Für Frieden und Europa

Erstellt: Donnerstag, 13. September 2018

(proh). Das Europäische Kulturerbejahr 2018 möchte ein größeres Bewusstsein für den Wert und die grenzüberschreitenden, verbindenden Dimensionen des materiellen und immateriellen Kulturerbes in Europa schaffen. Dazu finden in diesem Jahr europaweit tausende von Veranstaltungen statt. Als ein besonderer Höhepunkt werden am 21. September 2018, dem Internationalen Friedenstag von 18:00 bis 18:15 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, erstmals in der Geschichte europaweit kirchliche und säkulare Glocken gemeinsam läuten und damit ein starkes Zeichen des Friedens senden: 'Friede sei ihr erst Geläute' .

Die Bemühungen um einen Friedens- bzw. Antikriegstag reichen in der Geschichte zurück bis ins Jahr 1845, als sich kirchliche Kreise in Großbritannien dafür einsetzten. In den 1980er Jahren gelang es ihnen, den Sonntag vor Weihnachten zum Friedenstag zu machen. Im Mai 1898 fand die 1. Haager Friedenskonferenz statt, an der Vertreter aus 26 Nationen teilnahmen, der 18. Mai wurde bis zum Jahr 1914 als Friedenstag begangen.

In Deutschland riefen im Jahr 1918 zwei bedeutende, pazifistische Organisationen eine Kampagne ins Leben. Sie stand unter dem Motto "nie wieder Krieg". Im Laufe der Geschichte wurde aus der Antikriegsaktion eine Massenbewegung. Bemerkenswert war auch die Ausweitung auf zahlreiche andere Länder. Heute gilt der 1. September als Antikriegstag in Deutschland.

Der Weltfriedenstag besteht in der Geschichte Deutschlands seit 1966, in der römisch-katholischen Kirche seit 1968 und im Jahre 1981 wurde entschieden, dass der 21. September offiziell als Weltfriedenstag der UNO benannt und gefeiert werden soll. Der International Day of Peace soll die Idee des Friedens innerhalb der Völker und Länder stärken und beobachten. Die Welt, in der wir heute leben, benötigt mehr Frieden, Harmonie, Liebe und Menschen, die zusammenrücken und diese Botschaft im Herzen tragen. 

Das Europäische Kulturerbejahr 2018 wurde durch die Europäische Kommission ausgerufen und wird in Deutschland unter dem Motto SHARING HERITAGE durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz koordiniert. Kommunale Spitzenverbände und Kirchen unterstützen ein gemeinsames Glockenläuten maßgeblich und rufen ihre Mitglieder zur Teilnahme auf. 

Für Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport sind Glocken ein integraler Bestandteil unseres Lebens und unseres Kulturerbes. Sie überwinden Sprache, ihr Klang berührt uns alle und erinnert uns an die Werte, Glaubenssätze und Bräuche, die uns verbinden.

"Das Glockenläuten entspricht voll und ganz dem Ziel, das wir mit dem Europäischen Kulturerbejahres – und darüber hinaus – verfolgen: zusammenzukommen und (neu) zu entdecken, was wir gemeinsam haben. Und uns daran zu erinnern, dass wir stetig daran arbeiten müssen, Frieden, Solidarität und gegenseitiges Verständnis zu bewahren und zu stärken – das Fundament, auf dem unsere Union beruht", erklärt der EU-Kommissar.  

Die Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, Martina Münch, hebt hervor, dass das Europäische Kulturerbejahr mit seinen zahlreichen Projekten und Veranstaltungen in Deutschland bereits viel Resonanz erfährt. Das gemeinsame Glockenläuten ist "ein besonderer Höhepunkt und zugleich ein wichtiges Symbol", so die Präsidentin Münch. "Damit erinnert das Themenjahr auch an das Ende des ersten Weltkriegs vor 100 Jahren und den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges vor 400 Jahren und das unermessliche Leid, das diese Kriege über den Kontinent brachten. Das grenzüberschreitende Glockenläuten ist ein kraftvolles Signal für die Botschaft des Friedens und die Bedeutung des gemeinsamen kulturellen Erbes in Europa."  

Für den Präsidenten des Deutschen Städtetages, Markus Lewe, steht das Glockenläuten insbesondere dafür, sich den Wert des Friedens für Europa gemeinsam zu vergewissern und diesen zu bewahren. "Die deutschen Städte bekennen sich ausdrücklich zu dieser Idee und zur europäischen Integration und sie sind bereit, sich dafür zu engagieren. Europa ist das Fundament für ein friedliches Zusammenleben und für eine prosperierende Entwicklung in den europäischen Städten. Als Oberbürgermeister einer der Städte des westfälischen Friedens fühle ich mich diesem Gedanken besonders verpflichtet. Vielleicht kann ja der Vertrag des westfälischen Friedens von 1648, der nach schwierigsten Verhandlungen ohne Sieger und Besiegte geschlossen wurde, auch ein Modell sein für die Lösung heutiger, globaler Konflikte."  

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund unterstützt das außergewöhnliche Projekt. Dr. Uwe Brandl, Präsident des DStGB: "Kriege und Konflikte bringen weltweit Millionen von Menschen Tod, Leid und Verlust der Heimat. Dies mahnt uns, immer wieder für ein friedliches Miteinander und Zusammenleben einzutreten; eine Herausforderung, der wir uns auch täglich in unseren Städten und Gemeinden stellen. Es gilt, die Werte der Freiheit, der Solidarität und des Friedens zu sichern. Die Glocken in unseren Kirchen, Rathäusern sowie an anderen Orten sind zudem Ausdruck unserer Kultur und auch ein Zeichen unseres Wertefundaments – und das über nationale Grenzen hinaus. Ein europaweites Glockenläuten ist daher ein starkes und hörbares Zeichen für Frieden, Versöhnung und  die Bewahrung unseres europäischen Kulturerbes, das von den Städten und Gemeinden gerne unterstützt wird."  

