-soziale und physische Arbeitsanforderungen und -belastungen. Er basiert auf den Angaben von 17.799 Erwerbstätigen (BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung).

Ein zentraler Befund: In Berufen, in denen viele Frauen arbeiten, wird meist schlechter gezahlt als in "männerdominierten" Berufen – auch wenn die Arbeitsanforderungen gleichwertig sind. Und höhere Anforderungen und Belastungen gehen in "Männerberufen" mit stärkeren Lohnzuwächsen einher als in "Frauenberufen".

Die Ursachen der Verdienstlücke sind vielfältig und wurden stellenweise statistisch noch nicht ausreichend untersucht. Um die Bewertungen und Bezahlungen weiblicher Erwerbsarbeit statistisch kritisch zu hinterfragen, haben die Forscherinnen von IAQ und WSI in Anlehnung an ein geschlechtsneutrales Arbeitsbewertungsverfahren (Paarvergleich aus dem eg-check) den "Comparable Worth-Index" (CW) entwickelt, der bei der Arbeitsbewertung nicht nur Wissen und Können erfasst, sondern z.B. auch Verantwortung für Andere oder psycho-soziale und physische Arbeitsanforderungen berücksichtigt.

Die Analysen zeigen, dass insgesamt die Anforderungen und Belastungen in "Frauenberufen" geringer entlohnt werden als in "Männerberufen" und auch die Arbeitsleistung von Frauen im Allgemeinen geringer honoriert wird als die von Männern. "Hier können wir erstmals statistisch nachweisen, dass weibliche Erwerbsarbeit von systematischen Abwertungen betroffen ist, d.h. gemessen an ihren Anforderungen und Belastungen vergleichsweise geringer entlohnt wird als männliche Erwerbsarbeit", stellt die IAQ-Forscherin Sarah Lillemeier fest.

"Die Leistungen von Frauen und Männern sowie in "Frauen"- und "Männerberufen" werden am Arbeitsmarkt nicht gleichermaßen honoriert", kritisieren die Forscherinnen und weisen darauf hin, dass dieses Ergebnis nur schwer zu vereinbaren ist mit dem gesellschaftlich vorherrschenden Legitimationsprinzip der Leistungsgerechtigkeit.

Dabei bestätigt sich die These der bestehenden Abwertung weiblicher Erwerbarbeit ("Devaluationshypothese") auch unter Berücksichtigung weiterer verdienstrelevanter Faktoren, wie beispielsweise der Arbeitszeit, der Berufserfahrung, der Tarifbindung und der Branchenzugehörigkeit der Beschäftigten. Unter Kontrolle dieser Faktoren führt die Zunahme der beruflichen Anforderungen und Belastungen (der CW-Index steigt um eine Einheit) zu je einem Verdienstzuwachs von mehr als 6 Prozent bei den Männern und weniger als 5 Prozent bei den Frauen (siehe auch die Abbildung im Anhang der pdf-Version dieser PM; Link unten).

Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Lohnlücke in Deutschland gemessen am Durchschnittsbruttostundenlohn 21 Prozent (2016) betrug. Nach wie vor belegt Deutschland mit diesem Ergebnis einen der Spitzenpositionen im europäischen Vergleich. Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit klingt zwar einleuchtend, ist aber in der Bundesrepublik noch lange keine Realität:

Frauen arbeiten in schlechter bezahlten Berufen und Branchen und auf niedrigeren Stufen der Karriereleiter als Männer.

Frauen unterbrechen oder verkürzen wegen Kinderbetreuung und Pflege ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger als Männer.

Arbeitsanforderungen in so genannten typischen Frauenberufen, z. B. Erziehung und Pflege von Menschen, werden schlechter bewertet als Anforderungen in so genannten typischen Männerberufen, die z. B. mit Technik oder viel Geld zu tun haben. Das schlägt sich in der Eingruppierung nieder.

Sogar bei gleicher Ausbildung, gleichem Alter, gleichem Beruf und gleichem Betrieb erhalten Frauen etwa 12 Prozent weniger Entgelt.

