Vati, was ist ein Pfingst?

Erstellt: Freitag, 18. Mai 2018

(pierre roh). Das lange Pfingstwochenende ist den meisten sehr willkommen. Warum es gefeiert wird, weiß allerdings kaum jemand. Eine Umfrage ergab, dass rund 73 Prozent der Deutschen keine Ahnung haben, woran an Pfingsten gedacht wird. Im Umkehrschluss bedeutet dies, nur 27 Prozent kennen den Hintergrund. 50 Tage nach Ostern hatte Jesus den Heiligen Geist zu den zwölf Aposteln entsendet. Das Wort "Pfingsten" kommt vom griechischen "pentekoste", was "der fünfzigste Tag" bedeutet. Das Pfingstfest folgt also 50 Tage nach dem Ostersonntag; der eigentliche Festtag ist demnach der Pfingstmontag.

Pfingsten gilt auch als Gründungsdatum der christlichen Kirche. Bedauerlich ist, dass Ursprung, Sinn und Bedeutung dieses Festes nicht nur immer mehr verloren geht, sondern auch in vielfältiger Weise falsch verstanden wird. Im Gegensatz zu Weihnachten kennen viele Menschen heute nicht mehr den christlichen Hintergrund für Pfingstsonntag und den freien Pfingstmontag.

An Pfingsten denken auch die meisten Christen eher an den ersten Sonnenbrand. Um das warme Wetter zu geniessen, zieht es Familien, Pärchen wie Singles und vor allem Jugendliche ins Freie. Die traditionelle, naive Wundergläubigkeit, die über Jahrhunderte vor allem die Katholische Kirche dominierte, verstellt nur zu oft den Blick und Zugang zu den eigentlichen Inhalten.

Satte 7 % der Befragten sind der Ansicht, an Pfingsten würde die Auferstehung Jesu gefeiert, 4 % glauben, Pfingsten wäre das Datum seiner Kreuzigung. Für 2 % war klar: An Pfingsten wird der Papst gewählt.

"Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen liess sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab..." ( Apostelgeschichte, Kapitel 2)

Die Evangelien berichten in einer sehr dramatisierenden und blumigen Sprache von der Erleuchtung der Apostel. In unserer Zeit muten diese Beschreibungen in ihrem wort-wörtlichen Sinne märchenhaft an, aber eigentlich ist es nicht von entscheidender Bedeutung, ob die Apostel tatsächlich Feuerzungen sahen, die sich auf jeden von Ihnen herabsenkten.

Wesentlich ist, dass sie vom heiligen Geist erfüllt waren und "in fremden Sprachen" redeten. Der ihnen von nun an inne wohnende missionarische Eifer und das Verständnis des Heilsgeschehens, dessen Zeuge sie waren, veränderte nicht nur sie selbst, sondern dank ihrer "Missionsreisen" die Welt.

Als christliches Fest wurde Pfingsten erstmals im 4. Jh. erwähnt. Die frühe Kirche stellte die Aussendung des heiligen Geistes in den Mittelpunkt: Ein Hochfest der christlichen Kirche, dessen Sinn und Bedeutung verloren zu gehen droht.

Der griechische Name 'pentekoste' entwickelte sich über den gotischen Begriff "paintekuste" und den mittelhochdeutschen Ausdruck "pfingesten" schliesslich zu seiner heutigen Bezeichnung.

Ursprünglich fand dieses jüdische Fest, mit dem die Weizenernte eingeläutet wurde, tatsächlich 50 Tage nach dem Pessah-Fest statt. Nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n. Chr änderte sich die Bedeutung: An diesem Tag gedachten die Juden der alljährlichen Erneuerung des Bundes Israels mit Gott.

Da die Apostelgeschichte ebenfalls in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts geschrieben wurde, ist es möglich, dass der Autor inhaltlich den neuen Sinngehalt des Festes mit aufgriff: Das Pfingstwunder weitet den Bund Gottes mit seinem Volk auf die gesamte Menschheit aus.

Der Evangelist Lukas beschreibt, dass an Pfingsten die Apostel vom heiligen Geist inspiriert wurden und sie die Fähigkeit erhielten, Menschen mit unterschiedlicher Muttersprache von den Taten Gottes zu berichten. Somit wurde der Grundstein für die Mission gelegt.

Petrus begeisterte die Zuhörer mit der Botschaft Jesu soweit, dass sich 3000 von ihnen taufen liessen. Somit gründete sich an Pfingsten die erste christliche Gemeinschaft; der Tag wurde zum Geburtstag der Kirche und gleichzeitig bildet Pfingsten im Kirchenjahr den Abschluss des Osterfestkreises.

