Bürokratieentlastung im Ehrenamt

Erstellt: Mittwoch, 23. Januar 2019

(Hero). Der Normenkontrollrat hat eine Studie zu dem Thema "Entbürokratisierung bei Vereinen und Ehrenamt" in Auftrag gegeben. Die Studie soll den Grad der Bürokratiebelastung von Ehrenämtern ermitteln und Entlastungsmöglichkeiten identifizieren. Daraus werden konkrete Empfehlungen zur Entlastung von Ehrenamtlichen abgeleitet. Insgesamt engagierten sich in Baden-Württemberg allein elf Personen je 1.000 Einwohner ehrenamtlich in der Jugendarbeit. Der Normenkontrollrat Baden-Württemberg hat eine Studie  in Auftrag gegeben.

Wie das Statistische Landesamt feststellt, konnten im Jahr 2017 in Baden-Württemberg 26 824 Angebote der öffentlich geförderten Jugendarbeit sowie der Fortbildungen ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Jugendarbeit genutzt werden. Im Vergleich zum letzten Erhebungsjahr 2015 ist die Anzahl der Angebote damit um 884 gestiegen (+3,4 %). Gut 68 % der Angebote (18 322) fielen 2017 in den Bereich Veranstaltungen und Projekte. Knapp 21 % (5 516) waren gruppenbezogene Angebote, also regelmäßige Gruppenstunden oder auf Dauer angelegte AGs. Außerdem konnten junge Menschen 2 986 offene Angebote wie zum Beispiel Jugendzentren und ähnliches nutzen.

Über zwei Drittel (68 %) der Angebote wurden von freien Trägern, knapp ein Drittel (32 %) von öffentlichen Trägern durchgeführt.  Bei 56 % der Angebote (15 124) wirkten 2017 insgesamt 120 209 ehrenamtlich tätige Personen im direkten Kontakt mit den Jugendlichen mit. Die überwiegende Mehrheit der Ehrenamtlichen (78 %) war 2017 im Rahmen von Veranstaltungen und Projekten aktiv, gut 15 % unterstützten gruppenbezogene und knapp 7 % offene Angebote.  Über ein Viertel (32 752) der Ehrenamtlichen waren minderjährig. 40 % (48 201) waren im Alter von 18 bis unter 27 Jahren. Zwischen 27 und unter 45 Jahren waren 19 % der ehrenamtlich pädagogisch tätigen Personen. 14 % waren 45 Jahre und älter. Frauen machten 52 % der Ehrenamtlichen aus, Männer 48 %.

 Insgesamt engagierten sich in Baden-Württemberg 11 Personen je 1 000 Einwohner ehrenamtlich in der Jugendarbeit. Regional schwankte die Anzahl und reichte bis zu 27 ehrenamtlichen Personen je 1 000 Einwohner im Stadtkreis Stuttgart. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich um eine rein quantitative Darstellung handelt die keine Rückschlüsse auf die Qualität der regionalen Angebotsstrukturen zulässt.

"Wir setzen in diesen gesellschaftlich schwierigen Zeiten ganz bewusst notwendige neue inhaltliche Impulse für die Jugendarbeit. Hierfür hat das Land in dieser Legislaturperiode bereits über elf Millionen Euro in die Hand genommen, für 2019 sind weitere Ausgaben in Höhe von 5,2 Millionen Euro geplant. Ziel ist es, für alle Jugendlichen gleichermaßen günstige wie pädagogisch gut betreute Freizeitangebote zu schaffen. Mein Dank gilt jedoch ganz besonders den Menschen, die durch ihr ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit einen herausragenden Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt bei uns im Land leisten", kommentierte Sozialminister Manne Lucha die Meldung des statistischen Landesamts.

Ziel der Studie "Entbürokratisierung bei Vereinen und Ehrenamt" ist, den Grad der Bürokratiebelastung von gemeinnützigen Vereinen und Initiativen des bürgerschaftlichen Engagements im Land repräsentativ zu ermitteln und Entlastungsmöglichkeiten zu identifizieren. "Wir wollen konkrete Vorschläge zum Bürokratieabbau erarbeiten", sagte die Vorsitzende des Normenkontrollrats Dr. Gisela Meister-Scheufelen. "Wir werden Ehrenamtliche zu ihren Belastungen durch Bürokratie befragen und Wege der Entlastung aufzeigen."

Die Studie soll ein Beitrag zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements in Baden-Württemberg sein. Bürokratische Hemmnisse für Vereine und andere ehrenamtliche Einrichtungen sollen mit den Betroffenen erkannt und beseitigt werden. Ein Augenmerk liegt dabei auch auf der Gewinnung von Führungspersonal.

Der Normenkontrollrat Baden-Württemberg will die Studie bis zum Herbst 2019 abschließen. Anschließend wird er der Landesregierung konkrete Empfehlungen zur Entlastung von Ehrenamtlichen von unnötiger Bürokratie übergeben.

Die Landesregierung hat im September 2017 ein umfassendes Regierungsprogramm zur Entbürokratisierung verabschiedet. Dazu wurde ein unabhängiger Normenkontrollrat eingerichtet, der seit 1. Januar 2018 im Amt ist.

Dem Normenkontrollrat gehören an:

Dr. Gisela Meister-Scheufelen (Vorsitzende)

Bernhard Bauer (stellvertretener Vorsitzender)

Dr. Rudolf Böhmler

Prof. Dr. Gisela Färber

Claus Munkwitz

Bürgermeisterin Gerda Stuchlik

(Quelle: estatis.bw/HIN)