KEINE Lohngerechtigkeit

Erstellt: Freitag, 23. Februar 2018

(joER).  Chancengleichheit der Geschlechter und Lohngerechtigkeit? Weit gefehlt. TERRE DES FEMMES beweist in einem weltweit einzigartigen Experiment mit Transgendern, die sich als Frau und als Mann auf ein und denselben Job bewerben: Tatsächlich bekommen Frauen bis zu 33 Prozent weniger Geld für die gleiche Arbeit.  In Deutschland liegt die Entgeltlücke bei unanständig hohen 21 Prozent. Selbst bei gleicher formaler Qualifikation und ansonsten gleichen Merkmalen beträgt der Entgeltunterschied immer noch 6 Prozent. Ein klarer Hinweis auf versteckte Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt.

Überall in Europa verdienen Frauen weniger als Männer. In Deutschland liegt die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern bei 21 Prozent. Selbst bei gleicher formaler Qualifikation und ansonsten gleichen Merkmalen beträgt der Entgeltunterschied immer noch 6 Prozent. Ein klarer Hinweis auf versteckte Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt.

"Diesen Zahlen glauben sowieso nur wenige: KritikerInnen bemängeln unter anderem, dass sie sich auf grundverschiedene Personen mit unterschiedlichen Voraussetzungen beziehen", erklärt die Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES Christa Stolle. "Deshalb haben wir in unserem Gender Pay Gap-Experiment Transgender losgeschickt, um die Lohnlücke sichtbar zu machen, wo sie beginnt: im Vorstellungsgespräch!" Und erbringen so den ultimativen Beweis.

Die Gründe für die Lohnlücke sind vielschichtig: Neben der unterschiedlichen Berufswahl - Frauen arbeiten häufig in sozialen oder personennahen Dienstleistungen, die schlechter bezahlt werden als beispielsweise technische Berufe - ist insbesondere die (längere) familienbedingte Erwerbsunterbrechung und der anschließende Wiedereinstieg in Teilzeit und Minijobs ein Grund: 45 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen arbeiten in Teilzeit.

3,4 Millionen Frauen sind ausschließlich in sogenannten Minijobs beschäftigt.  Zudem haben Frauen noch immer schlechtere Karrierechancen: Frauen sind in Führungspositionen, besonders in Spitzenpositionen, unterrepräsentiert. Führungspositionen werden kaum in Teilzeit besetzt. Auch Rollenstereotype und geschlechtsspezifische Zuschreibungen wirken bei der Arbeitsbewertung, Leistungsfeststellung oder Stellenbesetzung noch immer nach und können zu zumeist indirekter Benachteiligung und mittelbarer Diskriminierung führen.

Das Gender Pay Gap-Experiment: Dieselbe Person mit derselben Qualifikation bewirbt sich für denselben Job - einmal als Frau, einmal als Mann.  Drei Personen treten einmal als Mann, einmal als Frau im Bewerbungsgespräch um Jobs im Projektmanagement, als pharmazeutisch-technische/r Assistent/-in und im Fashion-Bereich an - mit gleichen Lebensläufen, Qualifikationen und in Grundzügen gleichen Persönlichkeiten.

Alle drei keine SchauspielerInnen und in beiden Geschlechterrollen authentisch und echt: Iris P., die in der Öffentlichkeit als Frau und ihrer Familie gegenüber als Mann auftritt, stellte sich einmal als Dirk und einmal als Iris bei Unternehmen vor. Oliver Z., der im Alltag zwar als Mann auftritt, aber sich auch als Frau nicht verkleidet fühlt, war einmal Olivia und einmal Michael - und Leni W., die es gewohnt ist, im Alltag beide Geschlechterrollen zu leben, trat einmal als Anna-Lena und einmal als Leo auf.  

Das Ergebnis - ein Skandal: Ein Mensch, zwei Gehälter  Versteckte Kameras filmten, wie PersonalerInnen Frauen im Gespräch unterschiedlich behandelten - insbesondere, wenn es um die Gehaltsverhandlung ging. Zum Teil waren bei Männern sogar Boni im Gespräch, die gegenüber den Frauen gar nicht erst erwähnt wurden.  

"Das Gender Pay Gap-Experiment entlarvt die politischen Bemühungen der Gleichstellung der letzten Jahre. Frauen sind noch weit davon entfernt gleich behandelt zu werden. Die Politik muss endlich handeln und die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung fördern und gesetzlich verankern", sagt Stolle und ergänzt: "Jedes Unternehmen auf der Welt sollte zudem aus eigenem Interesse dazu beitragen, Gleichberechtigung umzusetzen - gerade auch dort, wo die Ungleichbehandlung anfängt - im Jobgespräch." 

Maßnahmen der Bundesregierung

Um der Lohnlücke entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung bereits Maßnahmen auf den Weg gebracht. Von der Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns profitieren mehrheitlich Frauen in niedrig entlohnten Dienstleistungsbereichen und in geringfügiger Beschäftigung. Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung, dem Elterngeld und dem ElterngeldPlus sowie mit der Verbesserung der Familienpflegezeit werden Anreize für weniger und kürzere familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und eine rasche Rückkehr in den Beruf geschaffen.

Zudem werden mit dem Aktionsprogramm "Perspektive Wiedereinstieg" die Ein- und Aufstiegschancen von Frauen nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung verbessert.  Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst hat eine Geschlechterquote in Aufsichtsräten eingeführt und verpflichtet große Unternehmen zu verbindlichen Zielgrößen.

Dies wird Unternehmenskulturen nachhaltig verändern. Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen  Ein weiterer wichtiger Schritt ist das Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen, das am 6. Juli in Kraft getreten ist. Es wird helfen, das Prinzip "Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit" in der Praxis stärker durchzusetzen. Dafür sieht das Gesetz folgende Bausteine vor:      

  1. Einführung eines individuellen Auskunftsanspruchs: Arbeitgeber mit mehr als 200 Beschäftigten müssen diesen zukünftig auf Anfrage erläutern, nach welchen Kriterien sie wie bezahlt werden. Den Auskunftsanspruch können Beschäftigte seit dem 6. Januar 2018 in Anspruch nehmen.    
  2. Betriebliche Verfahren zur Überprüfung und Herstellung von Entgeltgleichheit: Private Arbeitgeber mit mehr als 500 Beschäftigten werden aufgefordert, regelmäßig ihre Entgeltstrukturen auf die Einhaltung der Entgeltgleichheit zu überprüfen.    
  3. Arbeitgeber mit mehr als 500 Beschäftigten, die lageberichtspflichtig sind, müssen zudem künftig regelmäßig über Stand der Gleichstellung und der Entgeltgleichheit berichten. Diese Berichte sind für alle einsehbar.  

Die Verpflichtung, beim Lohn nicht zu diskriminieren und erwiesene geschlechtsbezogene Diskriminierung zu beseitigen, gilt schon heute für alle Unternehmen und Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in Deutschland. Durch die transparente Aufnahme und Definition des Gebotes der Entgeltgleichheit für gleiche und gleichwertige Arbeit von Frauen und Männern in einem eigenen Gesetz wird diese Verantwortung explizit festgeschrieben.

Flankierend zu dieser Gesetzesinitiative hat das Bundesfamilienministerium einen Sozialpartnerdialog mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften gestartet. Auf einer untergesetzlichen Ebene sollen - gemeinsam mit Wirtschaft und Gewerkschaften - Maßnahmen für faire Einkommensperspektiven diskutiert werden.

(Quelle: TeDeFe/BFSFJ/HIN)