Das Bonifatiuswerk wird für das europaweite Glockenläuten eine Handreichung für ein Friedensgebet erarbeiten und diese allen katholischen Kirchengemeinden Deutschlands und anderen Interessierten zur Verfügung stellen. Monsignore Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerks der deutschen Katholiken: "Ich freue mich über die Idee eines europaweiten Glockenläutens. Im Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken unterstützen wir diese Initiative. Für mich ist das Läuten der Glocken immer mit der Einladung zum Gebet verbunden. Daher wünschen wir uns auch, dass wir an diesem Tag um das Geschenk des Friedens beten. So zeigen wir draußen, was wir drinnen glauben."

Das Kulturbüro der EKD setzt sich für das Mitwirken der evangelischen Kirchengemeinden ein. "Ein bundesweites Läuten, in dem sich kirchliche und weltliche Glocken verbinden, ist ein wunderbares Zeichen für den Frieden. Dieses gemeinsame Klingen und Schwingen eröffnet die akustische Vision einer europäischen Verständigung ganz anderer Art, die wir dringend nötig haben.", sagt Dr. Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. 

In vielen Orten auf dieser Welt läuten an diesem Tag die Kirchenglocken, um an das mit Kriegen verbundene Leid zu erinnern. Vor 400 Jahren begann der Dreißigjährige Krieg, der 1648 mit dem Westfälischen Frieden zu Ende ging. Die beiden Konfessionen, die sich damals bitter bekämpften, haben heute zu einem guten ökumenischen Miteinander gefunden. Auch in Baden laden viele evangelische Kirchengemeinden für den kommenden Freitagabend zum Friedensgebet ein.  

„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ Diese 70 Jahre alte, klare Botschaft der 1. Vollversammlung des Weltkirchenrates ÖRK 1948 in Amsterdam habe nichts von ihrer Gültigkeit verloren, betont der evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh. Mehr als 40 Millionen Opfer, Tote und Verletzte, des Ersten Weltkriegs, mahnten „uns Nachfolgende, sich für gerechten Frieden, zivile Konfliktlösungen und Gewaltfreiheit einzusetzen“.

Inzwischen verblasse die Erinnerung an die Schrecken der beiden Weltkriege in Europa zunehmend. Nationalistische Parolen und steigende Militärausgaben zeigten, dass „der Krieg wieder zu einem zentralen Mittel der Politik geworden ist, obwohl er in keinem der zahlreichen aktuellen Konflikte in Afghanistan, Syrien, der Ukraine, dem Jemen, dem Südsudan, in Nigeria und anderen Ländern bisher zu nachhaltigen politischen Lösungen geführt hat“, so der Landesbischof.

Im Friedensgebet richten die badischen Kirchengemeinden deshalb am 21. September 2018 gemeinsam mit ihren Geschwistern in der EKD, Europa und weltweit ihr Gedenken an 100 Jahre Ersten Weltkrieg auf den weltweiten ökumenischen Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens heute aus. In Karlsruhe, wo am Nachmittag der internationale Gospelkirchentag auf dem Marktplatz beginnt, werden das Friedensläuten und die Bitte um Versöhnung und Frieden Teil der Eröffnungsveranstaltung sein. Die Glocken erinnern insbesondere an das Ende des ersten Weltkriegs 1918. 

Gerade mit Blick auf den seit Jahrzehnten haltenden Frieden in Europa und der gewachsenen Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich ist es der Stadt Gaggenau ein besonderes Anliegen, sich für den Frieden zu engagieren. So ist die Stadt in diesem Jahr auch der Organisation "Mayors of Peace" (Bürgermeister für den Frieden) beigetreten. Sie setzte damit ein Zeichen für den Frieden und für den Wunsch zur Abschaffung aller Kernwaffen.

Die Fahne "Mayors of peace" wird zu Beginn des Gebetes von den Teilnehmern der Jugendwochen 2016-2018 getragen. Sie alle haben in den internationalen Begegnungen die Städtepartnerschaft gelebt und Freundschaft zwischen den Nationen erlebt. Im Rahmen des Friedensgebetes wird auch Oberbürgermeister Christof Florus auf die Bedeutung des Friedens und dem damit verbundenen gemeinsamen Auftrag für die Partnerstädte eingehen und eine Friedensbotschaft formulieren. Das europäische ökumenische Friedensgebet beginnt um 18 Uhr in der Kirche St. Josef und wird von Pfarrer Tobias Merz sowie Pfarrer Arno Knebel mitgestaltet.

Auch in der Stadt Bühl werden aus Anlass des Internationalen Friedenstags am 21. September von 18.00 bis 18.15 Uhr die Glocken läuten und Rastatt setzt zudem ein Zeichen für den Frieden, indem die Stadt vor dem Historischen Rathaus die Friedensflagge der "Mayor for Peace" hisst. 

Im Anschluss an das Glockengeläut veranstalten die "Christen in Rastatt" in der Evangelischen Stadtkirche in der Herrenstraße ein Friedensgebet, zu dem die Bevölkerung herzlich eingeladen ist. Bei der Gebetsandacht trägt das Team der "Christen in Rastatt" biblische, traditionelle und freie Friedensgebetstexte vor, musikalisch stimmungsvoll begleitet von einer Kirchenband.

◊  siehe auch: Interkulturelle Woche

(Quelle: ZfK/DStGB/StVw/HIN)