ÖPNV nicht attraktiv?

Erstellt: Freitag, 25. August 2017

(Hero). In Deutschland sind deutlich mehr Menschen bereit, Angebote des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zu nutzen als es heute tatsächlich Kunden gibt. Das ist das Ergebnis einer ADAC-Umfrage in zehn deutschen Großstädten. Entscheidend für einen Wechsel, etwa vom Auto auf öffentliche Angebote, sind nach Ansicht der Befragten günstigere Fahrpreise, ein leichter zu durchblickendes Tarifsortiment sowie schnellere Verbindungen. Würden sich diese Aspekte verbessern, wären rund 1,4 Millionen Menschen bereit, regelmäßig umzusteigen. Befragt wurden knapp 3.100 Personen, die den ÖPNV bislang selten oder gar nicht nutzen.

"Der ÖPNV in Deutschland hat noch enormes Potenzial. Das sehen wir als Ergebnis unserer Umfrage überdeutlich. Hier besteht eine große Chance, den ÖPNV zu einem wesentlichen Treiber für mehr Klimaschutz auf dem Verkehrssektor zu machen", kommentiert ADAC-Geschäftsführer Alexander Möller die Untersuchungsergebnisse. Wesentlich für die Realisierung dieser Chancen seien der Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur, attraktive und verlässliche Angebote und mehr Innovation.

Fast zwei Drittel der Befragten ziehen derzeit das Auto öffentlichen Verkehrsmitteln wie S-, U- oder Straßenbahnen vor. Mehr als die Hälfte bewertet den ÖPNV insgesamt als zu teuer, zu ungeeignet für den Transport von sperrigen Gegenständen oder Gepäck sowie zu langsam und zu überfüllt. Ausfälle oder generell die Bequemlichkeit spielen hingegen untergeordnete Rollen. Das Thema "Sicherheit" ist vor allem für Frauen von enormer Bedeutung.

Insgesamt können sich 46 Prozent grundsätzlich einen Umstieg auf Angebote des ÖPNV vorstellen. Zentrale Voraussetzungen hierfür sind für die Befragten vor allem günstigere Tarife, eine größere Pünktlichkeit, ein individuelleres Ticketsortiment sowie einfachere und schnellere Verbindungen. Auch in Baden-Württemberg bestätigt sich die ADAC-Umfrage, wie eine Forsa-Umfrage belegt.

Von hundert Baden-Württembergern wollen 73 zusätzliche Mittel in umweltfreundliche Mobilität mit Bus, Bahn, Rad, Fuß oder die Vernetzung der Verkehrsmittel investiert sehen. Verkehrsminister Winfried Hermann sagte: "Diese eindeutige Mehrheit überrascht selbst uns. Im Landtag ist ja der Glaube weit verbreitet, die Bürger wollten vor allem neue Straßen."  

Klima- und Umweltschutz, Verkehrssicherheit, die Verringerung von Staus sowie die Stärkung des Umweltverbunds sollen im Mittelpunkt einer guten Mobilitätspolitik stehen. Dies sind zentrale Ergebnisse einer vom Ministerium für Verkehr in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage zu Mobilität und Verkehr in Baden-Württemberg.

Auf die Frage, in welchen Bereich die Befragten 10 Millionen EURO zusätzlich im Verkehr investieren würden, zählen 20 Prozent den Fuß- und Radverkehr auf, 25 Prozent ein besseres Bus- und Bahnangebot und 28 Prozent die Vernetzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel. Lediglich 15 Prozent sprechen sich zuerst für den Neubau von Straßen aus, weitere 9 Prozent für Erhaltungsinvestitionen an Straßen. Verkehrsminister Winfried Hermann sagte: "Wir sehen uns durch die Umfrage auf unserem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität bestätigt."  

Im Juni 2017 wurden in Baden-Württemberg insgesamt 1.001 Personen ab 16 Jahren vom Forsa-Institut (Berlin) zu ihren Einstellungen zur Verkehrspolitik befragt und um ihre Einschätzung zu verschiedenen möglichen Maßnahmen zur Luftreinhaltung gebeten. Die höchsten Zustimmungswerte (95 Prozent) erhielt die Aussage, dass eine gute Verkehrspolitik den Schutz des Klimas und der Umwelt zum Ziel haben sollte.

Viel Zuspruch bekamen auch die Verringerung von Unfallrisiken für alle Verkehrsteilnehmer (94 Prozent) und wirksame Maßnahmen gegen Staus (94 Prozent).   Bestätigt wird die positive Einstellung der Bürgerinnen und Bürger Baden-Württembergs zu umweltfreundlichen Verkehrsmitteln durch weitere Ergebnisse der Befragung: 90 Prozent sehen als Ziel einer guten Verkehrspolitik, mehr Bus- und Bahnverbindungen zu schaffen.

88 Prozent möchten fahrradfreundlichere Städte und Dörfer, und 84 Prozent sind dafür, dass alltägliche Wege verstärkt zu Fuß zurückgelegt werden können. Außerdem sind 80 Prozent der Meinung, Land und Kommunen sollen in Radschnellverbindungen investieren, um Pendlern bessere Umsteigemöglichkeiten auf das Fahrrad zu bieten.  

Minister Hermann sieht die Umfrageergebnisse als deutliche Unterstützung für die Politik der Landesregierung zu einer umwelt- und klimafreundlichen Mobilität. "Die Bürgerinnen und Bürger fordern offenkundig die Verkehrswende, während in der Verkehrspolitik der Autolobbyismus oft dominiert." Die Ergebnisse der Umfrage seien aber auch ein wichtiger Fingerzeig für die Kommunen, den Umweltverbund durch konkrete Maßnahmen und verstärkte Investitionen weiter zu fördern. Die Kommunen sind für einen großen Teil des öffentlichen Personennahverkehrs sowie für den örtlichen Rad- und Fußverkehr zuständig.  

In der Umfrage wurde auch gefragt, welche Maßnahmen zur Luftreinhaltung für sinnvoll gehalten werden und welche nicht. Der Vorschlag, mehr Gelder in eine intelligente Verkehrssteuerung zu investieren, findet dabei mit 90 Prozent den größten Anklang. Tempolimits auf Zubringerstraßen in Städte werden von knapp drei Vierteln der Befragten unterstützt, sofern hierdurch die Luftqualität verbessert wird.

Für permanente Verkehrsbeschränkungen in Gebieten mit hoher Luftverschmutzung sind 64 Prozent. Ampeln am Ortseingang, die den Autoverkehr in die Innenstädte beschränken, oder der Vorschlag, an Tagen mit hoher Luftbelastung Fahrverbote in Innenstädten nach geraden oder ungeraden Kennzeichen zu verhängen, werden von der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger abgelehnt.

(Quelle: ADAC/HIN)