Streik trotz Regen

Erstellt: Dienstag, 23. Januar 2018

Rastatt | Gaggenau | Rheinmünster (proh). Mit dem Auftakt zu den Arbeitsniederlegungen standen am 11. Januar bei Benz in Gaggenau, Mercedes in Rastatt und Siemens die Produktionsanlagen still. Gestern folgten in Rastatt Beschäftigte von "Ruf Betten" dem Warnstreikaufruf der IG Metall Gaggenau und heute morgen waren zur Kundgebung vor dem Becker-Avionics-Gelände in Rheinmünster gekommen. Trotz Regen war für sie klar: Die Arbeitgeber müssen sich bewegen. Am Mittwoch ist beim Benz-Werk in Rastatt eine Groß-Kundgebung geplant.

Trotz des nasskalten Wetters kamen am Montagvormittag 65 Beschäftigte der Firma Ruf Betten in Rastatt zusammen, um an einem Warnstreiks der IG Metall Gaggenau teilzunehmen. Um 11 Uhr legten sie ihre Arbeit nieder und versammelten sich zu einer Demonstration auf dem Parkplatz des Unternehmens, um für sechs Prozent mehr Lohn zu kämpfen. "Die Forderung ist angemessen, notwendig und vernünftig – die Beschäftigten haben eine angemessene Erhöhung mehr als verdient", erklärte Gewerkschaftssekretär Bodo Seiler in Rastatt. 

"Wer solche 'Angebote' vorlegt, darf sich am Ende nicht über einen Fachkräftemangel beschweren. Deswegen fordern wir auch eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen", so Seiler weiter. Er könne den Arbeitgebern nur wärmstens empfehlen, sich am Verhandlungstisch zu bewegen, sonst müsse man darüber nachdenken, sich auf dem Parkplatz häuslich einzurichten.

"Die Produktion steht für einige Stunden und mehr als zwei Drittel der anwesenden Belegschaft verleihen bei miserablem Wetter vor den Toren des Unternehmens lautstark ihren Forderungen Nachdruck - gehts noch deutlicher?", empörte sich Klaus Schulz. Mit solchen Aktionen könne man während der nächsten Verhandlungen bei den Arbeitgebern ordentlich Druck erzeugen, hofft Schulz.

"Wer weiß: vielleicht sogar mit einem Bett aus dem Hause Ruf Betten", schloss Seiler augenzwinkernd. Sechs Prozent mehr Lohn gefordert  Die Gewerkschaft fordert in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie sechs Prozent mehr Lohn für ein Jahr, außerdem sollen Auszubildende überproportional von Einkommenszuwächsen profitieren. Die Arbeitgeber boten zuletzt eine Entgelterhöhung von 2,8 Prozent auf 22 Monate, die nächste Verhandlung ist morgen in Böblingen.

Es sei an der Zeit, dass man den "Bossen" mal wieder zeige, dass nicht alles so laufen kann, wie sie es sich vorstellen. Das sieht auch der zuständige Gewerkschaftssekretär, Bodo Seiler, so. "Dieser Warnstreik sollte den Arbeitgebern zu denken geben. Wer seine Beschäftigten mit Peanuts abspeisen will, der muss mit weiteren, noch deutlicheren Aktionen rechnen."

Seiler betonte gegenüber den warnstreikenden MitarbeiterInnen von "Ruf-Betten", dass die Forderungen der IG Metall angemessen, notwendig und vernünftig seien. "Die Beschäftigten haben eine Entgelt-Erhöhung mehr als verdient! Wer unangemessene "Angebote" wie zuletzt 2,8 Prozent in zwei Stufen vorlegt, darf sich am Ende nicht über einen Fachkräftemangel beschweren. Deswegen fordern wir auch eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen."

Seiler und Schulz empfahlen den Arbeitgebern unisono, während der anstehenden Verhandlungen endlich in Bewegung zu kommen. Ansonsten werde man sich vor den Toren des Unternehmens für längere Zeit "häuslich einrichten - gerne auch auf Ruf-Betten!"  Die IG Metall fordert in der Tarifauseinandersetzung der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie 6 Prozent mehr Geld für 12 Monate, Auszubildende sollen überproportional von Einkommenszuwächsen profitieren.

