Ehrenamt und 'familyNET'

Erstellt: Dienstag, 05. Dezember 2017

(Hero). Jährlich am fünften Dezember werden mit dem Internationalen Tag des Ehrenamts die vielen Menschen, die freiwillig und unbezahlt in verschiedensten Bereichen tätig sind, anerkannt. An diesem Tag wird für das Engagement geworben. Das Engagement ist bunt und erstreckt sich über eine Vielzahl gesellschaftlicher Bereiche. Das Ehrenamt ist die tragende Säule des Bevölkerungsschutzes. Deshalb bedankt sich das Land bei allen Arbeitgebern, die das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeiter für den Bevölkerungsschutz unterstützen.

Sport ist mit Abstand der Bereich, in dem sich die meisten Menschen in Deutschland engagieren, sei es als Trainer im Fußball- oder Sportverein, Platzwart oder Kassenwart in einer Wandergruppe. Doch auch das Engagement im sozialen Bereich ist umfangreich und vielfältig.

"Demokratie lebt nicht vom Zuschauen, sondern vom Mitmachen. Kirche, Feuerwehr und Wohlfahrt, Vereine, Nachbarschaftshilfe, Parteien, Initiativen, Verbände, aber auch Gemeinderäte und Kreistage - sie alle wären ohne das freiwillige Engagement von Bürgerinnen und Bürgern nicht denkbar", so Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Menschen engagieren sich in der Obdachlosenbetreuung und Kältehilfe, sind da, wenn Katastrophenhelfer gebraucht werden oder arbeiten in ihrer freien Zeit bei den Ärzten ohne Grenzen. Vielfältig sind auch die freiwilligen Tätigkeiten im kulturellen Bereich, z.B. als Leiter einer Trachtentanzgruppe, als Regisseurin der freien Theatergruppe aber auch als Mitarbeiter in der museumspädagogischen Arbeit.

In Deutschland engagieren sich immer mehr Menschen, dies belegen die Daten des Deutschen Freiwilligensurveys. Waren es 1999 noch 34 Prozent sind es nach der aktuellen Erhebung 43 Prozent, also rund 31 Millionen Menschen ab 14 Jahren. Das freiwillige Engagement ist insgesamt in fast allen der 14 untersuchten Bereiche gestiegen, allem voran in den Bereichen Sport, Soziales und Kultur. Das freiwillige Engagement ist für die Gesellschaft von großem Vorteil: Es stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt, trägt zum Funktionieren des Gemeinwesens bei und ist nicht zuletzt eine zentrale Form der sozialen Teilhabe.  

"Das Ehrenamt ist die tragende Säule des Bevölkerungsschutzes im Land. Deshalb danke ich den Arbeitgebern, die das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeiter für den Bevölkerungsschutz unterstützen. Die Arbeitgeber leisten damit einen Beitrag, der nicht hoch genug geschätzt werden kann. So können sich unsere Bürgerinnen und Bürger darauf verlassen, dass im Notfall Hilfe kommt", sagte Julian Würtenberger, Ministerialdirektor im Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration bei einer Feierstunde.  

Die 38 ausgezeichneten Arbeitgeber aus Baden-Württemberg ermöglichen ihren ehrenamtlich engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass sie bei einem Notfall während der Arbeitszeit unverzüglich in den Einsatz gehen können. Ohne diese Unterstützung durch die Arbeitgeber wäre die Bewältigung von verheerenden Naturkatastrophen, Bränden, Verkehrsunfällen und großen Unglücksfällen unmöglich.  

Das Land vergibt deshalb als Zeichen der Wertschätzung und als Ausdruck der Anerkennung für die vielfältige Unterstützung des Bevölkerungsschutzes durch Arbeitgeber die Auszeichnung "ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber im Bevölkerungsschutz".

34 Arbeitgeber erhielten die Auszeichnung heute durch den Ministerialdirektor persönlich. "Dabei freut es mich besonders, dass von den Vertretern kleinerer Handwerksbetriebe, über den Mittelstand bis hin zu Weltmarktführern das gesamte Spektrum der Wirtschaft in unserem Lande vertreten ist. Mit Ihrer Bereitschaft, die Ausübung des Ehrenamts zu fördern, tragen Sie dazu bei, die Strukturen im Bevölkerungsschutz nachhaltig zu sichern und zukunftsfähig zu machen."

Unternehmen profitieren von ehrenamtlich engagierten Mitarbeitern  Würtenberger wies darauf hin, dass eine Förderung des Ehrenamts auch Vorteile für die Arbeitgeber hat: "Ehrenamtlich engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind teamfähig, belastbar und zuverlässig. Sie leben eine Wertekultur, die eine Vorbildwirkung im gesamten Betrieb entfaltet."  

Dr. Hariolf Teufel, Vorsitzender des Vorstands der Kreissparkasse Göppingen, bestätigt dies bei der Auszeichnung ebenfalls: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir als Unternehmen von unseren ehrenamtlich engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern profitieren. Das sind gewissenhaft arbeitende Menschen, die das Wohl anderer nicht aus den Augen verlieren und die zudem ihren eigenen Horizont erweitern."

"Gerade in Zeiten der Verunsicherung machen sich Populisten die Sorgen der Menschen zunutze und schüren Ängste. Sie wollen nicht gestalten, sondern spalten", so Kretschmann. Diesem Ungeist der Spaltung setzten die Geehrten etwas sehr Kraftvolles entgegen, denn sie würden durch ihren Einsatz das Vertrauen in unsere Demokratie und in die Bürgerschaft stärken. "Ihr Engagement ist für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft unendlich wichtig und wertvoll – und dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen", unterstrich der Ministerpräsident.

