Zu wenig humanitäre Hilfe

Erstellt: Freitag, 02. November 2018

(joER). Millionen Menschen in Not erhalten keine oder nur unzureichende humanitäre Hilfe. Das geht aus dem Weltkatastrophenbericht 2018 der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften hervor, der in Genf veröffentlicht wurde und eine Neuorientierung in der humanitären Hilfe fordert. "Lokale Helfer sind oft die einzigen, die Menschen in entlegenen oder unsicheren Gegenden erreichen. Es ist daher wichtig, lokale und vor Ort etablierte Hilfsorganisationen gezielt zu stärken ", sagte der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Christian Reuter.

Alleine durch die freiwilligen Helfer und Helferinnen der 191 nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften werden weltweit über 100 Millionen von Katastrophen und Krisen betroffene Menschen im Jahr unterstützt. Laut Weltkatastrophenbericht werden im Jahr 2018 nach Angaben der UN voraussichtlich weltweit rund 40 Millionen Menschen im Rahmen von internationalen Hilfsmaßnahmen nicht erreicht.

Insbesondere in langanhaltenden, oft vergessenen Krisen, fehlt es internationalen Helfern an Zugang zu Menschen in Not oder es stehen zu wenig finanzielle Mittel für die humanitäre Hilfe bereit. In den vergangenen zehn Jahren sind nach dem Weltkatastrophenbericht weltweit allein 827 Millionen Menschen von extremer Hitze und Dürren sowie weitere 730 Millionen von Überschwemmungen betroffen worden.

"Die Zahlen zeigen, dass wir neue Wege in der Katastrophenvorsorge gehen und mehr als bisher vorausschauend handeln müssen. Denn vor allem klimabedingte Risiken lassen sich inzwischen häufiger vorhersagen", sagte DRK-Generalsekretär Christian Reuter. Eine Antwort darauf sei das neue Konzept des sogenannten Forecast-based Financing, der vorhersagebasierten Finanzierung.

Dessen Kernelement sei es, dass auf der Basis von Extremwettervorhersagen und definierten Schwellenwerten bereits humanitäre Hilfe geleistet wird, bevor eine Katastrophe eintritt. Dazu gehöre zum Beispiel, Häuser sturmfest zu machen sowie Nahrung und Saatgut vor Unwettern zu sichern oder rechtzeitig Geld für Evakuierungen bereitzustellen, so dass sich Menschen rechtzeitig in Sicherheit bringen können.

Solche Pilotprojekte testet das DRK derzeit in Bangladesch, auf den Philippinen, in Vietnam, Mosambik, Uganda, Togo, Ekuador und Peru.  Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften hat heute den Weltkatastrophenbericht 2018 vorgestellt und festgestellt, dass Millionen Menschen in Not keine Hilfe erhalten.

Frank Schwabe, menschenrechtspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion: "In Anbetracht der erschreckenden Zahlen des Weltkatastrophenberichts 2018 muss die internationale Hilfe ausgebaut und verstetigt werden. Der Deutsche Bundestag hat in den vergangenen Jahren die Mittel für die humanitäre Hilfe bereits deutlich erhöht.

Das weltweite Leid von Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Naturkatastrophen muss dennoch einen stärkeren Niederschlag im neuen Bundeshaushalt finden und eine stetige und gezielte humanitäre Hilfe ermöglichen.  Das Deutsche Rote Kreuz erklärt, dass zahlreiche Menschen in Not nur durch lokale Helferinnen und Helfer erreicht werden.

Daher sei es von enormer Bedeutung, lokale Hilfsorganisationen gezielt zu stärken. Das Internationale Rote Kreuz rechnet in seinem Bericht damit, dass rund 40 Millionen Menschen von internationalen Hilfsmaßnahmen nicht erreicht werden. Der Bericht stellt weiter fest, dass in den vergangenen zehn Jahren weltweit allein 827 Millionen Menschen von extremer Hitze und Dürren sowie weitere 730 Millionen von Überschwemmungen betroffen waren. Daher sei es notwendig, auf der Basis von Extremwettervorhersagen und definierten Schwellenwerten bereits humanitäre Hilfe zu leisten, bevor Katastrophen eintreten."

In diesen Tagen soll der Sonderbericht des Weltklimarats zum 1,5 Grad-Limit der maximalen globalen Erwärmung verabschiedet werden. Wirkungsvolle Lösungen für die Klimakrise sind dringender denn je. Dabei wird immer deutlicher, dass technische Optionen allein zu kurz greifen. Gefordert sind ein schonungslos kritischer Blick auf das Wachstumsparadigma und der Einstieg in den längst überfälligen Wandel hin zu einer tatsächlich klimafreundlichen Weltgemeinschaft, die sich innerhalb der planetaren Grenzen bewegt.

(Quelle: DRK/HIN)