Das Geschlecht sorgt noch heute auf die Gehalts-/Lohnzahlung aus. Die Lohnlücke hat sich in den letzten Jahren kaum geändert. Die Zahlen wirken wie in Stein gemeißelt. Fakt ist, dass hierfür bestehende Rollenbilder und die Aufgabenverteilung in den Familien ursächlich sind. Umgerechnet ergeben sich 77 Tage (21 Prozent von 365 Tagen) und so ist das Datum des nächsten "Equal Pay Day" (EPD) am 18. März 2018.

Der Equal Pay Day markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied, der  laut Statistischem Bundesamt aktuell in Deutschland 21 Prozent beträgt. Umgerechnet  ergeben sich daraus 77 Tage (21 Prozent von 365 Tagen), die Frauen zum Jahresanfan g  unentgeltlich arbeiten müssen.  

Der Equal Pay Day wurde 2008 auf Initiative des Business and Professional Women (BPW)  Germany e.V. erstmals in Deutschland durchgeführt und wird vom Bundesministerium für  Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Entstanden ist der Tag für gleiche  Bezahlung in den USA. Die amerikanischen Business and Professional Women schufen 1988  mit der Red Purse Campaign ein Sinnbild für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen.  

Diesen Gedanken griff der BPW Germany auf, sodass die roten Taschen bundesweit zum Symbol des Equal Pay Day wurden. Inzwischen gibt es den Equal Pay Day weltweit, allein in 32 europäischen Ländern.

Bewertung und Bezahlung per Tarifvertrag schützt  

Grundsätzlich klafft eine Verdienstlücke innerhalb der einzelnen Anforderungs- und Belastungsgruppen; und zwar je mehr das berufliche Anforderungsniveau steigt. "Wer tariflich entlohnt wird, ist meist besser dran. Denn dann fallen die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern bei gleichen oder gleichwertigen beruflichen Anforderungen und Belastungen deutlich geringer aus", stellt Dr. Christina Klenner vom WSI fest.

Ganz kluge Köpfe relativieren diese Zahlen gerne: die unterschiedliche Bezahlung läge an der falschen Berufswahl von Frauen, die sich überproportional für schlecht bezahlte soziale und Dienstleistungsberufe entschieden. Außerdem sei ja ihr Anteil an Teilzeitarbeit und damit am "Teilzeitlohn" viel höher als bei Männern, zudem seien sie häufiger Minijobberinnen und Geringverdienerinnen – ziehe man all diese Gründe ab, so sei die Lohnlücke ja viel geringer: statt über 20 Prozent eher unter zehn Prozent.

Die Forscherinnen kritisieren, dass vor allem in weiblich dominierten Bereichen die Verdienste geringer sind – etwa in Erziehung und Pflege –, obwohl hier die beruflichen Anforderungen und Belastungen vergleichsweise hoch sind: Legt man den "CW-Index" als Maßstab an, haben die Beschäftigten in der größtenteils von Frauen ausgeübten Altenpflege ähnlich hohe Anforderungen und Belastungen zu bewältigen wie die in den männlich dominierten IT- und Technikberufen.

Allerdings bekommen die Beschäftigten in der Altenpflege durchschnittlich nur 14,42 Euro pro Arbeitsstunde und die Beschäftigten im Technik- und IT-Bereich zwischen 25,72 Euro und 27,92 Euro. "Hier gibt es einen ganz zentralen politischen Handlungsbedarf, damit die hoch relevanten personennahen Dienstleistungen aufgewertet werden", fordert IAQ-Direktorin Prof. Dr. Ute Klammer.

Innovative Wirtschaft benötigt qualifizierte Frauen  

Nach neuesten Erhebungen des Statistischen Landesamtes ist das Entgelt von Frauen durchschnittlich 21,2 Prozent immer noch geringer als das von Männern. Im europäischen Durchschnitt liegt die geschlechtsspezifische Lohnlücke bei 16,6 Prozent- der europäische Equal Pay Day war daher bereits am 27. Februar. 

Als die geschlechtsspezifische Lohnlücke in Deutschland erstmalig in Tage umgerechnet wurde, im Jahr 2009, fiel der Gender Pay Day auf den 20. März. "Nun feiern wir diesen Tag schon zum dritten Mal in Folge am 18. März. Dass hier nicht schneller aufgeholt wird, ist eine Schande für unser Land und eine Beleidigung aller Frauen und ihrer tagtäglichen Leistung für den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft", ärgert sich die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischen Frauen (ASF) Maria Noichl.

