Tunnelpanne im Griff?

Erstellt: Donnerstag, 24. August 2017

Rastatt (proh). Die Bauarbeiten an dem schwer beschädigten Tunnel der Rheintalbahn bei Niederbühl sollen fortgesetzt werden. Mit welchem technischen Verfahren, ist aber noch nicht geklärt, sagte Bahnvorstand Dirk Rompf. Vorher hatte sich Landesverkehrsminister Winfried Hermann über den Schaden informiert. Er könne die Maßnahmen und Entscheidungen der Deutschen Bahn (DB) nach dem Schaden nachvollziehen. Eine Konsequenz müsse der Ausbau des Schienennetzes sein, damit künftig Ausweichstrecken zur Verfügung stehen.

Wie Prof. Dr. Dirk Rompf, Mitglied im Vorstand der DB Netz AG, beim gestrigen Pressegesprächs informierte, ist die beschädigte Tunnelröhre inzwischen weitgehend stabilisiert: "Der Teil bis zum Schneidrad der Bohrmaschine wird mit Beton verfüllt." Rund 8'000 Kubikmeter der insgesamt 10'500 Kubikmeter Beton seien bereits in den beschädigten Tunnelteil gepumpt, die alten Oberleitungen auf knapp 150 Metern Länge entfernt worden.

"Wir arbeiten rund um die Uhr daran, die Rheintalbahn wieder befahrbar zu machen", so Rompf. Neben der Verfüllung des beschädigten Tunnelabschnittes sind an der Oberfläche die vorbereitenden Arbeiten für die Betonplatte gestartet. Diese dient als Grundlage für die Wiederherstellung der Gleise im betroffenen Abschnitt der Rheintalbahn.

Freitag wird nach 150 Stunden ununterbrochener Einleitung von Beton über sieben Bohrlöcher der Abschluss der Verfüllung im darunter liegenden Tunnel erwartet. Unmittelbar anschließend werden auf dem betroffenen Streckenabschnitt die durch die Absenkung verbogenen Gleise zurückgebaut und rund 400 Schwellen entfernt. Das soll bis Samstagnachmittag erfolgen.

Im nächsten Schritt werden in dem Abschnitt rund 2'500 Tonnen Schotter und der darunterliegende Erdboden abgetragen. Diese Arbeiten werden nach Schätzung der Fachleute in der nächsten Woche abgeschlossen sein. Darauf folgt das Einbringen der rund 120 Meter langen und einen Meter dicken Betonplatte, die rund drei Wochen aushärten muss. Neue Gleise, Schwellen und Schotter werden anschließend eingebaut, die neue Oberleitung in den bestehenden Masten verankert. 

Am Wochenende wird die provisorisch errichtete Fußgängerbrücke zurückgebaut. Das ist für die Herstellung der Betonplatte notwendig. Die Brücke wird voraussichtlich Ende September neu erstellt. Darüber hinaus wird sich die zweite Tunnelvortriebsmaschine (TVM) "Sibylla Augusta" in der vom Schaden nicht betroffenen Röhre Anfang der Woche rund 20 bis 30 Meter bis zur nächsten planmäßigen Wartungsposition vorarbeiten. 

Es sei zudem unvermeidlich, auch die Fußgängerunterführung abzureißen, die sich im direkten Umfeld der Baugrube befindet, so Philipp Langefeld, Leiter des DB-Großprojektes Karlsruhe-Basel. Diese Nachricht stieß bei dem Rastatter Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch und dem Niederbühler Ortsvorsteher Klaus Föry nicht gerade auf Begeisterung. Pütsch bat eindringlich darum, in direkter Nähe wenigstens einen Ersatz für die Unterführung zu schaffen. Diese sei als schnelle Verbindung zwischen Niederbühl und der Sporthalle unverzichtbar und müsse auch für mobilitätseingeschränkte Menschen, etwa Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte, barrierefrei nutzbar sein.

Um bei der zweiten Unterquerung der Rheintalbahn zusätzlich abgesichert zu sein, haben sich die Projektverantwortlichen entschlossen, eine zweite Betonplatte zur weiteren Stabilisierung des Bodens zu bauen. "Die Ursachenermittlung läuft noch. Aber wir gehen den ganz sicheren Weg und bauen sprichwörtlich einen doppelten Boden ein", bestätigt Rompf. Der Bau des zweiten Betonbodens erfolgt parallel zu den schon laufenden Arbeiten der ersten Platte und hat somit keine Auswirkung auf den Zeitplan.

