Tourismus im Aufwind

Erstellt: Montag, 10. September 2018

LKR Rastatt (proh). Der Fremdenverkehr im Landkreis Rastatt ist offensichtlich aus dem langjährigen Dornröschenschlaf erwacht. Die Ankünfte sind im ersten Halbjahr um 4,8 Prozent auf rund 134'000 gestiegen. Und auch bei den Übernachtungen ist ein deutliches Plus von zwei Prozent zu verzeichnen. Claus Haberecht, Tourismus-Dezernent im Landratsamt und Tourismus-Beauftragter Philipp Ilzhöfer freuen sich darüber, dass die vielfältigen Aktivitäten des Landkreises und der Städte und Gemeinden Früchte tragen. Was tut der Landkreis für den Tourismus? 

Der Tourismus in Baden-Württemberg hat bei allen wirtschaftlichen Kenngrößen enorm zugelegt. Tourismusminister Guido Wolf: "Die Tourismusbranche ist eine Leitökonomie." Nach der Studie "Wirtschaftsfaktor Tourismus für das Bundesland Baden-Württemberg 2017" hat der Tourismus bei allen wirtschaftlichen Kenngrößen gegenüber 2015, dem Bezugsjahr der letzten Erhebung, enorm zugelegt.

Die Zahl der Ankünfte und Übernachtungen stieg auch in den ersten fünf Monaten dieses Jahres wieder an. Insgesamt gaben die Touristen im Jahr 2017 im Land 24,8 Milliarden Euro aus. Das sogenannte Bruttoumsatzvolumen ist damit im Vergleich zu 2015 um mehr als 22 Prozent gewachsen. Davon profitieren auch die Beschäftigten im Tourismusgewerbe, die Löhne und Gehälter in Höhe von 11,6 Milliarden Euro erarbeitet haben.

Auch für den Arbeitsmarkt hat das starke Wachstum des Tourismusgewerbes positive Auswirkungen. Guido Wolf: "Die rechnerische Zahl der Vollzeitarbeitsplätze ist von 326'000 im Jahr 2015 auf 390'000 im Jahr 2017 und damit um fast 20 Prozent gestiegen. Das Tourismusgewerbe ist damit auch ein Jobmotor, der ortsgebundene Arbeitsplätze für Menschen mit ganz unterschiedlichen Berufsqualifikationen schafft."  

Weiter betonte der Minister, dass der Tourismus eine hervorragende Imagewerbung für das Land darstelle. Zudem hob er hervor: "Der Tourismus stärkt gerade auch den ländlichen Raum und geht mit großen Investitionen in die Infrastruktur einher. Die so entstandenen Schwimmbäder, Uferpromenaden und Museen kommen auch den ortsansässigen Bürgerinnen und Bürgern zugute."

Auch der Tourismus in der Barockstadt Rastatt boomt. Untermauert wird das von den neuesten Zahlen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg, das Rastatt mit 83.987 Übernachtungen im ersten Halbjahr 2018 einen neuen Rekordwert bescheinigt.

Franz Reil von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Citymanagement freut es: "Seit 2008 steigen die Übernachtungszahlen bei uns kontinuierlich. Das zeigt: Rastatt wird immer attraktiver für Gäste aus dem In- und Ausland. Zu dieser erfreulichen Entwicklung tragen sicherlich auch unsere vielen Angebote, besonders für Tagestouristen, und Veranstaltungen wie das tête-à-tête bei. Mit der Eröffnung des Ibis Styles Hotels haben die Übernachtungszahlen zudem noch mal einen Aufschwung erlebt."

Schon im Vorjahr hatte die Barockstadt mit 78.702 Übernachtungen eine Bestmarke gesetzt, die nun um 6,3 Prozent gesteigert werden konnte. Ein sattes Plus, das sich auch im Vergleich zum Land und dem Landkreis sehen lassen kann. Generell wird Baden-Württemberg ein immer beliebteres Urlaubsziel. Im Land nahmen die Übernachtungen um 4,1 Prozent zu, im Landkreis Rastatt um 2 Prozent.

Dezernent Claus Haberecht beantwortet Fragen:

Was zeichnet den Landkreis Rastatt touristisch aus?

Ein großer Bonus ist sicherlich die Lagegunst, aber auch die unterschiedlichen Kultur-und Naturlandschaften auf kurzer Distanz, die vielfältigen Angebote, die gute Küche und die Gastfreundschaft der Menschen. Egal welches Wetter, ob Sommer oder Winter, es gibt zahlreiche sportliche Outdoor- und Indoorangebote, viel Kultur und Tradition. Auch die Nähe zu Karlsruhe, Strasbourg oder Baden-Baden ist von Vorteil.

Warum engagiert sich die Landkreisverwaltung im Tourismus?

