Daten verhökern?

Erstellt: Donnerstag, 12. April 2018

(Hero). Der Vorschlag von DStGB-Hauptgeschäftsführer Dr. Gerd Landsberg, Daten aus der kommunalen Sphäre unter Umständen auch gegen Entgelt anzubieten, hat für viel Interesse und Aufmerksamkeit gesorgt. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund bezieht seinen Vorschlag explizit nicht auf die Weitergabe von personenbezogenen oder schutzwürdigen Daten. Auch eine Weitergabe aggregierter, anonymisierter Datenbestände zu Einwohnern, wie sie etwa (rechtlich zulässig) von der Deutschen Post praktiziert wurde, ist nicht Bestandteil unseres Vorschlages.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) hat den Kommunen empfohlen, mit Daten zu handeln. Daten seien das "Öl des 21. Jahrhunderts". Nicht nur der zuständige Wirtschaftsverband sieht dieses Ansinnen kritisch: Daten seien ein Mittel der Wirtschaftsförderung. Auch die Städte haben Bedenken.

"Also ich wundere mich schon etwas, wie meine Äußerungen eine Empörungswelle ausgelöst haben. Es geht um etwas ganz anderes. Es geht nicht um die persönlichen Daten der Bürger, sondern es geht um die Frage: 'Inwieweit ist eine Kommune, die unter großem Aufwand Daten erhoben hat, die nicht personenbezogen sind, verpflichtet, diese der Wirtschaft unentgeltlich zur Verfügung zu stellen'. Wir sind nach dem Open Data-Gesetz der Länder ja teilweise jetzt schon verpflichtet, diese Daten der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Mir geht es um die Frage: Ist das richtig und sollen wir dazu unentgeltlich verpflichtet sein, obwohl wir mit dem Geld der Bürger diese Daten erhoben haben?", so Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes. 

Der überwiegende Anteil von Daten, die in Kommunen anfallen, sind personenunabhängige Datenbestände - unter anderem Klimadaten, Katasterdaten, Geodaten, Emissionswerte. Daten zur Lärmbelastung, zur Mobilitätsanalyse oder zur Belastung der Kanalisation bei Starkregen können von kommerziellem Interesse für Unternehmen sein. Hier ist es Ziel des DStGB, dass die Kommune selbst entscheiden kann, ob, wann, an wen und zu welchen Bedingungen - gegebenenfalls auch entgeltpflichtig - sie diese Datenbestände weitergibt.

In dem Moment, in dem diese Daten für ein kommerzielles Interesse genutzt werden, soll es in der Entscheidung jeder einzelnen Kommune liegen, ob und zu welchen Konditionen sie diese Daten abgibt.  Eine pauschale Verpflichtung zur entgeltfreien Weitergabe, wie der Bund sie für seine Behörden im Open Data Gesetz vorsieht, sieht der DStGB in der Rigorosität eher kritisch. Der DStGB ist nicht gegen Open-Data. Es ist allerdings das Ziel, dass die Kommunen in eigener Regie entscheiden, wie, wann und zu welchen Bedingungen sie Daten veröffentlichen.  

Der Vorstoß des DStGB geht dahin, dass bei offensichtlichem Gewinnerzielungsinteresse der Abnehmer die öffentliche Hand die Möglichkeit bekommen sollte, den „Rohstoff“ Daten zu einem angemessenen Entgelt anzubieten. Es sollte auch den Städten und Gemeinden überlassen sein, ob etwa eine Gebühr „nur“ die Kosten abdeckt, die der Kommune durch die Erhebung der Daten sowieso entstehen, oder ob darüber hinaus ein Entgelt erhoben wird, das sie zum Vorteil der Bürgerinnen und Bürger nutzen, um die Lebenssituation in der Kommune zu verbessern.

Bei dem Vorschlag, nicht alle kommunalen Daten zwingend kostenfrei zur Verfügung zu stellen geht es auch darum, die Augenhöhe zwischen öffentlichem Sektor und der Privatwirtschaft zu wahren. "Diese Diskussion muss man sachlich führen dürfen, ohne dass es gleich heißt: 'Ihr seid die Facebooks.' ", fordert Gerd Landsberg, und "nein, die Facebooks sind wir gerade nicht." Völlig unstrittig ist, dass die Kommunen auch in Zukunft den Datenschutz strikt beachten werden.

(Quelle:  DStGB/HIN)