Spuren der alten Landesgrenze

Erstellt: Montag, 30. Juli 2018

Rastatt (joER). Die ehemalige Landesgrenze zwischen dem Großherzogtum Baden und dem Königreich Württemberg verläuft entlang der Landkreisgrenze und teilweise sogar durch den Landkreis Rastatt. Die ehemalige Grenze ist anhand der alten Grenzsteine auf den Landkreisgemarkungen bis heute erkennbar und kann bei einer Wandertour erkundet werden. „Wer in den Ferien die ehemalige Landesgrenze erwandern möchte und ein wenig in die Geschichte eintauchen will, kann dies etwa auf dem Historischen Grenzweg Michelbach – Moosbronn – Bernbach tun“, erklärt Wolf-Dieter Simmank.

Unter dem Herrschaftseinfluss Napoleons und durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803, den Preßburger Frieden von 1805 und die Rheinbundakte von 1806 wurden das Großherzogtum Baden und das Königreich Württemberg gebildet. Aus vielen kleinen Herrschaftsgebieten wie unter anderen die Reichsstädte, geistlichen und weltlichen Herrschaften entstanden zwei große Territorien mit einer gemeinsamen Grenze.  

In den folgenden Jahren sollte in den beiden Ländern Baden und Württemberg eine Landesvermessung durchgeführt werden, um ein gerechtes und einheitliches Grundsteuerkataster einzuführen und den Grundbesitz dauerhaft zu sichern. Des Weiteren sollten landesweit topographische Karten zu Planungszwecken geschaffen werden. Aufgrund der damaligen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Arbeiten zu unterschiedlichen Zeiten in Baden und Württemberg begonnen.  In Württemberg wurde die Landesvermessung durch König Wilhelm I. mit dem Dekret vom 25. Mai 1818 angeordnet.

Der Beginn erfolgte im gleichen Jahr im Oberamt Tübingen und der Abschluss im Juli 1840 im Oberamt Tuttlingen. In Baden war die Rechtsgrundlage das „Gesetz, die Vornahme einer stückweisen Vermessung sämtlicher Liegenschaften des Großherzogtums betreffend“ vom 26. März 1852. Begonnen wurde 1853 in Offenburg und das Ende der Katastervermessung war 1934 bei Tauberbischofsheim.  

Die beiden Katasterwerke entwickelten sich individuell und wurden erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts in Baden-Württemberg zusammengeführt. Aufgrund des späteren Beginns in Baden wurden modernere Messverfahren eingesetzt oder auch eine andere Maßeinheit, der badische Fuß mit 30 Zentimeter, verwendet. Diese länderspezifischen Besonderheiten sind auch heute noch bei Liegenschaftsvermessungen zu beachten, sofern die Ergebnisse der damaligen Vermessungen noch maßgebend sind.  

Im Rahmen dieser Vermessungen wurde auch die Landesgrenze von beiden Ländern im jeweiligen Koordinatensystem aufgenommen – so auch in Loffenau und Moosbronn. „Im Bereich dieser Gemeinde bzw. dieses Ortsteils verläuft die ehemalige Landesgrenze nun tatsächlich innerhalb des Landkreises Rastatt“, erklärt Wolf-Dieter Simmank, der Leitende Fachbeamte für Vermessung und Flurneuordnung im Landratsamt.  

Das über 700 Jahre alte Loffenau unterstand zunächst den Herren von Eberstein, die es 1297 an das Kloster Herrenalb verkauften, wodurch es 1338 zu Württemberg kam. Zum Klosteramt Herrenalb gehörte Loffenau bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Mit der Neugliederung nach den Gebietszuwächsen aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses wurde die Gemeinde dem Oberamt Neuenbürg zugeordnet, das 1938 im Landkreis Calw aufging. Im Rahmen der Kreisreform von 1973 kam der Ort als einzige Gemeinde dieses württembergischen Kreises zum Landkreis Rastatt.

Zwischen Loffenau und der Nachbargemeinde Gernsbach verläuft die historische Grenze zwischen Baden und Württemberg. Moosbronn gehörte ebenfalls den Grafen von Eberstein und die von den Grafen gestifteten Klöster Herrenalb und Frauenalb erlangten Besitzungen in Moosbronn. Im 14. Jahrhundert ging die Vogtei über Herrenalb an Württemberg, die über Frauenalb an Baden.

Die Landesgrenze verlief daher durch den Ort, wobei der württembergische Teil von der Gemeinde Bernbach, der badische von Freiolsheim verwaltet wurde.  1971 wurde Freiolsheim mitsamt seinem badischen Anteil an Moosbronn in die Stadt Gaggenau eingemeindet. Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurde auch der einst württembergische Ortsteil 1972 nach Gaggenau „umgegliedert“ bzw. vom Landkreis Calw an den Landkreis Rastatt übertragen, womit die Teilung des Ortes ein Ende hatte.

Dass die Grenze zwischen dem Großherzogtum Baden und dem Königreich Württemberg einst mitten durch Moosbronn ging, kann vor Ort erkundet werden. Ein alter Grenzstein neben der Wallfahrtskirche und eine „Landesgrenzpyramide“ sowie eine Hinweistafel dokumentieren diese historische Besonderheit. „Die Bedeutung der ehemaligen Landesgrenze spiegelt sich in dem wuchtigen Grenzstein wider“, informiert Carolin Schaal, die bei der Vermessungsbehörde den Sachbereich Liegenschaftsvermessung leitet.  

Übrigens war diese Grenze gleichzeitig auch Konfessionsgrenze. Der badische Teil war katholisch, der württembergische evangelisch. Diese Trennung bezüglich des Besuchs der jeweiligen Kirche und auch der zuständigen Schule wurde strikt eingehalten, wie ein ortsansässiger Zeitzeuge zu berichten weiß.

(Quelle: Lara/HIN)