In Baden lebst du länger

Erstellt: Freitag, 26. Oktober 2018

(joER). Die Bevölkerung Baden-Württembergs war nach Feststellung des Statistischen Landesamtes Ende des Jahres 2017 im Durchschnitt 43,4 Jahre alt. Damit ist das Durchschnittsalter gegenüber 1970 um 8,5  Jahre angestiegen. In den letzten Jahren hat sich diese Kenngröße allerdings aufgrund der starken Zuwanderung insbesondere von jüngeren Menschen kaum mehr erhöht. Zwischen den 44  Stadt- und Landkreisen des Landes zeigen sich bezüglich der Altersstruktur der Bevölkerung deutliche Unterschiede.

Ein neugeborener Junge kann heute in Baden-Württemberg auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von 79,5  Jahren hoffen, ein neugeborenes Mädchen sogar auf 84,0  Jahre. Dies geht aus den jüngsten Sterbetafelberechnungen für den Zeitraum 2015 bis 2017 hervor. Damit liegt die Lebenserwartung Neugeborener nach Angaben des Statistischen Landesamtes um knapp 10 Jahre bei den Frauen bzw. um elf Jahre bei den Männern höher als Anfang der 1970er-Jahre.

Seinerzeit betrug die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt 68,5 Jahre für Jungen und 74,5 Jahre für Mädchen. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sich der Unterschied bei der Lebenserwartung zwischen Frauen und Männern verringert. Damals lebten die Frauen im Schnitt immerhin 6,4 Jahre länger als Männer, derzeit »nur« noch 4,5 Jahre.

Die stetig steigende Lebenserwartung ist vor allem auf die deutlich verringerte Säuglingssterblichkeit zurückzuführen. Diese ist nunmehr auf etwa ein Siebtel des Standes von 1970/72 zurückgegangen. Während Anfang der 1970er-Jahre etwa 20 von jeweils 1' 000 Lebendgeborenen im ersten Lebensjahr starben, sind es gegenwärtig nur ca. drei von 1' 000 Neugeborenen.

Aber auch im höheren Alter hat die Sterblichkeit aufgrund der verbesserten gesundheitlichen Vorsorge und Gesundheitsversorgung beträchtlich abgenommen. So können 75-jährige Männer nach den aktuellen Sterblichkeitsverhältnissen eine weitere Lebensdauer von durchschnittlich 11 Jahren erwarten; Anfang der 1970er-Jahre waren es lediglich etwa sieben Jahre. Bei den 75-jährigen Frauen sind es derzeit sogar 13  Jahre, 1970/72 waren es dagegen nur etwas mehr als acht Jahre.  

Baden-Württemberg hat seit Beginn der 1970er-Jahre im bundesweiten Vergleich regelmäßig die höchste Lebenserwartung Neugeborener. Im Zeitraum 2015/17 lag die Lebenserwartung neugeborener Mädchen in Deutschland bei 83,2  Jahren, die der Jungen bei 78,4  Jahren.1 Damit haben baden-württembergische Knaben bei der Geburt die Aussicht auf eine um 14 Monate höhere Lebenserwartung als im Bundesdurchschnitt, bei den Mädchen sind es immerhin gut 9  Monate mehr.

Verglichen mit den Bundesländern mit der geringsten Lebenserwartung leben Baden-Württembergerinnen im Schnitt 1  Jahr und 9  Monate und Baden-Württemberger sogar 3  Jahre und 4 Monate länger und in Baden-Baden war sie mit 47,3  Jahren mit Abstand am ältesten. Auf der anderen Seite wird das hohe Durchschnittsalter der Bevölkerung in der Stadt Baden-Baden immerhin noch von 27  Gemeinden übertroffen.

Die Gründe für das regional sehr unterschiedliche Durchschnittsalter bzw. Lebenserwartung der Bevölkerung sind vielfältig. Neben Sondereinflüssen, wie ein hoher Studierendenanteil, der Sitz eines Klosters oder die Prägung einer Kommune durch einen Kurbetrieb, dürfte die Altersstruktur der Bevölkerung nicht zuletzt das Bildungsniveau und die daraus resultierende Einkommenssituation sein.

Je besser der Bildungsstand und die Einkommensverhältnisse, desto niedriger fällt tendenziell die Sterblichkeit aus. Die höhere Lebenserwartung der Frauen gegenüber der der Männer ist teilweise genetisch bedingt, vor allem aber auch auf unterschiedliche Verhaltensweisen zurückzuführen: Frauen ernähren sich im Schnitt gesünder; sie setzen sich im Alltag weniger Gefahren aus, verüben deutlich seltener Suizid und nehmen häufiger Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen in Anspruch.

Schließlich ist für die Entwicklung dieser Kenngröße aber auch ganz entscheidend, ob in der Vergangenheit junge oder ältere Menschen per Saldo zu- oder weggezogen sind. Diesbezüglich hat der seit der Jahrtausendwende zu beobachtende Trend, dass vor allem junge Erwachsene verstärkt in die Groß- und Universitätsstädte des Landes ziehen, dazu geführt, dass dort das Durchschnittsalter der Bevölkerung deutlich langsamer als in den meisten kleineren Gemeinden angestiegen ist.

(Quelle: estatis/HIN)