Wann, wenn nicht jetzt?  

Erstellt: Mittwoch, 24. Januar 2018

Rastatt (proh). Eine lange (Warnstreik-)Schlange vor den Toren von Mercedes-Benz in Rastatt bildete sich am heutigen Mittwoch. Der Grund? Die IG Metall Gaggenau rief zu einem Protestmarsch außerhalb des Werksgeländes. Eine Maßnahme, die von Tausenden Rastatter MetallerInnen begeistert aufgenommen wurde. Lautstark skandierten sie gegen die bisherigen Angebote der Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde und zeigten mit selbst gestalteten Transparenten, Hunderten MetallerInnen-Fahnen und "kreativen" Trillerpfeifenkonzerten reichlich Selbstbewusstsein. "Wir lassen uns das nicht länger bieten!", war der meistgerufene Satz in dem Demonstrationszug, der zunächst durch das Mercedes-Benz-Werksgelände führte, bevor die MetallerInnen durch Tor 3 auf die Wilhelm-Busch-Straße einbogen, um ca. einen Kilometer bis vor das Tor 1 zu marschieren. Dort wurden sie von KollegInnen weiterer Rastatter Metallbetriebe empfangen

Die Stimmung während der Kundgebung bei dem Demonstrationszug führte zunächst durch das Mercedes-Benz-Werksgelände, bevor die MetallerInnen durch Tor 3 auf die Wilhelm-Busch-Straße einbogen, um ca. einen Kilometer bis vor das Tor 1 zu marschieren. war blendend. Mit Sprechchören, Trillerpfeifen, Trommeln und reichlich Applaus zeigten die KollegInnen, was sie von den bisherigen Angeboten der Arbeitgeber halten - nämlich gar nichts.

Sie demonstrierten Entschlossenheit zu weiteren Schritten, sollten die Arbeitgeber in der heute beginnenden, vierten Verhandlungsrunde nicht mit verhandlungsfähigen Angeboten aufwarten. Inhaltsbild  Uwe Krause, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Mercedes-Benz Rastatt:  "A dream came true: endlich konnten wir einen Demozug außerhalb des Werksgeländes führen. Und das gleich mit einer wirklich beeindruckenden Anzahl von KollegInnen.

Dies sind die Bilder, die sich die Arbeitgeber genau anschauen sollten. Denn hiermit zeigen wir, dass es uns allen durchweg ernst ist mit unseren Forderungen. Nicht nur bei der Entgelterhöhung, sondern vor allem auch bei den Forderungen rund um die Arbeitszeit. Denn die Zeiten ändern sich, die Menschen wollen und brauchen mehr souveräne Arbeitszeiteinteilung, brauchen mehr Zeit für sich und ihre Familien."

Udo Roth, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender "Benz" Gaggenau: "Wir sind am Anschlag im PKW-Bereich, es folgt ein Rekordmonat nach dem anderen. Und dann kommt der Arbeitgeberverband mit einem lächerlichen Angebot - das ist eine bodenlose Frechheit! Wir haben die Chance, mit dieser Tarifrunde Tarifgeschichte zu schreiben. Vor über 60 Jahren ist das Thema Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall erkämpft worden - das war ein gewaltiger Schritt damals, der uns allen eine völlig neue Lebensqualität gab.

Nun geht es darum, dass belastete Beschäftigungsgruppen zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf zusätzliche freie Tage erhalten - und zwar mit finanzieller Unterstützung. Wenn ich mich hier so umschaue, sehe ich mehrere stolze Belegschaften, die sich im Klaren darüber sind, dass die Forderungen ihrer Gewerkschaft mehr als gerechtfertigt sind. Wir sind keine Bittsteller. Sollten die Arbeitgeber keine annehmbaren Angebote machen, wird es 'knallen'!"

Claudia Peter, 1.Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau: "Keine Frage: Sechs Prozent sind kein Pappenstil. Und auch die Arbeitszeitforderung wird Geld kosten. Aber für die Arbeitgeber gibt es bekanntlich nie den richtigen Zeitpunkt für unsere Forderungen. Doch ich frage euch: Wann, wenn nicht jetzt? Heute geht es den Betrieben bestens, also können sie sich die Erfüllung unserer Forderungen durchaus leisten."

Es habe sich bei einer Beschäftigtenbefragung der IG Metall herausgestellt, dass eine souveräne Gestaltung der Arbeitszeit ein wichtiges Thema sei, und "ihr habt euch in den vergangenen Jahren immer flexibel gezeigt und seid immer zur Stelle gewesen, wenn es um Mehrarbeit ging. Und jetzt seid Ihr dran: Es geht jetzt um eure Zeitsouveränität. Wenn bis zum Wochenende keine Bewegung bei den Arbeitgebern zu erkennen ist, dann wird es eine zusätzliche Eskalation geben, dann heißt es: 24-Stunden-Streik. Diese 'Karte zücken' wir aber nur, wenn die Arbeitgeber nicht einlenken. Wir sind jedenfalls dafür präpariert."

siehe auch: STREIK TROTZ REGEN

(Quelle: IGM.gag/HIN)