Die zweite Röhre wird rund 150 Meter nördlich von der ersten die Schienenstrecke unterqueren. Eine ähnlich dimensionierte zweite Betonplatte sichert dann die Gleise der Rheintalbahn auch in diesem Bereich zusätzlich ab.

"Das aktuell durchgeführte Bauverfahren wurde von Bauexperten und Gutachtern als geeignet erklärt", teilt eine Sprecherin der Bahntochter DB Netz AG mit. Sowohl die Art der Tunnelbohrmaschine als auch das Verfahren der Bodenvereisung seien erprobt, in einem aufwändigen und umfänglichen Planungsprozess von der 'Arge Tunnel Rastatt' (Züblin & Hochtief Solutions) geprüft als auch behördlich genehmigt worden. "Es hat für die Bahn keinen Grund gegeben, an dem von Gutachtern und Fachexperten geprüften Vereisungsverfahrens zu zweifeln."

Die Bahn geht davon aus, dass nach Abschluss der Ursachenforschung die anknüpfenden Fragen, wie zum Beispiel die etwaige Kompensation eines Schadens auch mit den Versicherungen zu klären sei. Der Konzern und die beteiligten Bauunternehmen halten ein Schiedsverfahren für nicht unwahrscheinlich. Bahn und ARGE Tunnel Rastatt wollen sich vorerst alle rechtlichen Optionen offen halten.

"Hier ist das nicht Vorstellbare eingetreten", so Rompf. "Dennoch werden die Tunnelbauarbeiten weitergeführt." Zusammen mit den Baufirmen und weiteren Sachverständigen arbeitet die Bahn parallel zur Wiederinbetriebnahme der Rheintalbahn bereits an einem Konzept zur Fortführung der Tunnelbaumaßnahme. "Der Weiterbau ist ein klares Signal: Wir stehen hinter diesem Projekt." 

DB-Vorstandsvorsitzender Dr. Richard Lutz: "Der Schienengüterverkehr ist ein wichtiges Rückgrat für die europäische Wirtschaft. Gemeinsam mit unseren Partnern ziehen wir kollegial an einem Strang, um den Warenstrom sicherzustellen." 

Die Ausbau- und Neubaustrecke Karlsruhe–Basel ist eine weitgehend parallel zur Bahnstrecke Mannheim–Basel entstehende Schnellfahrstrecke und Teil des Korridors Rotterdam–Genua und (abschnittsweise) der Magistrale für Europa (Paris–Budapest). Mit dem Projekt soll die Kapazität durch Entmischung von Personen- und Güterverkehr zwischen Karlsruhe und Basel gesteigert, im Personenfernverkehr die Reisezeit zwischen Karlsruhe und Basel um 31 Minuten verkürzt werden.

"Die Strecke der Rheintalbahn bei Rastatt ist eine der Lebensadern des Güterverkehrs in ganz Europa. Dass die Sperrung bis in den Oktober hinein dauern soll, ist nahezu unvorstellbar", äußerte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. Zum 7. Oktober wird auf der Rheintalbahn der Betrieb voraussichtlich wieder aufgenommen werden können. 

Baden-Württembergs Verkehrsminister besuchte Tunnelbaustelle

Elf Tage nach der schweren Panne auf der Tunnelbaustelle in Rastatt machte sich Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann ein eigenes Bild von der Situation an den abgesackten Gleisen am Ende der Ringstraße in Niederbühl. Dabei nutzte er die Gelegenheit, um mit dem verantwortlichen Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Baden-Württemberg, Sven Hantel und Prof. Dr. Dirk Rompf, zu sprechen.

Der Austausch zwischen Bahn und Land sei soweit gut gewesen, die Maßnahmen und Entscheidungen der Deutschen Bahn könne er nachvollziehen, so der Minister im Gespräch: "Man ist wegen des Ersatzverkehrs immer in Kontakt gewesen." Die Kritik an der generellen Informationspolitik des Konzerns könne er dennoch nachvollziehen. 

Das gelte vor allem für die "holprige Information", die die Fahrgäste und betroffenen Kommunen erhalten hätten. Immerhin sagten die DB-Projektverantwortlichen Langefeld und Roser inzwischen zu, die weiteren Planungen in enger Abstimmung mit der Stadt anzugehen. Auch mit der Bevölkerung im direkten Umfeld werde man seitens der Bahn in engem Kontakt bleiben. 

"Die Folgen der Havarie sind gewaltig und wir hoffen, dass die Bahn das Problem im Interesse der Fahrgäste und des Güterverkehrs sehr schnell löst", so Hermann; und es sei überfällig, dass ein umfassendes Ausbau- und Modernisierungsprogramm realisiert werden müsse. Im neuen Bundesverkehrswegeplan seien alle Vorschläge aus Baden-Württemberg zur Beseitigung von Engpässen abgelehnt worden.

