Am 24.12. geschlossen?

Erstellt: Mittwoch, 15. November 2017

(Hero). Die vier großen Kirchen in Baden-Württemberg haben dazu aufgerufen, die Geschäfte am diesjährigen Heiligen Abend (24. Dezember) nicht zu öffnen. "Es ist wohltuend, dass der Heiligabend in diesem Jahr mit der Sonntagsruhe zusammenfällt", erklärten die katholischen Bischöfe Gebhard Fürst (Rottenburg) und Erzbischof Stephan Burger (Freiburg) sowie die evangelischen Landesbischöfe Frank Otfried July (Stuttgart) und Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe). "Wir halten die Sonntagsruhe am Heiligabend, dem 4. Advent, für ein hohes kulturelles Gut."

"Es ist für den Menschen gut, wenn er sich in Ruhe auf die Weihnachtstage vorbereiten kann, ohne sich dem Druck des Einkaufens noch in letzter Minute aussetzen zu müssen", erklärten die Bischöfe. Für Einkäufe von Geschenken wie Lebensmitteln stünden die gesamte Woche und der Samstag vor Heiligabend zur Verfügung. 

"Wir halten die Sonntagsruhe am Heiligabend, dem 4. Advent, für ein hohes kulturelles Gut und wichtiges Kennzeichen für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt", sagten die Bischöfe. Sie appellierten an den Handel, die Läden nicht zu öffnen, auch mit Rücksicht auf die Mitarbeitenden.  

Die Bischöfe begrüßten, dass einige Discounter bereits ankündigten, die Läden geschlossen zu halten. Zugleich dankten die Bischöfe denen, die über die Feiertage ihren unentbehrlichen Dienst leisteten, zum Beispiel in Krankenhäusern oder bei der Polizei. Die Bischöfe wiesen darauf hin, dass die große Mehrheit der Deutschen einen verkaufsoffenen Sonntag an Heiligabend ablehne.

So hatten sich in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für "Welt Online" 87,2 Prozent der Befragten für geschlossene Geschäfte an Heiligabend ausgesprochen. In Baden-Württemberg dürfen - wie in den meisten Ländern - die Läden am 24. Dezember drei Stunden öffnen. Aus Rücksicht auf die Gottesdienste müssen sie spätestens um 14:00 Uhr schließen.

Ebenso wie der Discounter Aldi will auch Lidl seine Geschäfte dieses Jahr nicht an Heiligabend öffnen. Man habe sich dagegen entschieden, die im Gesetz festgelegte Sonderregelung für den Sonntag des 24. Dezembers in Anspruch zu nehmen, teilte das Unternehmen mit.

Wenn Heiligabend - wie in diesem Jahr - auf einen Sonntag fällt, dürfen Lebensmittelhändler maximal drei Stunden lang bis 14 Uhr öffnen. Tankstellen oder Geschäfte an Flughäfen oder Fernbahnhöfen dürfen das sonntags ohnehin. Bundesweit war eine Diskussion um die Geschäftsöffnung an Heiligabend entstanden. Die Gewerkschaft Verdi hatte jüngst zum Einkaufsverzicht an diesem Sonntag aufgerufen.

Die Mitarbeiter sollten eine entspannte Zeit im Kreise ihrer Liebsten verbringen dürfen, sagte Lidl-Deutschlandchef Marin Dokozic. Mit einer ähnlichen Begründung hatte Aldi Süd Ende Oktober angekündigt, die Filialen nicht öffnen zu wollen. Auch die Mitarbeiter von Kaufland, wie Lidl ein Unternehmen der Schwarz-Gruppe, müssen nicht arbeiten. Bei Rewe und Edeka könnte es unter Umständen anders sein: Selbstständig geführte Filialen entscheiden selbst über den Betrieb an Heiligabend. 

Von den zusammen mehr als 5'000 Supermärkten der Ketten Rewe und Penny blieben lediglich die sogenannten Filialmärkte komplett geschlossen. Die ca. 1'200 selbstständigen Kaufleute im Rewe-Netz könnten dagegen in Eigenregie entscheiden. Die Mehrzahl der Edeka-Märkte wird von selbstständigen Kaufleuten geführt. Diese können eigenständig über ihre Öffnungszeiten entscheiden.

Das deutsche Gesetz zum Ladenschluss erlaubt in Paragraf 15, dass bestimmte Geschäfte an Heiligabend öffnen dürfen, wenn der 24. Dezember auf einen Sonntag fällt: Geschäfte, die überwiegend Lebens- und Genussmittel verkaufen und Anbieter von Weihnachtsbäumen. Die Bundesländer regeln die Ladenschlusszeiten in ihrem Land jeweils selbst – basierend auf dem deutschen Ladenschlussgesetz. In Baden-Württemberg dürfen die genannten Geschäfte am 24.12. maximal drei Stunden und bis höchstens 14 Uhr öffnen, wenn es ein Sonntag ist.

Dagegen wehrt sich die Gewerkschaft ver.di. Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger hält diese Idee, an Heiligabend die Geschäfte - und sei es nur für drei Stunden - zu öffnen, für "unglaublich zynisch". Ver.di fordert Boykott und ruft die Kunden zu einem freiwilligen Einkaufsverzicht an Heiligabend auf: "Die Einzelhandelsbeschäftigten wollen sich wie jeder andere auf das Weihnachtsfest vorbereiten und gemeinsam mit ihren Familien feiern." Bundesweite Diskussionen um die Öffnungszeiten an Heiligabend sind inzwischen entstanden. Trotzdem: Frohes Fest.

(Quelle: ekiba/HIN)