Wer wohnt wie?

Erstellt: Freitag, 27. Juli 2018

(joER). 98 Prozent von rund 6'000 befragten Haushalten in der 'HardtIN'-Region sind "sehr zufrieden" oder "zufrieden" mit der eigenen Wohnsituation. Das ist die Bilanz einer im Sommer 2017 durchgeführten Umfrage. Im Regionsdurchschnitt wollen lediglich rund drei Prozent der Befragten in den kommenden Jahren umziehen. Dahinter steht zumeist der Wunsch nach Wohneigentum oder Änderungen der Haushaltsgröße. Beteiligt waren die Stadt Karlsruhe, der Landkreis Karlsruhe, der Landkreis Rastatt, sowie die Stadt Baden-Baden.

"Wer hier wohnt, möchte bleiben. Entsprechend speist sich auch die Nachfrage nach neuem Wohnraum mehrheitlich aus der eigenen Gemeinde. Das spricht für die Attraktivität unserer Region", freut sich Verbandsvorsitzender Dr. Christoph Schnaudigel. Der Karlsruher Landrat sieht darin gleichzeitig eine Bestätigung für die bisherige Wohnraumpolitik im Rahmen der Regionalplanung. "Bei uns sind es laut der Studie über achtzig Prozent der umzugswilligen Haushalte, die sich explizit innerhalb von Karlsruhe nach einem neuen Wohnstandort umschauen", ergänzt Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup. Gleichzeitig verzeichne Karlsruhe regionsweit die größte Zahl der befragten Haushalte (54,7%), die Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche angegeben haben. "Die Anspannung des Wohnungsmarktes in und um das Oberzentrum wird dabei deutlich."

Bei der Beurteilung der Qualität des Wohnumfeldes - 98 Prozent der Befragten sind damit zufrieden bis sehr zufrieden - spielen die "kurzen Wege" zu verschiedenen Infrastruktureinrichtungen, wie Nahversorgung, ärztliche Dienstleistungen oder Gastronomie und Freizeiteinrichtungen, laut Umfrageergebnis eine wichtige Rolle. Auch ein guter Anschluss an den ÖPNV zählt zu den zentralen Standortkriterien. Speziell bei Familien punktet zudem die Nähe zu Betreuungs- und Bildungseinrichtungen.

Das sind gleichzeitig die Kriterien, die bei einem Umzug die neue Adresse mitbestimmen. Die Umzugsbereitschaft ist im Oberzentrum und den großen Kreisstädten höher, in den anderen Gemeinden aufgrund der hohen Eigentümerquoten und einem höheren Altersdurchschnitt geringer.

Hintergrund der Befragung ist die zunehmende Nachfrage nach Wohnraum in Verbindung mit einem angespannten Wohnungsmarkt, vor allem in Karlsruhe. Die Ergebnisse sollen als Entscheidungshilfe bei der Wohnraumentwicklung dienen und auf andere badenwürttembergische Regionen übertragbar sein.

"Gute Wohnstandards und intakte Städte sind für unsere Lebensqualität von großer Bedeutung. Die Ergebnisse der Studie 'Wer wohnt wie?' zeigen, wie unterschiedlich die Anforderungen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen an ihre Wohnung und ihr Wohnumfeld sind. Deshalb liefert uns diese landesweit beispielhafte Studie wertvolle Anhaltpunkte, um ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen", betonte Katrin Schütz, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau.

Das Wirtschaftsministerium hatte die Studie gefördert. Die Fragen an die rund 6'000 repräsentativ ausgewählten Haushalte thematisierten die derzeitigen Wohnverhältnisse, also zum Beispiel Wohnform, Wohnungsausstattung und Modernisierungsstand. Ein weiterer Aspekt der Befragung war die wohnbegleitende Infrastrukturausstattung (Geschäfte zur Nahversorgung, Betreuungs- und Bildungseinrichtungen usw.). Ob, wo und bei welchen Bevölkerungsgruppen in den kommenden zwei Jahren Umzugsabsichten bestehen, wollten die Interviewer ebenfalls wissen. Nicht zuletzt war die Einschätzung hinsichtlich der Eignung der Wohnung für die ältere Generation gefragt.

Ziehen immer mehr Menschen in die Stadt?

