In Plastik erstickt ...

Erstellt: Freitag, 13. Oktober 2017

(Hero). Plastiktüten werden beim Einkauf zum Transport von Lebensmitteln, Kleidung und anderen Produkten verwendet. Es gibt sie als dünne, sogenannte Hemdchen-Tragetaschen, als Abreißbeutel wie beispielsweise bei der Obsttheke bis hin zu dickwandigen Schlaufentragetaschen und in den vergangenen Jahren hat der Außer-Haus-Konsum von Kaffee stark zugenommen: Coffee to go heißt häufig auch Einwegmüll to go. Auch wird immer öfter über Internet bestellt, als auch immer mehr Nahrungsmittel in Plastikverpackungen angeboten.

"Kunststoffe haben unser Leben zwar in vielen Bereichen positiv verändert", erklärt der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller, "aber wie alle Dinge hat auch Kunststoff eine zweite Seite, eine Nebenwirkung, die uns zunehmend Probleme macht. Kunststoffe besitzen eine extrem lange Abbauzeit von mehreren hundert Jahren. Viele Kunststoffe, die in die Umwelt gelangt sind, sind auch heute noch dort zu finden. Wir hinterlassen den kommenden Generationen ein langlebiges und unangenehmes Erbe, dessen Risiko wir kaum abschätzen können."

Die Verwendung des Wegwerfprodukts "Plastiktüte" kostet begrenzte Ressourcen und verschmutzt die Umwelt, informiert der städtische Eigenbetrieb Umwelttechnik und appelliert an jeden Einzelnen, mit Plastiktüten und -tragetaschen sorgsamer umzugehen. Denn die Zahlen sprechen für sich: Die Anzahl der pro Person und Jahr verwendeten Plastiktüten ist in den EU-Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich. Die Spanne reicht von 16 Tüten in Irland bis 426 Tüten beispielsweise in Bulgarien. Jeder Deutsche verbraucht im Schnitt 71 Plastiktüten im Jahr.

Um den Plastiktüten-Verbrauch weiter zu reduzieren, soll es in Zukunft in Deutschland keine kostenlosen dickwandigen Plastiktragetaschen mehr an der Kasse geben. Die Deutsche Umwelthilfe hat die handelsüblichen Tüten und Tragetaschen auf Umweltverträglichkeit geprüft. Am besten schneiden dabei Kunststoff-Mehrwegtragetaschen ab, die aus alten Kunststoffprodukten hergestellt wurden. Es folgen die leichten, zusammenfaltbaren Tragetaschen aus Polyester, und die Mehrwegtaschen aus Naturfaser wie etwa Baumwolle. Nicht zu empfehlen sind Einwegtüten, die aus Plastik- und Papierneumaterial oder aus biologisch abbaubaren Kunststoffen hergestellt wurden.

So lautet der Tipp der Umwelttechnik deshalb auch: "Beim Einkauf immer Mehrwegtasche, Rucksack oder Korb mitnehmen. Hilfreich ist es, eine dünne, zusammenfaltbare Polyestertüte bei sich zu haben. Sie ist nur so groß wie eine Packung Papiertaschentücher und passt in jede Handtasche. Auch ist es ratsam, aus Umweltschutzgründen das automatische Einpacken von Waren an der Kasse abzulehnen. Wer seine nicht vermeidbaren Plastiktüten zu Hause erneut verwendet und nicht gleich wegwirft, schont ebenfalls Ressourcen". Allerdings nicht als Biomüllverpackung.

Immer häufiger stellen Sammler und Verwerter von Bioabfällen einen steigenden Anteil an Störstoffen fest, wobei es sich neben Plastiktüten als Vorsortierung der Haushalte vor allem um weitere Siedlungsabfälle aus Haushalten und Gewerbe handelt. Der Anteil an Störstoffen im Bioabfall ist keine neue Erscheinung. Abhängig von Siedlungsstrukturen (ländlich, städtisch) oder Ein- und Mehrgeschosswohnungen existiert dieses Problem schon seit der Getrenntsammlung von Rest- und Bioabfällen.