"Wenn wir verkehrlich zukunftsfähig bleiben wollen und die Klimaschutzziele im Verkehrsbereich ernst nehmen, muss eindeutig mehr Geld in die Schiene investiert werden", erklärt der Verkehrsminister mit Blick auf den Entwurf des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) 2030. "Zwar stehen 41,6 Prozent der Mittel für Schienenbauprojekte zur Verfügung - allerdings ist der Sanierungs- und Modernisierungsbedarf in diesem Bereich auch enorm hoch. In Baden-Württemberg fließt aber der größte Teil des Geldes in große Bahnprojekte wie in den Ausbau der Rheintalbahn. Für die Verbindungen der anderen Oberzentren, insbesondere im ländlichen Raum, bleibt da nichts mehr übrig."

Nebenstrecken sind weder elektrifiziert noch zweigleisig, haben deshalb Engpässe und stellen somit keinen funktionierenden Ausgleich dar, kritisiert Hermann die jetzigen Ausweichverkehrsstrecken. "Es rächt sich einfach, wie man bei solchen Fällen sieht, dass man über Jahrzehnte das Schienennetz ausgedünnt hat und kaum Ersatzverkehr aufbauen konnte." Zudem erwarte er von der Bahn Antwort auf die Frage, ob sie angesichts der Bedeutung der Strecke nicht ein zu hohes Risiko eingegangen sei. Sachverständige und Gutachter würden das Ereignis gründlich aufarbeiten.  

"Die komplette Maschine einzubetonieren hat sich zwar als die aufwändigste aber auch sicherste Methode herausgestellt. Unter den gegeben Bedingen scheint das jetzt so das Richtige zu sein", glaubt der Verkehrsminister. "Der Blick in die Baustelle zeigt, wie groß die Herausforderung ist, den Schaden zu beheben."

Zu den Gründen der Panne an der Tunnelbaustelle sagte der Minister: "Offenbar haben sich Bauteile für die Tunnelwand verschoben." Infolgedessen seien Wasser und Material eingedrungen und Gleise hätten sich abgesenkt. Wie das geschehen konnte, hätten ihm die Experten auch nicht erklären können, da an der schadhaften Stelle die Betonummantelung bereits eine Woche alt war und wegen der Vereisung gar kein Wasser von außen hätte einsickern dürfen.

"Was wir benötigen ist ein Bundesverkehrswegeplan, der den Schienenbereich zu einem Verkehrsträger ausbaut, der zukünftig einen nennenswerten Teil der Zuwächse im Verkehr aufnehmen kann. Wenn wir Mobilität und Transport dauerhaft sichern wollen, müssen wir einen Teil, vor allem auch des Güterverkehrs, verlagern und die Zuwächse stärker auf die verkehrsfreundlichen Verkehrsträger bringen", so Verkehrsminister Hermann. "Wir wollen den Unfall zum Anlass nehmen, um zu sagen: Leute, da muss was passieren."

"Wenn wir verkehrlich zukunftsfähig bleiben wollen und die Klimaschutzziele im Verkehrsbereich ernst nehmen, muss eindeutig mehr Geld in die Schiene investiert werden." Die nächste Regierung müsse ein umfangreiches Ausbau- und Sanierungskonzept im Schienenverkehr, insbesondere im Schienen-Güterverkehr, vornehmen, so dass nicht jedes Mal halb Europa tangiert wird, wenn Störungen auftauchen. Dass ein vergleichsweise kleiner Einbruch im Tunnel zu einer so großen Havarie und zu diesen Problemen im Verkehrssystem führen konnte, fordere Aufklärung. 

Bereits geplante Baustellen sollen jetzt kurzfristig angepasst werden, um auf Ausweichstrecken möglichst schnell Trassenkapazitäten für den Schienengüterverkehr zu schaffen. "Alles hat fatale Auswirkungen - flächendeckend in Süd-West-Deutschland - bis zu den Häfen und bis an das Mittelmeer. Bei solchen Baustellen muss man einfach mit hohen Risiken rechnen. Als Land hätten wir niemals parallel auf der Autobahn A5 und auf der B3 Baustellen beginnen dürfen", so Hermann. "Ich persönlich glaube ja, diese Havarie und die Maßnahmen, wie man sie löst, werden mit Sicherheit in die Lehrbücher der Bauingenieure eingehen."

