Stille im Wald vorbei

Erstellt: Montag, 09. April 2018

(proh). Nach der kalten Jahreszeit wird die winterliche Stille im Wald durch erstes Vogelgezwitscher durchbrochen. Die Natur erwacht zu neuem Leben. Bald wird das winterliche Grau einem frischen Grün weichen, neue Triebe werden sprießen und junge Bäumchen werden aus den Samen des Vorjahres das Licht der Welt erblicken.  Das Forstamt gibt einige wichtige Hinweise, die es zum Schutz der Waldnatur zu beachten gilt. Auch gibt es einige Regeln zum besseren Miteinander, denn jeder ist eingeladen, die heimischen Wälder zu erkunden und den Wald in seiner ganzen Fülle zu genießen.  

Kommunalwälder haben eine große Bedeutung für Mensch und Natur: "Städte und Gemeinden besitzen rund ein Fünftel der deutschen Waldflächen. Durch die starke Verschuldung vieler Städte und Gemeinden drohen dem Kommunalwald schwerwiegende Einschnitte. Dabei sollten Wälder, die den Bürgern gehören, auch künftig im Sinne der Bürger und des Umwelt- und Naturschutzes behandelt werden", erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Und in der Tierwelt beginnt im Frühjahr der Kreislauf von Neuem.

Neben Rehen und Wildschweinen finden sich in den Wäldern zunehmend auch seltene Arten, wie etwa die Wildkatze, die gerade im südlichen Landkreis vermehrt vorkommt. "In der Setz- und Aufzuchtzeit von März bis Juni sind die Waldtiere besonders empfindlich gegenüber menschlichen Störungen und verdienen unseren besonderen Schutz", betont Kay Karius, der Leiter der Bezirksleitung Bühl des Forstamtes. Wanderer und andere Waldbesucher sollten deshalb auf den Waldwegen und beschilderten Wanderrouten bleiben und nicht querfeldein den Wald durchstreifen.  

Ganzjährig nicht zulässig ist das Befahren des Waldes und der Waldwege mit motorisierten Fahrzeugen aller Art, auch mit Elektromotor. Ausnahmen bestehen nur für die forstliche Bewirtschaftung. Das waldgesetzliche Fahrverbot besteht auch zum Wohle der vielen Wanderer und Biker, die das breite Netz an Wanderwegen in den Wäldern des Landkreises nutzen, um die vielfältige Waldnatur zu erleben.  

Aus Rücksicht auf Fußgänger und Wanderer bittet das Forstamt insbesondere die Mountainbiker sich nur auf zugelassenen Waldwegen mit mindestens zwei Metern Breite zu bewegen. Eine situationsbedingt angepasste Geschwindigkeit hilft Unfälle zu vermeiden. "Gerade Kinder und ältere Menschen reagieren vielleicht nicht so schnell, wie der ein oder andere Biker sich das vorstellt."  

Weniger im Bewusstsein, aber doch in den Statistiken deutlich sichtbar, ist die erhöhte Waldbrandgefahr im Frühjahr, so Kay Karius. Trockenes Gras und Laub sind an trockenen Tagen im März oder April, also vor Neuaustrieb der Bodenvegetation, besonders leicht entzündlich. Es genügt oft schon eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe, um einen Waldbrand mit verheerenden Folgen auszulösen. Zur Vermeidung dieser Gefahr ist in der Zeit von März bis Ende Oktober Rauchen und offenes Feuer im Wald und der näheren Umgebung nicht zulässig.

Kommunalwälder haben eine Menge Vorteile: Die Bewirtschaftung sichert nicht nur lokale Arbeitsplätze, sondern auch Einnahmen für die Haushalte. Gleichzeitig nutzt die Bevölkerung umliegende Waldgebiete, um Sport zu treiben, sich zu erholen oder Brennholz zu gewinnen. Als öffentliche Waldbesitzer haben Städte und Gemeinden auch eine zentrale Bedeutung für den Schutz der biologischen Vielfalt.

Mehr Farbe für die Natur

Nationalpark pflanzt 1500 Buchen aus der Region - die drei Jahre alten Setzlinge werden an unterschiedlichen Stellen in der Entwicklungszone platziert Es ist sozusagen ein Angebot für mehr Vielfalt im Wald. 1500 Buchensetzlinge aus der Region werden in den kommenden Wochen an verschiedenen Stellen im Nationalpark gepflanzt.

"Oberstes Motto des Nationalparks ist 'Natur Natur sein lassen' – hier geht es aber darum, der Natur sozusagen zum Start einen möglichst großen Farbkasten zur Verfügung zu stellen, was auch mit Blick auf den Klimawandel sehr sinnvoll ist", erklärte Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, heute beim öffentlichen Auftakt der Pflanzaktion im Bereich Seibelseckle.