Aufgrund einer Vielzahl an neu eingeführten Getrenntsammelsystemen zur Erfüllung der Anforderungen des KrWG, einer technisch immer differenzierteren Verwertung der Bioabfälle, gestiegener Anforderungen anderer Gesetzesbereiche (z. B. Düngemittelverordnung) in Verbindung mit einem gestiegenen Qualitätsproblem bei Kompostprodukten steigen auch die Anforderungen an Maßnahmen zur Umsetzung einer sortenreinen Bioabfallentsorgung. Für einen ansteigenden Anteil an Störstoffen stellt TIM CONSULT in ihrer Projektarbeit unterschiedliche Ursachen fest.

Zum einen ist ein unterschiedliches Trennverhalten in Abhängigkeit von Siedlungsstrukturen und Infrastruktur festzustellen. Während in ländlichen Strukturen häufig geringere Störstoffquoten ermittelt werden, steigen diese in städtischen Gebieten. Und auch in Gegenden mit Geschosswohnungen, die ihre Abfälle über MGB 1.100 ! oder größer getrennt sammeln, ist ein größerer Störstoffanteil anzutreffen als in Wohngebieten mit Ein- oder Mehrfamilienhäusern. Zum anderen ist neben dem unterschiedlichen Trennverhalten das Abklingen der Wirkung von Öffentlichkeitsarbeit eine weitere Ursache für einen hohen oder steigenden Störstoffanteil.

Coffee to go

Mit gezielter Aufklärung der Verbraucher und einer freiwilligen Selbstverpflichtung des Handels soll der bundesweite Verbrauch von Einwegbechern bei Coffee to go-Angeboten gesenkt werden. In den vergangenen Jahren hat der Außer-Haus-Konsum von Kaffee stark zugenommen. Coffee to go heißt häufig auch Einwegmüll to go. Der Ressourceneinsatz für die Kaffeebecher ist erheblich und erhöht das Abfallaufkommen im öffentlichen Raum.

Es braucht wirkungsvolle Maßnahmen, um den Konsummüll in den Städten deutlich zu reduzieren. Diese Aufgabe muss länderübergreifend angegangen werden. Bei der UmweltMinisterKonferenz wurde der Bund daher aufgefordert, unterschiedliche Ansätze zur Reduzierung der Menge an Einwegkaffeebechern zu prüfen. Hier besteht ein beachtliches Potenzial für Maßnahmen zur Abfallvermeidung.

Im Mittelpunkt steht dabei die Aufklärung der Konsumenten über die mögliche Nutzung von Mehrwegbechern und freiwillige Maßnahmen der Wirtschaft. Ein Mehrwegbecher ersetzt im Durchschnitt laut der Verbraucherzentrale bis zu 60 Einwegbecher pro Jahr. Wie bei der erfolgreichen Vereinbarung zur Verringerung des Verbrauchs von Plastiktüten soll auch bei der Reduzierung von Einwegbechern das Instrument der freiwilligen Selbstverpflichtung im Vordergrund stehen.

Ob Kaffee karamellisiert oder geeist - das Lieblingsgetränk der Deutschen wird in Coffeeshops mittlerweile in allen Variationen angeboten. Meist gibt es das Getränk auch zum Mitnehmen. Für den Kunden zwar praktisch - für die Umwelt ein Graus. Die Kehrseite des Konsums ist nicht nur ein riesiger Ressourcenverbrauch für die Herstellung von to-go-Bechern, sondern auch überfüllte Abfalleimer.

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 2,8 Milliarden Einwegbecher verbraucht. Für deren Herstellung werden ca. 1,5 Milliarden Liter Wasser eingesetzt. Das entspricht etwa einem halben Liter pro Becher und dem Jahresverbrauch von 32'000 Menschen. Zusätzlich müssen etwa 43'000 Bäume für Papier gefällt und 11'000 Tonnen Kunststoff für die Innenbeschichtung aufgewendet werden. Allein mit der für die Erzeugung benötigten Energiemenge könnte man eine Kleinstadt ein Jahr lang versorgen.

Paradox erscheint, dass jeder Becher im Schnitt nur 15 Minuten in Gebrauch ist und anschließend im nächstgelegenen Mülleimer oder zuweilen auch schon mal in der freien Natur landet. In Deutschland fielen im Jahr 2016 allein für to-go-Getränkebehältnisse samt Deckel ca. 160'000 Tonnen Abfall an. Dass diese hinterher nur durch höchst aufwendige Verfahren sehr schwer bis gar nicht recycelt werden können, wissen nur die Wenigsten.

