Digitales Lernen

Erstellt: Montag, 15. Mai 2017

LKR Rastatt | Baden-Baden (proh). Die Digitalisierung ordnet nahezu alle Lebensbereiche neu. Sie verändert grundlegend die Art und Weise wie wir konsumieren und kommunizieren, wie wir arbeiten, leben und lernen. Rund 65 Prozent der Schülerinnen und Schüler von heute werden einmal einen Beruf ausüben, den es heute noch gar nicht gibt. Deshalb legt die Landesregierung einen besonderen Schwerpunkt auf die digitale Bildung. Die Landesregierung will bei der Digitalisierung schon bei den Jüngsten ansetzen und bei den Älteren nicht aufhören. 

Wir wollen die Schülerinnen und Schüler im Land auf die Herausforderungen einer digitalisierten Lebens- und Arbeitswelt angemessen vorbereiten. Die Landesregierung stärkt das Fach Informatik in allen Schularten. Zum Schuljahr 2017/2018 beginnt der Einstieg in den Aufbaukurs Informatik in Klasse 7.

Den Anfang machen die allgemeinbildenden Gymnasien, alle anderen weiterführenden Schulen sollen folgen. Im Aufbaukurs Informatik lernen die Schülerinnen und Schüler grundlegende Kompetenzen der informatischen Bildung. Dabei geht es um die Codierung von Daten, den Umgang mit Algorithmen, digitale Kommunikation sowie die Bedeutung und den Schutz von Daten in der Informationsgesellschaft.

Der Aufbaukurs Informatik schließt an den Basiskurs Medienbildung an, der als Teil des neuen Bildungsplans in Klasse 5 verpflichtend ist. Bei der Einführung der Informatik sollen mit dem Profilfach IMP (Informatik, Mathematik, Physik) in den Gymnasien und Gemeinschaftsschulen sowie mit dem Wahlfach Informatik an den übrigen weiterführenden Schulen weitere Schritte folgen.

Das Kultusministerium erarbeitet eine digitale Bildungsplattform für Schulen. Sie soll den Schulen, sowohl Lehrkräften als auch Schülerinnen und Schülern, als Arbeits-, Lern-, Kommunikations- und Evaluationsplattform dienen. Schwerpunkt ist der kompetenzorientierte Unterricht sowie der Aufbau einer teamorientierten Entwicklung von Schule und Unterricht.

Für den pädagogischen Einsatz von neuen Medien wie zum Beispiel Tablets werden umfangreiche Materialien bereitgestellt. Mit Medienkompetenz zur Teilhabe an der digitalen Gesellschaft  Die Stärkung der Medienkompetenz ist angesichts aktueller Phänomene wie Hatespeech, Fake-News und Social Bots unabdingbar. Auch im digitalen Zeitalter ist die freie politische Meinungsbildung und damit auch die offene Gesellschaft insgesamt Bedrohungen ausgesetzt, denen wir kraftvoll entgegentreten müssen.

Die Landesregierung will mit vielfältigen Maßnahmen über alle Bildungsbereiche hinweg möglichst allen Menschen in Baden-Württemberg die Teilhabe an der digitalen Gesellschaft ermöglichen und Medienkompetenz breit fördern. Die Initiative Kindermedienland der Landesregierung in Kooperation mit der Landesanstalt für Kommunikation (LFK), dem SWR, dem Landesmedienzentrum (LMZ) und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg bietet zahlreiche Projekte und Aktivitäten an und vernetzt die Akteure im Land. 

Wie eine zeitgemäße IT-Ausstattung im digitalen Zeitalter an Schulen heute sein soll, darüber informierte das Medienzentrum Mittelbaden die Vertreter von 22 kommunalen Schulträgern aus dem Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden in einer Veranstaltung im Landratsamt Rastatt. Nach der Begrüßung durch Landrat Bäuerle wurden neben einer angemessenen Anbindung ans Internet, einer sachgerechten Datennetzverkabelung der Schulgebäude und Versorgung mit WLAN auch mögliche Endgeräte thematisiert.

Die Referenten Alexander Fischer, Leiter des Medienzentrums Mittelbaden, und Frank Steurer, medienpädagogischer Berater am Medienzentrum, betonten, dass gerade die Frage der Endgeräte nur individuell in Abhängigkeit des pädagogischen Konzepts der Schulen beantwortet werden kann, während eine "strukturierte Datenverkabelung und die Versorgung der Unterrichts- und Verwaltungsräume mit WLAN im Jahr 2017 Standard sein sollte".