Noichl fordert, das Transparenzgesetz zu einem Entgeltgleichheitsgesetz mit Verbandsklagerecht weiter zu entwickeln: "Wir wollen verpflichtende Prüfverfahren der Entgeltstrukturen nach vorgegebenen Kriterien, auch schon in Unternehmen ab 50 Beschäftigen, einführen."

Wirtschafts- und Arbeitsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut appelliert derweil an die Unternehmen im Land: "Gleichberechtigte Karriere- und Einkommenschancen müssen selbstverständlich sein. Wir müssen das Potenzial gut ausgebildeter weiblicher Talente bestmöglich nutzen, um dem Fachkräftemangel in der Südwestwirtschaft entgegenzuwirken. Denn eine innovative Wirtschaft benötigt qualifizierte Frauen."

"Wählen Sie Zukunftsberufe, die berufliche Perspektiven und gutes Einkommen bieten. Wir unterstützen unter anderem bei der Berufswahl, um Sie für Zukunftsberufe in unserer Wirtschaft 4.0 zu begeistern. Mit ihren vielfältigen Fähigkeiten können Frauen die Zukunft der Wirtschaft aktiv mitgestalten", so die Ministerin.

Mit der Landesinitiative "Frauen in MINT-Berufen" möchte das Wirtschaftsministerium die Attraktivität technisch-naturwissenschaftlicher Berufsfelder erhöhen und mehr Frauen für die MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) gewinnen. Diese bieten besonders gute Verdienstmöglichkeiten und Karriereperspektiven aufgrund der Wirtschaftsstruktur in Baden-Württemberg.

"Das Jahresmotto 2019 des Landesprogramms Kontaktstellen Frau und Beruf lautet ‚Du verdienst MEHR‘, um Frauen ganz im Sinne des Equal Pay Days zu sensibilisieren", führte die Ministerin aus. Hierzu findet von März bis Dezember 2019 eine Veranstaltungsreihe statt, bei der Expertinnen, Beraterinnen sowie Personalverantwortliche diskutieren, wie der Gender Pay Gap oder Pension Gap abgebaut werden können.

"Machen Sie das Motto ‚Du verdienst MEHR!‘ zu Ihrem Motto. Nehmen Sie Ihre Karriere in die Hand, steigen Sie nicht unter Ihrem Wert ein, verhandeln Sie gut und denken Sie auch langfristig an Ihre Absicherung durch ein gutes Einkommen und die Altersvorsorge", so Ministerin Hoffmeister-Kraut.  

Nach neuesten Erhebungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg ist das Entgelt für Frauen in Baden-Württemberg im Durchschnitt um 21,2 Prozent geringer als das ihrer männlichen Kollegen (unbereinigter Verdienstunterschied). Die Gründe für die hohe Einkommensdifferenz zwischen Frauen und Männern sind vielfältig.

Der wichtigste Einflussfaktor des so genannten "Gender Pay Gaps" ist das geschlechtsspezifische Berufs- und Branchenwahlverhalten von Frauen und Männern. Hinzu kommen familiär bedingte Erwerbsunterbrechungen, häufigere Teilzeitbeschäftigungen und Minijobs von Frauen sowie weniger Frauen in Führungspositionen, die den Gender Pay Gap verursachen.

"Wir wollen Gesetze, die zeitgemäße Rollenbilder von Frauen und Männern unterstützen", verspricht die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek, denn "Frauen laufen noch immer Gefahr, ihre Möglichkeiten nicht voll ausschöpfen zu können".

"Frauen werden durchschnittlich schlechter bezahlt, steigen familienbedingt öfter und länger aus dem Job aus, steigen überwiegend in Teilzeit wieder in den Job ein, und das nicht selten unterhalb ihrer Qualifikation", fährt die Bundestagsabgeordnete fort. Das wirke sich verheerend auf die Alterssicherung von Frauen aus:

So bekommen Frauen am Ende ihres Erwerbslebens nur halb so viel Rente wie Männer. Unsere aktuellen Vorschläge für eine Grundrente gehen diese Ungleichheit an. Zu 75 Prozent werden Frauen von der Grundrente profitieren: Vor allem Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit wegen ihrer Kinder einschränken mussten und deshalb nicht ausreichend für ihre Alterssicherung vorsorgen konnten. Von der Grundrente profitieren würden auch Frauen, die jahrzehntelang zu Niedriglöhnen arbeiten mussten.