Da erscheint Mehrweg als der wohl bessere Weg. Die von Julia Post ins Leben gerufene Initiative "Coffee to go again" setzt sich vermehrt in deutschen Städten für ein alternatives Mehrwegverfahren ein und ruft Filialen zur Teilnahme auf. Über 360 Cafés und Bäckereien bundesweit konnte sie bereits von ihrer Idee schon überzeugen.

Gäste können in mit dem entsprechenden Logo ausgestatteten Läden ihren eigenen Becher oder Tasse mitbringen, dort befüllen lassen und so durch den Verzicht auf Einwegbecher Nachhaltigkeit fördern. Selbstverständlich müssen dabei beiderseits Grundregeln der Hygiene eingehalten werden. Grundsätzlich ist es gestattet, mitgebrachte Behältnisse befüllen zu lassen - diese sollten jedoch gespült und sauber sein.

Die Aktion eignet sich zudem auch zu Werbezwecken. Teilnehmende Geschäfte können Mehrwegbecher beispielsweise bedruckt mit dem eigenem Logo als Werbeträger verkaufen. Mehrwegbecher (z.B. Thermobecher) mit Ihrem Firmenlogo eignen sich auch hervorragend als Weihnachtsgeschenk für Ihre Firma. Vor allem, wenn Ihre Mitarbeiter viel unterwegs sind, wie z.B. Vertreter, Monteure oder Handwerker.

... und noch ein Entwurf eines Verpackungsgesetzes

Die Kommunen sollen in eigener Regie entscheiden können, ob Verpackungsabfälle und andere Wertstoffe gemeinsam in einer Wertstofftonne gesammelt werden. Das sieht ein weiterer Entwurf eines neuen Verpackungsgesetzes vor, der Donnerstag (11.08.2016) veröffentlicht wurde. Hauptziel des Gesetzes ist es, wesentlich mehr Abfälle aus privaten Haushalten zu recyceln. Verpackungshersteller sollen stärker dazu angehalten werden, die Recyclingfähigkeit ihrer Verpackungen zu berücksichtigen.

Die getrennte Sammlung von Abfällen soll effizienter und einfacher werden. Nachdem eine Einigung mit den Ländern auf das ursprünglich geplante Wertstoffgesetz nicht möglich war, konzentriert sich das Verpackungsgesetz auf die erforderliche ökologische Weiterentwicklung der Verpackungsverordnung.  Umweltverbände haben den Gesetzentwurf in ersten Äußerungen als ökologisch anspruchslos kritisiert: Beim Recycling sei längst mehr möglich, als die vorgeschriebene Quote. Zudem gebe es keine feste Mehrwegquote mehr bei den Getränkeverpackungen - und die Mülltrennung bleibe weiterhin so kompliziert wie bisher.

In den kommenden Wochen können die Verbände zu dem Gesetzesentwurf Stellung nehmen.  Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: "Mit dem Verpackungsgesetz haben wir einen tragfähigen Kompromiss gefunden. Wir wollen deutlich mehr Haushaltsabfälle recyceln und unnötige Abfälle vermeiden. Dazu erhöhen wir die Recyclingquoten, zum Beispiel für Kunststoffe. Die Lizenzentgelte der dualen Systeme werden an Nachhaltigkeitskriterien gebunden. Über die Einführung von Wertstofftonnen soll nun vor Ort in den Städten und Gemeinden entschieden werden." 

Die gemeinsame Erfassung von Verpackungs- und von anderen Abfällen aus Kunststoff und Metall wird durch das Verpackungsgesetz weiter erleichtert und gefördert. Die von den Koalitionsfraktionen und dem Bundesumweltministerium ursprünglich vorgesehene Erweiterung der Produktverantwortung auf die sogenannten stoffgleichen Nichtverpackungen wie Spielzeuge, Bratpfannen oder andere Haushaltswaren, war jedoch nicht konsensfähig.

Nach dem Verpackungsgesetz kann nunmehr die Kommune entscheiden, ob sie mit den dualen Systemen vereinbart, diese Abfälle mit zu erfassen. Zahlreiche Kommunen in Deutschland haben die Wertstofftonne bereits gemeinsam mit den dualen Systemen eingeführt und damit Erfahrungen gesammelt. Mit dem neuen Verpackungsgesetz wird die dauerhafte Einführung solcher Wertstofftonnen gefördert. Wie die Sammlung vor Ort durchgeführt wird, bestimmen die Kommunen. Sie entscheiden zum Beispiel darüber, ob in Tonnen oder in Säcken gesammelt sowie wann und wie oft abgeholt wird.