Das Medienzentrum Mittelbaden unterstützt Schulen und deren Träger bei der Erstellung von Medienentwicklungsplänen und Medienbildungskonzepten. Neben der medienpädagogischen und medientechnischen Beratung hält das Medienzentrum eine Vielzahl an Geräten vor, die sich die Schulen im Land- und Stadtkreis für Projekte oder einfach nur zum Testen kostenlos ausleihen können.

Wie digital soll unser Leben sein? 

"Die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft beinhaltet neben dem Wandel von Geschäftsmodellen und Prozessen auch große Chancen für das Arbeitsleben. Das bedeutet auch, dass sich die Aufgaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verändern werden. Unsere Unternehmen müssen die besten Voraussetzungen haben, um den Einstieg in die Wirtschaft 4.0 gut meistern zu können. Deshalb wollen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0 vorbereiten. Wir wollen ihnen durch Weiterbildungsangebote ermöglichen, auch in der Arbeitswelt von morgen ihren Platz zu finden. Die berufliche Weiterbildung spielt gerade bei der Kompetenzentwicklung oder bei Organisationsveränderungen eine wichtige Rolle", so Staatssekretärin Katrin Schütz. 

Der Einsatz digitaler Medien in der Bbildung ist Teil der Digitalisierungsstrategie der Landesregierung, die den digitalen Wandel als gemeinsame Aufgabe von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft definiert. Das Richard-Wagner-Gymnasium (RWG) in Baden-Baden veranstaltete kürzlich die erste Ausgabe eines Diskussionsforums, das sich diesem Thema widmete.

Anstelle des gewohnten Gemeinschaftskundeunterrichts diskutierte die Jahrgangsstufe 10 die Frage: "Wie digital soll unser Leben sein?" Allen voran fünf Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrer beleuchteten aus unterschiedlichen Blickrichtungen eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit. Scheinwerfer, Mikrofone und Couches sorgten sofort für ein echtes Talkshow-Feeling. Die Moderation übernahm Schülerin Nina Knopf.

Als Diskussionsauftakt diente ein Gedankenexperiment der Gemeinschaftskunde-Lehrerin Sarah Dußler: Sanftes Aufstehen durch die Aufwach-App, Frühstück aus dem smarten Kühlschrank und auf dem Schulhof dreht die Selfie-Drohne ihre Kreise – ein alltäglicher Morgen in einer durch die Digitalisierung durchdrungenen Welt. Schnell wurde in der Diskussionsrunde klar: Die Digitalisierung kann nicht mehr aufgehalten werden. Denn bereits den diskutierenden "Experten" wurde in Rückschau auf ihre Kindergartenzeit deutlich, wie umfassend sich ihr Leben in den letzten zehn Jahren verändert hat.

Dass es sich bei dieser Thematik um ein besonders breites Feld handelt, war den Diskussionsteilnehmern bewusst, weshalb sie vor allem den Einsatz von Fitness-Apps und die Digitalisierung der Schule ins Auge ihrer Diskussion fassten. Die Unterstützer der zunehmenden Digitalisierung brachten dabei die Argumente der Vereinfachung des Lebens sowie die Eigenverantwortung von Verbrauchern beispielsweise im Umgang mit den Fitness-Apps vor.

Die Kritiker sahen vor allem in der ununterbrochenen Smartphoneaktivität die Gefahr der sozialen Vereinsamung und der fehlenden Bewegung besonders in Hinsicht auf die Schüler der unteren Klassen. Insgesamt wurde deutlich, welche umfassenden Auswirkungen und jetzt schon schwer zu begreifende und schlecht zu überwachende Dynamik der Prozess der Digitalisierung angenommen hat. Ziel sollte es sein, so einer der "Experten", durch gesetzliche Regelungen die Digitalisierung zu bändigen. Auch in Zukunft sollen die Schüler des RWG die Möglichkeit haben, sich über aktuelle Fragen in diesem Diskussionsforum auszutauschen und auf diesem Wege echte Diskussionsexperten zu werden.

(Quelle: Lara/IM.bw/StVwBAD/HIN)