Damit soll erreicht werden, dass die Branche für junge Menschen attraktiver wird. Die Arbeitgeber boten zuletzt in der Verhandlung am 10.01.2018 eine Entgelterhöhung von insgesamt 2,8 Prozent in zwei Stufen bei 22 Monaten Laufzeit.  

Zuletzt sind die Tarifgehälter in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie im Juli 2017 um 1,7 Prozent gestiegen. "Das wird der guten wirtschaftlichen Situation der Branche bei weitem nicht gerecht", kommentiert Klaus Schulz, Betriebsratsvorsitzender von RUF, das "Angebot" der Arbeitgeberseite. 

... und die Warnstreiks gehen weiter

Heute morgen folgten dem Aufruf der IG Metall Gaggenau zur Kundgebung vor dem Becker-Avionics-Gelände in Rheinmünster zahlreiche Arbeitnehmer. Trotz Regen war für sie klar: Die Arbeitgeber müssen sich bewegen.  Frank Kistner, Betriebsratsvorsitzender bei Becker, begrüßte die Warnstreikenden: "Im Moment läuft die Wirtschaft dermaßen gut, da sind die 6 % als Forderung berechtigt."  

Die Stimmung war trotz Regen und Wind gut. "Die Arbeitgeber müssen bei den nächsten Tarifverhandlungen am Mittwoch liefern", so die Teilnehmer.  "Ich kämpfe für unsere Rechte als Mitarbeiter. Ich möchte ein ordentliches Stück vom Kuchen abbekommen", so Josef Wojtalla, Betriebsratsvorsitzender bei Motorflug.  

Bisher verlaufen die Gespräche mit Südwestmetall sehr schwierig. "Wir werden den Druck bis zur nächsten Tarifverhandlung am 24.01. noch verstärken", versprach Heiko Maßfeller, der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau. 

"Wir sind zwar ein kleiner Standort, aber wir stehen hinter den Forderungen unserer IG Metall!", so Josef Wojtalla (Betriebsratsvorsitzender) über den erfolgreichen Warnstreik bei Motorflug in Rheinmünster. 

Zur ersten größeren Kundgebung mit Warnstreik in Gaggenau innerhalb der Tarifrunde 2018 versammelten sich am Dienstagvormittag rund 1'500 Teilnehmer am Tor zwei des Mercedes-Benz-Werks. Aufgerufen hatte die IG Metall neben der Gaggenauer Benz-Belegschaft auch die Beschäftigten der Werkteile Kuppenheim und Bad Rotenfels sowie der Gaggenauer Firma AVL Emission Test Systems.

Claudia Peter, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, machte deutlich, dass die Arbeitnehmerseite in der Lage sei, "ab nächste Woche noch einen draufzulegen", und drohte mit bundesweiten 24-Stunden-Streiks. Sie forderte einen "tragbaren Kompromiss" zu

höherem Lohn

Reduzierung der Arbeitszeit

einem Zuschlag im Falle dieser Reduzierung.

Michael Brecht, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Daimler, hieb in seiner Rede vor der Belegschaft in dieselbe Kerbe: "Die Metallindustrie brummt, deshalb ist jetzt ein ordentlicher Schluck aus der Pulle fällig."

Am Mittwoch findet die nächste Metall-Verhandlungsrunde in Böblingen statt, nachfolgend tagen die einzelnen Arbeitsgruppen bis zum Wochenende. Roman Gessner vom Gaggenauer Daimler-Betriebsrat: "Die Arbeitgeber haben sehr gute Gewinne eingefahren, wir lassen uns nicht mit einem mickrigen Angebot abspeisen." Der Tarifvertrag für die Branche in Baden-Württemberg ist zum 31. Dezember 2017 ausgelaufen.

(Quelle: IGM.gag/HIN)