Personal im Nahverkehr

Erstellt: Dienstag, 06. März 2018

(joER). Nicht erst durch die aktuelle Grippewelle, die besonders im Schienenpersonennahverkehr zu fehlenden LokführerInnen und ausfallenden Zügen führte, ist klar: Die Bahnbranche leidet besonders unter dem Fachkräftemangel in Deutschland. Wie die Berufsbilder im Bahnbereich aufgewertet, neue MitarbeiterInnen gewonnen und der Übergang von Personal zwischen zwei Anbietern ohne Reibungsverluste geregelt werden kann, war daher am Dienstag, 6. März 2018, Thema eines Gesprächs im Verkehrsministerium.

Angesichts massiver Verspätungen, zu kurzer Züge und Zugausfälle auf einigen Strecken in Baden-Württemberg weist das Verkehrsministerium Kritik am Ausschreibungskonzept für den Schienenpersonennahverkehr als Ursache dessen zurück.

"Um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten, ist das Land europa- und bundesrechtlich gezwungen die Vergaben im Schienenpersonennahverkehr europaweit auszuschreiben. Bei der Kapazitätsbemessung zur Ausschreibung der Netze wurden grundsätzlich immer die Fahrgastzahlen zu den Hauptverkehrs- und Nebenzeiten auf einer Strecke zu Grunde gelegt. Bei der Vergabe galt der Grundsatz vor allem in den Hauptverkehrszeiten keine Kapazitäten einzusparen", so eine Sprecherin des Hauses.

Auch die Kritik von VCD-Chef, Matthias Lieb, die Ausschreibungen seien indirekt für die schlechten Leistungen verantwortlich, weist das Verkehrsministerium zurück: "Die Verträge enthalten bei schlechter und nichterbrachter Leistung Vertragsstrafen, die es für die Unternehmen unwirtschaftlich machen, an der Qualität zu sparen", so die Sprecherin weiter.

Die derzeitige schlechte Leistung auf einigen Strecken, könne nicht Grundlage dafür sein, das Konzept an sich infrage zu stellen. Gespräche mit der Deutschen Bahn zeigen, dass die Ursachen der schlechten Qualität noch nicht zufriedenstellend verbessert wurden. Viele beschädigte Wagen stehen immer noch zu lang in den Werkstätten. Bei der Behebung von Problemen auf der Arbeitsebene lastet die Aufgabe auf den Schultern zu weniger, wenn auch engagierter Mitarbeiter.

Trotz positiven Gesprächen, die dazu geführt wurden. "Die nachdrückliche Forderung des Verkehrsministeriums lautet daher: Fahrzeuge reparieren, Werkstatt in den Griff bekommen und zusätzliches Personal rekrutieren", so die Sprecherin weiter. Die Zusammenarbeit mit dritten Unternehmen zur Stabilisierung kritischer Zugleistungen wie beispielsweise der Bodenseegürtelbahn wurde nicht mit dem nötigen Engagement angegangen. Amtschef Prof. Uwe Lahl hatte die in Baden-Württemberg tätigen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) sowie Vertreter der Gewerkschaften zu einem runden Tisch eingeladen.

"Der Schienenpersonennahverkehr in Baden-Württemberg und mit ihm alle beteiligten Akteure stehen zurzeit und in den kommenden Monaten und Jahren vor großen Herausforderungen. Unser gemeinsamer Anspruch ist es, den Fahrgästen ein Höchstmaß an Qualität, Verlässlichkeit und Sicherheit zu bieten. Nur so kann der positive Trend steigender Fahrgastzahlen ausgebaut und das Image des SPNV in der Öffentlichkeit nachhaltig gestärkt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein Mitwirken aller beteiligten Organisationen von entscheidender Bedeutung", sagte Amtschef Lahl.

Das Verkehrsministerium regte an, dass die Tarifparteien einen Betreiberwechsel-Tarifvertrag für die Branche auszuarbeiten. Darin soll das Verfahren im Falle eines Wechsels von MitarbeiterInnen von einem Unternehmen zum anderen einheitlich geregelt werden. Alle Beteiligten vereinbarten, hierzu im Gespräch zu bleiben. Darüber hinaus waren sich alle Beteiligten einig, dass die unterschiedlichen Bahnberufe verstärkt beworben werden sollen, um so dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzutreten.  

"Maßgeblich für die Zuverlässigkeit des Leistungsangebots sind am Ende vor allem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EVUs. Auf deren Einsatz sind Alt- und Neubetreiber gleichermaßen angewiesen. Wir sehen daher ein gemeinsames Interesse, die verschiedenen Berufsbilder im Bahnbereich auch in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich aufzuwerten, mehr Interessenten für Bahnberufe zu finden und den Mitarbeitern neben attraktiven Arbeitsbedingungen auch ein verlässliches und transparentes Verfahren im Rahmen eines Betreiberwechsels zu bieten", so Lahl.

(Quelle: VM.bw/HIN)