Neue Integration

Erstellt: Mittwoch, 02. Mai 2018

Baden-Baden (proh). Die Aufgaben und Anforderungen bei der Betreuung und Begleitung der in Baden-Baden lebenden Flüchtlinge haben sich in den letzten Jahren stark geändert. Darauf hat die Stadtverwaltung reagiert und neue Strukturen geschaffen. Bürgermeister Roland Kaiser und die Leiterin des Fachbereichs Bildung und Soziales, Iska Dürr, stellten die neuen Integrationsmanagerinnen der Stadtverwaltung sowie den neuen „Pakt für Integration in Kommunen“ (PIK) vor und zeigten auf, wie dieses Abkommen im Bereich Integrationsmanagement in Baden-Baden konkret umgesetzt wird.  

Mit dem PIK reagieren Land und Kommunen auf die Tatsache, dass viele der nach Baden-Württemberg geflüchteten Menschen, die eine Bleibeperspektive haben, auch langfristig hier bleiben wollen. Das Land hat hierfür in den Jahren 2017 und 2018 jeweils 160 Millionen Euro bereitgestellt.

Mit 90 Millionen Euro hiervon werden die Kommunen über den Integrationslastenausgleich bei den Kosten der Anschlussunterbringung und Integration entlastet, weitere 70 Millionen Euro fließen jeweils in den Jahren 2017 und 2018 in die konkret vereinbarten Integrationsförderprogramme und -maßnahmen.  Baden-Baden kann aufgrund erfolgter Antragstellung in den Jahren 2017 und 2018 jeweils bis zu 374.158 Euro erhalten. Damit wurden vier Stellen im Integrationsmanagement geschaffen.

Auch kann die Stadtverwaltung bereits auf gut funktionierende Strukturen in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit zurückgreifen, so etwa in der Flüchtlingssozialarbeit in den Unterkünften, bei der beruflichen Integration in den Arbeitsmarkt, aber auch bei der Unterbringung unbegleiteter Kinder und Jugendlicher, der Ehrenamtsbegleitung sowie spendenfinanzierten Strukturen für vielfältige Projekte. Ganz wichtig bei der Bewältigung all dieser Aufgaben sei, wie Bürgermeister Roland Kaiser betonte, „dass es eine gute Zusammenarbeit zwischen den hauptamtlichen Mitarbeitern, den vielen ehrenamtlich Engagierten, den Schulen sowie Wohlfahrtsverbänden gibt – eine ideale Basis dafür, dass die Umsetzung der Integration in Baden-Baden so gut gelingt“.

Dem pflichteten die anwesenden ehrenamtlich Aktiven bei, die jeweils aus ihrer Sicht die vielfältige Arbeit mit den Flüchtlingen darstellten.  Aus ihrer täglichen Praxis berichteten dann die vier neuen Integrationsmanagerinnen selbst: Astrid Bückers, Caritaswissenschaftlerin, bei der der Schwerpunkt Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt liegt, Soziologin Hannah Fürst, die zuvor in der Flüchtlingssozialarbeit als Flüchtlingsbeauftragte tätig war, Diplom-Pädagogin Rebecca Rastetter, mit Berufserfahrung in der Arbeitsverwaltung und als Bildungskoordinatorin sowie Juliana Ernst, gelernte Sozialpädagogin, die auf fundierte Erfahrungen in der Betreuung von Wohngruppen unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender zurückgreifen kann.  

Zum umfangreichen Tätigkeitsprofil der vier neuen Integrationsmanagerinnen gehört unter anderem ein Erstgespräch mit niedrigschwellliger und kultursenisibler Beratung, das Erfassen und Zusammenführen von personenbezogenen Daten, die Begleitung der Flüchtlinge auf vielen behördlichen Wegen, die Information über diverse Integrationsangebote vor Ort, das Auswerten und Überprüfen sowie Fortschreiben der individuellen Integrationspläne, das Heranführen an geeignete Angebote von Ehrenamtlichen sowie an zivilgesellschaftliche Strukturen und Vereine.  

Zu Wort kamen auch zwei Flüchtlinge, die über ihren bisherigen Werdegang und ihre Erfahrungen in Baden-Baden und mit den Haupt- und Ehrenamtlichen berichteten. Sie zeigten sich beide dankbar für die vielfältige Hilfestellung, die ihnen seit ihrer Ankunft in Baden-Baden entgegengebracht wird, betonten allerdings, dass vor allem auch das Erlernen der Sprache einfach Zeit benötige, die man ihnen auch geben müsse.  

Während Celestin Dondjia aus Kamerun seit einem Jahr an der Oos lebt und den nicht bestandenen B1-Deutschkurs nochmals wiederholen muss, um sich auch auf dem Arbeitsmarkt orientieren zu können, ist der sprachgewandte Syrer Alladin Akkamshawa bereits seit zweieinhalb in der Stadt, hat bereits einen Sprachkurs erfolgreich absolviert und derzeit einen Minijob, dem er gerne – mit Hilfe seiner Integrationsmanagerin – einen Vollzeitjob folgen lassen will.  

Aktuell leben rund 900 Flüchtlinge in Baden-Baden, von denen etwa die Hälfte eine Bleibeperspektive haben. Und nur um diesen Personenkreis können sich die Integrationsmanagerinnen auch kümmern, wie Iska Dürr betonte. Wobei auch hier nochmals Schwerpunkte gesetzt werden müssten. So liege der Fokus auf Familien und Flüchtlingen mit hoher Arbeitsmarktnähe, so dass jede Integrationsmanagerin derzeit bis zu 50 Flüchtlinge mit Bleibeperspektive betreut.

(Quelle: StVwBAD/HIN)