Nur noch eine Minderheit der Bevölkerung scheint hierüber informiert. Die Kirche feiert an diesen Tagen die Erleuchtung der Apostel durch den heiligen Geist und damit das ursprüngliche Geburtsfest der Kirche.

Eng mit dem Pfingstfest ist auch die Taufe verbunden, in der ebenso der Geist Gottes auf die Menschen herabkommt, aber: "Wasser allein tut's freilich nicht", schreibt der Reformator Martin Luther, "sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der solchem Worte Gottes im Wasser traut."

Im 6. Jahrhundert wurde eine Taube zum Symbol des Heiligen Geistes und damit auch für Pfingsten. Im Mittelalter wurde der Heilige Geist auch in menschlicher Gestalt dargestellt, Papst Urban VIII. untersagte im 17. Jahrhundert solche Darstellungen.

In den letzten Jahrzehnten ist die Diskrepanz zwischen der Kenntnis über dieses Fest und den merkantilen Begehrlichkeiten der Wirtschaft Ursache von zahlreichen Auseinandersetzungen geworden. Neben Weihnachten und Ostern ist das Pfingstfest der einzige Anlass im Kirchenjahr, der an 2 Tagen gefeiert wird.

Grund ist der Pfingstmontag, der als gesetzlicher Feiertag in Deutschland geschützt ist. Wirtschaftlichkeitsinteressen sähen diesen gesetzlichen Feiertag sehr gerne abgeschafft und in einen Arbeitstag verwandelt. Noch vor wenigen Jahrzehnten war das Pfingstfest in Schulferien eingebettet. Das verlängerte Wochenende wird vom überwiegenden Teil der Bevölkerung für Kurzferien und Ausflüge genutzt.

Es habe sich gezeigt, dass die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft nicht an der Abschaffung von Feiertagen hänge. Der Aufschwung komme auch mit den vorhandenen kirchlichen Feiertagen. "Christliche Feiertage bleiben auch in Zeiten der Globalisierung unentbehrliche Kraftquellen." Er hoffe, dass die Debatte um Streichung von Feiertagen nun endgültig vorbei sei.

Die arbeitsfreien Pfingstfeiertagen lassen meist erahnen, dass der Sommer vor der Tür steht. Deshalb nutzen viele die Zeit für Ausflüge oder eine kurze Reise. In dieser Aufbruchstimmung hat manch einer gar verpasst, was denn die christliche Ursache für diese freien Tage ist. Es zahle sich aus, dass man in den vergangenen Jahren den massiven Forderungen nach Abschaffung von Feiertagen aus wirtschaftlichen Gründen widerstanden habe, erklärte der stellvertretende EAK-Landesvorsitzende, Harald Hässler: "Heute sind wir froh und dankbar, nicht nachgegeben und die Feiertage leichtfertig dem Kommerz geopfert zu haben."

Durch den Einfluss christlicher und "heidnischer" Traditionen entwickelten sich wie von selbst auch zahlreiche Pfingstbräuche, die heute noch stattfinden:

  • Pfingstwanderungen,Pfingstritte:

Diese Umzüge sollten der neuen Saat Heil und Segen bringen

  • Pfingstfeuer,Wasservogel-Singen:

Junge bayerische Männer verkleiden sich und singen christliche und weltliche Strophen vor den Türen. Sie erhalten Gaben, werden aber auch überall mit Wasser bespritzt

  • Pfingstochse:

An Pfingsten wird zum ersten Mal das Vieh auf die Alm getrieben. Der Ochse, der die Rinderherde anführt, wird bunt geschmückt. In anderen Gegenden wurde der reich dekorierte Ochse am nächsten Tag geschlachtet. Diesem Brauch erinnert vermutlich an eine Opferhandlung.

  • Pfingstlümmel

wurde derjenige Hütejunge, der als letzter vom Weideauftrieb auf dem Dorfplatz eintraf. In einigen Regionen wurde er in Buchenlaub eingewickelt

  • Streiche in der Nacht von Pfingstsonntag auf -montag:

Dieser Brauch leitet sich von einem alten Abwehrzauber her

  • Pfingstmaien:

Verliebte Jungen brachten an das Haus ihrer Liebsten frische Birkenäste, Symbole der Jugendfrische und Zuneigung, an. Verschmähte Mädchen freuten sich weniger über Schandmeien, wie beispielsweise das kahle Gerippe eines ehemaligen Christbaums.

Bauernregeln:

"Wenn es zu Pfingsten regnet, regnet es sieben Sonntage hintereinander."

"Nasse Pfingsten, fette Weihnachten."

"Pfingstregen / gibt Weinsegen."

"Reife Erdbeeren um Pfingsten bringen ein gutes Weinjahr."

"Zu Pfingsten / gilt das Korn am mindsten."