"Neben der Einführung einer Grundrente müssen wir aber gleichzeitig weiter daran arbeiten, dass Frauen über den gesamten Lebensverlauf hinweg die gleichen Chancen wie Männer haben: auf einen gut bezahlten Job und letztlich auf eine eigenständige und auskömmliche Alterssicherung. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir die sozialen und die Gesundheitsberufe aufwerten, denn es ist nicht plausibel, dass eine Arbeit mit so hohen Anforderungen und so großer Bedeutung für die Gesellschaft so gering entlohnt wird", so die SPD-Politikerin.

Das größte Loch auf dem Gehaltszettel von Frauen klafft in Süddeutschland

Die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Entgelt variieren innerhalb Deutschlands stark. Besonders groß ist der Gehaltsrückstand von Frauen gegenüber Männern in Süddeutschland, während die ostdeutschen Bundesländer auf deutlich geringere Entgeltunterschiede kommen.  

So verdienen Frauen in Baden-Württemberg durchschnittlich 22,7 Prozent weniger als Männer, während der Abstand in Brandenburg "nur" 14,9 Prozent beträgt. Für Gesamtdeutschland beträgt der Gender Pay Gap unverändert 21 Prozent. Das ergibt eine aktuelle Auswertung des Online-Portals Lohnspiegel.de der Hans-Böckler-Stiftung zum Equal Pay Day am 18. März auf Basis der Angaben von über 300.000 Beschäftigten.  

Die Gehaltslücke lässt sich sowohl mit Gehaltsabständen zwischen einzelnen Berufen als auch mit einer Gehaltslücke zu Lasten von Frauen innerhalb der einzelnen Berufe erklären. So arbeiten Frauen überdurchschnittlich häufig in vergleichsweise schlecht bezahlten Berufen, zum Beispiel als Verkäuferin im Einzelhandel (Durchschnittsgehalt der Frauen: 1.991 Euro, Frauenanteil unter den Befragten: 66 Prozent), als Physiotherapeutin (2.296 €, 67 Prozent Frauen) oder Erzieherin (2.701 €, 75 Prozent Frauen).

"Bei den Löhnen hinken die sozialen Berufe, in denen Frauen deutlich überrepräsentiert sind, oft hinterher", sagt Dr. Malte Lübker, Experte für Tarif- und Einkommensanalysen am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. "Dies gilt auch dann, wenn die Anforderungen an die Qualifikation vergleichbar sind."

Höhere Löhne werden u.a. in den technischen Berufen bezahlt, wo der Männeranteil i.d.R. über 90 Prozent liegt.  Dies erklärt auch, warum beim Gender Pay Gap wirtschaftlich starke Länder wie Baden-Württemberg (22,7 Prozent) schlecht dastehen. Das verarbeitende Gewerbe, insbesondere die Automobilindustrie, ist hier stark verankert und bietet gut bezahlte Jobs – in denen ganz überwiegend Männer arbeiten.

Doch auch wenn Frauen und Männer im gleichen Beruf arbeiten, klafft auf dem Gehaltszettel von Frauen oft ein großes Loch. Unter Versicherungskaufleuten verdienen Frauen nach den Zahlen des Lohnspiegels 21 Prozent weniger, bei Bauingenieurinnen beträgt der Rückstand zu männlichen Kollegen 16 Prozent, und bei Informatikerinnen 7 Prozent (Abbildung 2). Ein Grund hierfür sind u.a. die kürzeren Arbeitszeiten und Erwerbsunterbrechungen von Frauen.

"Teilzeit und längere Elternzeiten werden in den Betrieben häufig abgestraft, da sie als Signal für geringeres Arbeitsengagement gelten. Das betrifft stärker Frauen, da diese nach wie vor den Löwenanteil an Haus- und Sorgearbeit übernehmen", sagt Dr. Yvonne Lott, am WSI Expertin für Arbeitszeitforschung. "Etwas verkürzt gesagt: Eine Mutter auf einer Teilzeit-Stelle macht seltener Karriere. Und es gibt auch Unternehmen, die Teilzeitarbeit schlechter bezahlen als vergleichbare Vollzeitjobs, obwohl das illegal ist."

