Welt-Emoji-Tag

Erstellt: Dienstag, 17. Juli 2018

Ähnliches Foto(proh). Weltweit feiern Fans am 17. Juli, dem Welt-Emoji-Tag, die Symbole, die aus der digitalen Kommunikation nicht mehr wegzudenken sind. Prof. Dr. Wera Aretz, Psychologieprofessorin und Studiendekanin für Wirtschaftspsychologie (B.Sc.) hat sich in einer aktuellen Studie mit der Frage auseinandergesetzt, warum Emojis mittlerweile so häufig genutzt werden, wie sie wirken und welche Geschlechterunterschiede es bei der Verwendung gibt. Sie sind die erste echte universale Sprache. Die positive Wirkung dieser kleinen, digitalen Alltagssymbole für Gefühle und Situationen wird oft eingeschätzt.

Ob Freude, Leid oder Ärger, um Emotionen in Textnachrichten auszudrücken oder zu verstärken, verwenden Nutzer häufig Emojis. Insgesamt sind heute mehr als 2'300 Symbole in Gebrauch und es werden stetig neue entwickelt. Die Beherrschung von Emojis gehört inzwischen zur digitalen Alphabetisierung - wer Emojis ablehnt, schließt sich digital aus. Sie stellen keine Rückentwicklung in vorschriftliche Zeiten, sondern einen weithin unterschätzten sprachlichen, kulturellen als auch technologischen Fortschritt dar. 

Prof. Dr. Wera Aretz ist in einer Umfrage folgenden Fragen nachgegangen:

Bevorzugen Frauen und Männer andere Emojis?

Und welche Wirkung haben die Symbole? 

Dazu wurden 264 Personen mithilfe eines Onlinefragebogens befragt. Darunter waren 157 Frauen und 107 Männer im Alter zwischen 12 und 92 Jahren. Untersucht wurden Nutzungshäufigkeit und -motive, Lieblings-Emojis und Geschlechterunterschiede. Das Ergebnis zeigt: Insgesamt verwenden 99 Prozent der Befragten beim Verfassen von Nachrichten Emojis.

Emoji-Erfinder nahezu unbekannt

Der damals 25-jährige Shigetaka Kurita war Mitarbeiter des japanischen Mobilfunkanbieters NTT CoCoMo als er 1998 binnen eines Monats die ersten 176 "Ideogramme" kreierte. Er wirkte an der Entwicklung des Portaldienstes "i-mode" für Mobiltelefone mit, dessen Nachrichten auf eine Länge von 250 Zeichen begrenzt waren. Eine prägnante Form der kurzen Mitteilungsmöglichkeit war dadurch zwingend.

"Die digitale Nachrichtenübermittlung hatte damals gerade erst angefangen", erzählt Kurita, der heute im Vorstand des Tokioter Technologieunternehmens Dwango tätig ist. "Also habe ich mir überlegt, was gebraucht wird. Wäre ich nicht darauf gekommen, dann halt ein anderer." Mit einfachen Linien griff er auf allgemeinverständliche Piktogramme zurück und gestaltete fünf runde Gesichter mit den Emotionen glücklich, ein wütend, ein traurig, überraschte und ein verwirrt. Die Bezeichnung ist zusammengesetzt aus den japanischen Wörtern für "Bild" und "Buchstaben", "e" und "moji", also "Bildschriftzeichen".

Auf Anhieb wurden die Emojis beim Start von i-mode im Jahr 1999 in Japan zum Hit.  Im Jahr 2010 waren die zwölf mal zwölf Pixel großen Bilder vom internationalen Standard Unicode anerkannt worden. Seitdem verwendet jedes Telefon- oder Betriebssystem, das diesem Standard folgt, dieselben Ideogramme. Die Emojis wurden damit zu universellen Sprache.

Die Magie und damit der Erfolg der Emojis liegt vor allem darin, dass man sich mit Sätzen wie "Ich bin traurig" oder "Ich hab dich gern" oft schwer tut. Ein weinendes Emoji oder eine der vielen Herzvarianten dagegen ist wesentlich einfacher zu übermitteln und zugleich eine sehr präzise emotionale Kommunikation, die heute verfügbar ist.

Soziale Normen in der Kommunikation

Emojis, die für positive Emotionen stehen, wie intensive Freude, ein liebevoller Kuss, Leidenschaft und Liebe, Glück oder Zustimmung, kommen besonders häufig zum Einsatz. Vergleichsweise selten werden Piktogramme genutzt, die Naturereignisse wie Feuer oder Sonne symbolisieren. Nach wie vor erfreut sich der Freude-Emoji mit den Lachtränen über die größte Beliebtheit, dicht gefolgt vom Herzkuss-Emoji, dem Herzaugen-Emoji und dem Daumen-hoch-Emoji.

Frauen drücken ihre Gefühle eher mit Emojis aus als Männer Signifikante Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der Häufigkeit der Nutzung zeigten sich bei 14 von 22 Items. Insgesamt gaben Frauen weitaus häufiger an, Emojis zu verwenden, als Männer. Frauen nutzen dabei eher Emojis, die Furcht und Trauer, Wut und Ekel, Liebe und Herzlichkeit symbolisieren.

Männer hingegen verwenden mehr Emojis, die Ironie ausdrücken, und zeigen ihre Zustimmung öfters mit dem Zeichen für "Daumen hoch".  Wirkung von Emojis Ob Emojis überhaupt zum Einsatz kommen, hängt den Studienergebnissen zufolge auch davon ab, ob die zuvor empfangene Nachricht Emojis beinhaltet. Nutzt der Sender keine, tendiert man dazu, selbst auch eher Textnachrichten ohne Symbole zu schreiben.

"Emojis bilden daher sozialen Normen in der Kommunikation und ihr Einsatz kann als soziale Anpassung verstanden werden", so Aretz.  Die Wirkung von Emojis in der textbasierten Kommunikation wurde experimentell untersucht. Teilnehmer der Studie erhielten entweder einen Text ohne oder mit Emojis und sollten den Verfasser des Textes einschätzen.

Der Verfasser des Textes mit Emojis wurde als deutlich sympathischer eingeschätzt; der Verfasser des Textes ohne Emojis als durchsetzungsstärker und selbstbewusster. "Emojis beeinflussen also, wie jemand wahrgenommen wird. Sie können daher auch zur strategischen Eindruckssteuerung genutzt werden", fasst die Psychologin zusammen.

(Quelle: hs-fresenius/HIN)