Der Bundesverkehrsministerium müßte sich eigentlich als Krisenpartner für die Güterbahnen in Deutschland und im europäischen Ausland verstehen, "damit sie diese Sperrung bewältigen und wirtschaftlich überleben können". Die Rastatter SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek forderte Alexander Dobrindt auf, sich endlich einzubringen: "Es ist keine Aufgabe, die vor Ort gelöst werden kann. Es wird Zeit, dass sich der zuständige Bundesverkehrsminister der Sache annimmt." 

Die Deutsche Bahn AG wird zusammen mit der Landkreisverwaltung am Mittwoch, 6. September, 18 Uhr, im Landratsamt Rastatt, Kreistagssaal, schwerpunktmäßig über den Schienenersatzverkehr sowie den betroffenen Schienen- und Busverkehr ausführlich informieren. Im Fokus stehen die konkreten ÖPNV-Angebote und Sonderfahrpläne nach dem 11. September 2017. Bei dieser öffentlichen Informationsveranstaltung, zu der interessierte Bürgerinnen und Bürger eingeladen sind, wird die Bahn auch über den aktuellen Stand der Arbeiten in den beiden Tunnelröhren berichten.

Schulterschluss von DB, SNCF, SBB und ÖBB

"Viele Europäer schütteln über die Rastatter Sperrung mit Recht den Kopf, und wir müssen leider konstatieren, dass Deutschland bei der Elektrifizierung seines Schienennetzes etliche Hausaufgaben noch nicht gemacht hat", kritisierte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege. "Beim Straßennetz wäre der Fall Rastatt ein Ding der Unmöglichkeit: Strecken ohne Umleitungen gibt es auf der Straße nicht. Beim Schienennetz ist in Deutschland alles auf Kante genäht."

Mit dem 'Masterplan Güterverkehr und Logistik' hatte die Bundesregierung 2008 ein strategisches Konzept mit konkreten Maßnahmen für die künftige Ausrichtung des Güterverkehrs vorgelegt.  Der Verabschiedung des Masterplans vorausgegangen war ein zweijähriger Diskussionsprozess zwischen dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und Vertretern von Unternehmen, Gewerkschaften, Politik, Wirtschafts- und Umweltverbänden sowie der Wissenschaft.  

Die Ziele des Masterplans Güterverkehr und Logistik waren:      

  1. Verkehrswege optimal nutzen / Verkehr effizient gestalten
  2. Verkehr vermeiden – Mobilität sichern
  3. mehr Verkehr auf Schiene und Binnenwasserstraße
  4. verstärkter Ausbau von Verkehrsachsen und -knoten
  5. umwelt- und klimafreundlicher Verkehr
  6. gute Arbeit und gute Ausbildung im Transportgewerbe 

2010 wurde der Masterplan durch die Bundesregierung neu justiert und als 'Aktionsplan Güterverkehr und Logistik' präsentiert. Das ursprünglich im Masterplan verankerte Ziel, mehr Verkehr auf Schiene und Binnenwasserstraße zu verlagern, wurde aus dem Aktionsplan gestrichen. Das hatte zur Folge, dass der Ausbau des Schienensystems sträflich vernachlässigt wurde. 

Neueste EU-Zahlen belegen, dass Deutschland beim Elektrifizierungsgrad seines Netzes mit einer Quote von 60 Prozent im EU-Vergleich nur sehr mittelmäßig unterwegs ist. Gemeinsam sollten der Infrastrukturbetreiber DB und die Nutzer des Netzes mit dem Ministerium endlich ein lang fälliges Rückfallkonzept erarbeiten, damit Engpässe dieser Art künftig ausgeschlossen werden können. "Elektrifizierungslücken darf es in Zukunft nicht mehr geben", fordert Flege.

Nachdem bekannt gegeben wurde, dass die Strecke erst später als ursprünglich angenommen wieder in Betrieb genommen werden kann, verständigten sich die DB (DB), die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sowie die Société Nationale des Chemins de Fer (SNCF) auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket, um die Auswirkungen der Rheintalsperrung auf den Schienengüterverkehr möglichst gering zu halten. Die Handelsachse verbindet das Mittelmeer mit der Nordsee und ermöglicht den Bahnverkehr zwischen den Benelux-Staaten, Frankreich, Deutschland und der Schweiz. 

Ohne abgestimmte Maßnahmen könnte die Nachfrage in den kommenden Wochen nicht vollständig gedeckt werden. Mit ihrer Initiative wollen die vier Bahnchefs daher die Auswirkungen der Rheintalbahnsperrung für die Kunden im Güter- und Personenverkehr so gering wie möglich halten. Zudem haben die vier Bahnchefs Dr. Richard Lutz (DB), Andreas Meyer (SBB), Andreas Matthä (ÖBB) und Guillaume Pepy (SNCF) verabredet, sich regelmäßig eng abzustimmen. Die vier Vorstandsvorsitzenden waren sich einig, dass die anstehenden Herausforderungen nur gemeinsam zu lösen sind.  

