'Suche Friede'

Erstellt: Dienstag, 15. Mai 2018

(joER). Mit einem Abschlussgottesdienst ist gestern (13. Mai 2018) der 101. Deutsche Katholikentag in Münster zu Ende gegangen. Seit Mittwoch (9. Mai 2018) waren mehrere zehntausend Teilnehmer unter dem Leitwort "Suche Frieden" in Münster zu Gast. In seiner Predigt während der Eucharistiefeier forderte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, die Gläubigen auf, die christliche Glaubenserfahrung mutig in die Zukunft zu tragen. "Wir brauchen lebendige Zeugen der Auferstehung Jesu, die vom Glauben sprechen und den Glauben leben", so Kardinal Marx.

Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm diskutieren beim Katholikentag in Münster über Ökumene nach 2017. "Die Ökumene in Deutschland muss weitergehen. Daran werden wir gemeinsam arbeiten." Diese Auffassung haben heute der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, beim Katholikentag in Münster vertreten.

Während eines Podiums diskutierten Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm mit weiteren Vertretern der Ökumene unter dem Leitwort "Ökumene 2017 – Aufbruchs- oder Katerstimmung? Konkrete Schritte auf dem Weg zum 3. Ökumenischen Kirchentag".  

Kardinal Marx würdigte die spürbare ökumenische Aufbruchsstimmung, die sich durch das Reformationsgedenken entwickelt habe. Jetzt sei es wichtig, im Dialog zu bleiben – das gelte auch für das Ringen um aktuelle innerkirchliche und ökumenische Debatten, so Kardinal Marx. Der Hildesheimer Gottesdienst "Heilung der Erinnerung" am 10. März 2017 habe viel in Bewegung gesetzt: "Gerade dieser ökumenische Gottesdienst hat gezeigt, dass wir Versöhnung brauchen und uns Versöhnung schenken müssen. Dafür tragen wir eine gemeinsame Verantwortung. Die in Hildesheim eingegangenen Selbstverpflichtungen sind Grundlagen, an denen wir weiterarbeiten müssen."

Es gehe, so Kardinal Marx, nicht nur um das Jahr 1517, "sondern um die Zukunft des Christentums in unserem Land. Wir brauchen jetzt nicht von einem Jubiläum zum anderen eilen, sondern wir müssen in die Zukunft schauen, wie unser Weg weitergehen kann. Dazu gehört auch die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK), mit der wir eng zusammenarbeiten."

Landesbischof Bedford-Strohm erinnerte daran, dass 2017 das erste Reformationsjubiläum in der Geschichte gewesen sei, "dass wir nicht in konfessioneller Abgrenzung, sondern gemeinsam gefeiert haben. Das war eine wunderbare Erfahrung. Besonders durch den Hildesheimer Versöhnungsgottesdienst, der in vielen Gemeinden bundesweit auch gefeiert wurde, ist greifbar geworden, wie groß der Wunsch nach Gemeinsamkeit gerade in den Gemeinden ist. Das ist nicht mehr rückholbar. Auf diese Sehnsüchte müssen wir eingehen."

Während der Diskussion appellierten Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm an die Teilnehmer des Katholikentags, "Freundschaft" im Alltag zu leben. Die ökumenische Freundschaft im Gespräch sei ebenso wichtig wie ein freundschaftlicher Umgang in der Gesellschaft. Kardinal Marx erinnerte an ein Wort von Aristoteles: "Ohne Freundschaft gibt es kein Verstehen."

Das Element der Freundschaft sei nicht nur wichtig, sondern es brauche eine Kultur des Zuhörens und den Versuch, den anderen zu verstehen. "Deshalb ist Freundschaft auch ein wesentliches Element im ökumenischen Miteinander", sagte Kardinal Marx. Er fügte hinzu: "Wir haben eine Leidenschaft für die Ökumene. Unsere bleibende Frage ist: Wie können wir die Trennung überwinden? Darum muss es uns gehen."