"Unser Dank und unsere Anerkennung gilt auch den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, weil sie bereit sind dieses Risiko einzugehen und diesen Mehraufwand tragen. Der Bevölkerungs- und Katastrophenschutz in Deutschland ist weltweit am leistungsfähigsten. Sie tragen dazu erheblich bei", damit dankte auch Dietmar Löffler, Landesbeauftragter des Landesverbandes Baden-Württemberg der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk dem Engagement der Arbeitgeber im Lande. Zu den ausgezeichneten Firmen gehört auch die Stadtwerke Karlsruhe GmbH. 

Familienbewusste Unternehmen

Bereits zum fünften Mal wurde das familyNET-Prädikat "Familienbewusstes Unternehmen" an zahlreiche Unternehmen Baden-Württembergs für ein familienfreundliches Personalmanagement überreicht. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wichtiges Zukunftsthema für die Unternehmen im Land. Familienbewusste, lebensphasenorientierte Unternehmen steigern mit diesen Eigenschaften ihre Attraktivität im Wettbewerb um Fachkräfte.

Im Rahmen des landesweiten Projekts familyNET werden sie dabei durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau sowie durch die Arbeitgeberverbände Südwestmetall und Chemie Baden-Württemberg unterstützt. Ziel des landesweiten familyNET ist es, Unternehmen Beratung und Coaching anzubieten, um sie individuell und betriebsspezifisch bei der Entwicklung und Einführung einer familienbewussten Personalpolitik zu unterstützen. 

"Ziel ist es, mit der Prädikatsverleihung weitere Unternehmen zum Nachahmen zu motivieren. Für unsere Unternehmen wird es zunehmend wichtiger, dass sie ihre Aktivitäten im Bereich Vereinbarkeit von Familie und Beruf und lebensphasenorientierte Personalpolitik professionalisieren, mit ihrem Engagement besser sichtbar werden und sich im Wettbewerb positionieren können. Das Prädikat kann ein wertvolles Marketinginstrument sein und Professionalität und systematische Umsetzung dokumentieren", sagte Katrin Schütz, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau.

"Das Verständnis und die gezielte und systematische Umsetzung von Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und einer lebensphasenorientierten Personalpolitik in den Betrieben tragen ganz wesentlich zur Fachkräftegewinnung und -sicherung bei. Nur so können sich unsere Unternehmen im Sinne einer modernen zukunftsorientierten Unternehmens- und Wirtschaftspolitik entwickeln."

58 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistung und Sozialwirtschaft wurden in der fünften Runde mit dem Prädikat "Familienbewusstes Unternehmen" für eine systematische familienbewusste Personalpolitik ausgezeichnet. Bewertet wurden dabei die Aktivitäten der Unternehmen in den Bereichen Führungskompetenz und Personalentwicklung, Arbeitsort, -zeit und -organisation, Kommunikation, geldwerte Leistungen, Service für Familien, Gesundheit sowie bürgerschaftliches Engagement. Mittlerweile sind rund 160 Unternehmen Prädikatsträger in Baden-Württemberg.

Stefan Küpper, Geschäftsführer Politik, Bildung und Arbeitsmarkt der Arbeitgeber Baden-Württemberg, sieht das Prädikat, das mittlerweile dem Projektstatus entwachsen sei, inzwischen als fest etabliert an. "Unternehmen positionieren sich zunehmend als familienbewusste Unternehmen im sich verschärfenden Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte.

Um ihr großes Engagement zum Beispiel für eine flexible Arbeitszeitgestaltung, für die Wiedereinstiegsförderung nach einer Familienpause oder die Unterstützung bei der Kinder- und Angehörigenbetreuung dokumentieren zu lassen, sind sie bereit, sich einem solchen Begutachtungsprozess zu unterwerfen. Das ermuntert uns, dieses Angebot weiter vorzuhalten und auszubauen."

Prof. Christel Althaus, Vorsitzende des Landesfamilienrates Baden-Württemberg, verweist auf die überragende Bedeutung der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienleben. "Der Alltag von Müttern und Vätern zwischen Elternsein und Pflege, Partnerschaft, Beruf und (Weiter-)Bildung ist nicht nur anspruchsvoll, sondern oft genug auch atemlos. Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt eine Megaaufgabe für die gesamte Gesellschaft und ist nur im Zusammenwirken aller gesellschaftlichen Kräfte zu schaffen. Die digitalisierte Arbeitswelt birgt dabei viele Herausforderungen, aber auch Chancen, die genutzt und gestaltet werden müssen."

Der Landesfamilienrat begrüße die Weiterführung des Prädikats "Familienbewusstes Unternehmen" im Rahmen von familyNET auch nach der Projektphase und werde sich weiterhin engagiert an der Umsetzung beteiligen. familyNET wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und aus Landeskofinanzierungsmitteln gefördert.

Darüber hinaus beteiligen sich der Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e. V., Südwestmetall und der Arbeitgeberverband Chemie Baden-Württemberg e. V. an der Finanzierung. Das Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft e. V. setzt das Projekt familyNET um. Kooperationspartner ist der Landesfamilienrat Baden-Württemberg.

(Quelle: DZA/IM.bw/HIN)