"Die Buche hat in den Wäldern des Nationalparks früher eine viele größere Rolle gespielt", erinnerte Dr. Klaus Michael Rückert, Vorsitzender des Nationalparkrats. Durch die menschliche Bewirtschaftung in diesen Höhenlagen ist die Baumart allerdings in vielen Bereichen nur noch wenig oder gar nicht mehr vertreten. Die Pflanzaktion soll also gewissermaßen eine kleine Starthilfe für Buchen im stark fichtendominierten Schwarzwald sein. "Ich freue mich, dass die Rückkehr zur natürlichen Waldentwicklung mit Buchen aus der Region unterstützt wird", sagte Rückert. 2017 hatte der Nationalparkrat den Zielen und Richtlinien für das Waldmanagement im Nationalpark zugestimmt.

Bis 2044 gibt es im Schwarzwälder Schutzgebiet als sogenanntem Entwicklungsnationalpark noch die Möglichkeit, in einigen Bereichen etwas an der Waldstruktur zu verändern. "Wobei wir im Nationalparkplan klar festgelegt haben, dass wir nur ganz behutsam und an sehr auswählten Stellen Prozesse anzustoßen", betonte Jörg Ziegler, Leiter des Fachbereich Wald und Naturschutz im Nationalpark.

Der NABU hat aus diesem Anlass eine ⇒ Broschüre erstellt, die verschiedene Modelle aufzeigt, die bundesweit als Vorbild dienen können. Anhand von sechs Beispielen wird gezeigt, wie Kommunalwälder erhalten werden können, ohne auf finanzielle Einnahmen zu verzichten und trotzdem Naturschutzziele zu berücksichtigen.

Die folgenden Tipps sollen Ihnen helfen, schon mit kleinen Maßnahmen den Wald zu schützen oder seine naturverträgliche Nutzung zu fördern: 

1. Gehen sie sparsam mit Holz und Papierprodukten um

Holz ist ein kostbarer Rohstoff, er wächst zwar nach, ist aber dennoch nicht unendlich verfügbar. Ein sparsamer Umgang mit dieser Ressource ist in jedem Fall angebracht. Wir sind 6,9 Milliarden Menschen auf der Erde, gemeinsam teilen wir uns insgesamt vier Milliarden Hektar Wald. Rein rechnerisch stehen pro Erdenbürger also nur 0,6 Hektar Wald zur Verfügung. All das für Hausbau, Brücken, Eisenbahnschwellen, Paletten, Möbel, Papier, Kartons oder Feuerholz. Und der Natur müssen wir auch noch etwas überlassen. Holz ist kein endlos verfügbarer Rohstoff. Gehen Sie sparsam damit um!

2. Nutzen sie wo immer es geht Recyclingpapier

Der Pro Kopf Papierverbauch in Deutschland lag 2009 bei 226 Kilogramm pro Jahr. Damit gehört Deutschland zu den Spitzenreitern im weltweiten Papierverbrauch. Wenn alle 6,9 Milliarden Menschen diesen Papierverbrauch hätten und würden alle Wälder der Welt nicht ausreichen um diesen Papierbedarf zu decken. Muss es das ultraweiche WC-Papier aus Brasilianischen Eukalyptusplantagen sein, wofür Regenwald gerodet und Menschen von ihrem Land vertrieben worden sind? Sicherlich nicht. Gutes Recyclingpapier erkennen Sie am blauen Engel. Die Kriterien für die Vergabe des blauen Engels werden in regelmäßigen Abständen an den neusten verfügbaren Umweltstandard angepasst.

3. Achten Sie bei Holzprodukten auf das FSC-Siegel

Die Zertifizierung mit dem FSC-Siegel ist ein Instrument, um wichtige Nachhaltigkeitsstandards bei der Waldbewirtschaftung durchzusetzen. Aktuell ist das beste weltweit verfügbare Zertifikat mit dem der Verbraucher beim Kauf von Holzprodukten erkennen kann, ob diese umwelt- und sozialverträglich hergestellt wurden. Der NABU empfiehlt daher, Produkten mit dem FSC-Siegel immer den Vorzug vor Produkten mit anderen Siegeln oder gar keiner Zertifizierung zu geben. Fragen Sie beim Kauf von Holzprodukten im Baummarkt oder beim Möbelhändler aktiv nach FSC zertifizierten Produkten nach!

4. Pate werden für die Vielfalt unserer Wälder

Der NABU engagiert sich sehr für den Schutz der Wälder, um bedrohten Tier- und Pflanzenarten das Überleben zu ermöglichen: im Dialog mit der Forstwirtschaft und mit eigenen Schutzprojekten im Wald. Dabei gehen wir mit gutem Beispiel voran, kaufen wertvolle Gebiete und zeigen in Projekten und auf eigenen Flächen, wie sich lebendiger Wald heute gestalten lässt. Helfen Sie uns mit einer Patenschaft, diesen faszinierenden Lebensraum zu bewahren!

5. Machen Sie den Wald für sich und andere erlebbar

Nur was man kennt kann man auch schützen. Darum gilt die Devise. Informieren Sie sich über den Wald, nutzen Sie ihn nicht nur als Ort der Erholung sondern erfahren Sie mehr über ihn und seine Bewohner. Wie erkennen Sie ob ein Wald naturnahe bewirtschaftet wird? Was ist der Unterschied zwischen einem Urwald und einem Wirtschaftwald wie wir ihn hier in Deutschland kennen?

(Quelle: Lara/NABU/HIN)