Der Fremdenverkehr stellt ein wichtiger Wirtschaftszweig dar, den es zu fördern gilt. Immerhin werden 265 Mio Euro jährlich an Bruttowertschöpfung generiert. Dabei steht der Geschäftstourismus an erster Stelle neben dem Tagestourismus.

Wie ist der Tourismus im Landkreis Rastatt organisiert und welche Rolle spielt das Landratsamt? 

Seit fast 20 Jahren gibt es unter der Federführung des Landratsamtes einen Arbeitskreis "Tourismus" mit Vertretern der Städte und Gemeinden und tourismusaffinen Einrichtungen. Er initiiert und organisiert Veranstaltungen, Projekte und Messepräsentationen, die Herausgabe von regionalen Broschüren, Karten und Flyern. Und er wirkt daran mit, die touristischen Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln. Dabei kümmert er sich beispielsweise um Radwege, Wanderwege oder Mountainbike-Strecken. Der Tourismus ist im Landratsamt beim Amt für Strukturförderung angesiedelt. Mit der Einstellung von Tourismusbeauftragten machen wir deutlich, dass uns die Entwicklung dieses Wirtschaftszweiges am Herzen liegt. Dabei ist es unser Hauptanliegen, die Aktivitäten der Städte und Gemeinden zu unterstützen und alle Kräfte zu bündeln.

Was wurde bislang konkret erreicht?

Sicherlich war die Entwicklung einer der höchst zertifizierten Wanderwege Deutschlands, der Murgleiter, einer 106 Kilometer langen anspruchsvollen Strecke mit über 4300 Höhenmeter ein Highlight. Herausragend ist auch die Schaffung des mit 1000 Quadratkilometern größten grenzüberschreitenden Naherholungs-und Freizeitgebietes "PAMINA Rheinpark" mit elf thematischen Museen, zwei Naturschutzzentren, 70 Stationen am Wegesrand und einem 200 Kilometer langen Radewegenetz. Mit dem Ortenauer Weinpfad wurde das Rebland attraktiver gemacht und mit der Tour de Murg, der Hofladentour und dem grenzüberschreitenden Radweg Pamina Süd ein attraktives Radwegenetz entwickelt, das mit dem Naturparkradweg und dem Rheintalweg weiter "verfeinert" wurde. 

Welche Rolle spielen Nationalpark und Naturpark?

Wir dürfen uns glücklich schätzen, mit dem Nationalpark und dem Naturpark ein Mekka für Naturbegeisterte zu sein. Beide Einrichtungen sind Werbeträger für unseren Landkreis und die mittelbadische Region und sicherlich ist der touristische Aufwind auch darauf zurückzuführen.  Während der Nationalpark mit seinem strengen Schutzkonzept und der sich selbst überlassenen Natur lockt, lädt der Naturpark zur Erholung, Freizeitgestaltung und zum Genuss regionaler Produkte ein. Beide Einrichtungen ergänzen sich hervorragend und machen es möglich, den Gästen passgenaue Angebote zu unterbreiten.

Wir sind aber nicht nur für Naturliebhaber attraktiv. Mit der Iffezheimer Rennbahn, Deutschlands größter Freilichtbühne in Ötigheim oder auch dem Unimog-Museum können wir solitäre Besonderheiten bieten. Kulturinteressierte besuchen die Barockresidenz Rastatt oder das Schwarzacher Münster, Geschäftsleute schätzen die kulinarischen Besonderheiten und Tagestouristen genießen die Landschaftsftbereiche Schwarzwald, Rhein und Reben mit Naturpark, Nationalpark, Kaltenbronn und Rheinpark. 

Was ist zu tun, damit der Aufwärtstrend nicht stagniert?

Wir dürfen im Ausbau der touristischen Infrastruktur nicht nachlassen. Städte und Gemeinden und alle im Fremdenverkehr engagierten Organisationen müssen zusammenarbeiten. Und wir müssen unermüdlich bestrebt sein, die Lücken zu schließen. Wir brauchen mehr und neue attraktive Übernachtungsmöglichkeiten. Originelle Ideen, wie beispielsweise die Umnutzung von Heuhütten, sind gefragt.

Wir müssen auch das Gastronomieangebot erhalten und verbessern. Das heißt, wir brauchen mutige und kreative Gastronomen. Wir wollen das Hüttenkonzept umsetzen und für Wanderer und Radfahrer Einkehrmöglichkeiten schaffen und wir planen das Infozentrum Kaltenbronn zu einem Naturerlebnisraum Kaltenbronn weiterzuentwickeln, ebenso wie den Goldkanal zu einem grenzüberschreitenden Freizeitparadies. Außerdem setzen wir weiterhin auf unsere aktiven Vereine, die allerorts und ganzjährig für Einheimische und Gäste interessante Angebote vorhalten. 

(Quelle: Lara/HIN)