'Rettungsmission Wilhelmine'

Erstellt: Dienstag, 07. November 2017

Rastatt | Niederbühl (proh). Gut drei Monate nach der Tunnel-Havarie an der Rheintalbahnstrecke bei Rastatt laufen die Vorbereitungen zur Bergung der einbetonierten Tunnelvortriebsmaschine "Wilhelmine" an, wie ein Bahnsprecher auf Anfrage mitteilt. Um an die Maschine zu kommen, müsse ein Betonpfropfen entfernt werden, der den Bereich der einbetonierten Maschine sichern würde. Dafür ist eigens ein Zugang in der östlichen Tunnelröhre zu erstellen - Dauer ungewiss.

Die Tunnelvortriebsmaschine "Wilhelmine" war in der östlichen der beiden Tunnelröhren im Einsatz, als ein Erdrutsch Wasser und Erdreich in den Tunnel eindringen ließen und die Schienen senkte, was zu einer Havarie führte. Der für den gesamten europäischen Bahnverkehr bedeutsamen Nord-Süd- Korridor musste daraufhin sieben Wochen - vom 12. August bis zum 2. Oktober - gesperrt werden.

Um den Abschnitt mit den verbogenen Schienen wieder zu stabilisieren, waren die Entscheidungsträger bereit, das betroffene Tunnelstück mit Beton zu verfüllen - die 18 Millionen Euro teure Tunnelbohrmaschine "Wilhelmine" wurde einbetoniert und damit nur 40 Meter vor dem geplanten Ende der Röhre fixiert: Die gigantische Tunnelbohrmaschine, seit gut einem Jahr im Einsatz, wurde nach dem Absacken der Bahngleise aufgegeben.

Ein Betonpfropfen sollte den intakten Tunnelbereich schützen und war die erstbeste Sofortmaßnahme nach der Havarie. Jetzt wird das abgebaute Material über den Teil der bereits fertiggestellten Tunnelröhre abtransportiert. Der Pfropfen hat also keine Funktion mehr. Betonplatten sichern die beschädigte Tunnelröhre hinreichend ab. Nun soll die einbetonierte "Wilhelmine" abgebaut und geborgen werden, obwohl sie laut Michael Breßmer, DB-Sprecher Großprojekt Karlsruhe–Basel, nicht gerettet werden könne.

Das gesamte Tunnelprojekt, das nach der Havarie erst 2024 statt 2022 fertig sein soll, werde dadurch angeblich nicht entscheidend verzögert. Die Bohrungen der Tunnelvortriebsmaschine "Sybilla-Augusta" in der westlichen Röhre ruhen derzeit noch, da ausstehende Genehmigungen fehlen. 

"Die derzeitige Sperrung der L77 hat nichts mit der Bergung der Tunnelvortriebsmaschine Ost zu tun. Sie bezieht sich auf die TVM West", so Breßmer. Die Maschine steht vor der Landesstraße 77, die für die Unterfahrung an der Stelle bis zum 27. November gesperrt bleibt. Um einen sicheren Vortrieb unter der L77 hindurch zu ermöglichen, wurde Anfang Oktober die Straße auf Höhe der Murgtalstraße temporär mit Erde aufgeschüttet.

Noch lautere Zeiten kommen jetzt auch noch auf die Bewohner in Rastatt-Niederbühl zu. Wegen der Arbeiten nach der Tunnelhavarie wurde ein Sportplatz und eine Straße mit Erde aufgeschüttet. Der ursprüngliche Zustand soll natürlich wieder hergestellt werden. Ab sofort fahren täglich etwa 80 bis 100 LKW durch den Stadtteil um die Erde abzutransportieren - und das kann bis Ende November andauern. 

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(Quelle: DB.bw/HIN)