Frei leben ohne Gewalt

Erstellt: Montag, 19. November 2018

(Hero). Jede vierte Frau hat mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Partnerschaftsgewalt erlebt. Mit der Plakat- und Social-Media-Aktion "JEDE VIERTE FRAU…" will das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg darauf aufmerksam machen, dass Gewalt gegen Frauen jeden Tag und in allen Lebensbereichen stattfinden kann - am Arbeitsplatz, in der Freizeit oder in der Partnerschaft. Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" bietet in 18 Fremdsprachen Unterstützung für Frauen in Not und ist 365 Tage im Jahr telefonisch und im Chat rund um die Uhr kostenfrei erreichbar.

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter. Übergriffe finden jeden Tag und in allen Lebensbereichen statt - am Arbeitsplatz, in der Freizeit oder in der Partnerschaft. Sie ziehen sich durch alle Schichten der Gesellschaft, unabhängig von Bildungsniveau, Einkommen oder sozialer Herkunft der Beteiligten. Es ist leider eine traurige Wirklichkeit, dass jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Gewalt durch den eigenen Partner erlebt.

Im Südwesten sind nach Angaben des Innenministeriums im vergangenen Jahr 19 Frauen von ihrem Partner getötet worden. Das waren demnach 2017 zwar vier Todesfälle weniger als 2016, aber mehr als in den Jahren davor. Von den weiblichen Opfern wurden zudem 6215 leicht und 125 schwer verletzt. Bei den Männern waren es 1410 Leicht- und 26 Schwerverletzte sowie 3 Todesfälle. Die Opfer waren teils mehrfach betroffen. Insgesamt registrierten die Behörden im vergangenen Jahr 12 012 Fälle von Gewalt durch den Partner, darunter 2100 Taten gegen Männer und 9912 gegen Frauen.

Die Dunkelziffer sei bei diesen Delikten hoch. "Von 100 Taten werden schätzungsweise nur 20 gemeldet", sagte der Sprecher des Innenministeriums. Die Zahlen würden sich im laufenden Jahr zum Teil verschlechtern. Laut Ministerium zeichnet sich ein Anstieg bei den männlichen Opfern ab, während die Zahl der weiblichen Opfer auf hohem Niveau stagniert.

Der Anteil der Verletzten bewege sich in etwa auf dem Vorjahresniveau. Auffällig sei aber der Anstieg tödlich Verletzter unter den weiblichen Opfern. Eine Zahl nannte das Ministerium aber nicht. Sozialminister Manne Lucha (Grüne) hatte vor kurzem einen flächendeckenden Ausbau von Frauenhäusern angekündigt, in denen Opfer von Partnergewalt Zuflucht finden können.

In Zusammenarbeit mit der Fachpraxis hat das damalige Kabinett in Baden-Württemberg deshalb am 9. Dezember 2014 den Landesaktionsplan gegen Gewalt an Frauen verabschiedet. Die wesentlichen Ziele sind eine funktionierende Infrastruktur und bedarfsdeckende Hilfeangebote, aber auch Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Vernetzung aller Akteure.

Am 1. Februar 2018 trat zudem das Übereinkommen des Europarats vom 11. Mai 2011 zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (kurz Istanbul-Konvention) in Kraft. Die Istanbul-Konvention ist der erste völkerrechtliche Vertrag, mit dem umfassende und spezifische Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen sowie zum Schutz der Opfer formuliert wurden.

Unter anderem sieht dieser eine Rechtsberatung, psychologische Betreuung, finanzielle Beratung und den Zugang zu Unterbringungsmöglichkeiten zum Beispiel in Frauenhäusern vor. Zudem verpflichten sich die Vertragsstaaten, gegen alle Formen körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt, gegen Zwangsheirat, Genitalverstümmelung, Zwangsabtreibung und Zwangssterilisation vorzugehen.

Zum Auftakt einer Aktionswoche im Vorfeld des "Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen" am 25. November haben Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha und Staatssekretärin Bärbl Mielich den Startschuss zur Plakat- und Social-Media-Aktion "JEDE VIERTE FRAU…" gegeben. Mit der Aktion, an der sich weitere bekannte Persönlichkeiten aus Baden-Württemberg beteiligen, soll das deutschlandweite Hilfetelefon für von Gewalt betroffene Frauen noch bekannter gemacht werden.

Durchschnittlich erlebt jede vierte Frau in Deutschland im Alter zwischen 16 und 85 Jahren mindestens einmal körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch einen Beziehungspartner. An der am Montag beginnenden Aktionswoche im Vorfeld des "Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen" am 25. November beteiligen sich zahlreiche Kommunen und Landkreise in ganz Baden-Württemberg.

Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha: "Jede einzelne Frau, die Opfer von körperlicher oder seelischer Gewalt wird, ist eine zu viel. Mit der Aktion "JEDE VIERTE FRAU…" setzt Baden-Württemberg deshalb ein klares Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Mein Dank geht auch an unsere prominenten Unterstützerinnen und Unterstützer, die wir bei diesem wichtigen Thema an unserer Seite wissen und die dafür sorgen, dass die Hilfsangebote noch bekannter werden."

Für die Aktion "JEDE VIERTE FRAU…" veröffentlicht das Ministerium für Soziales und Integration ein Unterstützervideo in den Sozialen Netzwerken, in dem die Präsidentin des baden-württembergischen Landtags Muhterem Aras, mehrere Profi-Fußballer des VfB Stuttgart, Volleyballerinnen des MTV Stuttgart sowie weitere bekannte Persönlichkeiten für das Thema sensibilisieren und dazu aufrufen, bestehende Hilfsangebote zu nutzen.