DB-Vorstandsvorsitzender Lutz bedankte sich ausdrücklich für die schnelle und unbürokratische Hilfe der anderen Bahnen und Bahnchefs: "Das ist nicht nur ein Zeichen für das Funktionieren von integrierten Bahnsystemen, sondern auch für die enge und gute Partnerschaft zwischen den großen Europäischen Eisenbahnen. Mit unserer intensiven Zusammenarbeit über die Grenzen hinaus zeigen wir, dass wir unsere Kunden im Güterverkehr mit allen Kräften unterstützen."

Neben den bereits getroffenen Maßnahmen stellen die vier Bahnen gemeinsam zusätzliche Lokführer und Loks für die Korridore über Frankreich und Österreich bereit. Dies ermöglicht eine effiziente Ausnutzung der verschiedenen Umleitungskorridore, die gemeinsam mit den Partnerbahnen abgestimmt werden. Um die Fahrt von Deutschland in die Schweiz weiter zu erleichtern, wird intensiv geprüft, zwischen Kornwestheim und Zürich einen Shuttleverkehr für Güterzüge einzurichten. 

Für betroffene Reisende gilt:  

Um die Auswirkungen für die Kunden zu mildern, hat sich der Personenverkehr zusammen mit dem Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) zu folgenden zusätzlichen Kulanzmaßnahmen entschieden: Die Abonnenten von Zeitkarten im Nah- und Fernverkehr erhalten für die Dauer der Sperrung eine 50prozentige Entschädigung. Nach Beendigung der Sperrung sollen diese Kunden ihre Erstattung erhalten.

Die DB wird dazu aktiv auf alle betroffenen DB-Abo-Kunden (Fern- und Nahverkehr) zugehen. Weitere Fragen der Abo-Kunden nimmt das Abocenter (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder für Bahncard 100-Kunden der Comfort-Service (Kontaktdaten auf der Bahncard) entgegen.

Pendler, die ihr Abo beim KVV abgeschlossen haben, wenden sich bitte direkt an den KVV (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). "Um unseren Kunden wieder Planungssicherheit zu geben, wird der Fahrplan seit dem  22. August schrittweise aktualisiert", kündigt die Bahn an. Für die zu diesem aktualisierten Fahrplan erworbenen Fahrkarten gelten wieder die üblichen Umtausch- und Erstattungsregelungen sowie die Fahrgastrechte.  

Selbstverständlich werden die bis zum 22. August erworbenen Fahrkarten im Schienenersatzverkehr und auf  den Umleitungs- oder Umfahrungsstrecken anerkannt, eventuelle Zugbindungen sind aufgehoben. Wenn die Fahrgäste aufgrund der geänderten Fahrtzeiten ihre geplante Reise nicht mehr antreten möchten, können sie vor dem 22. August erworbene Fahrkarten kostenfrei umtauschen oder sich erstatten lassen. Kunden werden gebeten, sich rechtzeitig vor Beginn der Reise zu informieren.

Fahrgäste suchen sich verstärkt Alternativen. So können Fernbusanbieter seit Anfang der Streckensperrung im Vergleich zum Vormonat ein sattes Plus von rund 20 Prozent an Fahrgästen verzeichnen. Auch private Mitfahrgelegenheiten werden nun häufiger genutzt. Vom generellen Umstieg von der Bahn aufs Auto rät der ADAC derzeit übrigens ab: Wegen des Ferienendes in gleich sechs Bundesländern wird zumindest am kommenden Wochenende mit zahlreichen Staus gerechnet.

Mit dem Ende der Urlaubszeit nehmen die Güterverkehre auf dem Nord-Süd-Korridor erwartungsgemäß stark zu. Die Maßnahmen der Deutschen Bahn dürften dann auf dem Prüfstand stehen, wie auch Bahn-Manager Hantel bewußt ist:  "Wir stehen vor großen Herausforderungen nach Ferienende." Der Busersatzverkehr zwischen Rastatt und Baden-Baden müsse dann noch einmal ausgeweitet werden. Auf dieser Strecke verkehren derzeit zehn Ersatzbusse 450 Mal am Tag im 6 Minuten Takt. Die Fahrzeit der Busse beträgt ca. 25 Minuten.

siehe auch ⇒ DB-Zeitplan liegt vor

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(Quelle: DB.bw/HIN)