Damit können Restmüll- und Wertstoffsammlung optimal aufeinander abgestimmt werden.  Das Gesetz schreibt zudem deutlich höhere Recyclingquoten für Verpackungen vor, die in den dualen Systemen lizenziert und erfasst werden. Bei den Lizenzentgelten muss zudem die Recyc-lingfähigkeit stärker berücksichtigt werden.  Die Abfallentsorgung wird weiterhin im Wettbewerb erfolgen. Das wird auch zukünftig für Effizienz und - im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher - für niedrige Kosten sorgen.

Um einen fairen Wettbewerb und einen konsequenten Vollzug zu gewährleisten, wird eine Zentrale Stelle eingerichtet, die die produktverantwortlichen Hersteller und Vertreiber finanzieren. Sie dient als Registrierungs- und Standardisierungsstelle.  In den kommenden Wochen werden die Verbände zu dem Gesetzentwurf angehört. Danach wird die Bundesumweltministerin den Gesetzentwurf dem Bundeskabinett vorlegen. Nach der Entscheidung des Kabinetts kann er dem Bundestag und dem Bundesrat zugeleitet werden.

"Wir nehmen von politischer Seite diese Tatsachen sehr ernst", betont Umweltminister Untersteller. "Deshalb haben wir die LUBW beauftragt, die baden-württembergischen Gewässer auf Mikroplastik zu untersuchen. Mit gesicherten Erkenntnissen können wir gezielt handeln und die richtigen Konsequenzen ziehen - national und international."

Biologisch abbaubare Kunststoffe könnten eine  innovative Lösungen zur Verbesserung der Recyclingqualität bieten, denn sie erleichtern eine effizientere Getrenntsammlung von Abfällen. Dies bestätigt eine neue Studie über die Auswirkungen von biologisch abbaubaren Kunststoffen auf Recyclingströme in Italien, wo Einwegtragetaschen aus Kunststoff seit 2011 kompostierbar sein müssen.  

Corepla analysierte die Qualität des recycelten Kunststoffs aus 19 Abfallsortier- und Recyclinganlagen im ganzen Land und stellte fest, dass kompostierbare Kunststoffe lediglich 0,85% des Kunststoffeinsatzes ausmachen. Eine ähnliche Studie der Universität Wageningen zeigte, dass keine negativen Auswirkungen auf die Merkmale von recycelten Kunststoffen mit biologisch abbaubaren Rezyklaten nachweisbar sind.

Biologisch abbaubare Kunststoffe sind für die Verwertung in industriellen Kompostierungsanlagen entwickelt und vorgesehen. Falls sie dennoch in werkstoffliche Recyclingströme gelangen, können sie mit bestehenden Technologien wie Nahinfrarot problemlos aussortiert werden, wie jüngste Tests des deutschen Forschungsinstituts Knoten Weimar zeigen.  

Biologisch abbaubare Kunststoffe erleichtern die getrennte Sammlung von Bioabfällen und helfen, organische Abfälle aus anderen Recyclingströmen fernzuhalten. Allerdings ist die Verunreinigung von organischen Abfallströmen durch Fehlwürfe nicht-kompostierbarer Kunststoffe hoch und stellt ein echtes Problem für Kompostierungsanlagen dar.

Das italienische Konsortium der Kompostierer hat in Zusammenarbeit mit Corepla Tests in 27 Kompostierungsanlagen in Italien durchgeführt und festgestellt, dass die Kontamination von organischen Abfällen durch nicht-kompostierbare Kunststoffe durchschnittlich bis zu 3,1% beträgt.  "Die Ergebnisse dieser Studien unter realen Bedingungen in Recyclinganlagen bestätigen, dass Investitionen in die Modernisierung der Abfallwirtschaftsinfrastruktur und eine verpflichtende Getrenntsammlung notwendig sind, um die Qualität und Quantität des Kunststoffrecyclings zu verbessern", sagt Hasso von Pogrell, Geschäftsführer von European Bioplastics.

