Unterstützer für ISI gesucht

Erstellt: Dienstag, 11. September 2018

Rastatt (proh). Das Schuljahr hat begonnen – für viele Grundschulkinder, gerade Erstklässler, beginnt damit eine spannende Zeit. Doch nicht alle Kinder können sich schon gut auf Deutsch ausdrücken und trauen sich vielleicht nicht, aktiv im Unterricht mitzumachen. Dafür gibt es in Rastatt ein passendes Sprachförderprojekt: das Programm "Interkulturelles Lernen – Sprachförderung – Integration, kurz ISI. Bei dem Programm erweitern Fachkräfte für Deutsch als Zweitsprache sowohl theoretisch als auch ganz praktisch den Wortschatz von Grundschulkindern. 

Koordiniert und geleitet wird das ISI-Programm von Beate Walter-Kölmel. Die städtische Schulsozialarbeiterin hat viel Erfahrung mit Kindern, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen sind. Sie ist überzeugt von ISI. "Die offene Unterrichtsform ermöglicht es, auf die jeweiligen Bedürfnisse der Kinder einzugehen." 

In kleinen Gruppen von bis zu maximal zwölf Teilnehmern lernen die Kinder spielerisch und kreativ neue Wörter und Satzzusammenhänge – und das mit Erfolg. Inzwischen haben schon rund 550 Rastatter Kinder aus 20 verschiedenen Ländern von der Förderung profitiert. Zusammen lernt es sich eben am besten. 

Die Kinder nehmen am Training freiwillig teil und treffen sich für ein Jahr zusätzlich zum regulären Unterricht einmal wöchentlich. Aber wie kann man sich eine solche Unterrichtsstunde vorstellen? "Nehmen wir zum Beispiel das Thema Obst", erklärt Walter-Kölmel. Das ist etwas Greifbares und zudem Erlebbares, womit alle Kinder etwas anfangen können.

"Zunächst führen wir die Wörter mit Hilfe von Bildern und Arbeitsblättern ein. Wenn die Wörter einigermaßen sitzen, können wir mit den Kindern im Gemüseladen einkaufen und gemeinsam einen Obstsalat zubereiten", so Walter-Kölmel. Dieses gemeinsame Handeln und Tun rege das Sprechen an, erklärt sie. Und so werden oft aus schüchternen und eher schweigsamen Kindern nach einiger Zeit und mit viel Übung – und auch nicht sofort fehlerfrei – Kinder, die selbstsicherer sprechen. "Wir bekommen da von den Lehrern sehr positive Rückmeldungen." Die Kinder hätten mehr Mut zum Sprechen und Mitmachen. 

Das Programm gibt es seit 2005. Ins Leben gerufen hat Beate Walter-Kölmel es noch während ihrer Tätigkeit bei der Gemeinwesenarbeit West in Kooperation mit der Anne-Frank-Schule. Gab es das Angebot zunächst für die Hansjakob-Schule und die Johann-Peter-Hebel-Schule, hat es sich über die Jahre erweitert. Walter-Kölmel nahm ISI 2008 mit ihrem Wechsel zur Schulsozialarbeit praktisch mit.

Und so gehört ISI mittlerweile auch in der Karlschule, der Gustav-Heinemann-Schule und der Hans-Thoma-Schule zum festen Bestandteil. Die Kinder kommen dabei aus ganz unterschiedlichen Ländern: aus der Türkei, Polen, Ungarn, der Ukraine, Russland, Serbien, Kroatien, Mazedonien, Italien, Nigeria, Spanien, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Albanien, Mazedonien, dem Irak, Syrien und Iran.

Damit das Training auch im Schuljahr 2018/ 2019 fortgesetzt werden kann, sucht die Stadt noch ausgebildete Deutschlehrer/innen oder Personen mit ähnlicher Qualifikation für einzelne Schulen. Wer Interesse hat, wendet sich an Beate Walter-Kölmel vom Fachbereich Jugend, Familien und Senioren der Stadt Rastatt unter Telefon 07222 972-9140 oder per eMail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. 

DIE FIBEL

Der "Fibelunterricht" führt bei Grundschülern zu deutlich besseren Rechtschreibleistungen als mit den Methoden "Lesen durch Schreiben" oder "Rechtschreibwerkstatt". Das haben Psychologen um Prof. Dr. Una Röhr-Sendlmeier von der Universität Bonn in einer groß angelegten Studie herausgefunden. Der "systematische Fibelansatz" führt schrittweise und unter Anleitung einzelne Buchstaben und Wörter ein. Die Ergebnisse werden am 17. September auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Frankfurt am Main vorgetragen.

