Heiner Geißler ist tot

Erstellt: Dienstag, 12. September 2017

(Hero). Der aus Baden-Württemberg stammende CDU-Politiker, Sozialpolitiker, Streitschlichter, Buchautor und vielgesuchte Interviewpartner Dr. Heiner Geißler ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Seinen Wandel vom CDU-Generalsekretär zum Mitglied des globalisierungskritischen Netzwerks Attac konnten viele seiner Parteigenossen nicht nachvollziehen. Kanzlerin Angela Merkel würdigte Geißler, der vor allem auch als Schlichter im Streit um Stuttgart 21 in Erinnerung bleibt, dennoch als einen der "markantesten Köpfe unserer Partei". Politiker Oskar Lafontaine: "Wie kaum ein anderer kritisierte er die Fehlentwicklungen des globalen Kapitalismus." Und Ministerpräsident Winfried Kretschmann erkannte in Geißler "eine beeindruckende, starke und stilbildende Persönlichkeit". 

"Mit Dr. Heiner Geißler verlieren wir eine herausragende politische Gestalt der Bundesrepublik: Nie bequem, mit Mut zum Streit, aber immer bedacht, fair und auf einen Ausgleich aus. Als prägende Figur der deutschen Nachkriegsgeschichte gestaltete er die junge Bundesrepublik maßgeblich mit. Seine reichhaltige politische Vita reichte vom Landesvorsitzenden der Jungen Union und Mitglied des Landesvorstands der CDU in Baden-Württemberg über ein Ministeramt in Rheinland-Pfalz bis hin zu seiner Berufung zum Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit und seiner langjährigen Tätigkeit als CDU-Generalsekretär. Heiner Geißler galt als scharfzüngiger Politiker und bekanntester Querdenker der CDU, der kein Blatt vor den Mund nahm und mit seinen Überzeugungen auch in der eigenen Partei polarisierte", so Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Während man Heinrichjosef Georg 'Heiner' Geißler das Image eines Querkopfes nachsagte, sah er sich selbst als einen Grenzgänger. Der frühere Bundesminister und langjährige CDU-Generalsekretär war sicherlich eine der prägenden Gestalten der bundesdeutschen Nachkriegspolitik und galt als Generalsekretär einer der umstrittensten Politiker der Bundesrepublik in den 1970/80ern. Willy Brandt bezeichnete ihn gar als den "seit Goebbels schlimmsten Hetzer im Land". Seine Rolle als Mahner und "Friedensstifter" nahm er erst jenseits seiner politischen Ämter im Alter ein.

"Eindrücklich in Erinnerung ist uns Heiner Geißler in Baden-Württemberg vor allem als Schlichter im Streit um Stuttgart 21. Furios gelang es ihm, harte technische Fakten für hunderttausende Menschen verständlich und interessant aufzubereiten. Sein Credo war, dass zivilisierter Streit die Gesellschaft zusammen hält und machte dadurch das schier Unmögliche möglich: die streitenden Parteien in diesem schwierigen Konflikt sachorientiert voranzubringen. So leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Befriedung des Konflikts um den Tiefbahnhof", betonte Kretschmann. "Er hat mit der Schlichtung Maßstäbe gesetzt wie Konflikte in einer Demokratie bewältigt werden können."

"Beeindruckend war dabei die souveräne wie unerschrockene Art, mit der Heiner Geißler die Polarisierung durch Kompetenz und Sachkunde herausgenommen hat. Damit begründete er etwas, das wir später in der ,Politik des Gehörtwerdens‘ aufgegriffen und zu einer Grundlage unserer Regierungsarbeit gemacht haben. Heiner Geißler wird uns als beeindruckende, starke und stilbildende Persönlichkeit in Erinnerung bleiben", unterstrich der Ministerpräsident.

(Quelle: STM.bw/HIN)