Funklöcher nerven

Erstellt: Mittwoch, 30. Januar 2019

(joER). In keinem anderen Bundesland gibt es so viele Funklöcher wie in Baden-Württemberg - nirgends in Deutschland gibt es mehr Orte mit einer schlechten Qualität des Mobilfunknetzes, stellte eine Untersuchung des Verbraucherportals Verivox fest: In 240 Ortschaften in Deutschland ist die Mobilfunkverbindung, davon 63 in Baden-Württemberg - knapp sechs Prozent aller Kommunen im 'Ländle' - ungenügend. Dies bedeutet aber nicht zwingend, dass die Verbindungen überall in diesen Ortschaften schlecht sind.

Zu den Kommunen, in denen es schlechte Mobilfunkverbindungen gibt, zählen Ortsteile größerer Städte, vorwiegend geht es aber überwiegend um kleine Ortschaften. Dass auch Städte wie Baden-Baden auf der Verivox-Liste mit schlechtem Mobilfunkempfang auftauchen, liegt auch an den geografischen Gegebenheiten.

"Baden-Baden ist der bundesweit zweitgrößte kommunale Waldbesitzer", sagt ein Sprecher der Stadtverwaltung. Als Beispiele dafür, wo es nicht klappt, nennt er das Lokal Scherrhof, das jedoch einen Festnetzanschluss hat. Ähnlich sieht es auch beim Gasthaus Rote Lache aus, das an die Gemarkung von Baden-Baden grenzt, aber schon im Kreis Rastatt liegt. 

"Wenn man einen Förster anrufen will, muss man feststellen, dass dieser in bestimmten Gebieten nicht erreichbar ist." Hohe Berge, tiefe Täler, das sind wohl auch Gründe dafür, dass manche Gegenden im Stadtkreis schlecht abschneidet. In der Stadt selbst gebe es keine Probleme, heißt es in Baden-Baden.

Dass auch Schwarzwald-Städte wie Calw oder Bad Liebenzell auf der Liste auftauchen, könnte daran liegen, dass "die Versorgung mit dem Mobilfunkstandard 4G nicht flächendeckend durch die Anbieter zur Verfügung gestellt werden", teilt ein Sprecher der Stadtverwaltung mit. "Der Ausbau der Infrastruktur hält nicht Schritt mit dem steigenden Bedarf". Die Diagnose der Telekommunikationsanbieter, die zuständig wären, lautet: Wirtschaftlich nicht profitabel. 

Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut hat zumindest das Problem erkannt und will eine Arbeitsgruppe einsetzen, die helfen soll, Funklöcher rasch zu stopfen. "Wir brauchen mehr Tempo beim Ausbau der Netze." Doch es gibt eben Hemmnisse für den Ausbau, über die etwa die Telekom oder Vodafone klagen: Mal steht der Denkmalschutz im Wege, mal sehen Eltern eine Gefahr für Kinder, wenn in der Nähe des Kindergartens ein Mobilfunkmast aufgestellt wird. 

Funkloch-App der Bundesnetzagentur gestartet

Das BMVI hatte die Bundesnetzagentur beauftragt, ihre bestehende App zur Breitbandmessung so zu erweitern, dass Bürger Lücken in der Mobilfunkabdeckung melden können - ganz einfach und unbürokratisch. Das Update steht ab sofort für Android und iOS im Google Play Store und Apple App Store zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Die App speichert den Standort - und überträgt die Daten, sobald das Handy wieder Internet hat. Auf Grundlage dieser Informationen kann die Bundesnetzagentur mit den Mobilfunk-Anbietern darüber sprechen, wo die Netze noch weiter verbessert werden müssten. "Der Zustand, den wir jetzt haben, ist für eine Wirtschaftsnation untragbar. Wir brauchen eine flächendeckende Mobilfunkversorgung in Deutschland."

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur: "Die nun veröffentlichte App ist ein erster Schritt. Wir haben die Möglichkeit geschaffen, Funklöcher zu erfassen und zu melden. 2019 werden die Ergebnisse in einer Karte öffentlich zugänglich gemacht. Hierfür ist es erforderlich, dass möglichst viele Daten vorliegen, um einen großen Bereich abdecken zu können. Ich hoffe daher, dass die Nutzerinnen und Nutzer - wie bereits von der Testmöglichkeit der Breitbandmessung - auch von der Netzverfügbarkeitserfassung regen Gebrauch machen und uns bei unserem Anliegen unterstützen."

Die App "Breitbandmessung" ist bedienerfreundlich:

Mit einem Klick auf die Schaltfläche "Netzverfügbarkeit erfassen" startet der Nutzer die Abfrage. Ab diesem Zeitpunkt erfasst die App in regelmäßigen Abständen von maximal 50 Metern, ob eine Netzabdeckung vorhanden ist - und ob sie durch 2G-, 3G- oder 4G-Technologie gegeben ist. Die erfasste Wegstrecke wird dem Nutzer auf einer Karte dargestellt.  

Wenn der Nutzer die Erfassung stoppt, werden die Daten unter Angabe von Ort, Zeit und Mobilfunkanbieter an einen zentralen Server übermittelt. Sollte es ein Funkloch geben, erfolgt die Übertragung, nachdem wieder eine Verbindung zum Internet besteht.  Sobald genügend Daten vorliegen, wird die Bundesnetzagentur sie in einer detaillierten Karte zusammenfassen und veröffentlichen.

Zudem soll im Jahrestakt ein Monitoring-Bericht zur Netzabdeckung vorgelegt werden. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat sich als Ziel gesetzt, eine flächendeckende Mobilfunkversorgung in Deutschland zu schaffen. Hierzu tragen auch die Regeln zur anstehenden Vergabe der 5G-Frequenzen bei, die die Bundesnetzagentur derzeit erarbeitet.

(Quelle: Verivox/HIN)