Seit etlichen Jahren machen sich viele Eltern Sorgen, weil ihre Kinder auch im dritten und vierten Schuljahr kaum die Regeln der Rechtschreibung beherrschen. "Sie fragen, ob dies auch mit der eingesetzten freien Lehrmethode zusammenhängen könnte, nach der die Kinder nur nach ihrem Gehöreindruck schreiben sollen", berichtet Prof. Dr. Una Röhr-Sendlmeier von der Abteilung Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie der Universität Bonn. Zusammen mit Mitarbeiter Tobias Kuhl hat die Wissenschaftlerin mit einem größeren Team die Rechtschreibleistungen von mehr als 3.000 Grundschulkindern aus Nordrhein-Westfalen systematisch untersucht.

Die Wissenschaftler verglichen dabei die Rechtschreibleistungen der Kinder, die mit drei unterschiedlichen Methoden das Schreiben erlernt haben. Der "systematische Fibelansatz" führt schrittweise einzelne Buchstaben und Wörter ein. Gesprochene Wörter werden unter Anleitung in Einzellaute zerlegt und jeder Laut einem Buchstaben zugeordnet. Fibeln sind so aufgebaut, dass die Kinder die Schriftsprache in einem fest vorgegebenen, strukturierten Ablauf vom Einfachen zum Komplexen erlernen und einen schriftsprachlichen Grundwortschatz aufbauen.

Hilfestellungen und Korrekturen durch die Lehrperson gehören dazu. Beim Ansatz "Lesen durch Schreiben" (von Jürgen Reichen) werden Kinder angehalten, möglichst viel frei zu schreiben – das Lesen soll über das Schreiben mitgelernt werden. Korrekturen falsch geschriebener Wörter sollen unterbleiben, da so die Schreibmotivation der Kinder beeinträchtigt würde. Auch die "Rechtschreibwerkstatt" (von Norbert Sommer-Stumpenhorst) gibt den Schülern keine feste Abfolge einzelner Lernschritte vor, sondern stellt lediglich Materialien zur Verfügung, die die Kinder selbstständig in individueller Reihenfolge und ohne zeitliche Vorgaben bearbeiten.

Die Wissenschaftler der Universität Bonn testeten die Erstklässler kurz nach der Einschulung auf ihre Vorkenntnisse und nachfolgend an fünf weiteren Terminen bis zum Ende des dritten Schuljahres mit der Hamburger Schreib-Probe. Sie erfasst als Standardverfahren die Rechtschreibleistungen von Schülern in Form eines Diktats. "Die Fibelgruppe hat sich gegenüber den beiden anderen Didaktikgruppen als überlegen erwiesen.

Zu allen fünf Messzeitpunkten haben die Fibelkinder bessere Rechtschreibleistungen erbracht", fasst der Doktorand Tobias Kuhl die Ergebnisse zusammen. So machten Kinder, die mit "Lesen durch Schreiben" unterrichtet wurden, am Ende der vierten Klasse im Schnitt 55 Prozent mehr Rechtschreibfehler als Fibelkinder. In der "Rechtschreibwerkstatt" unterliefen den Schülern sogar 105 Prozent mehr Rechtschreibfehler als Fibelkindern.

"Die Studienergebnisse weisen klar darauf hin, dass alle Kinder gleichermaßen vom Einsatz einer Fibel im Unterricht profitieren", sagt Röhr-Sendlmeier. Die Überlegenheit des Fibelansatzes zeige sich sowohl bei Kindern mit deutscher Muttersprache als auch mit anderen früh erlernten Sprachen. Die Wissenschaftler der Universität Bonn haben ihre Studienergebnisse bereits der nordrhein-westfälischen Bildungsministerin mitgeteilt. Beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Frankfurt am Main werden sie die Studie am 17. September vorstellen.

Nachhilfeprojekt auch in Gaggenau

In der vorletzten Woche der Schulferien fand ein Nachhilfeprojekt für geflüchtete Kinder mit besonderen Förderbedarf in Deutsch und Mathematik an der Merkurschule in Gaggenau statt. Die teilnehmenden Kinder (ab Klasse 5) besuchten bisher nur kurz oder noch gar nie eine Schule. Barbara Fischer, Schulleiterin der Merkurschule, konnte drei junge Lehrerinnen gewinnen, die in dieser Ferienwoche den Unterricht übernahmen.

Ziel war es, dadurch einen möglichst guten Anschluss im kommenden Schuljahr zu ermöglichen. Nachmittags wurde ergänzend Freizeitaktivitäten angeboten, die vom Präventionsverein "Lebenswertes Murgtal e.V." organisiert wurden, so dass diese Woche eine perfekte Kombination zwischen Lernen und Ferienspaß war. Wenn Lehrkräfte gefunden werden, soll das Nachhilfeprojekt im laufenden Schuljahr fortgesetzt werden.

(Quelle: StVwRA/HIN)