Landesbischof Bedford-Strohm erinnerte in diesem Zusammenhang an das ökumenische Engagement von Papst Franziskus, der im Jahr des Reformationsgedenkens starke Signale der Gemeinsamkeit gesetzt habe. "Die Impulse, die er gibt, sind für die Ökumene eine große Chance. Entscheidend ist, dass die Nähe, die in vielen Gemeinden längst vorhanden ist und 2017 noch vertieft wurde, nicht ohne Folgen bleibt." Er glaube, dass die Zeit reif dafür sei, allen theologischen Gesprächen jetzt auch Konsequenzen folgen zu lassen. "Wir spüren gemeinsam, dass Christus da ist, das ist die entscheidende Basis für die Zukunft", sagte Landesbischof Bedford-Strohm.

"Wir brauchen nicht die, die nur verwalten, kühle Technokraten und Manager der Macht, rechthaberische Schriftgelehrte. Nein, wir brauchen Zeugen, die wissen, dass Gott sie führt, Zeugen des unzerstörbaren Lebens. Die Kraft des Zeugnisses muss der Kern der Weitergabe des Glaubens sein", betonte Kardinal Marx beim Abschlussgottesdienst. Wenn die Heilige Schrift sage, dass Gott die Liebe sei, "dann ist das kein romantisches Gefühl. Die Liebe Gottes wird konkretisiert in der Person Jesu. Niemand kann Gott verstehen, wenn er nicht auf diesen Jesus von Nazareth schaut, der die Liebe ist", so Kardinal Marx.

"Wir Christen wissen: Die Liebe Christi ermöglicht Frieden. Wir sind aufgerufen, einen Gott des Friedens zu verkünden. An diesem Frieden müssen wir mitbauen, wir als Christen, die mitten in die Welt gesandt sind." Als Zeugen des österlichen Lebens und Friedens gehe der Christ nie ganz in der Logik der Welt auf, in der Logik desn Herrschens und der Macht.

"Wir haben mit dem österlichen Glauben einen Blick auf die Weite der Welt, wir sind mitten in der Welt und ziehen uns als Christen nicht in die Sakristei zurück oder verstehen uns als geschlossene Zirkel. Der Katholikentag in Münster war kein Wohlfühlkatholizismus, der um sich selbst kreist, sondern ein kräftiges Zeugnis, ermutigt in die Welt hinauszugehen", sagte Kardinal Marx.

Das Leitwort des Katholikentags "Suche Friede" müsse über Münster hinauswirken, in die Gemeinden hinein, in die anstehenden Fragen, in die Ökumene, so Kardinal Marx. "Wie sehr haben wir in Münster das ökumenische Engagement und Anliegen gespürt. Wir werden als Kirche darin nicht nachlassen. Als Glieder gehören wir zum einen Leib Christi, evangelische, orthodoxe und katholische Christen! Deshalb ist es wichtig, alles Bemühen auf der Welt diesem Ziel zuzuordnen: die wahre Einheit aller Schwestern und Brüder."

Kardinal Marx fügte hinzu: "Um diese Einheit müssen wir uns alle bemühen, um dieses sichtbare Bild der Einheit zu bezeugen – auch wir Bischöfe. Es gibt die Zeit des Ringens und der Diskussion. Aber es muss klar sein: Wir gehören zusammen, wir haben ein Zeugnis des Glaubens. Wir haben dort zu stehen, wo Gräben zugeschüttet werden, wo in Hass gesprochen wird, wo Menschen attackiert werden."

Christen hätten die Verpflichtung, Instrumente des Friedens in der Gesellschaft, in der Welt zu sein. "Das ist unser Auftrag! Wer könnte das besser als wir? Lasst uns ein sichtbares Zeugnis des Friedens in der Welt geben", so Kardinal Marx. Im Leitwort des Katholikentags – "Suche Frieden" – finde sich ein dynamischer Auftrag, den auch Jesus von den Menschen fordere: "Wir können heute in Münster versprechen: Ja, Jesus, wir nehmen den Auftrag an."

Zum Abschluss des Gottesdienstes dankte Kardinal Marx dem gastgebenden Bistum Münster sowie dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) für die Tage der Begegnung. Bischof Dr. Georg Bätzing (Limburg) lud mit Vertretern der evangelischen Kirche zum Abschluss des Münsteraner Katholikentags zum Dritten Ökumenischen Kirchentag nach Frankfurt ein, der vom 12. bis 16. Mai 2021 stattfindet.

(Quelle: DBK/HIN)