 

Was kann man gegen Gewalt im Umfeld tun? Wie sie frühzeitig verhindern? Und wo gibt es kompetente Beratung? Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen laden der Koordinationskreis "Häusliche Gewalt überwinden", die Karlsruher Gleichstellungsbeauftragte und weitere Partnerinnen und Partner für Freitag, 23. November, von 10 bis 12 Uhr zu einem Frühstück in das Internationale Begegnungszentrum (IBZ) ein.

Willkommen bei der Informationsrunde mit Fachleuten der Beratungsstellen sind Frauen und Männer aller Altersstufen und Herkunft.  Laut Studien der Vereinten Nationen wird jede dritte Frau einmal in ihrem Leben geschlagen, vergewaltigt oder anderweitig missbraucht. Gewalt an Frauen hat viele Gesichter. Der Aktionstag "NEIN zu Gewalt an Frauen" ist seit 1999 von der UNO als internationaler Gedenktag anerkannt. In Karlsruhe beteiligen sich zahlreiche Organisationen, Fahnen werden an vielen öffentlichen Gebäuden, erstmals auch am Hauptbahnhof, gehisst.

Die Städte Rastatt, Gaggenau und Baden-Baden sowie des Landkreises Rastatt zeigen am Mittwoch, 28. November 2018 um 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) die Beauftragten für Chancengleichheit zum jährlichen Gedenktag "Nein zu Gewalt an Frauen!" den Film "Antonias Welt" im Landratsamt. Der Spielfilm der niederländischen Regisseurin Marleen Gorris aus dem Jahre 1995 stellt eine Familiensaga um das Schicksal von fünf Frauen-Generationen dar. Der Eintritt ist frei. 

Das exzellent bebilderte und brillant gespielte Drama setzt sich zwar kritisch mit männlichem Macho-Gehabe auseinander und stellt die weiblichen Rollen in den Vordergrund, verfällt dabei aber nie in plumpe Schwarz-weiß-Malerei. Svetlana Bojcetic vom Rastatter Verein "Frauen helfen Frauen und Mädchen" sowie Awesa Qadir, Mitglied der Frauenorganisation "REWAN" aus dem Nordirak, berichten über ihre Arbeit, über die Begleitung und Unterstützung für Frauen und Mädchen, die von häuslicher und sexualisierter Gewalt, Genitalverstümmelung oder Ehrenmord betroffen oder bedroht sind.

Der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen geht zurück auf die Ermordung von drei Freiheitskämpferinnen in Lateinamerika. Seit 1981 steht der 25. November offiziell weltweit für die Opfer von Gewalt an Frauen und Mädchen.

Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen laden der Koordinationskreis "Häusliche Gewalt überwinden", die Karlsruher Gleichstellungsbeauftragte und weitere Partnerinnen und Partner für Freitag, 23. November, von 10 bis 12 Uhr zu einem Frühstück in das Internationale Begegnungszentrum (IBZ) ein. Willkommen bei der Informationsrunde mit Fachleuten der Beratungsstellen sind Frauen und Männer aller Altersstufen und Herkunft.

In Karlsruhe beteiligen sich zahlreiche Organisationen, Fahnen werden an vielen öffentlichen Gebäuden, erstmals auch am Hauptbahnhof, gehisstAnlässlich des jährlichen Gedenktags "Nein zu Gewalt an Frauen" am 25.November hisst die Stadtverwaltung Baden-Baden in diesem Jahr erstmalig die Flagge der Terre des Femmes als Zeichen gegen Gewalt an Frauen.

Ergänzend hierzu lädt die kommunale Gleichstellungsbeauftragte gemeinsam mit den Kolleginnen der Städte Rastatt und Gaggenau sowie des Landkreises Rastatt am Mittwoch, 28. November, 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr), in den Kreistagssaal des Landratsamtes Rastatt, Am Schlossplatz 5 ein. Gezeigt wird der Film "Antonias Welt", ein Spielfilm der niederländischen Regisseurin Marleen Gorris aus dem Jahre 1995.

Der Film "Antonias Welt" handelt von einer Familiensaga um das Schicksal von fünf Frauen-Generationen. Das exzellent bebilderte Drama setzt sich kritisch mit männlichem Macho-Gehabe auseinander und stellt die weiblichen Rollen in den Vordergrund, verfällt dabei aber nie in plumpe Schwarz-weiß-Malerei. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Das bundesweite Hilfetelefon bietet in 18 Sprachen Unterstützung für Frauen in Not und ist 365 Tage im Jahr rund um die Uhr - telefonisch und im Chat - erreichbar. Auch die regionalen Beratungsangebote in Baden-Württemberg sollen mit der Aktion bekannter werden. Das Ministerium für Soziales und Integration fördert das regionale Engagement der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten und der örtlichen Frauenhilfeeinrichtungen in diesem Jahr mit rund 50.000 Euro.

Staatssekretärin Bärbl Mielich: "Wir möchten die Menschen zum Hinschauen und Nachfragen ermutigen und deutlich machen, dass betroffene Frauen nicht allein sind. Denn für die Opfer kostet es oftmals enorme Überwindung, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Wir möchten deshalb dafür sorgen, dass jede Frau im Bedarfsfall das passgenau Angebot erhält - ob am Telefon, per eMail oder im persönlichen Gespräch."

(Quelle: SM.bw/HIN)