Flüsse tragen Plastikmüll ins Meer

Im Wasser fast aller Meere und Flüsse finden sich mittlerweile kleine Plastikpartikel. Das stellt ein ernstes und wachsendes globales Umweltproblem dar. Die jährlichen Einträge sind enorm, und Plastik verwittert nur sehr langsam. Durch die im Wasser schwimmenden kleinen Plastikpartikel können Meeresbewohner Schaden nehmen, beispielsweise wenn Fische, Seevögel oder Meeressäuger diese mit Futter verwechseln und fressen.

"Die ökologischen Folgen sind bislang noch nicht abzusehen. Klar ist aber, dass es so nicht weitergehen kann", sagt Dr. Christian Schmidt, Hydrogeologe am UFZ. "Da es aber unmöglich ist, die Ozeane vom bereits vorhandenen Plastikmüll zu befreien, müssen wir vorsorgen und den Eintrag von Plastik schnell und effizient reduzieren."  

Um sinnvolle Maßnahmen zur Reduktion des Plastikeintrags zu treffen, muss aber zunächst geklärt werden:

  1. Wo kommt das Plastik überhaupt her?
  2. Über welchen Weg gelangt es ins Meer?

Diesen Fragen sind Schmidt und sein Team in einer Studie nachgegangen, die kürzlich in der aktuellen Ausgabe eines Fachmagazins erschienen ist (Schmidt, C., Krauth, T., Wagner, S.: 'Export of Plastic Debris by Rivers into the Sea' in Environmental Science & Technology | 2017).

Dafür haben die Forscher verschiedene wissenschaftliche Studien analysiert, in denen die Plastikfracht - das ist die Menge des im Wasser transportierten Plastiks - in Flüssen untersucht wurde. Die Ergebnisse der Studien haben sie in miteinander vergleichbare Datensätze umgerechnet und mit der Menge des nicht fachgerecht entsorgten Abfalls des jeweiligen Einzugsgebietes ins Verhältnis gesetzt.

"Wir konnten zeigen, dass hier ein eindeutiger Zusammenhang besteht", sagt Schmidt. "Je mehr Müll im Einzugsgebiet nicht fachgerecht entsorgt wird, desto mehr Plastik landet letztlich im Fluss und gelangt über diesen Transportweg ins Meer." Dabei spielen große Flüsse offenbar eine besonders große Rolle - und das nicht nur, weil sie aufgrund ihres größeren Abflusses im Vergleich auch mehr Müll transportieren.

Schmidt: "Die Plastikkonzentrationen, also die Plastikmenge pro Kubikmeter Wasser, sind in großen Flüssen deutlich höher als in kleinen. Die Plastikfrachten steigen daher mit der Größe des Flusses überproportional an."  Die Forscher haben zudem berechnet, dass die zehn Flusssysteme mit der höchsten Plastikfracht (acht davon in Asien, zwei in Afrika) - in denen zum Teil hunderte Millionen Menschen leben - für rund 90 Prozent des globalen Plastikeintrags ins Meer verantwortlich sind.

"Wenn es in Zukunft gelingt, den Plastikeintrag aus den Einzugsgebieten dieser Flüsse zu halbieren, wäre schon sehr viel erreicht", sagt Schmidt. "Dafür muss das Abfallmanagement verbessert und das Bewusstsein der Bevölkerung sensibilisiert werden. Wir hoffen, dass wir mit unserer Studie zu einer positiven Entwicklung beitragen können, damit das Plastikproblem der Ozeane langfristig eingedämmt werden kann."  

In zukünftigen Untersuchungen will das UFZ-Team herausfinden, wie lange in einen Fluss gelangter Plastikmüll benötigt, bis er im Meer ankommt. Dauert es nur wenige Monate oder Jahrzehnte? "Das ist wichtig zu wissen, denn die Wirkung einer Maßnahme macht sich dann erst mit entsprechender Verzögerung bemerkbar, da zuerst noch viele Altlasten ins Meer gespült werden", erklärt Schmidt. "Nur wenn wir den ungefähren Zeitrahmen der Verweilzeiten des Plastikmülls im jeweiligen Flusssystem kennen, kann eine Maßnahme zur Verbesserung des Abfallmanagements im Einzugsgebiet auch bewertet werden."   

siehe auch

Mikro-Kunststoffe: Grundlagen und Sachstand

Kunststoffe sortenrein

Mehrwegförderung

Umsetzung der GAP-Reform

Kunststoffe sortenrein

 

(Quelle: UM.bw/LUBW/HIN)