Paradoxerweise wird in vielen Betrieben von Frauen erwartet, dass diese wegen der Familie beruflich kürzer treten. Um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, wechseln Frauen auch häufiger als Männer in schlechter bezahlte Jobs, die unter Umständen weniger anspruchsvoll sind, aber mehr zeitliche Flexibilität ermöglichen. Frauen tauschen so Geld gegen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

"Es ist daher wichtig, auch in qualifizierten und anspruchsvollen Berufen mehr zeitliche Selbstbestimmung für Beschäftigte zu schaffen", erklärt Lott. "Dies gilt sowohl für die Dauer, die Lage und den Ort der Arbeit." Neben dem weiteren Ausbau einer verlässlichen Kinderbetreuung muss die Familienpolitik nach Einschätzung der Wissenschaftler die partnerschaftliche Arbeitsteilung weiter fördern, etwa durch eine Verlängerung der Partnermonate bei der Elternzeit. Auch das Ehegattensplitting, das für verheiratete Frauen den Fehlanreiz schafft, auf eine Vollzeitstelle zu verzichten, muss überdacht werden.  

Die ungleichen Aufstiegschancen für Frauen, die oft niedrigere Bezahlung in Berufen mit einem hohen Frauenanteil und andere der genannten Gründe für den Gehaltsrückstand von Frauen werden bei dem sogenannten "bereinigten" Gender Pay Gap herausgerechnet. Verschiedene Forscher kommen durch dieses spezielle Rechenverfahren auf geringere Werte von 6 bis 7 Prozent.

"Auch dies ist eine hohe Differenz, die man vor allem auf direkte, blanke Diskriminierung zurückführen kann", sagt Yvonne Lott. "Zudem ist dieser Wert nur bedingt aussagekräftig, da zentrale Dimensionen der Geschlechterungleichheit ausgeblendet werden." Die Auswertung des Lohnspiegels bezieht sich deshalb auf den unbereinigten Gender Pay Gap, der einen direkten Vergleich der tatsächlich gezahlten Gehälter ermöglicht. Um Unterschiede bei der Arbeitszeit auszugleichen, bezieht er sich auf Vollzeitäquivalente. Alle Monatsgehälter wurden auf Basis einer 38-Stundenwoche berechnet.

Dringend notwendig wäre:

Thema Teilzeitarbeit

Ja, es sind ganz überwiegend Frauen, die Teilzeitarbeit leisten. Woran das liegt? Vielleicht an der noch immer nicht partnerschaftlichen Aufteilung der Familien- und Hausarbeit? An den noch immer nicht ausreichenden Kinderbetreuungsangeboten? An den mangelnden Angeboten für Berufsrückkehrerinnen nach der Familienphase? Oder auch an den Bedürfnissen von und Verantwortlichkeiten für pflegebedürftige Angehörige? Nichts davon ist auszuschließen.

Und wenn in einer Partnerschaft "verhandelt" wird, wer mehr Zeit für die Familie bereitstellt und wer dafür mehr zum Familieneinkommen beiträgt, dann ist die Entscheidung in den meisten Fällen vorprogrammiert, denn solange Frauen auch bei gleicher Arbeit weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, solange werden sie es sein müssen, die ihre Arbeitszeit reduzieren, da andernfalls das Geld fehlt. Und so beißt sich die Katze in den Schwanz.

Thema Soziale Berufe

Warum eigentlich werden soziale Berufe, die eher von Frauen ausgeübt werden, so schlecht bezahlt? Und das, obwohl sie doch eine hohe gesellschaftliche Wertschätzung genießen und darüber hinaus unverzichtbar sind? Hier denken wir an Erzieherinnen, Altenpflegerinnen, Krankenschwestern, Grundschullehrerinnen etc. 

Eine Aufwertung eben dieser Berufsgruppen ist dringend erforderlich. Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, warum die Arbeit an und mit Menschen so viel weniger wert sein soll als die Arbeit an und mit Maschinen. Da müssen wohl auch tradierte Rollenbilder bemüht werden, damit deutlich wird, dass sogenannte "frauentypische haushaltsnahe Tätigkeiten" dahinterstecken.

Was Frau zu Hause umsonst macht, kann doch als Erwerbsarbeit nicht so teuer sein ...?!

Hier ist rigoroses Umdenken angesagt!

(Quelle: WSI/boekler.de/HIN)