Tandem für Klimaschutz

Erstellt: Freitag, 07. September 2018

Ettlingen (joER). Ein Tandem bewegt sich nur dann, wenn man gemeinsam im Takt in die Pedale tritt. Auch bei dem gleichnamigen Projekt zwischen Deutschland und Frankreich klappt es nur, wenn alle Partner sich an einen Tisch setzen für den Klimaschutz und die lokale Energiepolitik. Denn nicht nur Deutschland hat sich energiepolitische Ziele gesetzt, auch Frankreich. Und warum sollte jeder für sich das Rad neu erfinden, wenn man gemeinsam mehr erreicht kann. Dafür steht das Tandem-Projekt. Ein Vorzeigetandem ist Epernay-Ettlingen, das nun Gewinner ist mit seiner Energieolympiade.

Das von den beiden Städtenetzwerken Klimabündnis und "Energy Cities" durchgeführte und gemeinsam vom Umweltbundesamt und der französischen Energieagentur ADEME finanzierte Projekt "Tandem" bietet Kommunen beider Länder die Gelegenheit zum Austausch und zur Bildung einer Klimapartnerschaft. Wesentliche Ziele sind dabei, den Informationsaustausch über Hindernisse und Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung ambitionierter Energie- und Klimaziele zu unterstützen und dadurch den wechselseitigen Know-How-Transfer zu fördern.

Die beiden Partnerstädte hatten sich entschlossen, die Ziele von "Tandem" auf kommunaler Ebene umzusetzen und auf Verwaltungs- bzw. Fachebene eine Klimaschutzpartnerschaft einzugehen. Dadurch sollte eine enge Zusammenarbeit beider Länder auf der kommunalen Ebene unter Einbeziehung der dort engagierten Akteure und Bürger angeregt und unterstützt werden. 

"Unsere Herzen schlagen im gleichen Rhythmus" und man könne stolz sein, viele gemeinsame Projekte verwirklicht zu haben. Hier nannte Arnold die erfolgreiche Kooperation zwischen Schulen beider Städte unter dem Dach des Tandem Projektes, das mit großem Engagement der Ettlinger Stadtwerke seit einigen Jahren junge Menschen zusammenführt, die sich über Nachhaltigkeit insbesondere bei der Energieversorgung Gedanken machen.

16 Tandems hatten teilgenommen, sechs wurden prämiert. Mit dieser Auszeichnung kehrte in dieser Woche nun Stadtwerkegeschäftsführer Eberhard Oehler von Montreuil bei Paris zurück, wo auf einer Konferenz innovative Instrumente der Pionierregionen der Energiewende in Deutschland und Frankreich vorgestellt wurden.

"Bei unserer Olympiade treten das Stephane-Hessel-Gymnasium in Epernay sowie die Anne-Frank-Realschule und das Albertus-Magnus-Gymnasium in einen "energiereichen" Wettstreit, sprich durch Verhaltensänderungen oder durch gering investierte Maßnahmen den Energie- und Wasserverbrauch in den jeweiligen Schulgebäuden zu reduzieren.

Langfristig ist das Projekt angelegt. Bis 2020 soll es laufen und setzt dadurch auch neue Impulse bei dem Schüleraustausch, für Oehler ein wichtiger Mosaikstein innerhalb des Tandem-Projektes zwischen Ettlingen und Epernay, das seit 2014 läuft sowohl auf Schul- aber auch auf der Ebene zwischen den Mitarbeitern des Service Technique der Stadt Epernay und der Stadtwerke Ettlingen. 

"Ich hatte nicht erwartet, dass es so toll läuft. Wir haben gelernt, dass die Energiewende keine deutsche Erfindung ist, sondern auch Frankreich große Anstrengungen unternimmt für den Klimaschutz." Es freue ihn, dass die Ettlinger und Epernayer Schüler erkannt haben, es geht bei dem Projekt um ihre Zukunft.

Entsprechend engagieren sich die Jugendlichen, die mit der Auszeichnung für ihre Olympiade auch einen Gewinn von 6'000 Euro erhalten. Zurückliegend haben die Schüler über die Herstellung von Dämmplatten mit phasenwechselfähigen Materialien geforscht.

Ende des Jahres wird ein weiteres Projekt an den Start gehen, ein Energieberatungsbus. "Wir waren uns schnell mit unseren Epernayer Kollegen einig, dass wir zu den Menschen müssen, um sie über Energieeinsparmaßnahmen zu informieren". Abwechselnd wird der Bus in beiden Gebieten unterwegs sein, bei uns wird er die Stadtteile, das Albtal und jene Gemeinden ansteuern, die "wir mit Gas versorgen", ließ Oehler wissen. Epernay erhielt eine 80-prozentige Förderung für dieses Projekt.  

"Auf der Konferenz in Montreuil habe ich nicht nur Anregungen für weitere Projekte gesammelt", so der Stadtwerkechef. Es wird möglicherweise ein Quartett geben. Das Ecokids-Projekt von Montreuil hat auch das Tandem Karlsruhe-Nancy sehr beeindruckt, so dass es hier bei der Erziehungsschulung für Kindergartenkinder einen Schulterschluss zwischen den vier Städten geben könnte.

Der Austausch durch die Tandems gibt aber auch andere Anstöße. So möchten Städte wie Grenoble oder Lorient ihre Energieversorgung bündeln und Stadtwerke gründen. Gerade durch die Kleingruppenarbeit bei der Konferenz lernen wir viel über einander, und Frankreich und Deutschland wachsen noch stärker auf kommunaler Ebene zusammen.

Ende Januar 2019 wird es erstmals eine deutsch-französische Energiewendewoche geben.  Erinnert sei, die Idee zur Tandem-Partnerschaft entstand auf der Konferenz "Transition énérgétique vs Energiewende", veranstaltet vom Städtenetzwerk Energy Cities, dem Klima-Bündnis sowie der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. Gefördert wird Tandem von der französischen Umwelt und Energieagentur ADEME und dem deutschen Bundesumweltamt.

(Quelle: StVwEtt/HIN)