Beton versiegelt Natur

Erstellt: Freitag, 13. Oktober 2017

(Hero). Im Jahr 2016 nahm die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Baden-Württemberg um 1 268 Hektar (ha) oder 0,2 % zu. Wie das Statistische Landesamt weiter mitteilt, entspricht dies einer Größenordnung von rund 1 811 Fußballfeldern (100 m x 70 m). Nach den Ergebnissen der Flächenerhebung ergibt sich auf der Grundlage von Auswertungen des Amtlichen Liegenschaftskatasters für das Jahr 2016 damit rein rechnerisch eine tägliche Flächeninanspruchnahme für Baumaßnahmen in den Bereichen Wohnen, Gewerbe und Industrie sowie Straßen von 3,5 ha.

Nach Feststellung des Statistischen Landesamtes liegt der tägliche Flächenverbrauch damit unter dem Vorjahresniveau von 5,2 ha/Tag. Bei längerfristig abnehmender Tendenz lag 2007 die tägliche Inanspruchnahme noch bei rund 10 ha, 2009 bei 7,0 ha. 

Der Schwerpunkt der Baumaßnahmen lag wiederum vorrangig bei der Siedlung (1 128 ha, +0,3 %) und weniger beim Verkehr (170 ha, +0,1 %). Der größte Zuwachs innerhalb der Siedlung war bei der Wohnbaufläche zu verzeichnen. Sie wurde um 1 201 ha oder 0,8 % ausgedehnt. Zum Jahresende 2016 bezifferte sich die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Baden-Württemberg auf 517 434 ha. Dies entspricht einem Anteil von 14,5 % an der Landesfläche (3,575 Millionen ha).

Vor 10 Jahren lag dieser Wert noch bei 13,8 %. Aktuell entfallen 197' 712 ha oder knapp 40 % auf Verkehr, d. h. Straßenverkehr, Wege, Plätze, den Bahn- und den Flugverkehr. Bei 151 958 ha oder 29,4 % der Siedlungs- und Verkehrsfläche handelt es sich um Wohnbaufläche, bei weiteren 7'1 721 ha (13,9 %) um Industrie- und Gewerbefläche. Zu beachten gilt hierbei, dass die Siedlungs- und Verkehrsfläche in erheblichem Umfang Grün- und Freiflächen umfasst.

"Flächenverbrauch" ist demnach nicht mit "Versiegelung" – also dem teilweisen oder vollständigen Abdichten offener Böden – gleichzusetzen. Nach ergänzenden Schätzungen des Statistischen Landesamtes sind in Baden-Württemberg knapp die Hälfte der Siedlungs- und Verkehrsfläche, etwa 239' 148 ha oder 6,7 % der Landesfläche, tatsächlich versiegelt.

Siedlungsaktivitäten prägen verdichtete Gebiete Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Bodenfläche insgesamt differiert bei regionaler Betrachtung sehr stark. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche erreicht in den Verdichtungsräumen des Landes mit durchschnittlich fast 28 % Flächenanteil erwartungsgemäß deutlich höhere Werte als in den Randzonen (16 %), den Verdichtungsbereichen im Ländlichen Raum (17 %) oder im Ländlichen Raum im engeren Sinne mit 10 %.

Somit kommt in den eher ländlich geprägten Landkreisen Freudenstadt, Sigmaringen, Waldshut, Breisgau-Hochschwarzwald, Ravensburg oder Neckar-Odenwald-Kreis die Siedlungs- und Verkehrsfläche auf Anteilswerte innerhalb einer Bandbreite von 9,7 bis 10,7 %, in den verdichteten Gebieten wie dem Rhein-Neckar-Kreis, den Landkreisen Esslingen, Ludwigsburg und Böblingen dagegen auf deutlich höhere Anteile von 19,8 bis 24,8 %. In den Stadtkreisen nimmt die Siedlungs- und Verkehrsfläche zwischen 30,4 % (Heidelberg) und 58,1 % (Mannheim) der Flächen ein. Eine Sonderstellung unter den Stadtkreisen kommt Baden-Baden (14,8 %) zu.

In den kleineren Gemeinden mit weniger als 3' 500 Einwohnern entfallen weniger als 10 % der Bodenfläche insgesamt auf die Siedlungs- und Verkehrsfläche, in Gemeinden über 10' 000 Einwohnern sind es bereits über 14 %. In Städten mit 5'0 000 bis 100 000 Einwohnern beansprucht die Siedlungs- und Verkehrsfläche rund ein Viertel der gesamten Bodenfläche, in den neun Großstädten mit über 10'0 000 Einwohnern sogar über 41 %.

Mit wachsender Einwohnerzahl kommt der Wohnbaufläche immer mehr an Bedeutung zu und erreicht bei Städten mit mehr als 15 000 Einwohnern einen Anteil von knapp 34 % an der Siedlungs- und Verkehrsfläche. Zugleich kommt der Sport-, Freizeit- und Erholungsfläche in größeren Städten weitaus mehr Bedeutung zu als in den kleineren Gemeinden. Hier liegen begrünte Flächen quasi direkt vor der Haustüre. Umgekehrt werden in den kleineren Gemeinden große Anteile der Siedlungs- und Verkehrsfläche (fast 50 %) für den Verkehr genutzt. Hier fallen die überörtlichen Verbindungsstraßen relativ stark ins Gewicht. In den Großstädten sinkt der Anteil der Verkehrsflächen auf rund 30 % und darunter.

(Quelle: STATIS.bw/HIN)