Daimler 'geht in die Luft'

Erstellt: Donnerstag, 30. November 2017

Karlsruhe | Bruchsal (pr). Sind wir in Städten in Zukunft per Lufttaxi unterwegs? Die Firma Volocopter stellt Elektro-Hubschrauber her, die die Mobilität in Metropolen grundlegend verändern sollen. Das in Bruchsal entwickelte elektrische Fluggerät 'Volocopter 2x' hat den Innovationspreis 'Neo2017' der Technologieregion Karlsruhe gewonnen. Die am Mittwochabend in Karlsruhe verliehene Auszeichnung ist mit 20'000 Euro dotiert. Das Fluggerät für zwei Passagiere konzipiert, lässt sich nach Herstellerangaben intuitiv steuern und ist leiser als andere senkrecht startende Fluggeräte.

Immer mehr Menschen leben und arbeiten in Städten und der Verkehr kollabiert, weil Autos mit Verbrennungsmotor für viele immer noch alternativlos sind. Vor allem in den verdichteten urbanen Räumen stellen Luftverschmutzung, hohe Feinstaubwerte und Lärm ein großes Problem dar. Deshalb muss die Zukunft umweltschonenden Lösungen gehören – Lösungen, die Menschen schnell, sicher und bequem ans Ziel kommen lassen.

Dafür braucht es smarte Lösungen, die

  1. für die intelligente Vernetzung unterschiedlicher Verkehrssysteme
  2. für Stadtentwicklung und Verkehrsplanung
  3. für Bewusstseinsbildung (Awareness) und individuelles Mobilitätsverhalten.

Diese drei Themenbereiche standen im Fokus der Ausschreibung zum NEO2017, dem Innovationspreis der TechnologieRegion Karlsruhe. Gesucht wurden die besten Lösungen für einen intelligenten Wandel der urbanen und regionalen Mobilität. Denn die Mobilität der Zukunft ist multimodal, vernetzt und nachhaltig. 

Noch vor der Sommerpause hatte eine 14-köpfige Jury aus Vertretern und Vertreterinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung unter Vorsitz von TRK-Geschäftsführer Jochen Ehlgötz fünf Lösungen für die Finalrunde des NEO nominiert: Einen Fahrradanhänger und Handwagen mit Elektromotor von Carla Cargo, die Lieferverkehr in der Stadt reduzierende Software "MixMoveMatch" von Marlo Consultants, den Bio-Hybrid (Pedelec und Elektro-PKW) von Schaeffler Technologies und den digitalen Service "pakadoo" von LGI, der Privatpakete an der Arbeitsplatz zustellen lässt und den autonom fliegenden, zweisitzigen Volocopter.

Die Innovationen sollten eine überzeugende Leitidee haben, die auf ein marktfähiges Produkt oder eine Dienstleistung zielt, eine globale Relevanz erwarten lassen und einem breiten Publikum vermittelbar sein. Außerdem sollten die Unternehmen einen Bezug zur TechnologieRegion Karlsruhe, zur Metropolregion Rhein-Neckar oder zur Trinationalen Metropolregion Oberrhein haben.

Leicht fiel die Entscheidungsfindung der Jury nicht, viele Male tauschten die Mitglieder Argumente für und wider die Bewerbungen aus, um sich schließlich für die in Bruchsal ansässige Volocopter GmbH mit ihrem Modell 2x zu entscheiden. Die am Mittwochabend in Karlsruhe verliehene Auszeichnung ist mit 20'000 Euro dotiert.

"Wir freuen uns wahnsinnig über die Auszeichnung. Vor allem, weil unser Unternehmen hier in der TechnologieRegion Karlsruhe gegründet wurde", betonten Stefan Klocke und Stephan Wolf, die den Preis entgegen nahmen. In fünf Jahren wollen die Visionäre nach eigener Aussage einen autonomen Taxidienst etabliert haben – am besten weltweit.

"Für die Herausforderungen der Zukunft sind weitreichende Konzepte gefragt", bekräftigte Laudator Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, "auch solche, die vielleicht in unserer Lebenszeit nicht mehr zu Ende geführt werden können". Bullinger, Arbeitswissenschaftler und langjähriger Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, verwies mit Blick auf die Entwicklung von Mega-Cities – und den dort drohenden Verkehrskollaps – auf ein notwendiges Umdenken in Sachen Mobilität. "Die Frage ist letztlich: Wie bereit sind wir für den Wandel? Oder sind wir nur bereit, solange uns der Wandel nicht betrifft?", regte er zum Nachdenken an.

"Die Entwicklung des Volocopters ist exemplarisch für die Innovationskraft und Strategie der Akteure in der TechnologieRegion Karlsruhe", betonte TRK-Geschäftsführer Jochen Ehlgötz. "Die Grundlagen am KIT erarbeitet, in Bruchsal weiterentwickelt und nun auf dem Weg, sich auf internationalen Märkten zu positionieren – so schafft regionales Handeln globale Chancen!"

