EnergieVersorgung gesichert

Erstellt: Mittwoch, 22. November 2017

(proh). Im Jahr 2016 wurden in Baden‑Württemberg mit rund 62' 671  Millionen Kilowattstunden Strom 1 % weniger Strom erzeugt als im Vorjahr. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Landesamtes kamen für die Stromerzeugung zu 74,7 % konventionelle Energieträger und zu 25,3 % erneuerbare Energiequellen zum Einsatz. Die Monitoring-Gruppe Energiewende hat sich jetzt wieder intensiv mit der Enerssicherheit mit Gas und Strom befasst und festgestellt, dass Baden-Württemberg gut auf den kommenden Winter vorbereitet ist.

"Das Jahr 2016 zeigt erneut, dass die Stromerzeugung in Deutschland ständigen Veränderungen unterliegt", sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. "2016 war ein windarmes Jahr, deswegen stieg die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien nur leicht an. Dagegen wurde erstmals seit Jahren wieder mehr Strom aus Erdgas produziert – die Menge stieg um rund 37 Prozent", führt Homann weiter aus.  

Die in Deutschland installierte Erzeugungskapazität stieg auf 212 GW an (2015: 205 GW, 2014: 196 GW), wovon 104,5 GW den erneuerbaren Energieträgern zuzuordnen sind. Die neu eingeführten Ausschreibungen für den Zubau erneuerbarer Kapazitäten werden in Zukunft die Kapazitätsentwicklung im Bereich der Erneuerbaren Energien determinieren. Insgesamt wurden bislang 13 Ausschreibungsrunden durchgeführt.

Alle Ausschreibungen weisen einen erheblichen Kostensenkungstrend auf. Entscheidend wird sein, wie viele der bezuschlagten Anlagen auch tatsächlich realisiert werden. Die ersten Erfahrungen sind positiv: In den ersten beiden PV-Ausschreibungsrunden aus dem Jahr 2015 konnten hohe Realisierungsquoten von über 90 Prozent verbucht werden.  

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, betont den zunehmenden Wettbewerb auf den Strommärkten: "Bei der konventionellen Stromerzeugung hat die Marktkonzentration auf der Anbieterseite weiterhin merklich abgenommen. Daneben ist die Liquidität der Stromgroßhandelsmärkte auf das höchste Niveau seit Erfassung gestiegen. Die Großhandelspreise sind im Jahr 2016 im Durchschnitt weiter deutlich gesunken."  

Über den Rückgang der Marktkonzentration hinaus führen einige weitere Faktoren zu rückläufigen Marktmachttendenzen. Insbesondere wird ein bedeutender Anteil der Stromnachfrage mittlerweile mit der Einspeisung durch Erneuerbare Energien gedeckt, bei denen der kumulierte Marktanteil der größten Stromerzeuger erheblich unter jenem im Bereich der konventionellen Stromerzeugung liegt. Zudem wird zukünftig die Stilllegung der noch betriebenen Atomkraftwerke zu Veränderungen in der Marktstruktur führen.

Monitoring-Gruppe Energiewende

Die Monitoring-Gruppe Energiewende hat am 20. November 2017 intensiv mit dem Thema Versorgungssicherheit befasst. "Baden-Württemberg ist auf den kommenden Winter wieder gut vorbereitet", so das Fazit der Vertreter aus Wirtschaft, Industrie, Energiewirtschaft, Handwerk, kommunalen Unternehmen, des Deutschen Gewerkschaftsbunds, des Öko-Instituts und Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller.

Nachdem die durch Baden-Württemberg verlaufende Gasleitung TENP1 wegen technischer Mängel voraussichtlich bis 2019 nicht zur Verfügung stehen wird, legten die Mitglieder der Monitoring-Gruppe auf die in der kalten Jahreszeit besonders wichtige Versorgung mit Gas ein spezielles Augenmerk.

Die Geschäftsführerin des Ferngasleitungsnetzbetreibers terranets bw, Katrin Flinspach, erläuterte hierzu die in die Wege geleiteten Maßnahmen, insbesondere die Absicherung der Gasversorgung über zusätzliche Einspeisekapazitäten. terranets bw gehe daher aktuell davon aus, den zu erwartenden Kapazitätsbedarf auch in diesem Winter wieder decken zu können.

Um die Versorgungssicherheit mit Gas auch im Winter 2018/2019 zu gewährleisten, werden auch im kommenden Winter Maßnahmen seitens des Fernleitungsnetzbetreibers erforderlich sein. Für den Bereich Strom sagte der Geschäftsführer der für das Stromübertragungsnetz in Baden-Württemberg zuständigen TransnetBW, Rainer Joswig, dass die Versorgungssicherheit auch in diesem Winter gewährleistet sei.

Der gestiegene Bedarf an Reservekraftwerken sei bereits vertraglich gesichert, aufgrund der geplanten Einführung des Engpassmanagements mit Österreich werde die benötigte Netzreserve im Winter 2018/19 vermutlich deutlich sinken. 

