Volontäre bei der Stadt

Erstellt: Donnerstag, 31. August 2017

Rastatt (joER). Volontäre? Die sind doch bei Zeitungen, oder? Ja, aber nicht nur. Auch bei Stadtverwaltungen können junge Menschen Volontariate absolvieren. So wie Patricia Reister und Karl-Winfried Wolff. Reister ist seit September 2016 wissenschaftliche Volontärin im Stadtmuseum Rastatt und hat jetzt Halbzeit. Und Wolff ist seit März 2017 als Volontär in der städtischen Pressestelle beschäftigt und hat damit das erste halbe Jahr hinter sich gebracht. Gemeinsam ist beiden Volontariaten die Dauer von zwei Jahren, inhaltlich könnten sie aber unterschiedlicher nicht sein. Und auch wenn die Volontariate der beiden inhaltlich grundverschieden sind: Der Vorteil, in einer kleineren Verwaltung eingestellt zu sein, liegt für Reister und Wolff gleichermaßen auf der Hand.

Die 26-jährige Patricia Reister hat in Heidelberg Geschichte, Politik, Kunstgeschichte und Bildungswissenschaft studiert. Ein Geschichtsstudium ist Voraussetzung für das wissenschaftliche Volontariat im Stadtmuseum. Ziel ist es, sich in den vier Kernbereichen des Museums zu bewähren: sammeln, bewahren, erforschen und ausstellen. Neben der Arbeit im Museum gehören auch Tagungen und Fortbildungen zum Volontariat. 

Als Volontär in der städtischen Pressestelle wird Karl Wolff zum Redakteur ausgebildet. Der 26-jährige Offenburger hat Politikwissenschaft und Neuere Deutsche Literatur studiert. Ein wesentlicher Schwerpunkt seines Volontariats ist natürlich das Schreiben – von Pressemitteilungen und Presseeinladungen zu allen Themen und Projekten der Stadtverwaltung, aber auch für die städtischen Internetseiten und die sozialen Medien.

Fotos und Filme zur Illustration dürfen da nicht fehlen, darum wird auch der Umgang mit der Kamera trainiert. In seinen zwei Jahren bei der Pressestelle lernt er zudem, Pressegespräche und -konferenzen zu organisieren, städtische Broschüren und Flyer zu konzipieren, bei PR-Konzepten zu unterstützen und das städtische Corporate Design im Blick zu behalten. Daneben gehören zu seinem Volontariat auch ein Volontärskurs und Fortbildungen.    

Erfahrungen in ihrem späteren Volontariatsbereich haben beide schon während des Studiums gesammelt: Reister hatte mehrere Museums-Praktika in ihrer Heimatstadt Müllheim absolviert. Das Gelernte dort wollte sie gerne in einem wissenschaftlichen Volontariat vertiefen. Als die Stelle in Rastatt ausgeschrieben war, versuchte sie ihr Glück. Und glücklich ist sie auch nach einem Jahr im Stadtmuseum Rastatt. Ihr macht die Mischung Spaß.

Auf der einen Seite das wissenschaftliche Arbeiten: Sie recherchiert, findet und wertet Quellen aus, und das oft sogar als Erste. So hatte sie zur Ausstellung über Heimerziehung in Rastatt erstmals überhaupt die Rastatter Heimgeschichte aufgearbeitet, was auch prompt in einer Publikation gipfelte. Die kann sie nun in Händen halten. Überhaupt ist sie stolz, ihre erste eigene Ausstellung kuratiert zu haben.

Auf der anderen Seite gefällt ihr auch die kreative Seite an ihrem Job. So musste sie sich beispielsweise gestalterische Gedanken machen, wie sie ihre Ausstellung aufbauen und die Ausstellungsstücke platzieren möchte. Und schließlich hat sie auch große Freude an Führungen. "Da sehe ich, wie die Menschen auf die Ausstellung reagieren", erklärt sie.

Wolff hatte während eines Nebenjobs in einer Anwaltskanzlei erstmals PR-Luft geschnuppert. Eine Agentur oder ein Unternehmen kamen für ihn als Arbeitgeber aber vorerst nicht in Frage. "Ich wollte nicht jeden Tag über Bohrmaschinen schreiben", lacht er. Und so schätzt der angehende Redakteur vor allem die Themenvielfalt einer Stadtverwaltung: "Von Baustellen über Soziales bis hin zu Tourismus und Kultur landet beinahe jedes Thema in der Pressestelle", freut er sich. Dort werden die Infos zu Texten und gehen dann als Mitteilungen an die Presse.

"Die eigenen Texte oder Fotos in den Tageszeitungen wiederzuentdecken, ist jedes Mal ein kleines Erfolgserlebnis", verrät Wolff. Nah an der Kommunalpolitik dran zu sein, war für den Politikwissenschaftler ein weiterer Grund, bei einer Stadtverwaltung anzuheuern. Die eine oder andere Gemeinderatssitzung hat er jedenfalls schon miterlebt, und auch sonst bekommt er bei der Vielzahl von Presseterminen einiges zu sehen – die neue Schiffsanlegestelle in Plittersdorf, mehrere Spatenstiche oder Erste-Hilfe-Kurse im Stadtwald. "So lerne ich die Stadt aus der Innenansicht kennen. Rastatt ist mir inzwischen vertrauter als mein Heimatort", erzählt er.

Reister freut sich nach ihrer erfolgreichen Heimerziehungsausstellung nun erstmal ganz besonders auf die große Weimar-Ausstellung, die das Stadtmuseum im kommenden Frühjahr anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Weimarer Republik zeigen wird. "Da ist irrsinnig viel zu tun", berichtet sie. Aber genau diese Ausstellung war auch der Grund, warum der Gemeinderat der Volontariatsstelle im Stadtmuseum zustimmte. Im Gegensatz zum Stadtmuseum lässt sich der Alltag von Wolff in der Pressestelle weniger planen, da es hier vor allem gilt, auf aktuelle Ereignisse zu reagieren.

Auch wenn die Volontariate der beiden inhaltlich grundverschieden sind: Der Vorteil, in einer kleineren Verwaltung eingestellt zu sein, liegt für Reister und Wolff gleichermaßen auf der Hand. Sie waren vom ersten Tag an voll eingebunden in die Arbeit. "Man wird gefordert, kann mehr machen und man lernt vor allen Dingen auch viel mehr als in einem größeren Haus", ist sich Reister sicher. Und Wolff pflichtet bei: "Ich durfte schnell eigenständig Termine übernehmen und über alles Mögliche berichten. Das stärkt natürlich das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten." Und so fühlen sich beide gut gerüstet für alles, was nach dem Volontariat auf sie zukommen wird.

(Quelle: StVwRA)