Wirtschaftsspionage

Erstellt: Donnerstag, 08. November 2018

(poli). Unternehmen in Baden-Württemberg sind in den vergangenen Jahren offenbar mehrfach Ziel von Wirtschaftsspionage gewesen. Die Spuren führen laut einem Bericht des Innenministeriums nicht selten nach China. Wie aus einer Stellungnahme des Innenministeriums als Reaktion auf Antrag hervorgeht, sind dem Landeskriminalamt seit 2012 acht Fälle von Wirtschaftsspionage bekannt. Bei mindestens sechs dieser Sachverhalte könne eine chinesische Beteiligung nicht ausgeschlossen werden, hieß es weiter.

Die Zahlen wirken zwar niedrig; im Bereich der Wirtschaftsspionage sei aber das Dunkelfeld erfahrungsgemäß sehr hoch. "Sicherheitsvorfälle im IT-Umfeld werden von Unternehmen, beispielsweise aus Angst vor einem Reputationsverlust, häufig nicht angezeigt", hieß es. Dabei haben es die ausländischen Kräfte offensichtlich nicht nur auf Mittelständler abgesehen. Im Jahr 2013 lief den Angaben zufolge ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannte, die einen Cyber-Angriff auf einen Fahrzeughersteller gestartet hatten. 

In sechs Fällen liefen die Ermittlungen noch. In vier habe der Generalbundesanwalt Prüfverfahren eingeleitet. Die größte Schwachstelle bilde nach wie vor der "Faktor Mensch". Dazu gehören eingeschleuste Mitarbeiter ebenso wie Besucher, die sich beispielsweise Produktionsstätten vorführen lassen. Auch die gezielte Ansprache von Menschen in Unternehmen oder das sogenannte "Social Engineering", bei dem E-Mails oder Nachrichten in sozialen Netzwerken so gestaltet werden, dass Interesse geweckt und über den direkten Kontakt Spähsoftware eingeschleust werden kann, spielten eine Rolle. 

So würden auch Profile in sozialen Netzwerken erstellt, um Kontakt zu westlichen Pendants zu knüpfen. Zuletzt hatte ein Bericht über angebliche Spionage-Chips aus China in Servern für Apple und Amazon Politik und Wirtschaft auch in Deutschland aufgeschreckt. Der Digitalverband Bitkom zeigte sich alarmiert. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erklärte, es nehme den Bericht sehr ernst.

„Wirtschaftsspionage und ungewollter Abfluss von Know-how in Unternehmen sind realistische Bedrohungen, die noch immer unterschätzt werden. Und es sind keineswegs nur die großen Marktführer, die im Fokus der Ausspähung stehen. Gerade auch die mittelständischen Unternehmen im Land sind hoch innovativ und werden deshalb immer häufiger Opfer von Wirtschaftsspionage. Unser vorrangiges Ziel ist, die Unternehmen für die Gefahr des ungewollten Know-how-Abflusses zu sensibilisieren und so auch das Innovationspotenzial in Baden-Württemberg auf dem Sektor Sicherheit zu fördern“, betonte Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut bei der Verleihung des Sicherheitspreises 2017 auf der Fachmesse eltefa in Stuttgart.  

„Mit dem erfolgreichen Einsatz ihres Know-how sichern die Unternehmen in Baden-Württemberg ihre Wettbewerbs- und Standortvorteile. Umso wichtiger ist es, dieses Know-how vor unberechtigten Zugriffen Dritter zu schützen“, erklärte der Stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl.