PFC-Problematik: Ausblick

Erstellt: Dienstag, 06. November 2018

(proh). Seitdem 2013 erstmalig per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) in der Trinkwasserversorgung der Stadt Rastatt nachgewiesen wurden, beschäftigen sich verschiedene Stellen der Verwaltung intensiv mit der PFC-Problematik und erarbeiten individuelle und allgemeine Lösungsmöglichkeiten zum Umgang mit dieser.  Unter dem Titel "PFC-Problematik: Zwischenbilanz und Ausblick - Eine Bürgerinformation" hat das Regierungspräsidium Karlsruhe nun die bisherigen Erkenntnisse und Maßnahmen sowie noch geplante Maßnahmen und Projekte zur Bewältigung der PFC-Problematik in Mittel- und Nordbaden zusammengefasst.

Die "Bürgerinformation" ist in enger Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Rastatt, der Stadt Baden-Baden und der Stadt Mannheim entstanden. Sie ist insbesondere für betroffene Bürgerinnen und Bürger eine Informationsquelle, und soll allen Interessierten einen allgemeinverständlichen Überblick zu dem komplexen Thema PFC geben. 

In der Dokumentation werden die von PFC betroffenen Bereiche Boden und Gewässer, Trinkwasser, Gesundheit, Landwirtschaft, Entsorgung und baurechtliche Fragestellungen, ausführlich mit den jeweils bisher umgesetzten Maßnahmen dargestellt sowie Strategien und weitere Maßnahmen im Umgang mit PFC aufgezeigt.  

"Durch die Bürgerinformation setzen wir den transparenten Umgang der Verwaltung mit der PFC-Problematik konsequent fort. Sie ergänzt die Bürgerinformationsveranstaltungen der betroffenen Stadt- und Landkreise, die verschiedenen Informationsplattformen im Internet sowie unsere für die Öffentlichkeit und Medien eingerichtete Stabsstelle PFC im Regierungspräsidium Karlsruhe", so Regierungspräsidentin Nicolette Kressl zu der Motivation für die Veröffentlichung der 52 Seiten umfassenden Dokumentation.

Das Umweltamt im Landratsamt Rastatt hat, wie in den Vorjahren, auch 2018 ein umfangreiches Oberflächengewässer-Monitoring durchgeführt. Der Umfang wurde dieses Jahr ausgeweitet. In Zusammenarbeit mit dem Umweltamt der Stadt Baden-Baden und dem Gesundheitsamt wurden kreisübergreifend insgesamt 75 Messstellen in Fließgewässern, 29 Seen und 10 Kläranlagenabflüsse auf PFC untersucht. Zusätzlich wurde durch die LUBW auch eine Abflussmessung an ausgewählten Standorten durchgeführt, sodass erstmals auch PFC-Frachten ermittelt werden konnten. 

Da normierte Grenzwerte für Oberflächengewässer bisher nicht existieren, wurden die Gewässer zum einen nach den sogenannten PNEC-Werten zum Schutz der aquatischen Lebensgemeinschaft bewertet, zum anderen wurden die Geringfügigkeitsschwellenwerte (GFS) für Grund- und Trinkwasser zur Orientierung herangezogen. Bei einer Bewertung als Grund- und Trinkwasser zeigt sich bei zehn Messstellen in Fließgewässern und vier Messstellen in Seen eine Überschreitung der GFS-Werte. Der Trend der letzten Jahre wird damit grundlegend bestätigt.

Seit Bekanntwerden der Verunreinigungen von Böden und Grundwasser im Raum Rastatt und Baden-Baden mit PFC im Jahr 2013 haben die Umweltverwaltungen des Landkreises Rastatt und der Stadt Baden-Baden umfangreiche Untersuchungen an mittlerweile über 1.750 Hektar an landwirtschaftlichen Böden durchgeführt. Da sich die PFC über die Böden ins Grundwasser und darüber auch in die Oberflächengewässer verlagern, werden zusätzlich zu den Bodenuntersuchungen auch 860 Grundwassermessstellen und 160 Oberflächengewässermessstellen regelmäßig kontrolliert.

Gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe und der Stadt Baden-Baden veranstaltet die Landkreisverwaltung am Mittwoch, 21. November 2018, um 18.30 Uhr eine weitere Bürgerinformation zur mittelbadischen Belastung von Boden und Wasser mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC). Die Veranstaltung findet im Landratsamt Rastatt statt. 

In Kurzvorträgen berichten Experten über die durchgeführte Blutkontrolluntersuchung. Der Mittelbadische PFC Skandal hat inzwischen Auswirkungen auf die Blutspendendienste. Der DRK-Blutspendedienst hat die direkte Verwendung von Blutplasma aus der Region Mittelbaden am Patienten vorläufig gesperrt. Stell dir mal vor, du bekommst eine lebensrettende Blutspende und später stellt sich raus: Die ist mit einer Chemikalie verunreinigt. Um das auszuschließen hat jetzt das Deutsche Rote Kreuz reagiert.  

In Blutproben von Anwohnern waren höhere Werte der Chemikalie nachgewiesen worden, die über das Trinkwasser in das Blut kam. Personen, die Gemüse und Obst aus den betroffenen Gebieten verzehrten, wiesen hingegen kaum höhere Werte auf als Menschen außerhalb der belasteten Gebiete.  Das DRK hat die direkte Verwendung von Blutplasma aus der Region Mittelbaden an Patienten vorläufig gesperrt. [⇒ Blutplasma aus Mittelbaden vorerst gesperrt]

Über die eingeleiteten Maßnahmen zur Sicherstellung der Wasserversorgung mit einwandfreiem Trinkwasser wird am 21. November ebenso informiert wie über die Gewährleistung unbelasteter Lebensmittel. Beim so genannten Vorerntemonitoring wurden Agrarprodukte von mit der Chemikalie PFC belasteten Flächen in Mittel- und Nordbaden auf Rückstände untersucht. Bereits zu Beginn der Untersuchungen fanden sich höhere Werte bei Spargel, Wintergerste und Winterweizen. Belastete Ware wurde vernichtet - die Äcker mussten anderweitig genutzt werden. In Kartoffeln beispielsweise lagerte sich PFC hingegen nicht ab.

Darüber hinaus wird ausgeführt, wie PFC-Funde in der Bauleitplanung Berücksichtigung finden. Nach den von Regierungspräsidentin Nicolette Kressl moderierten Kurzreferaten besteht die Möglichkeit an Infoständen zu den einzelnen Themenkomplexen mit den jeweiligen Experten zu sprechen. Die Veranstaltung ist bis 21 Uhr angesetzt. 

siehe auch ⇒ PFC im Blut

(Quelle: RPK/HIN)