Auch Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, Vorsitzender des Aufsichtsrats der TRK, zeigte sich begeistert vom innovativen Potenzial der TechnologieRegion Karlsruhe. "Allein die Ausschreibung des Preises zeigt, dass Karlsruhe als starker Standort für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Mobilität der Gegenwart bekannt ist", so Mentrup. "Mit den Preisträgern und den Nominierten lernen wir zudem das Potenzial für die Mobilität der Zukunft kennen, das aus der TechnologieRegion Karlsruhe kommt." 

Das Fluggerät für zwei Passagiere mit reinem Elektroantrieb lässt sich von jedermann intuitiv steuern und ist viel leiser als andere senkrecht startende Fluggeräte. Außerdem sind ferngesteuerte und autonome Flüge möglich. Ein spezielles Batterie-Wechselsystem macht den Volocopter 2x in nur wenigen Minuten wieder einsatzbereit. Nächstes Jahr soll er die Musterzulassung als "Multicopter" erhalten, dann beginnt die Serienzulassung für den deutschen Luftsport-Markt.

Noch dieses Jahr sollen mit dem Volocopter in Dubai erste Demonstrationen als autonomes Lufttaxi durchgeführt werden und im September hatte die Drohne seinen Jungfernflug als Lufttaxi in Dubai erfolgreich absolviert - allerdings noch ohne Passagiere. Elektrische Flugtaxis gelten als Zukunftstechnologie in überfüllten Städten, da sie einen günstigen, leisen und umweltfreundlichen Transport ermöglichen.

Die Hubschrauber von Volocopter verfügen über 18 Rotoren und sollen so besonders sicher sein. Volocopter hat schon 10 Millionen Euro in die Entwicklung investiert und will die Fluggeräte nun schnell zur Serienreife bringen. Der nächste Schritt ist eine Zulassung bei Luftfahrtbehörden, eine vorläufige Verkehrszulassung wurde von der deutschen Luftfahrtbehörde bereits erteilt.

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Daimler 'geht in die Luft' 

Ihr Ziel, das Fliegen für jedermann zu ermöglichen, ist näher gerückt: Das Luftfahrt-Startup Volocopter hat im Juli 2017 eine Finanzierung über 25 Millionen Euro mit dem Stuttgarter Autokonzern Daimler, der jetzt einen Anteil von 11 Prozent an dem Hubschrauberbauer hält, als auch dem Berliner Technologieinvestor Lukasz Gadowski und weiteren Investoren abgeschlossen. Mit dem frischen Kapital wird Volocopter die führende Technologie seiner senkrecht-startenden und rein elektrobetriebenen Fluggeräte (eVTOL) weiter ausbauen, die Einführung des Volocopter Serienmodells beschleunigen und den Markt fliegender Lufttaxis erobern.

Die sicheren, leisen und umweltfreundlichen Fluggeräte, die für den Transport von zwei Passagieren geeignet sind, werden die Mobilität in Metropolen revolutionieren. Zur Verwirklichung dieser Vision investiert Volocopter auch in sein Team und plant dieses kontinuierlich aufzubauen. Nicht nur mit der erfolgreichen Finanzierungsrunde legt Volocopter einen Senkrechtstart hin.

Bereits im Juni gewann das junge Unternehmen den Spitzenplatz im internationalen Rennen um das weltweit erste Pilotprojekt für Lufttaxis im urbanen Raum. Gemeinsam mit der staatlichen Verkehrsbehörde "Roads and Transport Authority" (RTA) in Dubai wird Volocopter im vierten Quartal 2017 erste Demonstrationen eines autonomen Lufttaxis durchführen. Bis zum Jahr 2030 will Dubai 25 Prozent seiner Personenreisen mit Hilfe autonomer Verkehrsmittel abwickeln.

"Das starke finanzielle Engagement unserer neuen Investoren ist ein Signal und Beleg für die wachsende Zuversicht in den neu entstehenden Markt für elektrisch angetriebene Senkrechtstarter als persönliche Lufttaxis", freut sich Florian Reuter, Geschäftsführer von Volocopter. "Wir haben bewusst eine Mischung aus Investoren mit strategischem und unternehmerischem Hintergrund gesucht und konnten das mit Daimler und Lukasz Gadowski hervorragend umsetzen."  

Gerade Automobilkonzerne befassen sich intensiv mit zukünftiger Mobilität – beispielsweise mit dem autonomen Fahren und der Elektromobilität. Daimler ist für Volocopter dadurch ein sehr wertvoller strategischer Partner. "Wir sind weltweit führend in der Entwicklung elektrischer VTOL-Aircrafts", so Reuter. "Damit das auch zukünftig so bleibt, freuen wir uns sehr über die Beteiligung des weltweit führenden Automobilkonzerns."