Die Monitoring-Gruppe Energiewende mit Professor Frithjof Staiß vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg diskutierte auch über die Entwicklung der erneuerbaren Energien und den Energieverbrauch in Baden-Württemberg, den Ausbau der Strom- und Gasinfrastruktur sowie über das Thema Energieeffizienz.

Überrascht zeigten sich die Mitglieder der Monitoring-Gruppe vom Scheitern der Sondierungsgespräche in Berlin. Zur Planungssicherheit müsse Klarheit über die künftige Energie- und Klimapolitik in Deutschland geschaffen werden: "Deutschland muss seine Klimaschutzziele erreichen, gleichzeitig sind die Bürgerinnen und Bürger sowie unser Wirtschaftsstandort auf eine jederzeit sichere und bezahlbare Energieversorgung angewiesen. Hierfür muss eine künftige Bundesregierung verlässliche Rahmenbedingungen schaffen."

Land ist gut vorbereitet

Während die Stromerzeugung aus konventionellen Energieträgern um 3,2 % zurückging, nahm diese bei den erneuerbaren Energieträgern deutlich zu (+6,1 %). Umweltminister Franz Untersteller hat auf dem 4. Solarbranchentag gefordert, den Ausbau der Solarenergie energischer voranzutreiben. Insgesamt sei die Situation der Photovoltaik in Deutschland positiv, doch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen könne dem Ausbau in Bund und Land neuen Schwung verleihen.  

Umweltminister Franz Untersteller hat auf dem 4. Solarbranchentag eine Art "Sofortprogramm Solarwirtschaft" angeregt, um dem Ausbau der Photovoltaik in Bund und Land neuen Schwung zu verleihen. Nötig seien insbesondere Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz, eine Reform der Ausschreibungsbedingungen für neue große Solaranlagen, Nachbesserungen im Mieterstromgesetz sowie eine Streichung der Ausbaugrenze von bislang 52 Gigawatt für förderfähige Solaranlagen.  

"Mit ihrem rigorosen Ausbaudeckel und der Belastung von Solarenergie für den Eigenverbrauch mit der EEG-Umlage hat die bisherige Bundesregierung im Rahmen ihrer jüngsten EEG-Novellen der Solarwirtschaft quasi den Stecker gezogen und den einst starken deutschen Solarmarkt nun vollends in die Nische gedrängt. Wir müssen endlich wieder Tempo machen bei der Photovoltaik und nicht mehr, wie bisher, bremsen", sagte Untersteller. 

Die Beiträge der einzelnen Energieträger an der Stromerzeugung entwickelten sich gegenüber dem Vorjahr unterschiedlich. Rückgänge zeigten sich bei der Stromerzeugung aus Kernenergie und Steinkohle. So sank der Einsatz von Kernenergie zur Stromerzeugung gegenüber 2015 um 3,6 %.

Mit einem Anteil an der Bruttostromerzeugung von 34,6 % blieb die Kernenergie aber weiterhin stärkster Energieträger im Strommix Baden‑Württembergs. Auch aus Steinkohle wurde im Jahr 2016 weniger Strom erzugt als noch 2015 (−6,1 %). Sie kam auf einen Anteil von 29,1 %.

Die Erzeugung aus Erdgas legte hingegen deutlich zu (+9,3 %) und erreichte einen Anteil an der Bruttostromerzeugung von 6 %. Aus sonstigen konventionellen Energieträgern kamen 5 %. Dazu gehören unter anderem Heizöl, Braunkohle, Flüssiggas, Raffineriegas oder Pumpspeicherwasserkraftwerke ohne natürlichen Zufluss.  

Der Anteil erneuerbarer Energieträger an der Stromerzeugung erhöhte sich von 23,6 % im Jahr 2015 auf 25,3 % im Jahr 2016. Damit rangieren die erneuerbaren Energieträger nach wie vor an dritter Stelle im Strommix des Landes.  

Ein Plus gegenüber dem Vorjahr zeigte sich dabei erneut bei der Stromerzeugung aus Biomasse (+2 %). Mit einem Anteil von 7,8 % an der Bruttostromerzeugung insgesamt stand die Biomasse 2016 erstmals an erster Stelle im Mix der erneuerbaren Energien.

Die Stromerzeugung in den Laufwasser- und Speicherwasserkraftwerken Baden‑Württembergs stieg ebenfalls an (+12,8 %) und erreichte einen Anteil von 7,7 % an der Bruttostromerzeugung. Geringer fiel dagegen die Erzeugungsmenge in den Photovoltaikanlagen aus (−3 %). Mit einem Anteil von 7,5 % lag Photovoltaik im Jahr 2016 nur noch an dritter Position der erneuerbaren Energien.  

Die Erzeugung aus Windkraft konnte gegenüber dem Vorjahr kräftig zulegen (+48,5 %). Ihr Anteil am Strommix erhöhte sich auf 2 % (2015: 1,3 %). Die Zunahme ist vor allem auf den Ausbau der Windenergie im Land zurückzuführen. Im Vorjahr war Photovoltaik stärkster erneuerbarer Energieträger. 