Für die Analyse "Trend Reurbanisierung? Analyse der Binnenwanderung in Deutschland 2006 bis 2015" hat das ILS detailliert herausgearbeitet, dass neben den Großstädten auch Klein- und Mittelstädte vom Zuzug aus dem Umland profitieren - auch wenn nicht alle kleineren Städte in Deutschland von dieser Entwicklung profitieren können. Daneben konnte ein sogenannter "Überschwappeffekt" der Großstädte nachgewiesen werden.

Das heißt, besonders die großen Großstädte verlieren zunehmend Bevölkerung an ihr direktes Umland, den "Speckgürtel". In den ländlichen Räumen setzt sich zudem die kontinuierliche Abwanderung dünn besiedelter Gebiete fort - allerdings auf einem relativ geringen Niveau. Strukturschwache Regionen jenseits städtischer Verdichtung sind dabei besonders von Schrumpfung betroffen.

So heterogen die Entwicklungen auf regionaler Ebene sind, so vielfältig sind die Gründe für Bevölkerungsbewegungen innerhalb Deutschlands: Sie reichen vom Umzug wegen eines Arbeitsplatzwechsels oder in besseren - und vor allem bezahlbaren - Wohnraum bis zum Wunsch, im Alter in der Nähe der Kinder zu leben. "Neben den steigenden Mieten, insbesondere in großen Städten, gibt es ein ganzes Bündel von Motiven für einen Umzug in eine kleinere Stadt", so Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung.

Daten zeigen, dass hohe Mieten ein starker Treiber für Bevölkerungsbewegungen sind ("Mietspiegel").  Aber auch die jeweilige Lebensphase der Menschen spielt eine wichtige Rolle für die Wanderungsbewegungen in vier verschiedenen Altersgruppen: Die jüngere Generation in Ausbildung und Studium zieht eher in die Großstadt, während Familien oder die älteren Generationen auch gerne in kleinere und mittlere Städte ziehen.

"Für die kleinen und Mittelstädte ist dieser Trend eine Chance für Wachstum", so Mohn weiter. "Damit diese Städte auch in Zukunft für die Menschen als Lebensort attraktiv bleiben, ist eine moderne und funktionierende Infrastruktur eine zentrale Voraussetzung. Hier sind die Kommunen in der Pflicht, bei Investitionen und Stadtplanungen die richtigen Prioritäten zu setzen.

Wenn man dabei an den öffentlichen Personennahverkehr, ärztliche Versorgung oder Breitbandausbau denkt, ist klar, dass viele kleinere Städte dies nicht ohne Unterstützung von Land und Bund schaffen können", so Petra Klug, Kommunalexpertin der Bertelsmann Stiftung. Erkenntnisse über Binnenwanderung für Stadtentwicklung nutzen  Neben der gestiegenen Zuwanderung nach Deutschland zählen Binnenwanderungen zu den entscheidenden Faktoren, die die Entwicklung und Zusammensetzung der Bevölkerung in den Städten und Gemeinden beeinflussen. Sie verändern die Alters- und Sozialstruktur der Bevölkerung maßgeblich - mit Konsequenzen für das Gemeinwesen.  

Damit die verantwortlichen Entscheider in den Kommunen die richtigen Weichen für kommunale Planungen stellen, ist eine kleinräumige Betrachtung von Wanderungsbewegungen und die Analyse der Daten von entscheidender Bedeutung. Neben den Zu- und Fortzügen gilt dies vor allem auch für die Entwicklung in den verschiedenen Altersgruppen. So können aktuelle Trends der Raumentwicklung differenziert erkannt und für eine zukunftsfähige Kommunalpolitik verwendet werden. Zusatzinformationen

 Für diese Auswertung hat das ILS im Auftrag der Bertelsmann Stiftung das aktuelle Wanderungsgeschehen auf Basis eines umfangreichen Datensatzes untersucht; er enthält Informationen über Fortzüge, Zuzüge und Wanderungssalden für die Jahre 2006 bis 2015 zu rund 1,2 Millionen Wanderungsströmen von den Gemeinden mit mehr als 5'000 Einwohnern in alle Kreise des Bundesgebietes. 

Ergebnisse der Studie 'Wer wohnt wie?'

Ergebnisse der Studie' Trend Reurbanisierung'

(QUELLE: RV.mo/HIN)