Während der Investor Lukasz Gadowski das Luftfahrt-Startup auf ganz andere Weise unterstützen kann: Er hat bereits zahlreiche Unternehmen erfolgreich gegründet und finanziert. Gadowski hat enorme Erfahrungen im schnellen und weltweiten Skalieren von Tech-Startups. Das wird für Volocopter extrem wertvoll sein, um sich auf den internationalen Märkten zu behaupten.

"Schon eine Weile beschäftige ich mich mit Flugautos und verfolge die Entwicklung. Als ich den Volocopter sah, begriff ich: Das "fliegende Auto" hat keine Räder! Bei Volocopter begeistern nicht nur die großartige Vision, sondern auch das bereits konkret Umgesetzte. Abgehoben mit Bodenhaftung - eine einzigartige Kombination! Der bemannten Luftfahrt steht in den kommenden Jahren eine Revolution bevor. Wir werden diese mit Volocopter maßgeblich mitgestalten!"

Volocopter wird die neuen Finanzmittel nutzen, um gemeinsam mit seinen Partnern  technische Innovationen und seine Vorreiterrolle in der Branche weiter auszubauen. Geplant sind die Weiterentwicklung der Volocopter zur Serienreife und kommerziellen Zulassungen durch Luftfahrtbehörden weltweit. Hierfür sind u.a. umfangreiche Testflugprogramme vorgesehen.

Um die Entwicklungsgeschwindigkeit dabei zu erhöhen, ist die Einstellung von weiteren Ingenieuren in den Bereichen Flugsystementwicklung, Software und elektrischer Antrieb sowie der Aufbau der kommerziellen Funktionen angestoßen worden. Um das Volocopter Serienmodell mit voller Kraft in den Markt einzuführen, wird das Unternehmen die Investitionen auch zum Aufbau der Markenbekanntheit verwenden.

Den Auftakt dazu bildet die heute gelaunchte, neue Webseite. Darüber hinaus soll ein professionelles Kommunikationsteam rund um Marketing und PR installiert werden, um für geplante Veranstaltungen und Demonstrationen des Volocopters in den kommenden Monaten bestmöglich gerüstet zu sein. Das wird – neben der RTA in Dubai – für weitere Interessenten und Käufer des Volocopters sorgen.

Über Volocopter  Die Volocopter GmbH ist weltweit führend bei der Entwicklung von senkrecht-startenden, voll-elektrischen Multikoptern für den Personentransport und als Schwerlastdrohnen. Die technische Plattform ist äußert flexibel und lässt den pilotierten, ferngesteuerten und voll-autonomen Flugbetrieb zu. Darüber hinaus sorgt das einzigartige Konzept aufgrund seiner hohen Redundanz aller kritischen Komponenten für extreme Sicherheit.

Erklärtes Ziel des Unternehmens ist jedem Menschen den Traum vom Fliegen zu ermöglichen und modernen Städten zu helfen, ihre wachsenden Mobilitätsprobleme zu lösen. Bereits 2011 schrieb das Unternehmen Luftfahrtgeschichte mit dem bemannten Flug des weltweit ersten, rein elektrischen Multicopter. Seitdem setzte das junge Unternehmen weitere Meilensteine.

2016 erhielt Volocopter die vorläufige Verkehrszulassung durch die deutsche Luftfahrtbehörde für einen 2-Sitzer Volocopter und 2017 traf das Luftfahrt-Startup eine Vereinbarung mit RTA Dubai über die weltweite Premiere eines autonom fliegenden Lufttaxis. Im nächsten Jahr soll der erste Volocopter mit Zulassung auf den Markt gebracht werden.

Die Gründer Stephan Wolf und Alexander Zosel haben mittlerweile ein schlagkräftiges Team von erfahrenen Managern wie CEO Florian Reuter (vormals Siemens) und CTO Jan-Hendrik Boelens (vormals Airbus Helicopters) um sich versammelt. Damit wurden die Weichen für das weitere Wachstum des Unternehmens gestellt. Über den Einstieg von Daimler freut sich die Volocopter-Geschäftsführung besonders.

Gerade Automobilkonzerne befassten sich intensiv mit zukünftiger Mobilität, beispielsweise mit dem autonomem Fahren und der Elektromobilität. Daimler sei dadurch ein sehr wertvoller strategischer Partner, so Geschäftsführer Florian Reuter. Bis allerdings die ersten kommerziellen Lufttaxis abheben können, müssen die Fluggeräte noch einige Hürden überwinden. Deshalb will Volocopter sein Produkt zunächst an Privatpersonen verkaufen, da hier die rechtlichen Auflagen leichter zu erfüllen sind. Der Preis für einen Volocopter soll bei ca. 300'000 Euro liegen.

siehe auch: LAND DER IDEEN

(Quelle: Volocopter/HIN/NEO)