Photovoltaik ist wichtiger Baustein zum Klimaschutz  

Der baden-württembergische Umweltminister zeichnete dennoch ein insgesamt positives Bild von der Situation der Photovoltaik (PV) in Deutschland. Weltweit sei die PV nach wie vor auf dem Vormarsch und Experten erwarteten, dass auch der Ausbau in Europa wieder stärker zunehme. Ein Grund dafür seien sicher die gesunkenen Installationskosten für PV-Anlagen, so Untersteller.

Untersteller bekräftigte, dass der Ausbau der Photovoltaik im Land für ihn auch künftig Priorität genieße. "Die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Photovoltaik auf Bundesebene und die Förderung des Ausbaus auf Landesebene sind Schwerpunkte unserer Politik. Die PV ist ein wichtiger Baustein zum Klimaschutz und zur Energiewende."

Land baut Förderung aus  Fördern wolle das Land auch den Bau von Photovoltaikanlagen auf Freiflächen in benachteiligten Gebieten und Mieterstrommodelle. Untersteller zeigte sich zuversichtlich, dass Mieterstrommodelle zu einem stärkeren Ausbau der Photovoltaik in Städten führen wird. Er betonte, dass mit dem Mieterstromgesetz, das auf erheblichen Druck des Landes erlassen worden sei, auch die Mieterstrommodelle einen deutlichen Schub erhalten werden.

Als neue Möglichkeit für die Errichtung von PV-Anlagen nannte Untersteller auch PFC-belastete Ackerflächen im Raum Rastatt, Baden-Baden und Mannheim. Das Umweltministerium habe von der Clearingstelle EEG prüfen lassen, ob solche Flächen in Betracht kommen können. Die Clearingstelle sei dabei zu einem grundsätzlich positiven Ergebnis gekommen.  "Ich hoffe, dass es gelingt, dort neue Anlagen zu genehmigen. Aber ich sage auch: Vor einer Genehmigung stehen hohe Hürden."  

Darüber hinaus bereite das Land derzeit ein Förderprogramm vor, mit dem stationäre, netzdienliche elektrische Batteriespeicher in Verbindung mit einer neu zu errichtenden Photovoltaikanlage gefördert werden sollen. Auch damit solle ein zusätzlicher Anreiz für den Bau von Photovoltaikanlagen geschaffen werden. Solarthermie werde schon seit längerem über das Programm "Energieeffiziente Wärmenetze" gefördert, sagte Untersteller.  

Als Klammer um diese Einzelbausteine habe das Umweltministerium im nächsten Haushalt Mittel für die Unterstützung von regionalen Initiativen zur Unterstützung der Photovoltaik vor Ort beantragt. Die Veröffentlichung des Förderaufrufes sei für Anfang 2018 geplant. 

Energie-Trendmonitor

70 Prozent der Deutschen wünschen sich flexible Stromtarife   70 Prozent der Deutschen wünschen sich flexible Stromtarife, bei denen der Preis beispielsweise nachts oder am Wochenende günstiger ist. Gut jeder Zweite (55 Prozent) würde seinen Anbieter wechseln, um einen flexiblen Tarif zu erhalten. Das sind Ergebnisse des Stiebel Eltron Energie-Trendmonitors 2017, für den 1.000 Bundesbürger bevölkerungsrepräsentativ befragt wurden.  

Gut jeder zweite Bundesbürger glaubt, durch flexible Tarife Geld sparen zu können. Damit lässt sich Strom dann nutzen, wenn er in großen Mengen verfügbar und daher günstig ist – also etwa nachts zu verbrauchsschwachen Zeiten oder an wind- und sonnenreichen Tagen. Die neuen digitalen Schnittstellen der Smart Meter machen es möglich, die Verbrauchswerte detailliert zu erfassen und auf variable Tarife der Versorger zuzugreifen. Mit dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende hat die Bundesregierung die Weichen dafür gestellt, solche Smart-Meter-Systeme in Deutschland flächendeckend einzuführen.

"Knapp 90 Prozent des Energieverbrauchs privater Haushalte entfallen auf Warmwasser und Heizung", sagt Dr. Nicholas Matten, Geschäftsführer der Stiebel-Eltron-Gruppe. "Mit vernetzten Stromzählern und den Speichermöglichkeiten grüner Wärmepumpen bieten sich für die Verbraucher neue Möglichkeiten, günstige Tarife zum Aufladen zu nutzen und gleichzeitig umweltfreundlich zu heizen."

Der Klimaschutz ist den Bundesbürgern bei ihrem Stromverbrauch wichtig. 44 Prozent der Verbraucher sind sogar bereit, für "grünen Strom" aus Sonne und Wind mehr Geld auszugeben als für klimaschädlichen Strom – beispielsweise aus Kohlekraftwerken. Auf der Suche nach einem geeigneten Tarif können die Verbraucher auf Vergleichsportalen den entsprechenden Filter bei Öko- und Klimatarifen setzen. Für Betreiber von Wärmepumpen gibt es ebenfalls spezielle Stromtarife. Da die Preise der einzelnen Anbieter stark voneinander abweichen, lohnt sich hier der Vergleich. 

(Quelle: UM.bw/ESTATIS.bw/HIN)