Ehen wieder stabiler

Erstellt: Montag, 09. April 2018

(Hero). Ehen im Südwesten wieder etwas stabiler: Scheidungen im 6. bis zum 9. Ehejahr in Baden-Württemberg am häufigsten. Im vergangenen Jahr wurden in Baden-Württemberg 18 356 Ehen geschieden. Damit ist die Zahl der Ehescheidungen nach Angaben des Statistischen Landesamtes zum 6. Mal in Folge gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Gegenüber 2004, als mit 25 129 Scheidungen der bisherige Höchststand seit Bestehen des Landes Baden-Württemberg registriert wurde, sind die Scheidungszahlen sogar um ein Viertel gesunken.

Im Vergleich zu 1990 lag die Zahl der Ehescheidungen im vergangenen Jahr allerdings um ein Zehntel höher, seit 1980 hat sie sich sogar um rund 40 % erhöht. Ähnlich entwickelt hat sich in den vergangenen Jahren die Zahl der von einer Scheidung betroffenen Kinder. Am häufigsten war im Jahr 2017 eine Scheidung im sechsten Ehejahr (890).1 Am zweithäufigsten wurden Ehen im achten Ehejahr (844) geschieden, gefolgt vom »verflixten« siebten (836) und neunten Ehejahr (789).

Die durchschnittliche Ehedauer aller im Jahr 2017 geschiedenen Ehen lag wie in den Vorjahren bei rund 15 Jahren, wobei aber Ehescheidungen auch nach einer verhältnismäßig langen Zeit des Zusammenlebens keine Einzelfälle waren: So hatten Paare bei jeder sechsten der in 2017 geschiedenen Ehen das Jubiläum der Silberhochzeit bereits hinter sich. Bei 409 Ehepaaren erfolgte die Scheidung im Jahr des 25-jährigen Ehejubiläums, bei immerhin 10 Paaren im Jahr der »goldenen Hochzeit«. Andererseits gab es im vergangenen Jahr auch 3 Paare, deren Ehen bereits im ersten Ehejahr wieder geschieden wurden.

In den letzten Jahrzehnten ist mit jedem jüngeren Heiratsjahrgang die Scheidungshäufigkeit angestiegen: Vom Heiratsjahrgang 1960 wurden etwa 15 % der seinerzeit geschlossenen Ehen geschieden. Für den Heiratsjahrgang 1970 traf dieses Schicksal auf jedes vierte Ehepaar zu, für den Jahrgang 1980 bereits auf jede dritte Ehe. Von den Paaren, die 1995 den Bund der Ehe eingingen, waren bis zum Jahr 2016 – also nach 22 Ehejahren – bereits 34 % geschieden. Die Prognose für diesen Heiratsjahrgang läuft auf eine Scheidungshäufigkeit von knapp 40 % hinaus.2 Damit hat sich die Scheidungshäufigkeit jüngerer Heiratsjahrgänge im Vergleich zu den Ehen aus den 1960er-Jahren mehr als verdoppelt.

Für jüngere Heiratsjahrgänge deutet aber eine Auswertung der Ehescheidungen darauf hin, dass die Ehen in den letzten Jahren wieder etwas stabiler geworden sind: So wurden beispielsweise von den im Jahr 2005 geschlossenen Ehen bislang »nur« knapp 21 % geschieden – für die Heiratsjahrgänge 1995 und 2000 lag der entsprechende Anteil in den ersten 12 Ehejahren dagegen bei 23 %.

1 Die Ehedauer ergibt sich statistisch aus der Differenz zwischen dem Jahr der Eheschließung und dem Jahr, in dem das Scheidungsurteil rechtskräftig wird. Da die Scheidung in den meisten Fällen erst nach einer einjährigen Trennungszeit ausgesprochen wird, sind Ehen faktisch bereits im fünften bzw. nach dem vierten Ehejahr am häufigsten zerbrochen.

2 Diese Ergebnisse bilden eher eine Untergrenze der jeweils ermittelten Scheidungshäufigkeit ab, da aus Gründen der zeitlichen Vergleichbarkeit nur die Ehescheidungen in den ersten 30 Ehejahren berücksichtigt wurden; deren Anteil an allen geschiedenen Ehen lag beispielsweise im Berichtsjahr 2017 bei lediglich 93 %.

(Quelle: ESTATIS.bw/HIN)