Streiks gehen weiter

Erstellt: Donnerstag, 01. Februar 2018

(prOH). Am zweiten Tag sind die ganztägigen Warnstreiks in Baden-Württemberg für die ein voller Erfolg, in 23 Betrieben fiel die Produktion heute nahezu komplett aus. Am heutigen Donnerstag sind insbesondere die Beschäftigten von Autozulieferern aufgerufen. In den bisher durchgeführten Mitgliedervoten gab es durchgängig überwältigende Mehrheiten für die Maßnahme. Bis Freitag wird die IG Metall Baden-Württemberg insgesamt rund 70 Betriebe zu ganztägigen Warnstreiks aufrufen.

"Miteinander für morgen" lautet das Motto der IG Metall für ihre aktuelle Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. Die IG Metall hatte nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen im Pilotbezirk am Wochenende in Baden-Württemberg ganztägige Warnstreiks angekündigt. Bereits seit dem späten Dienstagabend legten nach Angaben der Gewerkschaft Beschäftigte von Firmen in mehreren Bundesländern die Arbeit für 24 Stunden nieder.

Die Gewerkschaft fordert für die rund 3,9 Millionen Beschäftigte sechs Prozent mehr Geld und eine Wahloption, ihre Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre auf bis zu 28 Stunden die Woche zu verringern. Seit Ende November 2017 wird in den Tarifgebieten mit den Arbeitgebern verhandelt - bisher ohne Ergebnis.

Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg und Verhandlungsführer: "Die Arbeitgeber haben am Verhandlungstisch keine ausreichende Bewegung gezeigt, jetzt bewegen wir sie mit ganztägigen Warnstreiks. Die Bilanz nach anderthalb Tagen ist sensationell. Unsere Kolleginnen und Kollegen stehen voll und ganz hinter unseren Forderungen und sind hoch motiviert bei der Sache. Ich hoffe, dass die Arbeitgeber endlich erkennen, dass sie deutlich über ihr letztes Angebot am Verhandlungstisch hinausgehen müssen." Deshalb rufe man morgen weitere 22 Betriebe zum ganztägigen Warnstreik auf.

Mit Blick auf einen neuen Verhandlungstermin sagte Zitzelsberger: "Die Verhandlungen können am kommenden Montag fortgesetzt werden - sofern die Gegenseite nicht deutliche Bewegung signalisiert. Solche Signale brauchen wir spätestens am Wochenende." Vorsorglich wurden für Montag, 5. Februar, ab 11 Uhr Räume in der Liederhalle Stuttgart angemietet.

Bis 12 Uhr haben sich im Südwesten rund 5'000 Beschäftigte an den ganztägigen Warnstreiks beteiligt, darunter rund 1'000 bei Bosch und Automotive Lighting in Reutlingen. Bei Getrag Magna Powertrain in Rosenberg traten knapp 500 Beschäftigte zum Warnstreik an, bei Mahle in Markgröningen waren es in der Frühschicht rund 350. Im Laufe des Nachmittags und Abends kommen weitere Teilnehmer aus späteren Schichten hinzu, insgesamt sind für heute mehr als 30.000 Beschäftigte zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen.

Morgen ruft die IG Metall im Südwesten Beschäftigte der Autohersteller und Zulieferer zum ganztägigen Warnstreik auf. In fünf Betrieben treten die Belegschaften bereits heute Abend zwischen 21 und 22 Uhr mit den Nachtschichten in den ganztägigen Warnstreik, unter anderem bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen und in den Mercedes-Werken Stuttgart und Sindelfingen. An letzterem Standort spricht Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall zu den Warnstreikenden. Bei Mercedes in Gaggenau ist Irene Schulz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied, Gastrednerin.

Übersicht über die ganztägigen Warnstreiks in der HardtIN-Region am Freitag, 2. Februar:

IG Metall Bruchsal (07251/71220) John Deere Bruchsal 06.00 Uhr
IG Metall Gaggenau (07225/96870) Antolin Rastatt 06.00 Uhr
    Mercedes-Benz Werk Rastatt 05.45 Uhr
    Mercedes-Benz Werk Gaggenau 06.00 Uhr
    Streikfest MB Gaggenau | Tor 18.00 Uhr
IG Metall Karlsruhe (0721/9311150) Rosenbauer Karlsruhe 06.00 Uhr
         

Ökonomen schätzen den Schaden pro Tag auf mindestens 62 Millionen Euro. Wie hoch die Summe am Ende sein wird, hängt davon ab, wie stark die eng verzahnten Lieferbeziehungen zwischen Herstellern und Lieferanten durch die Arbeitsniederlegungen betroffen sind. Die Arbeitgeber warfen der IG Metall ihrerseits vor, den Konflikt unnötig zu eskalieren. 

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(Quelle: IGM.gag/HIN)